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Ökumenische Wittenberger Versammlung
Vom 21.-28. August 2017 fand in Wittenberg eine Ökumenische Versammlung der Internationalen Ökumenischen Gemeinschaft (International Ecumenical Fellowship, IEF) statt.

Die Konferenz stand unter dem von Luthers These 62 aus dem Jahr 1517 inspirierten Thema: "Vom wahren Schatz der Kirche(n). Dem Evangelium miteinander auf der Spur." Rund 300 Teilnehmer aus 12 europäischen Ländern beschäftigten sich mit den Fragen der Ökumene und feierten das 50-jährige Jubiläum der Internationalen Ökumenischen Gemeinschaft.


"Ein starkes Zeichen"
Deutliche ökumenische Akzente der IEF in Wittenberg


"Ein starkes Zeichen" - so überschrieb die Mitteldeutsche Zeitung ihren Bericht von der Feier der Lima-Liturgie am 27. August in der Wittenberger Stadtkirche (s.u.). Man kann diesen Titel aber auch über die gesamte Wittenberger Ökumenische Versammlung (WÖV) setzen, die die Internationale Ökumenische Gemeinschaft (International Ecumenical Fellowship, IEF) zu ihrem 50-jährigen Jubiläum vom 21. bis 28. August in Wittenberg veranstaltet hat.

Rund 300 Dauerteilnehmer trafen sich aus mindestens 12 europäischen Ländern von Lissabon bis Cluj in Rumänen für eine Woche in der Lutherstadt.
Die Konferenz stand unter dem von Luthers These 62 aus dem Jahr 1517 inspirierten Thema: "Vom wahren Schatz der Kirche(n). Dem Evangelium miteinander auf der Spur."
Das Ziel der Tagung bestand darin, dem Kern des reformatorischen Anliegens im Dialog miteinander auf die Spur zu kommen. Nach Abschluss der Tagung kann man sagen, dass dieses hochgesteckte Programm aufs Ganze gesehen erfüllt wurde.

Jeder Tag der Woche stand unter einem besonderen Thema. Es reichte von "Reformation und Rechtfertigung" am ersten Tag bis zu "Unsere Schätze teilen" am letzten.

Der Tag begann jeweils mit einem eindrucksvollen Morgenlob in der Aula der Wittenberger Universität Leucorea: eine Passage aus der Bibel und ein dazu passendes Lutherzitat zum jeweiligen Tagesthema standen im Mittepunkt. Getragen wurde das Morgenlob von einer 5-köpfigen Musikgruppe mit Saxophon, Geige, Flöte, Keyboard und einer Sängerin aus Prag unter der Leitung des Kölner Kirchenmusikers Thomas Frerichs. Die Gruppe wirkte auch in jedem Abendgottesdienst mit.


Der Bibelturm am Hauptbahnhof Wittenberg
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]


Zum jeweiligen Tagesthema sprachen ein evangelischer und katholischer Referent mit anschließendem Podiumsgespräch. Daran schlossen sich etwa 25 kleine Gesprächsgruppen an, die das Thema weiter ausloteten. Auf diese Weise kamen die Tagesthemen von vornherein dialogisch zur Sprache: Suche nach der Wahrheit im Gespräch!


Der ief-Vorsitzende Pfarrer Dr. Hans Georg Link im Gespräch mit Prof. Eberhard Tiefensee (Mitte) und Prof. Johanna Rahner
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]


So ordnete die Tübinger Theologin Johanna Rahner Luthers Reformation in den breiten Strom spätmittelalterlicher Reformbewegungen ein. Der Erfurter Theologieprofessor Eberhard Tiefensee erläuterte drei ökumenische Dimensionen: 1. die innerchristliche, 2. die interreligiöse und 3. die konfessionslose im Gespräch mit Menschen ohne religiöse Bindungen. Bei dem mennonitischen Theologen Fernando Enns aus Amsterdam / Hamburg ging es um Gewaltlosigkeit nach dem Vorbild Jesu, die heute zu einer Überlebensfrage der Menschheit geworden ist. Bischof Dr. Gerhard Feige fragte nach der Verbindlichkeit von eingegangenen ökumenischen Verpflichtungen und setzte sich für eine "Ökumene des Lebens" ein. Schließlich entfaltete der Leipziger Theologe Peter Zimmerling evangelische Spiritualität anhand der reformatorischen "Soli": Christus, Gnade, Glaube und Heilige Schrift.


