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Friedenslampe an Angela Merkel
Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält am 12. Mai 2018 in Assisi die Lampe des Friedens. Diese ist eine Nachbildung der Öllampe, die ununterbrochen am Grab des heiligen Franz von Assisi brennt. Die Brüder des Sacro Convento verleihen sie jährlich an Regierende, aber auch an andere einflussreiche Menschen aus aller Welt, die sich für den Frieden einsetzen.


Lech Wałęsa hat sie, der Dalai Lama ebenso, auch der frühere israelische Präsident Schimon Peres und Papst Franziskus nennen sie ihr eigen: die „Lampe des Friedens“. Mitte Mai wird sie die deutsche Bundeskanzlerin in Assisi entgegennehmen. Angela Merkel wird nicht alleine kommen. Auch der kolumbianische Staatspräsident Juan Manuel Santos, der die „Lampe des Friedens“ im Vorjahr erhielt (und auch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde), wird am 12. Mai 2018 nach Assisi reisen.

Wie der Kustos des „Sacro Convento“, Br. Mauro Gambetti, kürzlich verlauten ließ, wird die deutsche Bundeskanzlerin dann „für ihre Bemühungen um die Versöhnung und das friedliche Zusammenleben der Völker“ ausgezeichnet. Friedenslampe mit Tradition Die „Friedenslampe“, die dabei überreicht wird, ist eine Nachbildung der Öllampe, die ununterbrochen am Grab des heiligen Franz von Assisi brennt.

Das Licht gilt in vielen Religionen als Zeichen für die Anwesenheit Gottes, für Wahrheit und Erkenntnis. Das Licht spielt auch in dem überlieferten Gebet des heiligen Franziskus vor dem Kreuz von San Damiano eine zentrale Rolle, wo er betet: „Höchster, glorreicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens…“ Dem Armen von Assisi wird dort in der verfallenen Kapelle und der Orientierungslosigkeit seines jungen Lebens Wegweisung geschenkt. Er beginnt seinen Weg als Minderbruder, der bis heute Menschen in aller Welt inspiriert.



Seit dem Friedensgebet von Papst Johannes Paul II. mit Vertretern der großen Weltreligionen im Jahr 1986 in Assisi brennt die Friedenslampe in Assisi – als Zeichen dafür, dass das Licht die Dunkelheit besiegt. Ihr Öl dient als Symbol für die erhoffte Heilung der Wunden, die von Terror, Krieg und Hass geschlagen werden. Und schließlich ist sie auch ein Licht der Sehnsucht – der Sehnsucht, dass auf der ganzen Erde endlich Frieden werde.

Auszeichnung – und Ansporn

Vor vielen Jahren haben die Brüder des Sacro Convento beschlossen, dass dieses Licht nicht nur am Grab des heiligen Franziskus brennen soll. Und so wird es Jahr für Jahr an Regierende, aber auch an andere einflussreiche Menschen aus aller Welt verliehen, die sich für den Frieden einsetzen. Dabei ist die „Lampe“ nicht nur als Ehre und Belohnung zu verstehen. Sie gilt auch als „Erinnerung und Ermahnung“, wie Br. Mauro Gambetti betont: Der Friede ist kein Besitz, sondern vielmehr etwas, woran Generation für Generation gearbeitet werden muss. Nicht zuletzt deshalb begleiten mahnende Worte aus dem Mund des heiligen Franz von Assisi der Verleihung der Friedenslampe: „Bedenkt und seht, dass der Tag des Todes naht. Daher bitte ich euch in Ehrfurcht, so gut ich kann, ihr möchtet doch nicht wegen der Sorgen und aufreibenden Amtsgeschäfte dieser Welt den Herrn der Vergessenheit anheimfallen lassen und von seinen Geboten abweichen.“

So hoffen die Brüder an der Basilika San Francesco, dass die deutsche Bundeskanzlerin von der Sehnsucht nach Frieden als „Weltfriedensbotschafterin“ angetrieben wird. Ganz abgesehen davon ist es natürlich eine besondere Ehre für den Sacro Convento, eine der einflussreichsten Politikerinnen der Welt zu Gast zu haben. Die besondere Aufmerksamkeit ist Assisi am 12. Mai gewiss.

Andreas Murk ofmconv


Das Licht von San Francesco
Franziskaner-Konventualen zeichnen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der "Lampe des Friedens" aus

Alle Religionen bedienen sich in ihrer Mythologie, in ihrem Kult und in ihren bildhaften Darstellungen, der Idee des Lichtes als Symbol der Gegenwart und des Segens Gottes. Das Licht ist Zeichen für die Anwesenheit Gottes, für Wahrheit und Erkenntnis. Der heilige Franziskus bittet Gott am Beginn seines Bekehrungsweges um Licht und Klarheit auf der Suche nach dem Sinn und dem Ziel seines Lebens.

Seitdem nun Papst Johannes Paul II. im Jahre 1986 erstmals die Vertreter der Weltreligionen zum Friedensgebet nach Assisi eingeladen hatte ist sie zu einem Symbol geworden: Eine kleine, unscheinbare gläserne Lampe. Sie gilt mit ihrem Licht als Zeichen des Sieges über die Dunkelheit der Gewalt und der Gottesferne, das Öl, das sie nährt, steht für die Heilung der Wunden, die Kriege und Hass verursachen. Die “Lampe des Friedens” ist Ausdruck der tiefen Sehnsucht des Menschen, daß die Welt herausfinden möge aus der Dunkelheit der Gewalt.

