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Spinnerwerkstatt der INFAG
Welchen Aufgaben soll sich die INFAG in Zukunft widmen? In welchen Formen kann dies geschehen? Welche Ziele sollen verfolgt werden? Welche Ergebnisse werden angestrebt?

Fragen, zu deren Beantwortung der INFAG-Vorstand zu einer Spinnerwerkstatt am 10./11. September 2017 nach Hofheim eingeladen hatte. 24 Stunden hatten die 25 Teilnehmenden Zeit, in einem kreativen Prozess Ideen zu spinnen und zu möglichen Projektideen weiterzuentwickeln.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen…


„Wir spinnen, knüpfen, weben, wir säen neues Leben…“

Ein neues geistliches Lied bringt auf den Punkt, um was es geht. Im gemeinsamen kreativen Prozess eines „Wir“ neues Leben zu säen und im Miteinanderteilen der Gaben eine Spur Zukunft für die Interfranziskanische Arbeitsgemeinschaft zu legen.


Sr. Magdalena Krol bei der Begrüßung am Spinnrad
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]

Symbolträchtig stand dafür ein Spinnrad in der Mitte, das Sr. Magdalena Krol als INFAG-Vorsitzende als Anstoß für ihren Willkommensgruß nutzte. Es gelte, das schon vorhandene Material zu sichten, das Potential der Teilnehmenden zu nutzen und aus all dem schöne Fäden zu spinnen, die sich dann weiter verarbeiten lassen; dabei das Ganze im Blick zu behalten und sich nicht zu verhaspeln.


[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]

Bei den Eingeladenen waren die verschiedenen Nationalitäten der INFAG berücksichtigt und die unterschiedlichen Lebensformen von Ordensleuten und Nichtordensleuten. Sie freue sich auf Schwestern und Brüder, die für die INFAG brennen und Mut für Neues haben.


Beim Austausch über die bisherigen INFAG-Erfahrungen
[Bildnachweis: Franz-Josef Wagner]


In der Kennlernrunde ging es um „Mein schönstes INFAG-Erlebnis“. Beim Zusammentragen wurde deutlich, was INFAG kennzeichnet und ausmacht: die Geschwisterlichkeit und vielfältigen Begegnungen, der Stallgeruch, der bei diesen Begegnungen spürbar ist, die franziskanische Spiritualität und Lebendigkeit, wie sie beispielsweise von vielen Osterkapiteln in Erinnerung ist, die kulturellen Akzente wie das Franziskusspiel der Menschen mit Behinderung aus Schönbrunn, die gemeinsamen Projekte wie aktuell Hermeskeil.

Die Grundfrage für die weiteren Überlegungen lautete, ob die INFAG ein Dachverband sein soll, der das Bestehende stützt (und sich auf das Vorhandene beschränkt) oder ob die INFAG aktiv die franziskanische Spiritualität in die Zukunft trägt und Wege für Neues bereitet?


Die INFAG-Spinnerrunde 2017
[Bildnachweis: Franz-Josef Wagner]


Schon die Methodik lässt anklingen, dass es die Teilnehmenden nicht beim Bestehenden beließen, sondern kreativ nach neuen Möglichkeiten Ausschau hielten. Um genügend mit Material versorgt zu sein, präsentierte der Moderator Franz-Josef Wagner zunächst die Ergebnisse der Vorarbeiten. Diese betrafen den INFAG-Gesamtvorstand, die Leitungen der Mitgliedsgemeinschaften sowie die Teilnehmenden der Spinnerwerkstatt. Der INFAG-Gesamtvorstand hatte auf seiner vorbereitenden Sitzung zu drei Themenfeldern gearbeitet, zu denen weitere 18 Leitungsverantwortliche telefonisch befragt wurden sowie die Teilnehmenden der Werkstatt per Onlineabfrage.

Die Fragen lauteten:
• Was schätze ich an der INFAG am meisten? Warum engagiere ich mich in der INFAG?
• Was waren bislang die drei wichtigsten Aufgaben der INFAG? Was sind die drei wichtigsten Aufgaben der INFAG für die Zukunft?
• Was sollte sich in Bezug auf die Strukturen verändern?

Insgesamt zeigte sich eine große Wertschätzung für die Arbeit der Vorstände, der Bildungsreferentin und der Geschäftsstelle. Die bisherigen und zukünftigen Aufgaben wurden ähnlich gesehen. Eine jeweilige Akzentuierung der drei befragten Gruppen wurde hervorgehoben.

Die Versammelten tauschten sich dann in Kleingruppen zu dem Gehörten und Gelesenen aus unter den drei Fragestellungen:
• Was ist mir an den Ergebnissen der Vorarbeit aufgefallen?
• Welchen Gedanken möchte ich weiter verfolgen?
• Woran reibe ich mich besonders?

In einer letzten inhaltlichen Einheit des ersten Tages hieß es „Anspinnen“, indem wir die Welt einmal anders herum sehen und uns drei „verrückten“ Fragen widmen:
• Wie schafft es die INFAG, in 3 Jahren keine Mitglieder mehr zu haben?
• Wodurch kann die INFAG demonstrieren, dass sie komplett überflüssig ist?
• Wie kann verhindert werden, dass sich (junge) Leute in der INFAG engagieren?
Damit niemand auf „dumme“ Gedanken kommt, werden die Antworten an dieser Stelle nicht verraten. Nur soviel: Sie helfen tatsächlich, auf „kluge“ und „schlaue“ Gedanken zu kommen! Zumindest verhelfen sie dazu, die Situation nicht allzu verbissen zu sehen, die Lachmuskeln zu lockern und das ein oder andere humorvoll zu betrachten…


Spielerische Begegnungen
[Bildnachweis: Franz-Josef Wagner]


Dem dienten auch die spielerischen Elemente zur Auflockerung sowie die Kreativkarten, die der Moderator zur Anregung für den zweiten Tag und Teil der Werkstatt verteilte.

