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150. Geburtstag von Bruder Jordan Mai
Am 1. September 1866 wurde in Buer (Ruhrgebiet) Bruder Jordan Mai geboren. Der Diener Gottes verstarb am 20. Februar 1922 im Franziskanerkloster Dortmund im Rufe der Heiligkeit. Er wird seitdem vielfach verehrt. Sein 150. Geburtstag wird am 1. September 2016 mit einem Festgottesdienst mit dem Provinzialminister Cornelius Bohl ofm in der Franziskanerkirche Dortmund begangen, in der er begraben liegt.


Biografie Bruder Jordan Mai

Am 20. Februar 1922 verstarb im Franziskanerkloster Dortmund der Diener Gottes Bruder Jordan Mai.
Am 1. September 1866 in Buer geboren, hatte er sich mit 28 Jahren für das Leben in der Gemeinschaft der Franziskaner entschieden. Ein tief religiöses Elternhaus hatte diesen Weg vorbereitet. Gelernter Sattler und Gerber, lernte er im Kloster noch Koch hinzu und war aushilfsweise auch für andere Innendienste wie Pforte und Sakristei und für gärtnerische Arbeiten zuständig. Mit Aufmerksamkeit betreute er die Mitbrüder, die von Außendiensten zurückkamen, und Gäste.

Stationen seines Lebens und Wirkens waren Paderborn, Münster, Neviges, Harreveld in den Niederlanden, Dingelstädt und seit 1907 Dortmund. Hier hoffte er durch gute Ärzte von starken Kopfschmerzen befreit zu werden, aber er blieb bis zu seinem Tode nicht mehr voll einsatzfähig. Trotzdem oder gerade deshalb verbrachte er Stunden im Gebet, manchmal auch ganze Nächte.



Wenn Mitbrüder zu Gemeindemissionen oder Exerzitien aufbrachen, baten sie ihn um sein Gebet. Immer mehr wandten sich Menschen aus Dortmund und Umgebung in ihren Nöten an ihn. Sein fürbittendes Gebet galt den hart arbeitenden Menschen des Reviers und den Soldaten im Felde. Er verehrte vor allem das Heiligste Herz Jesu, dem sein Provinzialminister 1873 die ganze Ordensprovinz geweiht hatte, und die Mutter Jesu.

Es war für ihn ein schwerer Schock, als in der Nacht vom 20. auf den 21. Januar 1922 in die Kirche eingebrochen und das Allerheiligste mit dem Tabernakel gestohlen wurde. Zur Sühne bot er Gott sein Leben an. 4 Wochen später starb er.

Quelle: www.bruder-jordan-mai.de


Grab von Bruder Jordan Mai in der Franziskanerkirche in Dortmund


Grußwort des Provinzialministers der Deutschen Franziskanerprovinz
P. Cornelius Bohl ofm in der Zeitschrift Bruder-Jordans-Weg 3-2016:

München, im Juni 2016

Liebe Leserinnen und Leser!

In jeder Biographie gibt es Knotenpunkte, an denen sich Leben verdichtet, entscheidende Weichen gestellt werden, vielleicht ein Durchbruch gelingt. Bisheriges endet oder Neues beginnt. Das kann mit spektakulären Ereignissen verbunden sein, muss es aber nicht. Manche wichtige Erfahrungen vollziehen sich auch ganz still und ohne Publikum.
1904 oder 1905 muss Bruder Jordan in Dingelstädt eine wichtige Erfahrung gemacht haben. Nach seinem Noviziat war er in dieses Kloster auf dem Kerbschen Berg im Eichsfeld versetzt worden. Aufsehenerregendes ist dort nicht passiert. Er arbeitet in der Küche. Alles ist normaler Alltag. Nur seine Kopfschmerzen werden inaner stärker. Später wird er sagen: „In Dingelstädt hat mich die Gnade Gottes getroffen. Wer weiß, was sonst aus mir geworden wäre.“
Was war geschehen? Wir wissen es nicht. Das wird sein Geheimnis bleiben. Nur einer Ordensschwester vertraut er an, dass er plötzlich verstanden habe, „was es heißt, Gott zu lieben": „Wundem Sie sich nicht, ich war schon achtunddreißig Jahre alt, als mir diese Erkenntnis kam.“
Mit etwa 40 Jahren steht ein Mensch normalerweise in der Blüte seines Lebens. Er ist nicht nur auf dem Höhepunkt seiner Kräfte, sondern auch geprägt und geformt. Die großen Entscheidungen sind gefallen. Der Karren läuft. Scheinbar. Vielleicht zeigen sich schon die ersten Anzeichen einer Midlife-Crisis. Da kann noch einmal alles fraglich werden. Da kann ein Leben abstürzen oder eine überraschende Wende nehmen. Oder auch zu noch größerer Tiefe und Entschiedenheit gelangen.


Die Jubiläumsausgabe der Zeitschrift bruder jordans weg anlässlich des 150. Geburtstags von Bruder Jordan Mai

„Wer weiß, was ohne die Gnade Gottes aus mir geworden wäre?“, fragt Jordan. Aber das heißt doch auch: Mit Gott und seiner Hilfe ist tatsächlich etwas aus mir geworden! Mit seiner Gnade habe ich meinen Platz gefunden. Meine Identität. Das macht mich froh. Das schenkt mir Vertrauen und Gelassenheit.
Vor 150 Jahren wurde Bruder Jordan geboren. Das ist sehr lange her. Nicht nur die Gesellschaft, auch die Kirche und das Ordensleben haben sich seitdem radikal verändert. Die Welt, in der Bruder Jordan lebte, ist nicht mehr unsere Welt. Und doch gibt es etwas, was uns unmittelbar mit ihm verbindet: Wer sich auf Gott einlässt, kann Überraschendes erleben. Das Abenteuer des Glaubens ist herausfordernd. Aber es lohnt sich. Und dafür ist es nie zu spät.
Der 150. Geburtstag von Bruder Jordan ist nicht nur Anlass zu historischer Erinnerung. Er ist eine Einladung, dankbar und bewusst den eigenen Glaubensweg weiterzugehen oder die Beziehung zu Gott auch wieder neu zu entdecken. Seine Gnade „trifft“ auch heute noch. Uns! Wie damals Bruder Jordan in Dingelstädt.
In diesem Sinn wünsche ich uns allen zum 150. Geburtstag von Bruder Jordan neu die Freude am Glauben in der Gemeinschaft vieler anderer Menschen, die mit uns auf dem Weg sind zu Gott.

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:36