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-<div class="​linkfeld"><​a href="​http://​www.infag.de/​seiten/​doku.php/​spiritualitaet_franziskanische_spiritualitaet"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​zur&​uuml;​ck zur &​Uuml;​bersicht&​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
-<a name="​01"></​a>​ +
-<div class="​ueberschrift_3">​Elemente einer <br /> +
-franziskanischen Spiritualit&​auml;​t</​div>​ +
-<div class="​normaler_text"><​span class="​inline_klein">​ Diesen Aufsatz k&​ouml;​nnen Sie <a href="/​seiten/​userfiles/​file/​downloads/​Franz_Spiritualitaet.doc"><​span class="​link_fett_blau">​hier</​span></​a>​ als doc-Datei herunterladen</​span></​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Die Berufung von Franziskus war es, das <span class="​inline_fett_braun">​Evangelium</​span>​ (griech. = gute Nachricht) zu leben. Bedingt durch die Vielfalt des Evangeliums ist es immer nur m&​ouml;​glich,​ bestimmte Aspekte hervorzuheben und in eine bestimmte Lebensweise umzusetzen. Die <span class="​inline_fett_braun">​Spiritualit&​auml;​t</​span>​ (spiritus: latein. = Geist) eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen ist daher gepr&​auml;​gt von dem Blickwinkel,​ von dem er bzw. sie auf das Evangelium schaut und von den Erfahrungen,​ die sein bzw. ihr Leben gepr&​auml;​gt haben. <br /> +
-Da auch das Leben und Wirken von Franziskus &​auml;​u&​szlig;​erst vielf&​auml;​ltig und vielschichtig ist, beschr&​auml;​nkt sich die Darstellung auf einige wesentliche Grundz&​uuml;​ge seiner Spiritualit&​auml;​t sowie kurzer Hinweise auf&​nbsp;​ Bestandteile einer <span class="​inline_fett_braun">​franziskanischen Spiritualit&​auml;​t</​span>​ heute.</​div>​ +
-<br /> +
-<hr width="​100%"​ size="​2"​ /> +
-<div class="​ueberschrift_5">​ +
-<div class="​spalte_links">&​nbsp;</​div>​ +
-1. DAS EVANGELIUM LEBEN</​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​normaler_text">​Der (religi&​ouml;​se) Weg von Franziskus war nicht von Anfang an vorgezeichnet. Vor aller Entscheidung war Franziskus vor allem ein Suchender. Dies blieb er zeit seines Lebens. Nach Jahren der Suche und des Ringens um seinen Weg w&​auml;​hlt er das <span class="​inline_fett_braun">​Evangelium</​span>​ als Ma&​szlig;​stab und Richtschnur seines Lebens. Daraus dann besonders die konkrete Lebensform Jesu und der Apostel (vgl. Punkt 9: &​bdquo;​Das ist es, was ich will.&​ldquo;​).<​br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Das ehrliche Suchen und Fragen nach dem richtigen Weg. Unsicherheiten aushalten. Religi&​ouml;​se Entwicklung als lebenslanger Prozess. Die regelm&​auml;&​szlig;​ige Lekt&​uuml;​re des Wortes Gottes (Bibel / Evangelium) als Inspiration f&​uuml;​r das eigene Leben. Das H&​ouml;​ren auf Gottes Wort und auf Menschen, die nach diesem Wort leben. Die Liebe als Handlungsprinzip.</​div>​ +
-<a name="​02"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​2. RADIKAL AUF GOTT VERTRAUEN</​div>​ +
-<div class="​normaler_text"><​br /> +
