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Ewige Profess von
Sr. Bernadette Wagner
Freude bei den Oberzeller Franziskanerinnen: am 29. Januar 2017 feierte Sr. Bernadette Wagner ihre Ewige Profess und band sich damit endgültig an Gott und die Gemeinschaft der Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu. Die Feier war geprägt vom Gedanken der Menschwerdung, die geschieht, wenn Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, etwa in der Begegnung zwischen der 32-jährigen Assistenzärztin und ihren Patienten.


Feier der Ewigen Profess

Mehr als ein „Vier-Minuten-Experiment“: Menschen auf Augenhöhe begegnen


Ewige Profess von Schwester Bernadette Wagner in der Klosterkirche Sankt Michael in Oberzell am 29. Januar – Menschen als Menschen sehen in ihrer Sehnsucht nach Heilsein

Zell a. Main/Kloster Oberzell. In einem feierlichen Gottesdienst hat Schwester Bernadette Wagner ihre Profess auf Lebenszeit abgelegt und sich lebenslang an die Kongregation der Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu gebunden. Sie versprach nach dem Evangelium zu leben. Die Gelübde Armut, Gehorsam und eheloser Keuschheit um des Reiches Gottes willen versteht sie als Bereitschaft zum Teilen, Hören und Lieben. Hauptzelebrant war Burkhard Hose, Pfarrer der Katholischen Hochschulgemeinde (Würzburg). Konzelebrant war der Hausgeistliche, Oberstudienrat Achim Wenzel.


Sr. Bernadette Wagner (rechts) mit der Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnen, Sr. Katharina Ganz (Foto: Johannes Wagner)

In ihrer Begrüßung stellte Schwester Katharina Ganz, Generaloberin der Oberzeller Franziskanerinnenn, die Frage, die viele Zeitgenossen unausgesprochen umtreibt, was Frauen denn heute noch bewege, das Ordensleben zu wählen. Emanizipiertes, selbstbewusstes Leben als Frau ohne Abhängigkeit von Vätern oder Ehemännern gehe schließlich auch ohne ein zölibatäres Leben. Erst recht ein Engagement aus dem christlichen Glauben heraus oder ein Beruf im Sozialwesen und Pflegebereich. An Schwester Bernadette gewandt sagte sie: „Du hast einen Mehrwert darin entdeckt, in Gemeinschaft mit Gleichgesinnten zu leben, mit anderen Frauen, gleichaltrigen und älteren religiöses Leben und Werte zu teilen und Dich mit Deinen Gaben und Grenzen hineinzustellen in ein größeres Ganzes. Menschwerdung, der zentrale Inhalt unserer Spiritualität, ist für Dich zu einem Lebensprogramm geworden. In dieser Spur Jesu zu bleiben, das macht für Dich Sinn, und das möchtest Du nicht mehr missen.“

Seine Predigt begann der Würzburger Studentenpfarrer Burkhard Hose mit Szenen aus einem Videoexperiment, mit dem Amnesty International im vergangenen Jahr Vorurteile zwischen Flüchtlingen und Europäern abbauen und Grenzen zwischen Menschen überwinden wollte. Nach einer Methode des US-Psychologen Arthur Aron sollten sich wildfremde Menschen gegenüber sitzen und einander vier Minuten schweigend in die Augen schauen. Das genüge, damit zwei Menschen tiefe Sympathien füreinander entwickeln könnten. Mit dem „Vier-Minuten-Experiment“ wollte Amnesty International darauf aufmerksam machen, wie wenig es brauche, um die übliche Sicht auf geflüchtete Menschen zu verändern – vier Minuten, in denen sich zwei Menschen ansehen als Menschen. Alles Trennende verlor seine Bedeutung. Bedeutung hatte nur noch das, was die Menschen verband.

Schwester Bernadette wählte für ihren Professtag die Stelle aus dem Lukasevangelium, die jedes Jahr an ihrem Geburtstag in der Adventszeit in der Kirche gelesen wird. Pfarrer Hose sagte, sie habe darin eine Bedeutung für ihr Leben gefunden, weil sie genau das in Gemeinschaft mit ihren Mitschwestern leben wolle, was in der Begegnung von Maria mit Elisabeth geschildert werde. Denn für die Oberzeller Franziskanerinnen sei die Menschwerdung Gottes eben nicht ein zurückliegendes frommes Ereignis, sondern ereigne sich, wenn wirkliche Begegnung zwischen Menschen möglich sei. Wörtlich sagte Burkhard Hose: „Du glaubst daran, dass Menschwerdung immer dann geschieht, wenn sich zwei Menschen wirklich auf Augenhöhe begegnen, wenn die Ärztin im Patienten nicht nur ein defektes Gebilde aus Zellen sieht, das repariert werden muss, sondern ein Mensch, der Geheimnis bleibt und heil sein will an Leib und Seele.“ In diesem Sinn wolle Schwester Bernadette das Evangelium leben – nicht nur als „Vier-Minuten-Experiment“ – sondern als Lebensprojekt, was mit dem großen, vielleicht auch etwas Furcht einflößenden Attribut „ewig“ ausgedrückt werde.

Während die Allerheiligen-Litanei gesungen wurde, lag Schwester Bernadette als Zeichen ihrer Hingabe an Gott ausgestreckt vor dem Altar. Anschließend versprach sie in die Hände der Generaloberin für die Zeit ihres Lebens nach den Regeln Regel des Regulierten Dritten Ordens des heiligen Franziskus und den Konstitutionen der Kongregation zu leben. Die Professurkunde unterzeichneten Schwester Bernadette und Schwester Katharina auf dem Altar. Als Zeichen ihrer Treue zu Christus in der Gemeinschaft der Oberzeller Franziskanerinnen erhielt Schwester Bernadette einen silbernen Ring.

An dem Gottesdienst in der voll besetzten Klosterkirche nahmen die Eltern und der Bruder von Schwester Bernadette teil, weitere Verwandte, Freundinnen und Arbeitskollegen, Mitglieder aus anderen Ordensgemeinschaften und dem Antonia-Werr-Kreis der Oberzeller Schwestern sowie Mitarbeiter der Gemeinschaft und Schwestern der verschiedenen Niederlassungen.

Für die musikalische Gestaltung sorgten das Duo Rainer Schwander (Sopransaxophon) und Bernhard von der Goltz (Gitarre) sowie Christian Brückner (Orgel) und Schwester Regina Grehl (Gesang).

Schwester Bernadette Wagner (32) stammt aus Wehringen (Landkreis Augsburg). Ihr Abitur machte sie 2004 am Maria-Stern-Gymnasium in Augsburg. Anschließend studierte sie Humanmedizin an der Universität Würzburg. Nach ihrem Staatsexamen trat sie im Juli 2011 ins Kloster Oberzell ein und legte im Februar 2014 Erstprofess ab. Seitdem arbeitet sie als Assistenzärztin im Kreiskrankenhaus Ochsenfurt.

Theresa Braunwarth

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Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:36