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„Geh horchend“ – INFAG-Mitgliederver-sammlung 2016
Vom 26.-30. September 2016 trafen sich knapp 70 Schwestern und Brüder zur INFAG-Mitgliederversammlung, die alle drei Jahre in Reute stattfindet.

Neben einem thematischen Impuls zum Thema „Franziskanisch leiten“, den Wahlen zum Gesamtvorstand sowie der Durchführung der Mitgliederversammlung der Region Deutschland-Luxemburg-Belgien ging es um Akzentsetzungen für die kommenden Jahre.


INFAG-Mitgliederversammlung 2016

Das Thema „Geh horchend“ durchzog als roter Faden die INFAG-Mitgliederversammlung 2016. In der Mitte verwiesen kunstvoll bemalte Leisten auf den Gedanken des Unterwegsseins.



Br. Ulrich Schmitz beschrieb als INFAG-Vorsitzender in seiner Begrüßung eine Weg-Erfahrung, die zumindest viele der mit dem Auto angereisten Schwestern und Brüder gemacht hatten: die Erfahrung von Staus und Baustellen.



Sie erfordern vorausschauendes Fahren und Bremsbereitschaft, führen manchmal zum ärgerlichen Stillstand, aber ebenso zur Freude, dass es weiter geht.

Die stellvertretende INFAG-Vorsitzende Sr. Dorothe-Maria Lause nahm gemeinsam mit dem Moderator Franz-Josef Wagner den Faden auf und brachte die Teilnehmenden zu mehreren Fragen, die sich ums Gehen und um das Hören drehten, ins (Kennlern-)Gespräch.


Ein paar Gedanken von Sr. Dorothe zu den beiden Stichworten rundeten die Einstiegsphase ab.


Für viele ein Wiedersehen, für andere ein neues Kennenlernen

Spiritueller Studienteil

„Franziskanisch Leiten“ war das Thema des spirituellen Studienteils, den Br. Heribert Arens ofm gestaltete. In zwei Schritten stellte er nach einer allgemeinen Hinführung zum Thema „Leiten“ zunächst Sprechakte vor, die sich in den Schriften von und in den Biografien über Franziskus finden: raten, ermahnen, warnen, vorschreiben usw.


Großes Plenum beim Studienteil

Die Befunde band er dann in drei Modelle ein, die eine Verbindung zum franziskanischen Leitungsverständnis haben: das Modell von Macht – Kompetenz – Liebe, die Transaktionsanalyse sowie die Themenzentrierte Interaktion (TZI).

Rechenschaftsbericht des Gesamtvorstands

Franz-Josef Wagner schlug die Brücke zum Rechenschaftsbericht des Gesamtvorstands, indem er einige Punkte zum Thema „Gelingende Kommunikation“ aus seiner eigenen beruflichen Praxis als Personalleiter einbrachte.

Der Rechenschaftsbericht wurde in mehreren Teilen vorgetragen: zunächst erfolgte der allgemeine Teil durch Br. Ulrich Schmitz, in dem es u.a. um die Zukunftsfragen der INFAG ging, dann der Bericht von Sr. Christina Mülling als Geschäftsführerin und Bildungsbeauftragte. In ihm wurde die ganze Fülle von Veranstaltungen sichtbar, die die INFAG-Arbeit in den vergangenen drei Jahren geprägt hat.

Dazu zählt auch der Franziskanische Spiritualitätsweg, dessen Genese Sr. Pernela Schirmer aufzeigte. Dessen Module wurden mittlerweise „vieltausendfach“ auf der Homepage heruntergeladen und in vielfältigen Kontexten verwendet. Eine wahre Erfolgsgeschichte! In diesem Kontext ist auch auf die Mitarbeiterschulung zu verweisen, deren vierter Durchgang aktuell läuft. Weitere Durchgänge sind bereits in Planung.

Eine Erfolgsgeschichte ist auch das gemeinsame Noviziatsprojekt, dessen Verlauf und Ergebnis von Sr. Evamaria Durchholz in Erinnerung gerufen wurde. Eine Frucht dieser positiven Zusammenarbeit ist die Erstellung eines franziskanischen Ausbildungscurriculums, das allen Gemeinschaften zur Verfügung gestellt wird.

Ein Punkt darf als eingetragener Verein nicht fehlen: die Finanzen. Sr. Elisabeth Thurtschenthaler informierte als „Finanzbeauftragte“ über den Stand der Finanzen sowie die vom Vorstand dazu beschlossenen Maßnahmen. Abschließend wurde der Vorstand nach der Verlesung des Berichts der Revisoren entlastet.


