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Institut Österreichischer Orden gegründet
Die Ordensgemeinschaften in Österreich haben nach zehnjähriger Vorarbeit ein Institut gegründet, um ordenseigene Einrichtungen in eine andere Trägerschaft überführen zu können: Das Institut Österreichischer Orden mit Sitz in Wien. Es wurde von der Religiosenkongregation als kirchliche juristische Person genehmigt und genießt durch die Anzeige am Kultusamt auch Rechtspersönlichkeit im staatlichen Bereich als Körperschaft öffentlichen Rechts.


Ein neues Zusammenwirken wird möglich

Die Ordensgemeinschaften haben nun ein eigenes, gemeinsames Institut: Das Institut Österreichischer Orden. Wozu es gut ist und wie Orden sonst noch kooperieren, haben die Wirtschaftsverantwortlichen bei der Wirtschaftstagung in Salzburg beraten. Beinahe zehn Jahre lang ist es gereift, bis aus der Idee ein neues Institut geboren wurde.


Foto: Ferdinand Kaineder

Das Institut Österreichischer Orden geht in seinen Wurzeln zurück auf die Erfahrung der VOSÖ (Vereinigung von Ordensschulen Österreichs), dass es wichtig ist, die Eigentumsverhältnisse zu klären, wenn eine Schule aus der Trägerschaft eines Ordens in die Trägerschaft der VOSÖ übergeht. Aber wie? Die VOSÖ ist ja keine Körperschaft öffentlichen Rechts, die einen rechtlich soliden Rahmen für Vermögenswerte bildet, sondern, wie der Name sagt, eine Vereinigung von Ordensschulen. Daher hat man sich zunächst dafür entschieden, dass übergangsweise die Superiorenkonferenz als Körperschaft öffentlichen Rechts die Liegenschaften von Ordensschulen übernimmt. Damit etwa in Gebäude investiert werden kann, muss klar sein, wem sie gehören. Von Anfang an war das als bestmögliche Übergangslösung gesehen worden. Die Übergangslösung wird bald überflüssig, denn nun gibt es die Lösung. Das Institut Österreichischer Orden wurde von der Superiorenkonferenz gemeinsam mit der Vereinigung der Frauenorden gegründet. Es wurde von der Religiosenkongregation als kirchliche juristische Person genehmigt und genießt durch die Anzeige am Kultusamt auch Rechtspersönlichkeit im staatlichen Bereich als Körperschaft öffentlichen Rechts.

Bildung, soziale Einrichtungen, Kulturgüter

Das Institut geht in seinem Gründungszweck aber weit über die Ordensschulen hinaus. Allen anderen Ordensgemeinschaften, die die Trägerschaft ihrer Werke abgeben wollen, um für neue Aufgaben frei zu werden oder um ihrer Vollendung entgegenzugehen, können sich an das Institut Österreichischer Orden wenden. Es hat seinen Sitz im Büro Freyung in Wien, ist aber, und das ist der Gründerversammlung sehr wichtig, ein österreichweit wirkendes Institut. Das Ziel des Instituts ist nicht, Gewinne zu machen, sondern in den Werken erwirtschaftete Werte wieder in Ordenseinrichtungen zurückfließen zu lassen. Ordenswerke sollen langfristig ihrer Sendung gerecht werden können, auch wenn die Trägerschaft vom Orden an das Institut Österreichischer Orden übergegangen ist. Oder eben gerade dadurch. Neben Liegenschaften können auch Kulturgüter, Unternehmensanteile oder finanzielle Mittel an das Institut Österreichischer Orden übergeben werden. Die Nutzung des Instituts ist überall dort sinnvoll, wo ein Orden einer bisherigen Aufgabe nicht mehr gerecht werden kann oder will (aufgrund anderer Prioritätensetzung). Das Institut gewährleistet, dass Ordensvermögen Ordensvermögen bleibt und das Apostolat der Orden fortgeführt wird.

Jeder Fall hat eigenen Handlungsbedarf

„Was wir nicht leisten können, ist die Sanierung von wirtschaftlich desolaten Klöstern", sagt Sr. Cordis Feuerstein als Vorstandsmitglied und Ansprechperson des Instituts Österreichischer Orden in aller Klarheit. Jede Anfrage werde individuell geprüft. Die Bedürfnisse der einzelnen Gemeinschaft werden in jedem Fall berücksichtigt, etwa die Sicherung der Altersversorgung. Die laufenden Kosten des Instituts selbst sollen so gering wie möglich gehalten werden, für den Betrieb nötige Kompetenzen werden zugekauft, wie bereits bisher im Bereich Vermögensverwaltung der Ordensgemeinschaften Österreich üblich.

Kooperation statt Konkurrenz im Change Management von Ordensgemeinschaften

Die Wirtschaftstagung 2016 zeigte auch andere Beispiele der Zusammenarbeit von Ordensgemeinschaften oder ihren Werken. Ziel waren der Erfahrungsaustausch und die Inspiration für Wirtschaftsverantwortliche. Beispiele der Zusammenarbeit aus Deutschland schilderte die Generaloberin der Waldbreitbracher Franziskanerinnen, Sr. Edith-Maria Magar.

Die Zukunft planen

Sie hat als Aufsichtsratsvorsitzende und Vorgesetzte der Geschäftsführung der Marienhaus GmbH Waldbreitbach entscheidende Weichen für die Zukunft von fast 100 Organisationen und 13.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gestellt. Wichtig für die Orden sei es, Strategien zu entwickeln und Pläne zu schmieden. Sich zu fragen: „Was können wir? Was können wir nicht? Welche Konsequenzen hat dieser Plan, welche jener?" Die strategischen Landkarten sollten Ordensleute und Führungskräfte gemeinsam zeichnen. „Sie wissen, wie schnell fünf Jahre vergehen!", so Sr. Edith-Maria Magar. Planung sei eine nicht delegierbare Führungsaufgabe. „Daten, Zahlen und Fakten sind zu benennen." Leitung dürfe sich nicht im operativen Geschäft verlieren. „Leitung muss nicht im System arbeiten, sondern am System. Sie darf die Meta-Ebene nicht verlieren, um steuern und nachjustieren zu können." Die Waldbreitbacher Franziskanerinnen hatten bereits 1903 eine GmbH für ihre Ordenswerke gegründet. Inzwischen ist die Marienhaus Holding auf 100 Organisationen angewachsen, darunter 30 Krankenhäuser. Sie hat Häuser von anderen Orden integriert, aber auch Krankenhäuser aus anderer Trägerschaft, zum Beispiel ein städtisches. Mittlerweile haben die Franziskanerinnen ihre Werke in eine Stiftung überführt, um wieder frei zu werden für andere Aufgaben. „Es geht um die Zukunftssicherung unserer Organisationen, die Einrichtungen sollen Bestand haben. Wir tragen Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter", erklärte die Generaloberin. „Außerdem entlastet uns das aus der Trägerverantwortung. Wir werden frei davon, um an die Ränder zu gehen. Dadurch werden wir sogar wieder attraktiv für die eine oder andere junge Frau, die sich uns anschließt." Sr. Edith-Maria Magar zitierte schließlich Paulus: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben!" [ms]

Quelle: Ordensnachrichten 4/2016, S. 6-7

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:36