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Uraufführung des Oratoriums "Laudato si' - ein franziskanisches Magnificat"
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Referats Kirchenmusik im Bistum Limburg (RKM) feiert am 6. November 2016 das Oratorium "Laudato si' - ein franziskanisches Magnificat" seine Uraufführung.

Es handelt sich um eine Komposition des Franziskanerpaters Helmut Schlegel (Libretto) und des Kirchenmusikers Peter Reulein (Musik).


LIMBURG/FRANKFURT. Das Referat Kirchenmusik im Bistum Limburg (RKM) feiert sein 50-jähriges Bestehen. Gefeiert wird das Jubiläum mit einem Pontifikalamt und einem ganz besonderen Festkonzert im Limburger Dom: Mehr als 250 Musiker führen im Limburger Dom erstmals das eigens für dieses Jubiläum komponierte Oratorium "Laudato si' - ein franziskanisches Magnificat" auf.

Die Feierlichkeiten beginnen mit dem Pontifikalamt mit Bischof Georg Bätzing um 10.15 Uhr im Limburger Dom. Die Uraufführung des Oratoriums findet dort um 16.30 Uhr statt. Das Oratorium "Laudato si' - ein franziskanisches Magnificat" ist eine Komposition des Franziskanerpaters Helmut Schlegel (Libretto) und des Kirchenmusikers Peter Reulein (Musik).
Mit einem vier- bis achtstimmigen Chor, einem Kinder- und Jugendchor, einer Choralschola, Orgel und einem symphonischen Orchester wird das Werk ein weites Spektrum kirchenmusikalischer Formen und Stile präsentieren. Am 29. Januar wird das Oratorium auch im Frankfurter Dom zu hören sein.

Kinder- und Jugendchöre "Martinis" und "Cappuccinis" dabei

Der Text des Lobpreises Mariens aus dem Lukasevangelium, das "Magnificat", und die Enzykliken "Laudato si'" und "Evangelii Gaudium" von Papst Franziskus bilden das Gerüst des Oratoriums. Zum einen wird das Leben und Wirken Mariens beleuchtet, zum anderen werden Ausschnitte aus der so genannten Umwelt-Enzyklika aufgegriffen. Außerdem kommen der Heilige Franz von Assisi und die Heilige Klara zu Wort. Auch das Motto des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit spielt eine zentrale Rolle in dem neuen Oratorium.

Textautor des Werkes ist Pater Helmut Schlegel, Leiter des christlichen Meditationszentrums Heilig Kreuz in Frankfurt-Bornheim. Die Musik stammt von Peter Reulein, Bezirkskantor und Kirchenmusiker an der Frankfurter Liebfrauenkirche.

Solisten bei dem Festkonzert unter der Gesamtleitung von Peter Reulein sind Marina Herrmann (Maria, Sopran), Janina Möller (Engel, Sopran), Anna Metzen (Klara, Mezzosopran), André Khamasmie (Franz von Assisi, Tenor) und Johannes Hill (Papst Franziskus, Bariton). Es singen die Chöre St. Martin und die "Martinis" aus Idstein, das Vocalensemble und die "Cappuccinis" von Liebfrauen-Frankfurt, der Kinder- und Jugendchor Maria Rosenkranz aus Frankfurt-Seckbach und eine Choralschola, die sich eigens für dieses Projekt zusammengefunden hat. Außerdem wird das Orchester "Ensemble Colorito" mit der Konzertmeisterin Donata Wilken mitwirken.

Hintergrund: Referat Kirchenmusik vor halbem Jahrhundert gegründet

Das Referat Kirchenmusik im Bistum Limburg wurde 1966 von Bischof Wilhelm Kempf gegründet. Zunächst als "Amt für Kirchenmusik" im Frankfurter Stadtteil Riederwald angesiedelt und in der Unterkirche der Pfarrei Heilig-Geist am 2. Oktober eingeweiht, befindet sich das RKM seit 1997 im Musischen Internat in Hadamar, wo auch die Limburger Domsingknaben zu Hause sind, die ebenfalls auf Initiative von Kempf gegründet wurden. Im RKM laufen alle musikalischen Fäden der Diözese zusammen. Die Fachbereiche - u. a. Orgelbau und Glockenwesen - und die hauptamtlichen Kirchenmusiker sind dort eingegliedert. Das RKM bietet Aus- und Fortbildungen für nebenamtliche Kirchenmusiker im Bistum Limburg an. Leiter des Referats ist Diözesankirchenmusikdirektor Andreas Großmann. Ein Schwerpunkt der Arbeit in der jüngeren Vergangenheit war die Herausgabe des neuen Gesangbuchs und der damit verbundenen Begleitpublikationen.

Freier Eintritt in Limburg - Platzkarten erforderlich

Bei der Uraufführung am 6. November im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten ist der Eintritt frei, Platzkarten sind aber erforderlich. Karten sind beim Referat Kirchenmusik (rkm.sekretariat(at)bistumlimburg.de, Tel: 06433-88720) erhältlich. Eine Wiederholung des Konzertes gibt es am Sonntag, 29. Januar 2017, im Frankfurter Dom. Dabei beträgt der Eintritt 10 Euro. (fl/fes)

Der Autor Helmut Schlegel ofm schreibt über das Stück:
Laudato Si – ein franziskanisches Magnificat

„Klangraum des Gebetes“ - so könnte man ein musikalisches Oratorium bezeichnen. Wenn wie Paulus sagt, „der Glaube vom Hören kommt“, dann sind Laute, Worte und Töne die vornehmsten Interpreten der Geheimnisse Gottes. Das Oratorium ist so etwas wie eine textlich-musikalische Collage, in der Worte der Heiligen Schriften, Gebetstexte, meditative Impulse und aktuelle Fragen miteinander zu einer einheitlichen Kunstform verwoben werden.

