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Wege des Friedens
Unter diesem Titel stand das Weltfriedenstreffen vom 10.-12. September 2017 in Münster und Osnabrück. Der Einladung der beiden Bistümer und der Gemeinschaft Sant´Egidio waren zahlreiche Vertreter der verschiedenen Religionen gefolgt. Zum Abschluss gab es in Osnabrück einen Friedensappell führender Repräsentanten der Weltreligionen.


Weltfriedenstreffen von Sant'Egidio endet mit Appell in Osnabrück

Mit einem Friedensappell führender Repräsentanten der Weltreligionen ist am Dienstagabend das Weltfriedenstreffen von Sant'Egidio in Osnabrück zu Ende gegangen.

Auf der Abschlussveranstaltung auf dem Marktplatz verpflichteten sich die Religionsvertreter, dafür zu arbeiten, dass die Ursachen vieler Konflikte beseitigt werden. Sie sagten zu, neue Wege des Friedens zu eröffnen.


Abschlussveranstaltung vor dem Osnabrücker Rathaus
[Bildnachweis: Christof Haverkamp]

»Als Vertreter der Weltreligionen wollen wir den Blick über unsere Horizonte hinaus richten und eine neue Bewegung des Dialogs ins Leben rufen«, heißt es in dem Appell. »Die Begegnung und der Dialog entwaffnen und halten die Gewalttäter auf. Denn wir wissen, dass der Krieg niemals heilig ist und dass jene, die im Namen Gottes töten, weder im Namen einer Religion noch im Namen der Menschen handeln.«

Gebete von Christen, Juden, Muslimen und Buddhisten

Der Appell wurde auf dem Osnabrücker Marktplatz vor zahlreichen Bischöfen und anderen Vertretern von Kirchen und Religionen im Beisein von rund 5000 Teilnehmern verlesen. Zuvor hatten sich Christen, Juden, Muslime, Buddhisten und Vertreter weiterer Religionen zu getrennten Gebeten im Osnabrücker Dom und der nahen Umgebung getroffen. In einer gemeinsamen Prozession waren sie anschließend auf den Marktplatz gezogen.

Der Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode sagte in einem Grußwort, die Begegnungen der Vertreter verschiedener Religionen aus politisch durchaus auch verfeindeter Staaten steigerten die Sehnsucht nach Frieden in Gerechtigkeit für die ganze Welt. »Sie zeigen unübersehbar die positive Kraft der Religionen für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen«, sagte Bode. Gerade heute seien die Netzwerke des Friedens, die auch mit Hilfe der Gemeinschaft Sant'Egidio geknüpft würden, von überlebensnotwendiger Bedeutung für die Welt angesichts der grausamen Netzwerke der Ungerechtigkeit, der Gewalt und des Terrors.

Bischof von Aleppo: Krieg ist eine nutzlose Schlächterei

Der Gründer von Sant'Egidio, Andrea Riccardi, betonte, das Gebet habe große Bedeutung für die Lage der Welt. Der armenisch-katholische Erzbischof aus Aleppo in Syrien, Boutros Marayathi, sagte in einem Appell, der Schrei »Nie wieder Krieg« ertöne aus seiner Stadt Aleppo und allen Städten, die von Gewalt und Konflikten verwundet seien. »Es ist der Schrei der Kinder, der Frauen und Flüchtlinge, die auf den Frieden warten.« Der Krieg sei eine »nutzlose Schlächterei«, ein Massaker an Menschen, ganzen Kulturen, der Zivilisation, der Natur, der Umwelt und an allem Schönen.

Das Weltfriedenstreffen hatte am Sonntag in Münster begonnen; auch Kanzlerin Angela Merkel nahm an der Eröffnung teil. Am Montag und Dienstag sprachen die Teilnehmer in rund zwei Dutzend Podien unter anderem über Krieg, Gesundheit, Terrorismus, das Martyrium von Christen, Gerechtigkeit, Globalisierung und Umweltschutz. - Die Gemeinschaft Sant'Egidio ist eine internationale Laienbewegung, die 1968 in Rom gegründet wurde und an zahlreichen Friedensverhandlungen beteiligt war.

Christof Haverkamp

Quelle: www.kirche-und-leben.de

Informationen zu allen Veranstaltungen auf der Homepage von Sant´ Egidio: www.santegidio.org


Friedensappell des internationalen Weltfriedenstreffens 2017


Bei der Abschlusszeremonie des internationalen Weltfriedenstreffens 2017 wurde ein Friedensappel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer verlesen. Darin erteilen sie dem Terrorismus eine eindeutige Absage und verpflichten sich, dafür zu arbeiten, dass die Ursachen vieler Konflikte beseitigt werden: die Gier nach Macht und Geld, der Waffenhandel, der Fanatismus und der Nationalismus.

