Der Dritte Orden
Der Weltliche Dritte Orden
und der Regulierte Dritte Orden

Franziskus und Klara waren Teil der Bußbewegung des 13. Jahrhunderts. Franziskus nannte sich und seine Gefährten „Büßer von Assisi“. Diese Bewegung bestand vor allem aus Laien. Ein Teil trat in die sich bildenden franziskanischen Frauen- und Männerorden ein, ein größerer Teil lebte die franziskanischen Ideale in der „Welt“. An diese richtete sich Franziskus in seinem „Brief an die Gläubigen“. Erst im Jahr 1289 gab P. Nikolaus IV. dem nun so genannten „Dritten Orden“ seine erste Regel. Die Mitglieder wurden als „Terziaren“ (lat. tertium = das Dritte) bezeichnet. Ihnen war es verboten, Waffen zu tragen und den Lehnseid zu schwören, wodurch sie quasi eine „Friedensbewegung“ waren. Neben der Pflege der persönlichen und gemeinschaftlichen Frömmigkeit, widmeten sich die Mitglieder des Dritten Ordens in vielfältiger Weise sozialen Aufgaben.

Der Dritte Orden besteht heute aus zwei Zweigen: einem saekulierten und einem regulierten. Der saekulierte Dritte Orden erhielt zunächst 1893 durch P. Leo XIII. eine neue Regel. Die derzeit gültige wurde im Jahr 1978 durch P. Paul VI. bestätigt. Zugleich wurde er offiziell in „Ordo Franciscanus Saecularis“ (OFS) umbenannt. In Deutschland hat sich der Name „Franziskanische Gemeinschaft“ (FG) eingebürgert. Die verschiedenen Frauen- und Männergemeinschaften des Regulierten Dritten Ordens „Tertius Ordo Regularis” (TOR) sind häufig unter dem Namen des Ortes bekannt, an dem sich ihre Hauptniederlassung (Generalat / Provinzialat) befindet.

Das gemeinsame Charisma der Mitglieder des Dritten Ordens liegt in der Verwirklichung der franziskanischen Ideale in der Hinwendung zur Welt, sei es in Form des aktiven sozial-pastoral geprägten Ordenslebens, sei es in Form des beruflich-familialen Laienlebens in der Gesellschaft.

Der Weltliche Dritte Orden
Ordo Franciscanus Saecularis (OFS)
[Franziskanische Gemeinschaft]

Viele Christen, Frauen und Männer, Ledige und Verheiratete, Laien und Kleriker haben sich seit den Anfängen der franziskanischen Bewegung im 13. Jh. durch Franz von Assisi begeistern lassen und den Weg in den weltlichen Dritten Orden gefunden.
Eine Liste von "prominenten" Mitgliedern des OFS findet sich unter: www.ofs-duesseldorf.de

Neben den klösterlichen Zweigen ist der OFS ein eigenständiger weltlicher Zweig der Franziskanischen Familie. So unterschiedlich wie die Schwestern und Brüder des OFS sind, so sind es auch ihre Berufungsgeschichte. Jede/r soll sich selbst einbringen, in Familie und Beruf, in Kirche und Gesellschaft, um dem Auftrag der Erneuerung von Kirche und Welt mitten unter den Menschen gerecht zu werden. Nach einer Probezeit, in der eine Einführung in die Lebensweise der Gemeinschaft erfolgt, binden sich die Mitglieder durch ein Versprechen, das Evangelium Jesu Christi zu leben. Sie nehmen sich in ihrem Alltag Zeit für Gebet und Schriftlesung und suchen ihren Glauben in Wort und Tat zu bezeugen. Die Schwestern und Brüder helfen einander, ihren Weg der Christusnachfolge im Alltag zu leben. Die Zusammenkünfte dienen der Stärkung des Miteinanders durch Gebet, Gespräch und Geselligkeit.

Darüber hinaus engagieren sich die Mitglieder als Einzelne oder als Gruppe auf verschiedene Weise: z.B. im sozial-caritativen Bereich, in Bewegungen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, in der Missionsarbeit und in der Nichtregierungsorganisation „Franciscans International“. Seit dem von P. Johannes Paul II. 1986 in Assisi initiierten Gebet der Religionen beteiligt sich der OFS regelmäßig an der Fortführung dieses Friedensgebetes. Der OFS ist weltweit verbreitet und gliedert sich auf verschiedenen Ebenen in eine lokale, regionale, nationale und internationale Gemeinschaft. Auf jeder Ebene wird ein Leitungsteam gewählt.
 
Mehr unter www.ofs.de

Der Regulierte Dritte Orden

Die ersten Terziaren nannte man auch: „Brüder und Schwestern von der Buße, die in ihren eigenen Häusern wohnten.“ Aber bereits am Ende des 13. Jahrhunderts finden sich Gruppen von Terziaren mit gemeinsamer Wohnung, die sich in ihrer ganzen Struktur deutlich vom Dritten Orden für die Laien in der Welt unterscheiden. Auch nahmen um 1300 viele Beginen-Klöster die Regel für den Dritten Orden an. Die ersten Ansätze zu solchen Klöstern auf der Basis dieser Regel finden sich bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts, und zwar waren es - auch in Deutschland - Frauenklöster. Erst gegen Ende des 13. Jahrhunderts entstanden die ersten Männerklöster regulierter Terziaren.