Bischöfin Ilse Junkermann und Bischof Gerhard Feige
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]


Abends fanden jeweils ökumenische Gottesdienste mit Personen und Gruppen statt - zum Thema des Tages und in ganz unterschiedlicher Ausgestaltung. Es begann mit dem Eröffnungsgottesdienst in der Schlosskirche, in dem Reformationsbotschafterin Margot Kässmann auf Englisch zur "Schatzsuche" predigte und der Bonner Arbeitskreis "Biblischer Tanz" drei Seligpreisungen Jesu für Arme, Sanftmütige und Friedensstifter szenisch darstellte.


Derzeit in Wittenberg: "Alles Luther, oder was...?"
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]


Am nächsten Abend wurde ein Versöhnungsgottesdienst in der Stadtkirche gefeiert, der Teile der Hildesheimer Liturgie vom 11. März aufnahm und das Taufgedächtnis mit einer Wasser-Zeichenhandlung vergegenwärtigte.
Im lutherisch-anglikanischen Gottesdienst predigte die Magdeburger Bischöfin llse Junkermann über die Gemeinschaft im Leib Christi. Besondere Aufmerksamkeit gewann die Thomas-Messe "für Zweifler und andere gute Christen" unter der Überschrift "Zeigt her eure Füße". Hier wurde nach einem heiteren Anspiel die Fußwaschung nach dem Vorbild Jesu als ökumenische Zeichenhandlung eingeführt. An 6 Stationen in der Stadtkirche beteiligten sich an die 100 Personen daran, sodass die "Fußwäscher" und Salbenden richtig ins Schwitzen gerieten.


Hallo, ich war auch dabei... Auf dem Marktplatz mit Blick auf die Stadtkirche
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]


Es gab auch eine orthodoxe Feier des Brotbrechens und eine römisch-katholische Vorabendmesse open air neben der zu kleinen katholischen Kirche St. Marien unter der Leitung des Hamburger Bischofs em. Dr. Hans-Jochen Jaschke, in der der evangelische Altbischof Jürgen Johannesdotter die Predigt hielt zur armen Witwe. "Sie hat alles gegeben."


Hier stehe ich... und kann noch ganz anders
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]

Den Höhepunkt der ganzen Tagung bildete am Sonntagvormittag wieder in der Wittenberger Stadtkirche die Feier der sog. Lima-Liturgie, ein ökumenischer Abendmahlsgottesdienst für Teilnehmende aus verschiedenen Konfessionen. Sie wurde vom Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, dem lutherischen Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit, geleitet und der Ratsvorsitzende der EKD, der bayerische Bischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, hielt eine hinreißende Predigt zum Jesuswort: "Ich bin das Brot des Lebens."

Diese ökumenische Abendmahlsfeier gewann dadurch besondere Bedeutung, dass in ihr 11 Kirchenleiter aus 7 verschiedenen Kirchen mitwirkten, unter ihnen der römisch-katholische Bischof em. Dr. Hans-Jochen Jaschke und der koptisch-orthodoxe Bischof Dr. Anba Damian. 491 Jahre nach der Einführung der deutschen Messe durch Luther 1526 wurde nun erstmals wieder ein umfassender Abendmahlsgottesdienst mit evangelischen, katholischen und orthodoxen Bischöfen gefeiert: ein ökumenegeschichtlich historisches Ereignis in Luthers Predigtkirche im Jahr2017!

