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Franziskanische Botschaft zum Weltjugendtag 2016
Die so genannten „Roman six“, die Generalminister der sechs franziskanischen Ordenszweige, haben eine Botschaft an die jungen Menschen beim Weltjugendtag geschrieben. Im Blick auf das Leben des hl. Franziskus laden sie ein zu Verfügbarkeit, Bewegung und Befreiung. Der Weltjugendtag findet vom 26.-31. Juli 2016 in Krakau statt und steht unter dem Motto „Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“.


Schreiben der Konferenz der Franziskanischen Familie zum Weltjugendtag 2016



Liebe junge franziskanische Menschen auf der ganzen Welt, der Herr gebe euch den Frieden!

Unser Seraphischer Bruder, der hl. Franziskus, war ein wahrer Liebhaber der Barmherzigkeit Gottes. Da er sich vom „Vater des Erbarmens" (2 Kor 1,3) schon in seiner Jugend geliebt wusste, ließ der „Arme von Assisi" davon sein ganzes Leben bestimmen und zeigte, dass dies zu Verfügbarkeit, Bewegung und Befreiung führt. Franziskus selbst manifestiert diese Dynamik, wenn er in seinem Testament schreibt, dass der Herr sein Herz geführt hat, so dass er unter die Aussätzigen gehen konnte und dort Barmherzigkeit geben und empfangen durfte (vgl. Test-2-3).So möchten wir, inspiriert vom hl. Franziskus, im Zusammenhangmit dem kommenden Weltjugendtag eine dreifache Einladung an junge Menschen richten.

Die erste Einladung ist die zur Verfügbarkeit, zur Fähigkeit, dem Herzen zu folgen, das versucht, dem eigenen Leben die richtige Richtung zu geben. Franziskus war ein ewiger Sucher, ein Idealist, der versuchte, sich seinen Traum zu erfüllen - zuerst den des Aufstiegs auf der sozialen Leiter und dann den der immer größeren Gleichförmigkeit mit Christus. Gerade weil sein Herz offen war, die Zeichen der Liebe Gottes in seiner Geschichte zu erkennen, gelang es dem jungen Franziskus, die Richtung seines Lebens neu zu definieren, es mit tiefem Sinn zu füllen. Liebe Jugendliche, verliert nie diese Verfügbarkeit. Bleibt immer aufmerksam für die vielen Zeichen der Liebe, die Gott, der Vater, uns, seinen Töchtern und Söhnen, schenkt. Hört voll Zuneigung auf die, die euch lieben. Seid voller Solidarität Brüder und Schwestern den leidenden Menschen, vor allem denen, die von einer Gesellschaft, die vom Gewinn lebt, zur Unsichtbarkeit der Ausgrenzung verurteilt wurden: Arme, Kranke, Flüchtlinge, verlassene Kinder, ältere Menschen und viele andere. Habt immer eine gesunde Offenheit (Verfügbarkeit)für das Miteinander der Unterschiede, die unsere Zeit prägen. Lasst nie nach, auch ein Leben des Gebetes zu führen, durch das das Wirken Gottes erfahren werden kann und durch das er das menschliche Herz berührt und verwandelt. Verliert nie die durch den Herrn inspirierte Verfügbarkeit!

Die zweite Einladung ist die zur Bewegung. Wir können nicht in unseren Strukturen bleiben, oder uns in einem angenehmen Leben einrichten, denn unser seraphischer Bruder hat uns als Vermächtnis ein Kloster hinterlassen, das so groß ist wie die Welt (vgl. Sacrum Commercium 63). Typisch für franziskanisches Leben ist die Lebensweise, die Papst Francisco der Kirche vorschlägt, nämlich eine „Kirche im Aufbruch" zu sein, ein Feldlazarett, eine Kirche, die wie der barmherzige Samariter sich um die Verletzten und Verlassenen kümmert, die am Straßenrand liegen (vgl. Evangelii Gaudium). Bei seiner Ansprache an die Jugend von Argentinien während des WJT2013 lud der Papst die anwesenden jungen Menschen ein - und das gilt sicherlich auch für alle junge Menschen weltweit: „Ich möchte euch sagen, welche Wirkung ich vom Weltjugendtag erhoffe: Ich hoffe, dass es einen Wirbel gibt. ... Aber ich will, dass ihr auch in den Diözesen Wirbel macht, ich will, dass man hinausgeht, ich will, dass die Kirche auf die Straßen hinausgeht, ich will, dass wir standhalten gegen alle Weltlichkeit, Unbeweglichkeit, Bequemlichkeit, gegen den Klerikalismus und alles In-sich-verschlossen-sein. Die Pfarreien, die Schulen, die verschiedenen Einrichtungen sind da, um hinauszugehen…, wenn sie es nicht tun, werden sie eine NGO, und die Kirche darf nie eine NGO sein. Die Bischöfe und Priester mögen mir verzeihen, wenn einige nachher Verwirrung stiften. Es ist ein Rat. Danke für das, was ihr tun könnt." Seid junge Menschen in Bewegung.

Die dritte Einladung ist die zur Befreiung. Macht nicht den gleichen Fehler, den der reiche junge Mann gemacht hat (Mk 10, 17-27): er hatte Besitz und beobachtete die Gesetze und Vorschriften. Trotzdem, so fühlte er, fehlt etwas. Jesus sah ihn mit Liebe an - so sieht er auch jeden von euch an - und lud ihn ein, alles zu verlassen und ihm folgen. Der junge Mann „aber war betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes Vermögen". Das Hängen am Besitz hinderte ihn daran, die Gnade zu erfahren, ganz nahe bei Gott zu sein. Lasst Euch von Franziskus inspirieren, der seinen ganzen Reichtum tauschte gegen den Schatz der Loslösung und so zu einem befreiten Menschen wurde, der Gott, den Menschen - ja allen Geschöpfe zu lieben vermochte. Er wurde Bruder aller in seiner völligen Befreiung. Gebt euch selbst großzügig und ohne Vorbehalt Christus und seinem Wirken hin. Seid Werkzeuge der Barmherzigkeit und schenkt sie allen, die Euch auf dem Weg der Nachfolge Christi begegnen. Möge diese Barmherzigkeit euer Denken vollständig dominieren - damit Ihr all eure Intelligenz und eure Fähigkeiten in den Dienst der Gerechtigkeit stellen könnt. Möge sie euer Herz beherrschen - sodass in euch die Liebe Gottes pulsieren kann und in jeder Situation deutlich wird. Möge sie eure Füße dominieren - so könnt Ihr ohne müde zu werden zu denen am Rande gehen könnt. Möge sie Eure Hände beherrschen, damit ihr sie denen ausstrecken könnt, die der Hilfe bedürfen. Je mehr ihr loslasst, je mehr ihr befreit seid, desto mehr werdet Ihr erhalten. „Denn wer hat, dem wird gegeben" (Mt 13,12).

Dies sind die drei Einladungen, die wir Euch nahe bringen möchten. Wir freuen uns, möglichst viele in Krakau zusehen, wo wir zusammen mit Christus und dem hl. Franziskus konkret erfahren mögen: „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen" (Mt7,5).

Rom, 11. Juli 2016, am Fest des heiligen Benedikt

Fr. Michael Anthony Perry OFM
Sr. Deborah Lockwood OSF
Fr. Mauro Jöhri OFMCap
Fr. Nicholas Polichnowski TOR
Fr. Marco Tasca OFMConv
Tibor Kauser OFS

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:36