Anlässlich des Jubiläumsjahres 800 Jahre San Damiano, lud der INFAG Vorstand-Südtirol zu einem Vertiefungstag ins Mutterhaus der Tertiarschwestern in Brixen. Am 24. August 2011 versammelten sich über 100 Schwestern und Brüder und folgten aufmerksam den Ausführungen von Br. Niklaus Kuster.

In einem ersten Teil führte uns
Br. Niklaus Kuster ofmcap an Hand von Darstellungen durch die Entwicklung der Sicht-weisen in den Klaradarstellungen durch die Jahrhunderte.
So stellten wir fest, dass im 13. und 14. Jahrhundert Klara als die Empfangende und Franziskus als der Handelnde interpretiert wurden. Im 15. Jahrhundert wurde die patriarchal - gesetzgebende Aufgabe des Franziskus besonders zum Ausdruck gebracht, während im 16. Jahrhundert Franziskus als Gründer der drei Orden dargestellt wird. Erst im 18. Jahrhundert erreichte die hl. Klara auch in der Kunst eine Gleichstellung und wurde als Ordensgründerin bezeichnet. Als zwei eigenständige Persönlichkeiten, die aufeinander ausgerichtet und miteinander verbunden sind, finden wir Klara und Franziskus in den zeitgenössischen Kunstwerken.
In einem weiteren Vortrag verfolgten wir den Weg der hl. Klara von ihrer Flucht aus dem Elternhaus, über Portiukula zu den Benediktinerinnen in Bastia, von dort nach Sant’ Angelo di Panzo und nach San Damiano. Arm wollte sie den armen Christus umarmen, barfuss den Fußspuren Jesu folgen.
Mit Verwunderung stellten wir fest, dass die Regel der hl. Klara, um die sie so gekämpft hatte, erst im 20 Jahrhundert ihre Erfolgsgeschichte erlebte, während in den vorausgegangen Zeiten die sogenannte „Urbanregel“ von den meisten Klarissinnen angenommen und befolgt wurde.
Neben den wissenschaftlichen Vertiefungen wurde während des Tages auch die franziskanische Geschwisterlichkeit erfahren und wahrgenommen. Es ist immer eine große Bereicherung, wenn verschiedene franziskanische Gemeinschaften ins Gespräch kommen. Außerdem waren auch noch andere Ordensfrauen, die sich interessierten, präsent und teilten mit uns die Erfahrung dieses Tages.
Im Garten hinter dem Haus, weil es gerade in diesen Tages sehr heiß war, errichteten wir die „franziskanische Genussmeile“ für das Mittagessen, das einfach, gut und ausreichend war.
Um 16 Uhr versammelten wir uns in der St. Elisabeth-Kirche der Klarissen und sangen dort, gemeinsam mit den Klarissen-Schwestern die Vesper, um auch sie in diesen Tag einzubinden und den Tag feierlich abzurunden.
Sr. Elisabeth Tschurtschenthaler