„Laudato Si – ein franziskanisches Magnificat“ – diese Überschrift verrät, dass das Lied Marias, das sie bei der Begegnung mit ihrer Verwandten Elisabeth singt und das Lukas in das erste Kapitel seines Evangeliums aufgenommen hat, im Mittelpunkt dieser Tondichtung steht. Dieser Text ist so etwas wie die Ouvertüre der lukanischen Verkündigung. Der Evangelist macht deutlich: mit dem Rabbi Jesus von Nazaret beginnt etwas ganz Neues, und das nicht nur für die jüdische Religion und Kultur, sondern für die Menschheit insgesamt. Gott ist nicht mehr nur der Ewige und Erhabene, er wendet sich in Jesus den Armen und nicht zuletzt den religiös Ausgegrenzten zu.

Das Magnificat hat eine gesellschaftliche, Welt gestaltende Dynamik und darf nicht nur als Lobpreis Gottes gedeutet werden. Dieses Lied stellt herkömmliche Wertvorstellungen und Gewohnheiten auf den Kopf. Es intendiert nicht nur einen „spirituellen Mehrwert“, es fordert ein „Mehr“ an Gerechtigkeit, Solidarität, Freiheit. Von Dietrich Bonhoeffer stammt die Aussage: „Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen wurde. Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen, sondern es ist die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht ... ein hartes, starkes, unerbittliches Lied von stürzenden Thronen und gedemütigten Herren dieser Welt, von Gottes Gewalt und von der Menschen Ohnmacht“ (Zitiert nach: Hartmut Handt und Armin Jetter, Voller Freude. Liedandachten zu den Sonntagen und Festen des Kirchenjahres, Strube Edition 9044, München 2004, 1. Aufl., S. 20.)

Das vorliegende Oratorium ist auf dem Hintergrund eines aktuellen, religiösen und gesellschaftlichen Kontextes entstanden. Papst Franziskus hat in seinen beiden Enzykliken „Evangelii Gaudium“ (2013) und „Laudato Si“ die Grundanliegen des Magnificat aufgenommen und entscheidende Fragen der Menschheit im Licht der christlichen Botschaft gestellt. Es geht ihm um das große Thema „Gerechtigkeit, Friede, Bewahrung der Schöpfung“, ja es geht ihm um die Zukunft der Menschheit und des Planeten Erde. Der Papst beruft sich dabei nicht zuletzt auf seinen Namenspatron Franz von Assisi, den er vor allem in der Enzyklika „Laudato si“ zitiert und dessen bekannteste Dichtung – der Sonnengesang - für dieses Apostolische Schreiben Pate stand. Das Oratorium „Laudato Si“ nimmt sowohl Texte des großen Heiligen aus Umbrien wie auch wichtige Aussagen der beiden genannten Enzykliken auf. Um sie musikalisch gestalten zu können, wurden sie textlich neu gefasst. Der Autor nimmt sich die Freiheit, auch Klara von Assisi Gehör zu verschaffen. Nicht nur, weil Franziskus ohne Klara nicht denkbar ist, sondern weil das Magnificat nicht zufällig, sondern bewusst und provokativ das Lied einer Frau ist. Zu den Menschen, deren Ent-Niedrigung dem Evangelisten Lukas, und noch mehr Jesus am Herzen liegt, gehören vor allem die Frauen. Der Anbruch des Reiches Gottes duldet weder die die patriarchalische Dominanz noch ein „Oben“ oder „Unten“ in den Geschlechterrollen. Das Reich Gottes „stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Erniedrigten“.

Die Geschichte Marias ist der narrative rote Faden in diesem Oratorium. Ihre Berufung und Erhöhung durch den Gottesboten Gabriel, ihr mutiges Auftreten bei der Hochzeit zu Kana, in dem sie sogar ihren Sohn Jesus konfrontiert, die Szene unter dem Kreuz, in der Jesus die Mutter dem Freund und den Freund der Mutter anvertraut, die Freude der Auferstehung Jesu als Neuaufbruch seiner Botschaft. Maria ist es, die in ihrem tiefen Glauben und in ihrer erfrischenden Menschlichkeit das Magnificat lebendig macht.

Ist nicht das Wort „Barmherzigkeit“ sozusagen das Grundwasser der biblischen Botschaft, ja sogar aller Religionen der Menschheit? Papst Franziskus hat ein außerordentliches Jubiläum der Barmherzigkeit ausgerufen und im Verkündigungsschreiben die folgenden Worte an den Anfang gesetzt: „Misericordiae vultus Patris est Christus Iesus. Qui Eum videt, videt Patrem.“ (Des barmherzigen Vaters Antlitz ist Christus Jesus. Wer Ihn sieht, sieht den Vater (vgl. Joh 14,9). Dieser Gedanke bildet den Anfang und den Schuss dieses Oratoriums.

Helmut Schlegel



Für Aufführungen des Oratoriums ist beim Dehm-Verlag (Patrick Dehm, Auf der Unterheide 40, 65549 Limburg) das entsprechende Notenmaterial zu beziehen:

Laudato Si´ - Ein franziskanisches Magnificat in 5 Bildern – Für Soli, Chor und Orchester 2016,
240 Seiten 19 cm x 27 cm, gebunden
Text: Helmut Schlegel
Musik: Peter Reulein
Ausgabe für Soli, Chor und Klavier (Klavierauszug):
Preis: 19,95 Euro
Edition DV 57
Mengenpreisstaffel ab 10 Expl. 16,95 Euro
ISBN 978-3-943302-34-9
ISMN 979-0-50226-047-7

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:36