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Regionaltag Österreich zu „Laudato si“
Rund 60 Schwestern und zwei Brüder kamen am 4. Juni 2016 zum Regionaltag der INFAG Österreich im Bildungshaus St. Klara in Vöcklabruck zusammen.

Der Tag stand unter dem Thema „Laudato si – vom Lobpreis zum Handeln“ und beleuchtete mittels des Referenten Br. Stefan Federbusch die ökologisch-sozialen Herausforderungen für die Ordensgemeinschaften.


Die Vorsitzende des INFAG-Teams Österreich, Sr. Franziska Bruckner, konnte gut 60 Teilnehmende zum Regionaltag 2016 in Vöcklabruck willkommen heißen. Erfreulich war die breite Streuung aus den verschiedenen franziskanischen Gemeinschaften Österreichs.



Einführung in die Enzyklika Laudato si

Der Vormittag diente der Einführung in die Umwelt- und Sozial-Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus, die vor rund einem Jahr veröffentlicht wurde.
Der Referent Br. Stefan Federbusch (Bild links) stellte an Hand von zehn Punkten wichtige Akzente der Enzyklika vor:
1. Eine franziskanische Enzyklika – der franziskanische Bezugsrahmen
2. Eine politisch brisante Enzyklika – die Einschätzung der Wirklichkeit
3. Eine religiös paradigmatische Enzyklika – die Interpretation der Schöpfungsgeschichte
4. Eine empirische Enzyklika – Vom Sehen, Urteilen und Handeln
5. Eine sozialpolitische Enzyklika – Die Perspektive der Armen
6. Eine systemkritische Enzyklika – Der Aspekt der Nachhaltigkeit
7. Eine humankritische Enzyklika – Die tieferen Ursachen der Krise
8. Eine zukunftsweisende Enzyklika – Eine ganzheitliche Ökologie
9. Eine bewusstseinsbildende Enzyklika – Die Bedeutung von Umwelterziehung und ökologischer Spiritualität
10. Ausblick: Spur der Hoffnung

Hinweis: Die Ausführungen können nachgelesen werden in der franziskanischen Zeitschrift Tauwetter 1/2016 [www.tauwetter-online.de].



Auf zehn Plakaten zu den einzelnen Punkten konnten dann die Teilnehmerinnen ihre Eindrücke, Fragen und Anmerkungen notieren.
• Franziskus als Vorbild bedeutet mir…
• In Bezug auf die Bewahrung der Schöpfung beschäftigt mich am meisten…
• Das biblische Schöpfungsverständnis hat als Konsequenz…
• Anmerkungen zum Spannungsverhältnis innerhalb der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Sozialer Frage (Armut)
• Von den Forderungen des Papstes gefällt mir am besten / unterstütze ich…
• Das sehe ich kritisch… / Dazu habe ich eine Frage
• Zwischen Ausbeuter und Hüter. Der Mensch ist für mich…
• Zu einer ganzheitlichen Ökologie gehört für mich…
• Bewusstseinsbildungsprozesse gelingen durch / wenn…
• Eine Schöpfungsspiritualität beinhaltet…
• Das gibt mir Hoffnung…



In einer gemeinsamen Eucharistiefeier wurden die Impulse von Papst Franziskus zu einer Schöpfungsspiritualität weiter bedacht und vertieft.

Eine lebensdienliche Wirtschaft

Am Nachmittag stand der Gedanke der Nachhaltigkeit im Vordergrund und wie er im konkreten Handeln umgesetzt werden kann. Aspekte waren u.a. die Stellungnahmen der verschiedenen christlichen Kirchen zum Kapitalismus, die Frage des (Wirtschafts-)Wachstums sowie konkrete Schritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Postwachstumsgesellschaft.



Zur Auflockerung dienten sechs Begriffe, die in der derzeitigen (Umwelt-)Diskussion eine Rolle spielen. Bei der Bitte, dass jeweils die aufzeigen, die den Begriff bereits gehört haben und ihn erklären können, blieben meist die Arme und Hände unten. Erklärt wurden: Extraktivismus, Solastalgie, Degrowth, Rebound-Effekt, Kaputtalismus / Obsoleszenz sowie craddle to craddle. Wer mit dem einen oder anderen Begriff nichts anfangen kann, mag ihn nachgooglen…

Vorgestellt wurden einige Beispiele ganz praktischer Art, wie Nachhaltigkeit umgesetzt werden kann: das reicht von der Beteiligung an Unterschriftenaktionen über den Umgang mit Nahrungsmitteln (Foodsharing, Urban Gardening), von der Reduzierung des Fleischkonsums, über die Vermeidung von Plastikmüll bis hin zu Maßnahmen, die vor allem größere Ordenshäuser und Institutionen betreffen (z.B. Einbau von Blockheizkraftwerken, Gewinnung von Solarenergie, Wärmedämmung, Reduzierung des Autofuhrparks usw.).

Angezielt werden sollte / könnte:
• Nachhaltiger Lebensstil (Energie, Mobilität, Kleidung, Ernährung, Geldanlagen usw.)
• Einkauf fair – bio – regional
• Aktualisierung der fleischfreien Tage (Mittwoch und Freitag und darüber hinaus…)
• „Fasten“ und Verzicht als „politisches“ Instrumentarium
• Thematisierung von Lebensstilfragen
• Förderung der Schöpfungsverbundenheit

Den (franziskanischen) Orden kommt in diesem transformativen Prozess neben den bereits bestehenden Initiativen (Gemeinwohlökonomie, Solidarische Ökonomie, Transition Towns usw.) vor allem der Auftrag zu, ihre „Kernkompetenzen“ zu nutzen und Menschen eine entsprechende Schöpfungsspiritualität zu lehren bzw. sie mit ihnen zu entwickeln und einzuüben, denn die Mitglieder von Orden leben zumindest in Teilen Aspekte, die für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Lebensstil im Sinne der päpstlichen Enzyklika (vgl. LS 222-223.225) entscheidend sind:
• Ordensleben lebt Haltungen der Dankbarkeit, Ehrfurcht, Erdverbundenheit (Demut)
• Ordensleben ist gemeinschaftsbezogen
• Ordensleben beinhaltet Strukturen der (demokratischen) Teilhabe
• Ordensleben ist gemeinwohlorientiert
• Ordensleben ist regional und global eingebunden (global denken – lokal handeln)
• Ordensleben pflegt einen einfachen Lebensstil (Suffizienz – Genügsamkeit)
• Ordensleben legt Wert auf andere Zeitstrukturen (Entschleunigung)



Im Sinne einer „Kultur der Achtsamkeit“ (LS 231) könnten Orden mit ihrer Gemeinschafts- und Gemeinwohlorientierung und ihrem einfachen Lebensstil zu einer prophetischen Bewegung für eine Wirtschaft des Lebens für alle werden. Woran es aktuell noch mangelt, sind tragfähige Modelle und stärkere Verknüpfungen hinein in die Zivilgesellschaft und in die Bewegungen, die Schritte in diese Richtung gehen. Angesichts der Komplexität des Themas blieb abschließend zu wenig Zeit zum Austausch, aber die Hoffnung, dass die Teilnehmenden den ein oder anderen Impuls mitgenommen haben zur weiteren Diskussion und Umsetzung in den jeweiligen Gemeinschaften vor Ort.

Bildnachweis: Sr. Franziska Bruckner

Br. Stefan Federbusch

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:36