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Franziskanische Initiative auf der COP 23 in Bonn
Vom 6.-17. November 2017 wurde in Bonn die 23. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen abgehalten. Dabei zeigte auch eine internationale Gruppe von Franziskanerinnen und Franziskanern Präsenz. Die Brüder und Schwestern beteiligten sich an Protestaktionen, unter anderem an der Großdemonstration zum Ausstieg aus der Kohlekraft sowie am Friedensgebet der Religionen am Flüchtlingsboot in der Kirche St. Elisabeth. Sie organisierte zudem ökumenische Gebetszeiten zur Bewahrung der Schöpfung in der Kirche St. Winfried in unmittelbarer Nähe des Konferenzgeländes.


COP 23  - Franziskanische Initiative auf der Weltklimakonferenz in Bonn

Vom 6. bis zum 17. November wurde die 23. Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen abgehalten, bei der sich 25.000 Delegierte, WissenschaftlerInnen, PolitikerInnen und VertreterInnen aus der Zivilgesellschaft versammelten, um über den Klimawandel und den Umgang damit zu diskutieren. Das Hauptziel war eine konzertierte Vorgehensweise zu verabschieden, wie das Klimaabkommen von Paris umgesetzt werden kann.


Auf einer Demonstrationsveranstaltung für Klimagerechtigkeit im Konferenzgebäude

Die Präsidentschaft hatte Fidschi inne, eine kleine Inselgruppe im Süd-Pazifik, somit erstmals ein Land, das unmittelbar von den Folgen des Klimawandels betroffen ist und durch den ansteigenden Meeresspiegel bereits Landflächen verloren hat. Da dieser Staat sich nicht in der Lage sah, die Weltklimakonferenz auszurichten, fand sie am Sitz des UN-Klimasekretariats (UNFCCC) in Bonn statt.


Franziskaner bei der Großdemonstration für den Ausstieg aus der Kohlekraft

Eine internationale Gruppe von Franziskanerinnen und Franziskanern, die in ihren Gemeinschaften im Bereich Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung tätig sind, zeigte in Bonn Präsenz. Die Brüder und Schwestern beteiligten sich an Protestaktionen oder anderen Veranstaltungen im Rahmen der Weltklimakonferenz, unter anderem auch an der Großdemonstration zum Ausstieg aus der Kohlekraft.


Beim interreligiösen Friedensgebet am Flüchtlingsboot

Die Gruppe beteiligte sich am Friedensgebet der Religionen am Flüchtlingsboot in der Kirche St. Elisabeth und organisierte ökumenische Gebetszeiten zur Bewahrung der Schöpfung in der Kirche St. Winfried in unmittelbarer Nähe des Konferenzgeländes.


Internationale franziskanische Gruppe nach dem ökumenischen Gebet für die Bewahrung der Schöpfung

Am 7. November hielt Prof. P. Dr. Johannes Baptist Freyer OFM aus Rom in der Missionszentrale der Franziskaner einen Vortrag mit dem Titel „Aussteigen? Klima- und Umweltschutz mit Franziskus“. Hierbei brachte er, ausgehend vom Leben und der Spiritualität des heiligen Franziskus, das Thema in einen größeren theologischen Zusammenhang.

Als Rahmenveranstaltung gab es in Bonn unter anderem einen Peoples' Climate Summit (Klimagipfel der Völker), bei dem Klimagerechtigkeit und der Ausstieg aus fossilen Energieträgern Thema waren. Bei einer Veranstaltung erzählten Frauen von den Schwierigkeiten, die sie aufgrund des bereits spürbaren Klimawandels haben. Eine Frau aus der Demokratischen Republik Kongo erzählte zum Beispiel, dass in diesem an Bodenschätzen reichen Land der Krieg durch den erschwerten Zugang zu natürlichen Ressourcen angefacht wird. Viele Gebiete sind unterentwickelt und manche Frauen werden zu sexuellen Handlungen gezwungen, um Zugang zu natürlichen Ressourcen zu bekommen. Dort gibt es Projekte zur Aufklärungsarbeit, damit die Mädchen und Frauen ihre Rechte kennenlernen. Die Auswirkungen des Klimawandels sind in Afrika besonders für Frauen spürbar, die 70% der Nahrungsmittel produzieren. Damit haben sie auch mit den Herausforderungen zunehmender Dürreperioden umzugehen. Oft sind Mädchen und Frauen viel länger als früher unterwegs, um Wasser zu bekommen, weshalb sie wiederum wenig Zeit für Schule und Bildung haben. Es wurden hoffnungsvolle Beispiele aufgezeigt, wie Frauen sich wehren und versuchen, ihre Situationen zu verbessern.



