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Treffen der Weggemeinschaften
Am 19./20. Oktober 2018 trafen sich in Hofheim die Vertreterinnen und Vertreter der Weggemeinschaften / Assoziierten. Die 17 Teilnehmenden vertraten sieben verschiedene Gemeinschaften. Unter der Leitung von Gisela Engel und Regina Walz ging es um die Frage von Strukturen, um die Ressourcen von franziskanischen „Laien“ und um das Leben der franziskanischen Spiritualität im Alltag.


Jahrestreffen der Weggemeinschaften

Vertreten waren beim diesjährigen Treffen die Gemeinschaften: Koinonia Salzkotten, Weggemeinschaft Aachen, Gemeinschaft Lebensbaum Hegne, Ge(h)meinsam Olpe, Weggemeinschaft Münster-Mauritz, Assoziierte Waldbreitbach und Gemeinschaft pace e bene.

Nach einer Aufstellung nach den Herkunftsorten der Weggemeinschaften ordneten sich die Teilnehmenden zum Kennenlernen zu fünf Stichworten zu und kamen in Kleingruppen ins Gespräch:
• Vernetzung in der franziskanischen Familie
• Sind Strukturen hilfreich oder lähmend?
• Sind franziskanische Werte noch zeitgemäß in der heutigen Gesellschaft; wenn ja, warum oder warum nicht?
• Herausforderung: franziskanische/r Botschafter/in sein
• Wie sieht Begegnung auf Augenhöhe aus?



Als Erwartungen für das Treffen wurde benannt:
• Über den eigenen Tellerrand schauen
• Vernetzung als Chance – wie konkret?
• Gegenseitige Stärkung und Unterstützung
• Wie kommen wir an neue Mitglieder?
• Gestaltung auf Zukunft hin – neue Ideen – Plattform für Inhalte
• Was wollen wir als Weggemeinschaften?
• Strukturen
• Medien / Datenschutz
• Verbindungsschwestern werden weniger – was tun?
• Wie gestalten wir Spiritualität im Alltag, wie lassen sich franziskanische Werte umsetzen?
• Verbindung zur INFAG – Mitgliedschaft?
• Umgang mit zu groß werdender Gemeinschaft

Ein erster Themenblock beschäftigte sich mit der Frage: Sind Strukturen hilfreich oder lähmend?
Dazu taten sich jeweils die Mitglieder zusammen, die derselben Weggemeinschaft angehörten, in einer weiteren Kleingruppe alle, die nur einzeln von einer Weggemeinschaft da waren. Strukturen sind hilfreich, wenn sie:
• Orientierung, Sicherheit, einen Rahmen bieten
• auf das Ziel ausrichten
• ein Geländer sind, kein Korsett
• dynamisch und veränderbar sind
• an den Bedürfnissen der Einzelnen ausgerichtet sind und die Berufung des Einzelnen achten und fördern
• Vielfalt ermöglichen
• Kommunikation fördern
• eine klare Leitungsstruktur schaffen
• die Balance zwischen Individuum und Gemeinschaft austarieren
• die Mitgestaltung durch die einzelnen Mitglieder ermöglichen und fördern

Als positive Beispiele wurden genannt:
- Das Berufungsgebet, das täglich von allen Mitgliedern gebetet wird - Gemeinsame Exerzitien der Mitglieder (Ziel: auch mit den Ordensschwestern)
- Die gemeinsame Leitung der Weggemeinschaft durch Ordensschwestern und „Laien“
- Ein jährliches Treffen der Weggemeinschaft mit der Ordensleitung
- Die Schaffung von Verbindlichkeit
- Gebetspatenschaften – jeweils zwischen einer Ordensschwester und einem Mitglied der Weggemeinschaft – dadurch Einbezug auch älterer Schwestern – gegenseitige Besuche

Als Problemfelder wurden genannt:
- Die Parallelstrukturen von Ordensgemeinschaft und Weggemeinschaft
- Die mangelnde Integration in die Ordensgemeinschaft (lediglich ein „Anhängsel“)
- Kein Umgang auf Augenhöhe
- Hierarchische Strukturen
- Mangelnde Transparenz durch die Ordensgemeinschaft
- Mangelnde Innovation und Spontaneität in der Ordensgemeinschaft
- Angst der Ordensschwestern vor Neuem
- Frage der Eigenständigkeit der Weggemeinschaft / Emanzipation
- Frage der Verbindlichkeit (Art des Versprechens)



In einem zweiten Themenblock wurde gefragt, wo und wie franziskanische „Laien“ ein Pool von Ressourcen sind. Genannt wurden die Aspekte:
• Geschenk: Gegenseitiges Geben und Nehmen
• Voneinander Lernen
• Gegenseitige Bereicherung / Ergänzung
• Einbringen neuer Sichtweisen in die Ordensgemeinschaft durch die unterschiedlichen Lebensentwürfe
• Kontakt zur Außenwelt – Einbringen anderer Themen
• Das franziskanische Charisma in der Welt leben (in der Familie, im Beruf)
• Talente, Begabungen, Kompetenzen nutzen (Musik, Medien)
• Unterstützung der Ordensgemeinschaft in einzelnen Bereichen (bei Festen und Feiern, Fahrdienste, Betreuung älterer Schwestern, ehrenamtliche Aufgaben)
• Teilhabe an Leitungsaufgaben innerhalb der Weggemeinschaft (Co-Leitung)
• Teilhabe an Leitungsaufgaben innerhalb der Ordensgemeinschaft, wenn auf Zukunft hin Bedarf besteht in Verwaltung, Finanzen, Oberinnenamt usw.
• Teilnahme an Provinzveranstaltungen (Provinzkapitel, Generalkapitel, Provinzversammlung)

