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Aktionskonferenz gegen Waffenhandel
Die Franziskaner sind Mitträger der „Aktion Aufschrei“. Am 3./4. März 2017 fand in Frankfurt eine von pax christi organisierte Aktionskonferenz gegen Waffenhandel statt. Neben einer Podiumsveranstaltung, strategischen Planungen und Workshops gab es auf dem Römer in Frankfurt eine Kundgebung unter dem Motto „Stoppt den Waffenhandel“ sowie ein politisches Friedensgebet.


Zum Hintergrund der Aktionskonferenz

Es wird nicht weniger, sondern mehr exportiert

Deutsche Munition geht in die aktuellen Kriegs- und Krisengebiete: Zehnmal so viel Munition exportierte Deutschland im 1. Halbjahr 2016 gegenüber dem Vorjahr. Genehmigungen für die Ausfuhr von Waffen und Ausrüstung wurden im 1. Halbjahr 2016 im Wert von 4,029 Milliarden erteilt, eine halbe Milliarde mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Lieferungen an Saudi Arabien, das im Jemen Krieg führt, vervielfachten sich von 179 Millionen auf 484 Millionen Euro. Bei Maschinenpistolen, Sturmgewehren und leichten Maschinengewehren, den sogenannten Kleinwaffen, mit denen besonders viele Menschen getötet und verletzt werden, liegt Deutschland hinter den USA auf Platz zwei der Exporteure.



Die aktuellen Zahlen sind nur ein neues Indiz: Es braucht eine Umkehr in der Rüstungsexportpolitik. Dafür setzt sich die Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ ein. Dem Deutschen Bundestag liegt bereits eine Petition zur Verankerung des grundsätzlichen Rüstungsexportverbots ins Grundgesetz vor. Für die Petition zum absoluten Stopp des Exports von Kleinwaffen und Munition werden noch Unterschriften gesammelt.



Der Ablauf und die Inhalte der Aktionskonferenz sind dem Flyer zu entnehmen. Flyer: Download (pdf)

Als Vertreter des Heiligen Vaters Franziskus in der Bundesrepublik Deutschland wünscht Erzbischof Dr. Nikola Eterović der Aktionskonferenz „Stoppt den Waffenhandel“, die am 3./4. März 2017 in Frankfurt tagt, einen guten Verlauf und hofft, dass sie dazu beiträgt, Jesu Wort in die Tat umzusetzen: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden“ (Mt 5,9).

Grußwort des Nuntius zum Aktionskongress Stoppt den Waffenhandel

Dem Ritus der Gewalt widersprechen


„Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden“ (Mt 5,9)

Verehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Aktionskonferenz „Stoppt den Waffenhandel“! Mit den Seligpreisungen beginnt Jesus Christus seine Bergpredigt, die zurecht die Magna Charta des Christentums genannt wird. Der Mensch ist als Ebenbild des dreieinen Gottes aufgerufen, sich seinem göttlichen Urbild in Gedanken, Worten und Werken anzugleichen. Nur so findet er zur Seligkeit oder zur wahren Freiheit.

In einer Welt, die durch Gewalt, Terror und Kriege, Armut und Hunger aus den Fugen geraten ist, braucht es dringend die glaubwürdigen Zeugen Jesu Christi und seiner Frohen Botschaft. Der Heilige Vater Franziskus sagte schon mehrfach, wir erleben „einen dritten Weltkrieg in Abschnitten“ und erinnert in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2017 daran, daß jeder Mensch in sich Gewalt trägt. Christ wird, wer sich der Gnade Gottes stellt und das Evangelium annimmt. „Wer die Frohe Botschaft Jesu annimmt, weiß daher die Gewalt, die er in sich trägt, zu erkennen und lässt sich von der Barmherzigkeit Gottes heilen. So wird er selbst ein Werkzeug der Versöhnung, entsprechend dem Aufruf des heiligen Franz von Assisi: »Wenn ihr mit dem Mund den Frieden verkündet, so versichert euch, ob ihr ihn auch, ja noch mehr, in eurem Herzen habt!«“ (Nr. 3). In der gleichen Botschaft fordert der Bischof von Rom und Hirte der Universalkirche dazu auf, die Logik von Angst und Gewalt zu durchbrechen und appelliert zur Abrüstung (vgl. Nr. 5). Die christliche Botschaft ist also insgesamt eine Einladung zur Gewaltfreiheit, die zum Stil einer neuen Politik für den Frieden und zu einem entschiedenen Lebensstil zu führen vermag.



Die Zunahme der gewalttätigen Auseinandersetzungen führt dazu, daß die Waffenproduktion und deren Exporte zunehmen und einen Ritus der Gewalt schaffen, dem entschieden widersprochen werden muss. Von jeher haben sich katholische Verbände in Deutschland und ausdrücklich pax christi in Anlehnung an die Bergpredigt des Herrn dafür eingesetzt: „Frieden schaffen ohne Waffen!“ Es geht dabei nicht um ein verklärtes Weltbild, sondern um den Einsatz für den Mehrwert des Lebens, das religiös, sozial, kulturell und solidarisch auf das Gute hin angelegt ist. Jede Gewalttat daher eine Verweigerung des Guten! Daher ist es angebracht, an die erste Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2014 zu erinnern, wo er appelliert: „Verzichtet auf den Weg der Waffen und geht dem anderen entgegen auf dem Weg des Dialogs, der Vergebung und der Versöhnung, um in eurem Umfeld wieder Gerechtigkeit, Vertrauen und Hoffnung aufzubauen!“ (Nr. 7). Die Christen handeln und beten für die Verantwortlichen der Nationen, damit sie das nicht immer einfache Gleichgewicht zwischen der legitimen bewaffneten Verteidigung der eigenen Länder und der notwendigen Abrüstung, sowie insbesondere der Beendigung des Wettrüstens finden.



Als Vertreter des Heiligen Vaters Franziskus in der Bundesrepublik Deutschland wünsche ich der Aktionskonferenz „Stoppt den Waffenhandel“ einen guten Verlauf und hoffe, sie trägt dazu bei, Jesu Wort in die Tat umzusetzen: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden“ (Mt 5,9).

Berlin, am Aschermittwoch, 01. März 2017
Erzbischof Dr. Nikola Eterović Apostolischer Nuntius

Nähere Information zur Kampagne Aktion Aufschrei finden Sie unter www.aufschrei-waffenhandel.de

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:36