-Kennzeichnend f&​uuml;​r Franziskus ist seine <span class="​inline_fett_braun">​Unmittelbarkeit Gott gegen&​uuml;​ber</​span>​. Mehrfach betont er in seinen Schriften, dass Gott selbst es war, der ihn gef&​uuml;​hrt hat. <​em>&​bdquo;​Und nachdem mir der Herr Br&​uuml;​der gegeben hat, zeigte mir niemand, was ich zu tun h&​auml;​tte,​ sondern der H&​ouml;​chste selbst hat mir geoffenbart,​ dass ich nach der Vorschrift des heiligen Evangeliums leben solle&​ldquo;</​em>​ <font size="​1">​(Test 14)</​font>​. Ebenso ist es Gott selbst, der andere Br&​uuml;​der in die Nachfolge seines Sohnes beruft: <​em>&​bdquo;​Wenn jemand auf Gottes Eingebung hin dieses Leben annehmen will und zu unseren Br&​uuml;​dern kommt, werde er liebevoll von ihnen aufgenommen&​ldquo;</​em>​ <font size="​1">​(NbReg 2,​1)</​font>​. Wichtig ist Franziskus stets, dass Gott selbst der Ma&​szlig;​stab des Handelns bleibt und nicht der Mensch bzw. Franziskus mit seinen Anweisungen. &​bdquo;​Der Herr hat mir gegeben&​ldquo;,​ dieser Grundklang aus seinem Testament durchzieht alle Weisungen von Franziskus. Sehr h&​auml;​ufig f&​uuml;​gt er in seinen Schreiben Wendungen an wie <​em>&​bdquo;​wie der Herr ihnen die Gnade gibt&​ldquo;,​ &​bdquo;​mit dem Segen Gottes&​ldquo;,​ &​bdquo;​durch g&​ouml;​ttliche Eingebung&​ldquo;,​ &​bdquo;​wie es ihnen nach Gottes Willen am ratsamsten erscheint&​ldquo;,​ &​bdquo;​was immer der Herr ihnen eingeben wird&​ldquo;</​em>​ usw. Gott ist die Wurzel, aus dessen Kraft er radikal, d.h. von dieser Wurzel her leben kann.<br /> +
-<​em><​strong>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​strong></​em>​ Entwicklung und Pflege der pers&​ouml;​nlichen Gottesbeziehung. Entwicklung einer eigenen Spiritualit&​auml;​t. Suche nach der ganz pers&​ouml;​nlichen Berufung.</​div>​ +
-<a name="​03"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​3. UNIVERSAL DENKEN, F&​Uuml;​HLEN UND HANDELN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Im Denken, F&​uuml;​hlen und Handeln von Franziskus ist ein universaler Grundzug erkennbar. In seinen Schriften gebraucht er h&​auml;​ufig das Wort &​bdquo;​alles&​ldquo;,​ Kennzeichen seines leidenschaftlichen Temperamentes,​ seines weiten Herzes und seiner weltumspannenden Mystik. Besonders zum Ausdruck kommt sein <span class="​inline_fett_braun">​Universalismus</​span>​ in seinem Sto&​szlig;​gebet &​bdquo;​Mein Gott und Alles&​ldquo;​ (&​bdquo;​Deus meus et omnia&​ldquo;;​ vgl. Opucula Actus, caput I). Das zentrale Geheimnis, der Eine Gott, enth&​auml;​lt alles, die ganze Welt, die Sch&​ouml;​pfung,​ alle Kreaturen, jeden Menschen. So hei&​szlig;​t es in 2 Cel 165: <​em>&​bdquo;​Auf den Spuren, die den Dingen eingepr&​auml;​gt sind, folgte er &​uuml;​berall dem Geliebten nach und machte alles zu einer Leiter, um auf ihr zu seinem Thron zu gelangen.