Kleingruppenarbeit zu den Themenfeldern des Rechenschaftsberichts

Wichtige Themenfelder

Nach den einzelnen Teilen des Rechenschaftsberichts waren die Zuhörenden gebeten, jeweils für sie wichtige Stichworte zu notieren. Zu verschiedenen Stichworten bildeten sich Kleingruppen, die das Gehörte vertieften und daraus Überlegungen für die Zukunft ableiteten. Mit diesem Material wurde am folgenden Tag zunächst weiter gearbeitet, um es dann in einer Plenumsgalerie allen bekannt zu machen. Gearbeitet wurde zu den Themenfeldern Geschwisterliche Zusammenarbeit / Vernetzung, Begegnung vor Ort, INFAG-Geschäftsstelle, Gesamtstruktur INFAG / Leitlinien, Spiritualitätsweg, Mitarbeiterschulung, Noviziatsprojekt, Personelle Ressourcen, Mitgliedschaft sowie Finanzen.


Ausstellung der Kleingruppenergebnisse


Angeregte Diskussionen zu den einzelnen Themenfeldern

Berichte aus den Regionen

Den zweiten Teil des Vormittags bildeten die Berichte aus den Regionen Schweiz, Österreich und Südtirol. Deren Veranstaltungen bereichern das große INFAG-Puzzle. Der Ordo Franciscanus Saecularis (früher: Franziskanische Gemeinschaft) stellte seine Strukturen im deutschsprachigen Raum vor.

Satzungsänderung

Aus den Berichten wurde die bunte Vielfalt sichtbar und die Fülle dessen, was in den Regionen läuft. Deutlich wurden jedoch auch die Veränderungen und Begrenzungen, die zu Strukturveränderungen führen. Eine besteht in der Fusion der Regionen Österreich und Südtirol. Dies ist ein Grund einer notwendigen Satzungsänderung. Des Weiteren wurde die Möglichkeit der Mitgliedschaft im Dachverband erweitert. Auch Weggemeinschaften, die einer Mitgliedsgemeinschaft assoziiert sind, können jetzt eigenständiges Mitglied der INFAG werden. Zudem wurden einige kleinere Dinge an die derzeitige Situation angepasst wie der Grundauftrag der INFAG sowie die Änderung des Namens der Franziskanischen Gemeinschaft in Ordo Franciscanus Saecularis (OFS).

Projekte

Es folgte die Vorstellung von zwei Projekten: dem Geistlichen Zentrum in Hermeskeil und das Mitlebeprojekt in Kiel. In Hermeskeil geben die Franziskaner im Oktober 2016 ihr Kloster auf. Angestrebt wird von den Beteiligten vor Ort (Bistum, Pfarrei, Priestergemeinschaft, Freundeskreis) in Kooperation mit der INFAG die Schaffung eines Geistlichen Zentrums. Dazu wurden die Mitgliedsgemeinschaften vor der Sommerpause informiert und um Prüfung gebeten, ob sie für dieses Projekt Schwestern und Brüder zur Verfügung stellen könnten. In Kiel bieten die Franziskanerinnen von Münster-Mauritz eine neue Form von Mitlebekloster an: Schwestern und Brüder (z.B. in Übergangsphasen oder mit dem Wunsch, etwas Neues auszuprobieren oder die Diaspora kennenzulernen) können dort für einige Monate mitleben und die drei Schwestern vor Ort in ihren Aufgaben unterstützen. Später wurde noch eine dritte Projekt-Idee vorgestellt: ein franziskanisches Wertemagazin als Beilage zur Zeitung „Die Zeit“.

Mitgliederversammlung der Region DLB

Es folgte die Mitgliederversammlung der Region Deutschland – Luxemburg – Belgien. Auch hier stellten die Mitglieder des Regionalvorstands DLB wichtige Akzente ihrer dreijährigen Amtszeit vor. Viele Projekte und Veranstaltungen überschneiden sich mit denen der Gesamt-INFAG. Spezifisch für die Region ist die franziskanische Präsenz beim Katholikentag, die über das Kernteam clara.francesco sicher gestellt wird. Es ist das größte gemeinschaftliche Projekt der INFAG, das über 60 Schwestern und Brüder aus den verschiedenen Gemeinschaften einbindet. Ein weiterer Akzent ist die Arbeit der Gruppe für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung und das jährliche Grundlagenseminar mit über 40 Teilnehmenden aus den Niederlanden, Deutschland, Schweiz und Österreich.

Mit der Satzungsänderung von 2008 wurde der eigenständige Regionalvorstand DLB eingeführt, dessen Struktur und Arbeit sich bewährt hat. Dementsprechend wurden wieder 5 Personen für drei Jahre mit der Arbeit betraut.
In den neuen Regionalvorstand wurden gewählt: Sr. Evamaria Durchholz (Waldbreitbach), Gisela Fleckenstein (OFS Brühl), Sr. Martina Seelmaier (Vierzehnheiligen), Sr. Elisa Kreutzer (Reute) und Br. Natanael Ganter (OFM München).


v.l.n.r. Gisela Fleckenstein, Sr. Martina Seelmaier, Sr. Evamaria Durchholz, Sr. Elisa Kreutzer, Br. Natanael Ganter

Abendprogramm: Lyrikaden

Der Sprechchor „Die Lyrikaden“ faszinierte mit seinem Stück „Klara und das Privileg der Armut“. Ein Stillleben in sieben Bildern von Annabella Akcal. Eine szenische Darstellung über die Wandlung der adligen Chiara di Offreduccio zur Hl. Klara von Assisi. Der Sprechchor wurde 2010 von Annabella Akcal mit der Friedenswerkstatt Mutlangen e.V. gegründet. Er setzt sich für den Friedensprozess ein und möchte viele Menschen erreichen, die Frieden lernen, leben und erhalten wollen.