In Bonn fand auch eine Gerichtsverhandlung zur Wahrung der Rechte der Natur und der indigenen Völker statt. Dort stellten Personen aus der ganzen Welt Projekte und die damit verbundenen Auswirkungen auf ihre Heimatregion vor. Sehr bewegend war die Vorstellung eines Mannes aus Nigeria, der von den Auswirkungen der jahrzehntelangen Ölförderung in seiner Heimatregion im Nigerdelta berichtete. Er und seine Kinder trinken Wasser, in dem der krebserregende Stoff Benzol enthalten ist, da sie keine Alternative haben. Die Benzolkonzentration liegt 900 Mal über dem von der Weltgesundheitsorganisation erlaubten Wert. Der Boden ist mit Blei verunreinigt und die Luft mit Schadstoffen angereichert. Die Lebenserwartung beträgt in diesem Gebiet etwa 40 Jahre. Das alles ist möglich, weil die Firmen, die das Öl fördern (z.B. Shell oder Exxon) zum Ausgleich für ihre Umweltverschmutzung zahlen können. Alle angehörten Fälle wurden in dieser fiktiven Verhandlung zugunsten der Kläger entschieden.


Beim Divestment-Meeting (in der Mitte Sr. Beate Krug)

Auf dem 23. Weltklimagipfel wurde unter anderem ein sogenannter Talanoa-Dialog begonnen. Das fidschianische Wort Talanoa bedeutet Versammlung, bei der jedeR gehört wird – zum Wohle aller. Durch dieses Forum sollen die einzelnen Staaten ambitioniertere, über die bisherigen Selbstverpflichtungen hinausgehende Klimaziele festlegen. Die Rolle der Frauen soll beim Klimaschutz stärker berücksichtigt werden. Ein Gender-Aktionsplan sieht vor, dass mehr Frauen geschult werden und mitarbeiten. Auch Naturvölker sollen in Zukunft stärker in die Verhandlungen mit einbezogen werden.

Neben den offiziell verhandelten Ergebnissen gibt es freiwillige Aktivitäten:
• Ein Bündnis unter anderem aus Weltbank, Deutschland und besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten initiierte eine Klimarisikoversicherung, um ärmeren Menschen bei Unwetterkatastrophen schnell helfen zu können. Hier versprach Deutschland etwa 110 Millionen Euro.
• Es wurde eine internationale Allianz aus 23 Ländern und Provinzen gegründet, die sich auf einen Ausstieg aus der Kohleenergie festgelegt haben. Leider gehört Deutschland (bisher noch nicht) zu diesen Ländern.
• Es gibt eine Initiative von Städten und Regionen aus aller Welt, die sich als Mit-Verursacher des Klimawandels sehen und denen die Aktivitäten der Nationen nicht schnell bzw. weit genug gehen, weshalb sie unabhängig von ihren Staaten aktiv werden.

Auch wenn es sehr wahrscheinlich ist, dass Deutschland seine selbst erarbeiteten Klimaziele bis 2020 verfehlt, können wir uns immer wieder bewusst machen, dass wir selbst, jedeR Einzelne, etwas zur Bewahrung der Schöpfung tun können. Wir können – in all unserer Begrenztheit – versuchen so zu leben, dass unser Lebensstil eben nicht dazu beiträgt, Menschen im Nigerdelta ihre Lebensgrundlage zu entziehen oder noch mehr Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat zu drängen. Selbst kleine Schritte wirken und strahlen auf unsere Umgebung ab.

Fotonachweis: Br. Benedict Ayodi OFMCap

Sr. Beate Krug

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Letzte Aktualisierung: 06.12.2017 17:42