So entstand bei den Franziskaner-Konventualen bei der Grabeskirche des heiligen Franziskus die Idee, dieses Zeichen des Friedens auch weiterhin vor allem an Regierende und andere Verantwortungsträger des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens zu überreichen. Sei es als Zeichen der Anerkennung für deren Einsatz zum Wohle der Menschen, sei es aber auch zur Erinnerung und Ermahnung daran, die fundamentalen Werte des Zusammenlebens der Völker nicht aus dem Blick zu verlieren.
So soll nun in diesem Jahr der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel diese Lampe verliehen werden; wie immer geschieht es unter den Worten des heiligen Franziskus, der in seinem Brief an die Lenker der Völker schreibt: “Bedenkt und seht, daß der Tag des Todes naht. Daher bitte ich euch in Ehrfurcht, so gut ich kann, ihr möchtet doch nicht wegen der Sorgen und aufreibenden Amtsgeschäfte dieser Welt den Herrn der Vergessenheit anheim fallen lassen und von seinen Geboten abweichen. ________________________________________

Grußworte von Bruder Mauro Gambetti

„Botschafter, verehrte Gäste, Journalisten, ein Jeder von Euch empfange den Gruß des Heiligen Franziskus. „Der Herr gebe Euch Frieden!“
“Mein besonderer Dank gilt all denen, durch deren Hilfe diese Pressekonferenz heute zustande kommt, so daß wir offiziell verkünden können, dass am 12. Mai die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Präsident der Columbianischen Republik Juan Manuel Santos hier in Assisi sein werden. Bei dieser Gelegenheit erhält die Kanzlerin für ihr Wirken zugunsten der Versöhnung und des friedlichen Miteinanders der Völker die „Lampe des Friedens“.

Diese Lampe ist die exakte Kopie von jener, die ununterbrochen am Grab des Heiligen von Assisi brennt. Sie ist ein Symbol der Liebe und der Versöhnung. Sie soll jedoch nicht nur ein Objekt der Erinnerung an diesen schönen Moment in Assisi sein. Vielmehr möchten wir ,dass durch die Gesten, Handlungen und Entscheidungen derer, die das Schicksal von Millionen von Menschen lenken können, dieses Ereignis zu einem Geist des Zeugnisses von Männer und Frauen führt, die sich über die Bedeutung dessen bewusst sind, was sie tun und wohin sie unsere Nationen in Zukunft führen“.
„Gemeinsam mit Präsident Santos, der die gleiche Auszeichnung im Jahr zuvor erhalten hat, wird die Bundeskanzlerin vor Hunderten von Jugendlichen von IHREM Europa sprechen. Ein Europa das auch heute noch konfrontiert ist mit seinen inneren und äußeren Unterschieden und darum ringt, eine mögliche Einheit zu finden.

Vor wenigen Tagen hat Papst Franziskus in seiner letzten Ansprache „Freut Euch und Jubelt“ von der Heiligung jeden Tages gesprochen, ein scheinbarer Gegensatz. Aber er verdeutlicht uns die Idee des Papstes, der uns auf das Heil und die Nähe zum Nächsten aufmerksam machen will, indem er einen Jeden von uns zu kleinen freundlichen Gesten für die Menschen die uns tagtäglich begegnen, inspirieren will. Es sind wohl diese kleinen Zeichen, die uns ermöglichen die Unterschiede, die uns nicht gestatten den Menschen dahinter zu betrachten, zu überwinden“.

„Unterschiede“ heißt das diesjährige Motto dieser Veranstaltung.
„Die Unterschiedlichkeit“, schreibt der amerikanische Philosoph Charles Taylor ist Teil der Welt in der wir als Abbild Gottes geschaffen worden sind!“ (La modernità della religione, tr. it., Meltemi, Roma 2004, pp. 82-83) „Die Gegensätzlichkeit der Begriffe und Ansichten führt uns zu der Annahme, dass Unterschiede, gerade weil sie unbestreitbar sind, die Möglichkeit menschlicher Beziehungen untergraben. Somit wären authentische Beziehungen nur von „kurzen Dauer, leichtfertig und nicht sehr verantwortungsbewusst. Wenn wir aber dieses vorherrschende Stereotyp verlassen, und uns auf die Idee eines Miteinanders konzentrieren, nicht der Bequemlichkeit der Interessen und der Schmeichelei der Rechtfertigung ausgesetzt, eröffnet sich ein völlig anderes Blickfeld. Die Blickrichtung zum Nächsten verändert sich grundlegend, weil sie ihre Legitimität aus der transzendentalen Natur des Gemeinwohls und aus der Würde der menschlichen Person bezieht. „Die Motivation unserer Begegnung in Assisi rührt nicht von unserer eigenen Initiative, sondern sie stammt aus den Briefen, die der Heilige Franziskus an die „Lenker der Völker“ schrieb. Eine Ermahnung für die Führer, um sie an ihre Aufgabe zu erinnern, dass sie im Dienst für das arme Volk bestellt sind. Das ist es, worauf wir nach 800 Jahren immer noch hoffen: Dass die Herrscher von gestern, heute und morgen nicht abweichen mögen von Gottes Geboten“! „Dass der heilige Franziskus uns beschütze und unseren Weg erleuchte!“

Quelle: https://franziskaner.net

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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 07.05.2018 17:27