&​ldquo;</​em>​ Und an anderer Stelle: <​em>&​bdquo;​Als ihn eines Tages ein Bruder fragte, warum er auch die Schriften der Heiden und solche, in denen der Name des Herrn nicht stand, so eifrig sammle, antwortete er: &​sbquo;​Mein Sohn, weil in ihnen die Buchstaben vorkommen, aus denen man den glorw&​uuml;​rdigen Namen des Herrn zusammensetzen kann. Auch eignet das Gute, das sich dort findet, nicht den Heiden noch irgendwelchen Menschen, sondern Gott allein, dem jegliches Gute zu eigen geh&​ouml;​rt&​rsquo;&​ldquo;</​em>​ (1 Cel 82). <​em>&​bdquo;​Da ich Knecht aller bin, so bin ich verpflichtet,​ allen zu dienen&​ldquo;,</​em>​ schreibt Franziskus im zweiten Brief an die Gl&​auml;​ubigen. Er erf&​auml;​hrt sich als von Gott herkommend, durch ihn erl&​ouml;​st,​ von ihm geliebt und getragen. In dieser Freiheit und Weite, in dieser R&​uuml;​ckbindung an Gott als den <​em>&​bdquo;​Reichtum zur Gen&​uuml;​ge&​ldquo;,</​em>​ als <​em>&​bdquo;​Zuflucht&​ldquo;</​em>​ und <​em>&​bdquo;​unsere ganze Wonne&​ldquo;</​em>​ (LobGott) k&​ouml;​nnen seine Br&​uuml;​der und er <​em>&​sbquo;​um Gottes willen&​rsquo;​ Knechte und Untergebene &​sbquo;​jeder menschlichen Kreatur&​rsquo;​ sein&​ldquo;</​em>​ (2 Gl 47). Das &​bdquo;​Kloster&​ldquo;​ ist f&​uuml;​r ihn die Welt (vgl. Punkt 9).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Die Welt als Einheit wahrnehmen und verstehen.</​div>​ +
-<a name="​04"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​4. MIT EHRFURCHT VOR UND IN DER SCH&​Ouml;​PFUNG LEBEN</​div>​ +
-<div class="​normaler_text"><​br /> +
-Franziskus sieht die Welt als Einheit und Ganzes. Die <span class="​inline_fett_braun">​Sch&​ouml;​pfung</​span>​ verweist ihn auf Gott, sie ist transparent,​ durchsichtig auf den Sch&​ouml;​pfer hin. <​em>&​bdquo;​Wir,​ die wir bei ihm waren, haben gesehen, mit welch gro&​szlig;​er Betroffenheit und Liebe er [Franziskus] die Gesch&​ouml;​pfe liebte und verehrte. Und durch sie wurde er innerlich froh. Sein Geist wurde mit Z&​auml;​rtlichkeit und Mitleiden zu allen Gesch&​ouml;​pfen erf&​uuml;​llt,​ so dass er verwirrt wurde, wenn jemand die Dinge ohne Ehrfurcht behandelte. So sprach er voll Begeisterung mit den Gesch&​ouml;​pfen,​ als ob sie ein Gef&​uuml;​hl f&​uuml;​r Gott h&​auml;​tten,​ verehren und sprechen k&​ouml;​nnten. Und viele Male geriet er dabei in jenen Zustand der Betrachtung Gottes, in dem jedes Zeitgef&​uuml;​hl schwand&​ldquo;</​em>​ (SlgP 86), berichtet die Dreigef&​auml;​hrtenlegende. F&​uuml;​r Franziskus wurden alle Gesch&​ouml;​pfe,​ alle Elemente und Dinge zu &​bdquo;​Schwestern&​ldquo;​ und &​bdquo;​Br&​uuml;​dern&​ldquo;​. Durch sie und mit ihnen lobt er im Sonnengesang den Sch&​ouml;​pfer alles Guten. Alles Geschaffene sieht er in Bezug auf den dreifaltigen Gott: Im Lamm verehrt er die Demut Christi, Schafe kauft er vom Schl&​auml;​chter los, um sie vom Tod zu erretten, den Wurm hebt er von der Stra&​szlig;​e auf, da Christus wie ein Wurm zertreten wurde, auf Felsen ging er behutsam aus Respekt vor Jesus, dem Felsen, das Feuer wollte er nicht l&​ouml;​schen und das Wasser nicht mit F&​uuml;&​szlig;​en treten, im Garten sollte es stets ein St&​uuml;​ck f&​uuml;​r Wildkr&​auml;​uter geben (vgl. 2 Cel 165). <br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Die Dinge nicht nur in ihrem Gebrauchswert,​ sondern in ihrem Eigenwert betrachten. In allem Geschaffenen den Sch&​ouml;​pfer erblicken (Symbolwert). Umweltschutz als Mitweltschutz verstehen. Einen nachhaltigen Lebensstil pflegen.</​div>​ +