Die Terziarenklöster wurden im 14. Jahrhundert recht zahlreich. Vor allem die Männerklöster schlossen sich im Rahmen dieser Entwicklung zu größeren Verbänden zusammen. Sie bildeten im weiteren Verlauf, auch im deutschen Sprachraum, eine Reihe von Kongregationen. Sie überlebten die schweren Zeiten der Reformation und der französischen Revolution nicht, während sich einige Männergemeinschaften des klösterlichen Dritten Ordens in romanischen Ländern bis heute gehalten haben.

Die Frauenklöster des Dritten Ordens hatten es schwerer, sich zu Kongregationen zusammenzuschließen. Haupthindernis war die damals geforderte strenge Klausur. Sie wurden zumeist der Leitung der Minderbrüder unterstellt. Aber einige dieser ersten Terziarinnen-Klöster in Süddeutschland (Dillingen, Augsburg, Ingolstadt) haben die Zeiten überdauert, weil sie in den Wirren der französischen Revolution und der Säkularisation den Mut aufbrachten, den Schritt vom Einzelkloster zu einer Kongregation zu tun. Aufgrund dieser Entwicklung gab Papst Leo X im Jahr 1510 dem Regulierten Dritten Orden eine eigene Regel.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam die Säkularisation der kirchlichen Güter. Sie hatte als Ergebnis, dass fast der gesamte kirchliche Besitz an weltliche Fürsten überging. Damit war fast allen bis dahin bestehenden Spitälern und Schulen die wirtschaftliche Existenzbasis genommen. Denn diese Einrichtungen hatten ihre wirtschaftliche Basis im Grundbesitz, der ihnen durch fromme Stiftungen zugewachsen war. Hinzu kam gleichzeitig die Aufhebung fast aller Klöster. Dadurch fehlten auch die Kräfte, die bis dahin die Kranken- und Waisen-Pflege und den Unterricht getragen hatten.

Im Jahre 1848 zeichneten sich wieder neue Möglichkeiten ab. Eine wesentliche Voraussetzung dafür war die damals gewährte Vereinsfreiheit. Das ermöglichte auch die Neugründung religiöser Gemeinschaften. Von da an setzte eine in der Kirche vorher nur selten erlebte Welle der Neugründungen von Ordensgemeinschaften ein. So wurden die meisten der heute in Deutschland bestehenden Kongregationen von Franziskanerinnen und Franziskanerbrüdern im 19. Jahrhundert gegründet.

Überall im Lande fanden sich Frauen und Männer, die mit restlosem Einsatz ihrer Kräfte und ihres Vermögens daran gingen, Kranke zu pflegen und die Jugend zu unterrichten. Weil die Not überall förmlich auf den Nägeln brannte, entstanden die Ordensgemeinschaften unabhängig voneinander, einfach da, wo Menschen die Not empfanden und ihr begegnen wollten. Kaum ein Orden war ja stark über die Säkularisation hinweggekommen. Deshalb war man durchweg auf Neugründungen angewiesen. Und wo man bereit war, sich einer bestehenden Ordensgemeinschaft anzuschließen, standen oft die staatlichen Gesetze im Wege. Das preußische Landrecht z. B. verbot kategorisch, dass jemand der „Untergebene“ eines ausländischen Oberen sei. Das alles hat die Vielzahl jener Kongregationen bedingt, die seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Nicht ein Spiel der Willkür oder der Wunsch, selbst Ordensgründer oder Ordensgründerin zu sein, ist der Grund für die Vielfaltigkeit dieser Gründungen gewesen, sondern die dringende Notwendigkeit, die zu raschem, konkretem Helfen zwang.

Die meisten dieser Kongregationen neueren Typs haben die Regel des Regulierten Dritten Ordens des hl. Franziskus von Assisi gewählt. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich die franziskanische Konzeption besonders gut als Grundlage für eine tätige Ordensgemeinschaft eignet. Im Zusammenhang mit der Gesamtidee der franziskanischen Lebensart zeigt diese Entwicklung, dass dadurch die innere Fülle des franziskanischen Gedankens nach einer neuen Seite hin entfaltet wurde. Nach ersten Ansätzen in früheren Zeiten sind seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Möglichkeiten eines tätigen Lebens für Frauen auf franziskanischer Grundlage in ihrer ganzen Vielfalt herausgearbeitet worden.

Am 08. Dezember 1984 gab Pabst Johannes Paul II dem Regulierten Dritten Orden eine erneuerte Regel, in der die Elemente und Grundsätze des franziskanischen Lebensideals deutlich enthalten sind, und ganz und gar einer franziskanischen Ordensgemeinschaft entsprechen.

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:32