Die Antworten aus den Kleingruppen zu der Frage „Welchen Gedanken möchte ich weiter verfolgen?“ dienten der Konkretion in fünf Themengruppen, die sich jeweils mit zwei Fragestellungen befassten:


[Bildnachweis: Franz-Josef Wagner]

Wie können wir franziskanische Spiritualität ins Heute übersetzen? Wie präsentieren wir INFAG als Gesicht der Franziskanischen Familie?


[Bildnachweis: Franz-Josef Wagner]

Welche Orte und Projekte wollen wir (zusammen mit Laien) weiter entwickeln? Welche Spielwiesen nutzen wir für Experimente?


[Bildnachweis: Franf-Josef Wagner]

Wie fördern wir die Vernetzung jüngerer Schwestern und Brüder? Wie fördern wir die Begegnung älterer Schwestern und Brüder auf regionaler Ebene?


[Bildnachweis: Franz-Josef Wagner]

Auf welche gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jh. wollen wir als franziskanische Familie reagieren? Wie kann INFAG Sprachrohr für politische Statements werden?


[Bildnachweis: Franz-Josef Wagner]

Welche Formen der Mitgliedschaft soll es auf Zukunft in der INFAG geben? Welche Struktur soll die INFAG in Zukunft haben?


Angeregte Diskussionen: und wie setzen wir unsere Ideen nun um?
[Bildnachweis: Franz-Josef Wagner]


Nach der Vorstellung der einzelnen Gruppen gab es die Gelegenheit für alle, auf kleinen farbigen Zetteln die Ideen zu ergänzen, neue Ideen hinzuzufügen oder mit seinem Namen zu signalisieren „Da mache ich mit, da denke ich weiter…“ Die Projekte mit blauem (Namens-)Zettel sollen auf jeden Fall weiter verfolgt werden. Für alle Teilnehmenden bestand die Möglichkeit, mit zwei Farbpunkten weitere Projekte zu markern, die auf jeden Fall prioritär behandelt und im Blick behalten werden sollen.


[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]

Aus der Plenumsdiskussion seien die Aspekte genannt:
• Zunächst sollten die inhaltlichen Prioritäten geklärt werden und erst dann die entsprechenden Strukturen geschaffen werden
• Die Gemeinschaften sollten klären, was sie weiterhin für sich machen und in welchen Bereichen sie gemeinsam handeln wollen
• Die Gemeinschaften können eigene Angebote als INFAG-Angebote öffnen
• Wo es möglich ist, sollten bereits jetzt Projekte gestartet werden. Nicht für alles ist ein Votum der Mitgliederversammlung notwendig
• Es müssen nicht immer alle gleich mitmachen. Projekte können von einigen angefangen werden, andere steigen vielleicht später ein

Die zahlreichen Ideen werden vom Gesamt-Vorstand auf einer Sitzung im November noch einmal gesichtet, konkretisiert, priorisiert. Sie werden zu gegebener Zeit den Mitgliedsgemeinschaften zugänglich gemacht.


Der Zeitplan des weiteren Vorgehens
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]


Die Spinnerwerkstatt endete mit einem Ausblick auf den Zeitplan. Wie aus dem Plakat ersichtlich, soll innerhalb von 30 Tagen für die Teilnehmenden eine Dokumentation erstellt werden, die Impulsgeber (Leitungsverantwortliche) der Vorarbeit bekommen eine Rückmeldung und die Teilnehmenden, die sich zur Mitarbeit bereit erklärt haben, sind gebeten, eine erste Ideenskizze auszuarbeiten. Innerhalb von 90 Tagen sollen diese Skizzen weiter akzentuiert werden, so dass der INFAG-Vorstand bzw. die von ihm benannten Projektverantwortlichen mit ihnen arbeiten können. Bis zu diesem Zeitpunkt ergeht eine (Komplett-)Dokumentation an alle INFAG-Mitglieder und Leitungsverantwortlichen. Eine Information für die breite Öffentlichkeit (der Schwestern und Brüder sowie Interessierter) erfolgt über die INFAG-Homepage (diese Aktuell-Meldung) sowie über die INFAG-NACHRICHTEN, die im Oktober erscheinen werden. Weitere Updates zur Umsetzung (durch den Vorstand) sind bis zum Osterkapitel 2018 geplant.

Zum Abschluss dankte Sr. Magdalena Krol Franz-Josef Wagner für die Planung und die gelungene Moderation der Spinnerwerkstatt und den Teilnehmenden für Ihr Engagement. Das Rad habe sich in gutem Rhythmus bewegt und einige Spulen sind gesponnen. Nun gelte es, wie eingangs gesagt, mit dem Weben zu beginnen und sich nicht zu verhaspeln.


Gut gesponnen: Die INFAG-Spinnerunde 2017
[Bildnachweis: Franz-Josef Wagner]


Die Teilnehmenden gingen mit dem Gefühl „Was in 24 Stunden alles möglich ist!“ Es war eine reich gefüllte Zeit. Das Spinnen hat sich gelohnt.

Jetzt gilt es den Liedvers weiter umzusetzen: „Wir spinnen“, aber wir knüpfen und weben auch, damit franziskanische Webmuster sichtbar werden, die eine Antwort geben sowohl nach innen auf die Herausforderungen der Mitgliedsgemeinschaften als auch nach außen als Antwort auf die Herausforderungen und Zeichen der Zeit.

Br. Stefan Federbusch

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Letzte Aktualisierung: 12.09.2017 16:27