Die Lyrikaden begeisterten mit ihrem Sprechstück zur hl. Klara (Foto: Sr. Christina Mülling)

Wahl des INFAG-Gesamtvorstands

In den neuen INFAG-Gesamtvorstand wurden gewählt: zur Vorsitzenden Sr. Magdalena Krol (Olpe) und zur stellvertretenden Vorsitzenden Sr. Dorothe-Maria Lause (Luxemburg). Die Regionen entsenden als Vertreterinnen: für die Schweiz Sr. Ruth Walker (Menzingen), für Österreich Sr. Klara Diermaier (Vöcklabruck), für Deutschland-Luxemburg-Belgien Sr. Evamaria Durchholz (Waldbreitbach). Der OFS entsendet Regina Postner. Die Genannten wurden von der Mitgliederversammlung bestätigt.


Dank an den scheidenden Gesamtvorstand (Foto: Br. Natanael Ganter)

Dank und Verabschiedung

In den Vorständen gab es größere Veränderungen, die durchaus davon sprechen lassen, dass eine Ära zu Ende geht. Br. Ulrich Schmitz war 15 Jahre im Gesamtvorstand, davon 12 als Vorsitzender, Sr. Elisabeth Tschurthschenthaler (Südtirol) und Br. Stefan Federbusch (DLB) waren jeweils 12 Jahre aktiv, Sr. Hildegard Zäch (Schweiz) 10 Jahre und Sr. Franziska Bruckner (Österreich) 8 Jahre.
Im Regionalvorstand DLB schied Br. Stefan Federbusch nach 8 Jahren als Vorsitzender aus. Ebenfalls verabschiedet wurde Sr. Pernela Schirmer, die nicht mehr kandidierte, sowie Sr. Isabel Westphalen.

Grund zum Dank und zur Würdigung. In einem Bilderbogen ließ Br. Stefan Federbusch die letzten zwölf Jahre Revue passieren.


Br. Stefan Federbusch im Dialog mit „Uli“, einem Abschiedsgeschenk für Br. Ulrich Schmitz (Foto: Sr. Christina Mülling)

Die Bilder zeigten einen Ausschnitt dessen, was alles an Feiern und Veranstaltungen das Leben der INFAG geprägt hat und in welch vielfältigen Bezügen die INFAG-Vorstände unterwegs waren. Das ein oder andere Schmunzeln löste der Blick ins INFAG-Sprachlexikon aus, das Vorstandsmitglieder benötigen, um die verschiedenen Begrifflichkeiten der Regionen zu kennen und sich entsprechend verständigen zu können.


Dank an Br. Ulrich Schmitz mit einer Franziskusikone


Dank von Sr. Evamaria Durchholz an Br. Stefan Federbusch mit einer Skulptur (Foto: Br. Natanael Ganter)

Perspektiven

Damit war aber die Mitgliederversammlung keineswegs beendet. Es folgte der Ausblick auf die kommenden Jahre. Dazu wurde eine Fortführung des Noviziatsprojekts beschlossen (je nach Zahl der Novizinnen wird es 2017 oder 2018 durchgeführt), eine grundsätzliche Unterstützung des Projekts Hermeskeil sowie des Verfahrens zur Finanzierung der INFAG in den kommenden drei bis sechs Jahren.


Dank von Sr. Magdalena Krol an den Moderator Franz-Josef Wagner

Gottesdienst und Buffet

Traditionsgemäß endete die Mitgliederversammlung mit einem Festgottesdienst, der mit seinen Impulsen die thematische Klammer bildete. Er begann am „INFAG-Baum“, der anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der INFAG 2006 gepflanzt, seinen 10. Geburtstag beging und sich nach einigen Anwachsschwierigkeiten mittlerweile zu einem propperen Baum entwickelt hat. Ein Stationenweg durch den Garten zum Thema „Gehen und Hören“ führte dann zurück in den großen Saal, in dem der weitere Teil der Eucharistie gefeiert wurde.


Beginn der Liturgischen Feier am „Infag-Baum“ (Foto: Sr. Christina Mülling)

Ebenfalls traditionsgemäß der Ausklang bei einem lukullischen Buffet in den Gewölbekellern.

Für einige war bereits Abreise angesagt, die meisten taten dies nach Gottesdienst und Frühstück am Folgetag, um sich wieder in die Einstiegserfahrung von Baustellen und Staus zu begeben.

Text und Bilder (sofern nicht anders gekennzeichnet):
Br. Stefan Federbusch

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:36