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Freiwilliges Ordensjahr Österreich - Mitleben und mitarbeiten
Viele Menschen nehmen Orden als fremde, abgeschlossene Welt wahr. Auch wenn zahlreiche Frauen- und Männerorden sich als weltoffen präsentieren: letztlich kommt man nur hinein, wenn man sich an sie bindet.

Die Ordensgemeinschaften Österreich gehen nun neue Wege: Sie laden zum Freiwilligen Ordensjahr ein. Die erste Gruppe beginnt im Herbst 2016.


Was Ordensleute bewegt, aus welchen Quellen sie schöpfen, was sie tun und wie sie leben, das kann man beschreiben. Wirklich kennen lernen wird man es nur, wenn man es konkret im Mitleben mit einer Gemeinschaft erlebt, mit ihr betet und feiert, mit ihr Freiraum und Arbeitszeit teilt, im Miteinander erfährt, wofür die Ordensleute brennen und wofür sie sich engagieren.



Die Möglichkeit, Ordensleben so von innen her kennen zu lernen, bietet das Freiwillige Ordensjahr. „Das Interesse am Projekt ist groß", berichtet Sr. Ruth Pucher [im Bild oben links], die Koordinatorin des Freiwilligen Ordensjahres. Bei ihr laufen die Fäden sowohl für die Interessentinnen als auch für die teilnehmenden Ordensgemeinschaften zusammen.

Kein Urlaub - echtes Mitleben

Das Projekt „Freiwilliges Ordensjahr" geht über das übliche „Gast im Kloster" oder „Kloster auf Zeit" hinaus, an dem bereits viele Kommunitäten teilnehmen. „Es geht um ein echtes Mitleben - Mitbeten - Mitarbeiten", betont Ruth Pucher, „um ein Miteinander- und Voneinander-Lernen". Dafür braucht es Zeit. Mindestens 3 Monate, maximal ein Jahr können die Teilnehmenden bei den Ordensgemeinschaften mitleben. Sie werden nicht nur in den täglichen Gebets- und Arbeitsrhythmus der Ordensgemeinschaft eingebunden, sie gehen in dieser Zeit ca. 30 Stunden pro Woche einer beruflichen oder ehrenamtlichen Tätigkeit nach - innerhalb oder außerhalb der jeweiligen Gemeinschaft. Für Studierende kann das Studium an die Stelle der Arbeit treten. Hinzu kommen Mitarbeit im Haushalt bzw. kleine Dienste auf dem Gelände des Klosters. Junge Menschen, die sich für ein Ordensjahr unter der Trägerschaft des Freiwilligen Sozialen Jahrs (FSJ) entscheiden, wählen eine Einsatzstelle nach den Vorgaben des FSJ. Im Freiwilligen Ordensjahr werden die Teilnehmerinnen durch ein Mitglied des Ordens begleitet, mit dem sie regelmäßig sprechen, ihre Erfahrungen im Zusammenleben und in der Arbeit austauschen, ihre Gottesbeziehung und Gottsuche und Lebensthemen thematisieren können. An verbindlichen Fortbildungswochenenden, die von den Ordensgemeinschaften organisiert werden, lernen sie andere Ordensjahr-Teilnehmerlnnen kennen und bekommen sie Impulse zu Themen wie Gebet, Lebensstil, Engagement für die Welt u.a.



Offen für alle

Im Grunde ist das Freiwillige Ordensjahr offen für alle, unabhängig von Alter, Konfession oder Religion, sozialem Status, Herkunft oder Beruf. Vorausgesetzt ist lediglich das aufrichtige Interesse am Ordensleben. Sei es, dass junge Männer und Frauen ihr Leben bewusster gestalten und ihren Glauben in Gemeinschaft vertiefen oder ältere Menschen Lebensentscheidungen überdenken oder sich neu orientieren wollen. Für das Freiwillige Ordensjahr kann sich jeder und jede bewerben. Sie/er wird zu einem Ordensjahr-Wochenende für Teilnehmende am Ordensjahr und daran Interessierte eingeladen. Das erste findet vom 9. bis 11. September 2016 in Salzburg statt. Die Liste der teilnehmenden Gemeinschaften erweitert sich ständig. Für Interessenten ist ein Einstieg danach jederzeit möglich. Zwischen Ordensgemeinschaft und Ordensjahr-Teilnehmer/in wird individuell ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen, der die Vereinbarungen über Finanzierung, Arbeitsleistung, Urlaubstage usw. festlegt.

Chancen für beide Seiten

Jungen Menschen und solchen in einer Phase der Um- oder Neuorientierung in einem Orden einen „Freiraum für Gott und die Welt" anzubieten und ihnen eine Stimme zu geben, eröffnet für beide Seiten große Chancen. Für die Ordensgemeinschaften, Neues kennen zu lernen, tiefere Einsicht zu gewinnen, wie junge Menschen heute leben und denken und ihren Weg in die Zukunft gestalten. Die Begegnung mit den jungen Leuten auf Augenhöhe, ohne gleich an einen Eintritt und den langen Prozess bis zur endgültigen Ordenszugehörigkeit zu denken und Hoffnungen in sie zu setzen, die sie nicht erfüllen wollen oder können, kann befreiend sein. Es ist aber auch eine große Herausforderung für die Kommunitäten. Für die Interessierten ergibt sich die Möglichkeit, ohne jahrelange Kandidatur, Postulat und Noviziat ein anderes Lebensmodell zu erproben, neue Sichtweisen und Arbeitsfelder zu erleben, die Kraft des täglichen Gebets und einer Gemeinschaft zu erfahren und zu entdecken, wozu sie in ihrem Lebensumfeld berufen sind. Ein 29-jähriger Interessent sagte bei einem Infotag: „Ich habe einfach die Sehnsucht, etwas Neues kennen zu lernen, um das Eigentliche zu finden!" Ruth Pucher: „Die Zeit in der Ordensgemeinschaft kann dazu dienen, eine Balance von Gemeinschaft, Gebet und beruflichem Engagement zu finden." Die Interessierten bereichern mit ihren Erfahrungen die Gemeinschaft und werden bereichert durch das Zusammenleben mit Ordensleuten, ohne eine dauerhafte Verbindlichkeit einzugehen. „Wir haben eine Win-win-Situation. Es begegnen sich zwei Welten, die sich gegenseitig etwas zu sagen haben, die sich gegenseitig in den Fragen nach der Zukunft unterstützen können", ist Ruth Pucher überzeugt.



Nähere Informationen und Anmeldung:
Sr. Ruth Pucher MC
Koordinatorin für das Freiwillige Ordensjahr
pucher@kardinal-koenig-haus.at
www.ordensjahr.at


[hw]

Quelle: OrdensNachrichten 4/2016, S. 14-15

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:36