Klärungsfelder:
- Welcher bessere Begriff als „Laie“ für die Nichtordensmitglieder lässt sich finden?
- An welchen Ordens-Veranstaltungen wird eine Teilnahme von Vertreterinnen der Weggemeinschaft gewünscht (wird sehr unterschiedlich gehandhabt)?
- Wie kann verhindert werden, dass die Mitarbeit der Weggemeinschaften eine Lückenfüllerfunktion bekommt und zu einer Ausbeutung der personalen Ressourcen wird?
- Wie kann es zu einem Bewusstseinswandel bei den Ordensmitgliedern kommen, auch in Bezug auf Sinn und Zweck der Weggemeinschaft (vorrangig: Teilhabe am franziskanisch-klarianischen Charisma und nicht Definition über deren Leistung)?



Dies soll im Sinne von Zukunfts-Wegen im Auge behalten bzw. weiter verfolgt werden:
• Es braucht eine beiderseitige Transparenz in Bezug auf die Ressourcen: Die Ordensgemeinschaft muss definieren, was sie benötigt; die Mitglieder der Weggemeinschaften müssen klar rückmelden, was sie diesbezüglich in Freiheit leisten können und was nicht – in einen intensiveren Dialog treten (ggf. mit Hilfe eines Midiators)
• Anzuzielen ist eine Wahrnehmung von Verantwortung sowohl innerhalb der Weggemeinschaft als auch in den Ordensgemeinschaften (z.B. Leitung von Einrichtungen und Werken, etwa einer Obdachlosenspeisung). Dazu bedarf es der oben genannten Klärungsprozesse und Transparenz
• Miteinander Unterwegssein im selben Geist – die Geschwisterlichkeit stärken – die Begegnung auf Augenhöhe – Bewusstseinsarbeit leisten
• Die Begabungen innerhalb der Weggemeinschaft erkennen und anerkennen – sie im Sinne von Trauen – Zutrauen – Vertrauen nutzen
• Die Wertschätzung der Vielfalt. Es gilt, unterschiedliche Formen auch innerhalb der Weggemeinschaft zuzulassen (Thema: Macht und Kontrolle)
• Den Mut zur Vision stärken
• Den Umgang mit älteren Mitgliedern in der Weggemeinschaft klären, z.B. solchen, die aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr kommen können (in einer Weggemeinschaft sind sie „Ehrenmitglieder“)
• Den Einbahnstraßenverkehr aufbrechen, dass nicht nur die Weggemeinschaften ins Kloster finden, sondern Schwestern die Mitglieder der Weggemeinschaft (z.B. bei ihren Regionaltreffen) auch in deren Wohnbezug und Lebensfeld besuchen
• Modelle des Zusammenlebens von Ordenschristen und Nichtordensmitgliedern entwickeln – gemeinsame Wohn- und Lebensgemeinschaft
• Das Selbstbewusstsein der Weggemeinschaften als eine neue Form innerhalb der Franziskanischen Familie nach innen und außen stärken – ggf. Mitglieder der INFAG werden

In einem dritten Themenblock wurden Aspekte gesammelt für ein franziskanisches Leben im Alltag.
Einige Impulse aus der Kleingruppenarbeit:
• Einfacher leben / Nachhaltiger leben / Einfacher Essen
• Miteinander Teilen (in Relation zu meinem Besitz)
• Mitgefühl / Nächstenliebe / Hilfe leisten / achtsam sein / in jedem Menschen Christus sehen
• Die Schöpfung bewahren
• Zeit schenken
• Mut, Zeugnis zu geben
• Den Frieden fördern / vergeben
• Eucharistie als Quelle
• Bibel als Leitlinie
• Abschiedlich leben
• Menschen mit Respekt und Wertschätzung begegnen
• Interreligiöser Dialog
• Den „Aussätzigen“ im Hier und Jetzt begegnen
• Verzicht aufgrund franziskanischer Werte
• Frage nach dem Notwendigen
• Geschwisterliche Grundhaltung
• Frage nach dem Willen Gottes
• Gastfreundschaft leben
• Vom Franziskanischen erzählen

Abschließend gab es einige Informationen.
Mitgliedschaft in der INFAG: Die Weggemeinschaft „Koinonia“ (Salzkotten) ist als erste Anfang des Jahres 2018 Mitglied der INFAG geworden. Im Oktober 2018 wurde die Gemeinschaft „pace e bene“ in die INFAG aufgenommen. Die Mitgliedschaft ist beim Regionalvorstand Deutschland-Luxemburg-Belgien formlos zu beantragen.

Übersicht über Weggemeinschaften / Assoziierte
Eine Auflistung der Weggemeinschaft findet sich zum Download (Pdf) im Internet unter: http://www.infag.de/seiten/doku.php/franziskanische_familie_franziskanische_bewegung

Von den bei den Erwartungen genannten Themenfelder wurden nicht alle behandelt. Sie könnten beim nächsten Treffen mit Thema sein:
• Wie kommen wir an neue Mitglieder?
• Wie gestalten wir inhaltlich unsere Treffen (Austauschbörse)
• Umgang mit Medien / Datenschutz
• Verbindungsschwestern werden weniger – was tun?

Nächster Termin für das Jahrestreffen:
Samstag / Sonntag 1./2. Juni 2019 wieder in Hofheim.


Br. Stefan Federbusch

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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 30.10.2018 16:56