-<a name="​05"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​5. DEN GEIST DES HERRN HABEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Die Wahrnehmung von Franziskus, seine Sicht von Gott und Welt, ist kontemplativ. In seinen Schriften findet sich das Wort &​bdquo;​contemplari&​ldquo;​ = schauen, beobachten. Es geht um ein Geschehen des Herzens und damit des ganzen Menschen. Kernst&​uuml;​ck und Zielpunkt seiner Regel ist es <​em>&​bdquo;​Den Geist des Herrn zu haben und sein heiliges Wirken&​ldquo;​ </​em>​(BReg 10,8). Im Sinne des jesuanisch-biblischen Hauptgebotes Gott zu lieben &​bdquo;​aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, &​hellip;​ mit allen Kr&​auml;​ften,​ mit ganzer Anstrengung,​ mit ganzer Zuneigung, mit unserem ganzen Innern, mit allen W&​uuml;​nschen&​ldquo;​ (NbReg 23,8). Die <span class="​inline_fett_braun">​Kontemplation</​span>,​ das Schauen der Dinge, die Sch&​ouml;​nheit der Sch&​ouml;​pfung f&​uuml;​hrt Franziskus zum Staunen, das Sich-Hineinversenken und Eintauchen in Gott zu Lobpreis und Danksagung. Gott ist es, der im Menschen wirkt. Eines der Lieblingsworte von Franziskus ist das &​bdquo;​reddere&​ldquo;,​ das Zur&​uuml;​ckgeben. Er erstattet Gott das mit Lob und Dank zur&​uuml;​ck,​ was er von ihm in reichem Ma&​szlig;​e empfangen hat. Kontemplation nimmt ihren Ausgang in der Welt und f&​uuml;​hrt in der Verbundenheit mit Gott wieder in die Welt hinein. Franziskus hat sich h&​auml;​ufig in die Einsamkeit der Einsiedeleien zur&​uuml;​ckgezogen,​ um im Zwiegespr&​auml;​ch mit Gott zu sein (vgl. seine Regel f&​uuml;​r Einsiedeleien). Daraus gest&​auml;​rkt ist er wieder durch die Welt gezogen und hat die Menschen teilhaben lassen an der Wirklichkeit Gottes, wie er sie erfahren hat. Gem&​auml;&​szlig;​ einer zeitgen&​ouml;​ssischen lateinischen Formel wollte Franziskus &​bdquo;​contemplando se tradere&​ldquo;​ = sich in der Haltung der Kontemplation hingeben, d.h. alles wird f&​uuml;​r ihn zum Ort der Kontemplation (Arbeit, Leben mit den Armen, Gemeinschaft,​ Sch&​ouml;​pfung usw.). F&​uuml;​r Franziskus ist &​bdquo;​Bruder Leib&​ldquo;​ seine &​bdquo;​Zelle&​ldquo;​ (seine Klausur), <​em>&​bdquo;​und die Seele ist die Einsiedlerin,​ die zum Gebet und zur Meditation darin weilt&​ldquo;​ </​em>​(SlgP 108; vgl. 2 Cel 94). Kontemplation und Aktion geh&​ouml;​ren f&​uuml;​r Franziskus zusammen (vgl. 1 Cel 35).<br /> +
-<​em><​strong>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​strong></​em>​ Kontemplative Grundhaltung. Zeiten der Stille. Offenheit f&​uuml;​r Gott und sein Wirken. Zusammenspiel von Kontemplation und Aktion, von Mystik und Politik.</​div>​ +
-<a name="​06"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​ueberschrift_5">​6. VERWEILEN IN DER LIEBE</​div>​ +