Friedensappell des Weltfriedenstreffens 2017

Wir sind Frauen und Männer verschiedener Religionen und haben uns nach intensiven Tagen der Begegnung und Freundschaft hier versammelt, um alle auf das Bedürfnis hinzuweisen, neue „Wege des Friedens“ einzuschlagen. Die Welt braucht sie wie das Brot, damit sie nicht in der Vergangenheit und in Angst gefangen bleibt. Ganze Völker sehnen sich nach Frieden, Völker, die durch endlose Konflikte verarmt und geknechtet sind. Den Frieden erbitten die Opfer der Gewalt und eines erbarmungslosen Terrorismus. Um ihn flehen Flüchtlinge und Vertriebene, die aufgrund von Konflikten und Naturkatastrophen ihre Heimat verlassen haben.
Wir, die wir hier sind, verkünden den Frieden vor aller Augen, in einer Region, die es in der Vergangenheit verstand, Religionen zu versöhnen und Frieden zu stiften – im Herzen Europas, das es nötig hat, einiger, offener und solidarischer zu sein. Ängste und Vorurteile müssen überwunden werden, die zur Ausgrenzung des Anderen führen, nur weil er anders ist oder weil man ihn nicht kennt, oft ohne die Gründe dafür zu verstehen. Deshalb sind heute alle Gläubigen gefordert, mit mehr Kühnheit zu handeln.

Der Globalisierung ist es gelungen, Wirtschaft und Handel zu einigen, doch nicht die Herzen: Im Respekt vor der Verschiedenheit muss durch einen dauerhaften Dialog eine spirituelle Einigung verwirklicht und aufgebaut werden, und dabei darf niemand ausgegrenzt werden. Diese „spirituelle Einigung“ kann der Welt viel geben. Es ist die Seele, die fehlt und die den so sehr ersehnten Frieden bringen kann. Als Vertreter der Weltreligionen wollen wir den Blick über unsere Horizonte hinaus richten und eine neue Bewegung des Dialogs ins Leben rufen. Die Begegnung und der Dialog entwaffnen und halten die Gewalttäter auf. Denn wir wissen, dass der Krieg niemals heilig ist und dass jene, die im Namen Gottes töten, weder im Namen einer Religion noch im Namen der Menschen handeln.

Voller Überzeugung sagen wir Nein zum Terrorismus, der in den vergangenen Monaten zu viele Länder heimgesucht und zu viele Unschuldige im Norden und Süden der Welt getötet hat. Wir verpflichten uns, dafür zu arbeiten, dass die Ursachen vieler Konflikte beseitigt werden: die Gier nach Macht und Geld, der Waffenhandel, der Fanatismus und der Nationalismus. Nach dem Ende des Kalten Krieges erscheint zum ersten Mal wieder die Gefahr eines Atomkrieges vom Fernen Osten her. Was können die Gläubigen tun? Vielleicht mehr als sie selbst hoffen und sich vorstellen. Vor allem können sie beten! Wie heute Abend an verschiedenen Orten dieser Stadt und auf diesem Platz: mit einem großen Friedensgebet. Doch auch unser Zusammensein unter verschiedenen Religionen, das in diesen Jahren gewachsen ist, ist ein Zeichen des Friedens und hat bereits ein Netz zur Vorbeugung von Konflikten geschaffen.

Es gibt große Erwartungen uns gegenüber. Sie kommen von den Demütigen und Armen der Erde. Wir haben eine große Verantwortung: Wir dürfen nicht zulassen, dass die Resignation überwiegt, oder, was noch schlimmer ist, die Gleichgültigkeit. Das haben wir im letzten Jahr in Assisi zum Ausdruck gebracht, am dreißigsten Jahrestag des ersten Friedensgebets. Zu diesem Ereignis hatte Papst Johannes Paul II. eingeladen, und die Gemeinschaft Sant’Egidio wollte es jedes Jahr fortsetzen. Im Appell von 2016 heißt es: „Friede ist der Name Gottes. Wer den Namen Gottes anruft, um Terrorismus, Gewalt oder Krieg zu rechtfertigen, befindet sich nicht auf Seinem Weg“. Daher wollen wir uns heute mit der Hilfe Gottes und mit der Unterstützung vieler feierlich dazu verpflichten, in unserer Welt neue „Wege des Friedens“ zu eröffnen.

Quelle: https://bistum-osnabrueck.de

Bildergalerie zum Weltfriedenstreffen: https://bistum-osnabrueck.de/gesichter-des-weltfriedenstreffens/

Friedensbotschaft Bischof Franz-Josef Bode
: https://bistum-osnabrueck.de

Botschaft von Papst Franziskus zur Eröffnung des Weltfriedenstreffens https://bistum-osnabrueck.de

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Letzte Aktualisierung: 17.09.2017 11:29