Der Erste Orden
Franziskaner, Minoriten und Kapuziner

Der Erste Orden der Minderbrüder besteht heute aus den drei Zweigen von Franziskanern (ofm), Minoriten (ofmconv) und Kapuzinern (ofmcap).

Mit dem Tod von Franziskus begannen die internen Auseinandersetzungen über den richtigen Weg des Ordens, die bereits in der Person des Ordensgründers Grund gelegt waren. Franziskus selbst hatte seine Lebensform in der Spannung zwischen einem apostolischen Wanderleben und einem kontemplativen Einsiedlerdasein gestaltet. Ein Teil der Brüder wollte seine Regel wörtlich befolgen und berief sich auf den Stifterwillen, auf das Testament von Franziskus. Ein anderer Teil der Brüder strebte einen schlagkräftigen apostolischen Orden im Dienst der Kirche an und votierte für die dazu notwendige Anpassung an die jeweiligen Umstände.

Die Art der Verwirklichung des Armutsideals (und der Befolgung der Regel insgesamt) blieb über die Jahrhunderte der entscheidende Streitpunkt. Die eine Richtung folgte dem Papst, der die Verpflichtung auf das Testament von Franziskus 1230 aufgehoben hatte, die andere Richtung Franziskus, dessen Intention sie zum Maßstab ihres Handelns machte. Erstere hießen  im 13. Jh. Kommunität, letztere Spiritualen (ab dem 14./15. Jh. Konventualen bzw. Observanten).

Innerhalb der Observanzbewegung (= Beobachtung der Regel) entstanden immer wieder neue Reformen (wie Rekollekten, Reformaten und Diskalzeaten). P. Leo XIII. schloss sie 1897 zu den (braunen) Franziskanern zusammen. Aus der Observanzbewegung stammen auch die Kapuziner (der Name kommt von den spitzen Kapuzen des ebenfalls braunen Ordenshabits), die mit einem Leben in strenger Armut und mehr Gebet an die Frühzeit des Ordens anknüpften. Sie wurden 1619 ein selbständiger Orden. Die Minoriten (Konventualen) sind an ihrem schwarzen Ordensgewand erkennbar. In der Lebensweise unterscheiden sich die drei männlichen Zweige des Ersten Ordens heute kaum noch. Sie versuchen, die von Franziskus her vorgegebenen Spannungspole fruchtbar zu machen: Die Zuwendung zu Gott in Gebet und Kontemplation und die Zuwendung zu den Menschen und zur Welt in Aktion und gelebter Solidarität. Die radikale Armut und Besitzlosigkeit nach dem Vorbild und der Weisung Christi und die Nutzung von materiellen und finanziellen Hilfsmitteln für Seelsorge und soziale Unterstützung.

Mehr unter:
www.franziskaner.de
www.kapuziner.org
www.franziskaner-minoriten.de

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Letzte Aktualisierung: 2007/06/22 10:13