Die rund 700 Teilnehmenden kommunizierten in Kreisen an 9 verschiedenen Stellen der Kirche jeweils mit einem Bischof und einer Laien-Person aus der IEF, um die Gemeinschaft von Ordinierten und Laien, Männern und Frauen sowie von Angehörigen verschiedener Konfessionen, kurz: das allgemeine Priestertum aller Getauften sichtbar zum Ausdruck zu bringen.
Wunderbare Orgel-, Trompeten- sowie moderne Band-Musik beflügelten den ganzen zweistündigen Gottesdienst. Man spürte bei der Feier den Himmel auf Erden.

Diese Lima-Liturgie wird am Tag der deutschen Einheit, 3. Oktober 2017, von 10.00 bis 11.26 Uhr vom Fernsehsender Bibel-TV ausgestrahlt.
Auf diese Weise wird einem größeren Personenkreis in Mitteleuropa vor Augen geführt, wie weit die Gemeinschaft unter christlichen Kirchen im Jahr des Reformationsgedenkens 2017 bereits gediehen ist: ein starkes Zeichen!


Auch die Thesentür der Wittenberger Schlosskirche habe ich mir angeschaut
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]

Schließlich muss noch von besonderen Ereignissen während der einwöchigen Tagung die Rede sein. Sie wurde von zwei großen Empfängen eingerahmt: Zu Beginn vom Evangelischen Kirchenkreis Wittenberg in einem Zelt auf dem neu geschaffenen Schlosshof; zum Abschluss am Sonntag im Historischen Rathaus auf dem Marktplatz.


Das Kreuz, wie es bei der Versöhnungsliturgie in Hildesheim (dort in groß) zum Einsatz kam
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]


Ein Gospel-Abend unter freiem, sommerlich warmem Himmel vor dem Rathaus unterstrich mit einer 10-köpfigen Band das reformatorische Evangelium mit heiteren und besinnlichen Liedern, z.B. einer Pop-Version des Liedes der Reformation: "Ein feste Burg ist unser Gott."

Am Samstagabend wurde auf der großen Bühne am Schloss das inzwischen sehr bekannte Luther-Pop-Oratorium vor über 3000 Zuhörenden aufgeführt. An der Baumallee, die zur Luther-Eiche führt, wurde am Sonntagnachmittag ein Baum der Versöhnung und der internationalen Gemeinschaft gepflanzt.


ÖRK-Generalsekretär Dr. Olav Fykse Tveit
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]


Und schließlich gab es im neuen Wittenberger Stadthaus einen Festabend zum 50-jährigen Bestehen der IEF. Er begann mit Überlegungen des ÖRK-Generalsekretärs Dr. Tveit zur ökumenischen Bedeutung des Gedenkjahres 2017 und mündete nach einem frugalen Festessen in beschwingte internationale Gesänge und Tänze. Zum Schluss sang die internationale Gemeinschaft das Lied der Bürgerrechtsbewegung: "We shall overcome": We walk hand in hand; we shall live in peace...Es klang, als ob an diesem Abend die Internationale Ökumenische Bewegung (IEF) zu neuen Ufern aufbrechen wollte. Auch das war "ein starkes Zeichen".


Festakt zumn 50-jährigen Bestehen der Internationen Ökumenischen Gemeinschaft (IEF)
[Bildnachweis: Br. Stefan Federbusch]


Wittenberger ökumenischer Aufruf der deutschen Region der Internationalen Ökumenischen Gemeinschaft (IEF) 2017 an die Kirchenleitungen und Gemeinden in Deutschland Entdeckte und noch ungehobene Schätze der Kirchen
Der Aufruf zum Download (pdf)

Pfarrer Dr. Hans-Georg Link
Vorsitzender der IEF in Deutschland

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Letzte Aktualisierung: 05.09.2017 20:26