-<div class="​normaler_text"><​br /> +
-Franziskus war ein &​bdquo;​Verehrer der <span class="​inline_fett_braun">​Dreifaltigkeit</​span>&​ldquo;​ (DreiGefLeg 29). Seine trinitarische Ausrichtung kommt besonders in der nichtbullierten Regel (Kap. 22) zum Ausdruck sowie in seinen Gebeten, vor allem im Passionsoffizium. <​em>&​bdquo;​Nichts anderes wollen wir ersehnen, nichts anderes wollen, nichts anderes soll uns gefallen und erfreuen als unser Sch&​ouml;​pfer und Erl&​ouml;​ser und Retter, der alleinige wahre Gott, der ist die F&​uuml;​lle des Guten, alles Gute, das gesamte Gute, das wahre und h&​ouml;​chste Gut&​hellip;&​ldquo;​ </​em>​(NbReg 23,9). Diesem h&​ouml;​chsten Gut widmet er einen umfassenden Lobpreis (Lob Gott). F&​uuml;​r Franziskus war das Verweilen bei seinem Sch&​ouml;​pfer,​ in der F&​uuml;​lle des Guten, <span class="​inline_fett_braun">​Gebet</​span>​. Diese (Liebes)Beziehung zum wahren und h&​ouml;​chsten Gut pflegte er auf intensive Weise, so sehr, dass sein Biograph Thomas von Celano schreiben kann: <​em>&​bdquo;​Der ganze Mensch war nicht so sehr Beter als vielmehr selbst Gebet geworden&​ldquo;​ </​em>​(2 Cel 95). Beten war f&​uuml;​r Franziskus ein kreativer Akt. Das Passionsoffizium ist beispielsweise eine freie Zusammenstellung von Psalmversen,​ die Franziskus aus der Liturgie kannte.<​br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Pflege des Gebetes. Kreatives Beten mit der Kirche.</​div>​ +
-<a name="​07"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​ueberschrift_5">​7. EINE WELTBEJAHENDE &​bdquo;​EINGEFLEISCHTE&​ldquo;​ SPIRITUALIT&​Auml;​T ENTWICKELN</​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​normaler_text">​Der Eine Gott wohnt jedoch &​bdquo;​in unzug&​auml;​nglichem Licht&​ldquo;​ (1 Tim 6,16). Durch die Menschwerdung seines Sohnes hat er sich f&​uuml;​r uns Menschen erkennbar gemacht. Die <span class="​inline_fett_braun">​Inkarnation Gottes</​span>​ ist f&​uuml;​r Franziskus der zentrale Ausgangspunkt seines Gottesverst&​auml;​ndnisses. Der gro&​szlig;​e Gott macht sich klein, er ent&​auml;​u&​szlig;​ert sich. Er ist der dem&​uuml;​tige. &​bdquo;​Du bist die Demut&​ldquo;​ betet Franziskus im Lobpreis Gottes (LobGott 4). Franziskus ist derart fasziniert von diesem Geheimnis, dass er es in Greccio nachspielen l&​auml;​sst,​ die erste Krippenfeier der Geschichte (vgl. 1 Cel 84). Durch seine Menschwerdung wird die N&​auml;​he Gottes in dieser Welt erfahrbar. Auch wenn Franziskus formuliert: Nach der Begegnung mit dem Auss&​auml;​tzigen <​em>&​bdquo;​hielt ich eine Weile inne und verlie&​szlig;​ die Welt&​ldquo;​ </​em>​(Test 3), so meint dies ein Verlassen seiner bisherigen Welt und einen Standortwechsel (s. u.), der mit einer neuen Hinwendung zur Welt verbunden war: zur Welt, in die Gott sich &​bdquo;​eingefleischt&​ldquo;​ hat, die er bejaht, die er erl&​ouml;​sen will. &​bdquo;​Welt&​ldquo;​ ist als Sch&​ouml;​pfung positiv zu sehen. &​bdquo;​Welt&​ldquo;​ ist aber auch der Ort, an dem sich der Mensch von Gott lossagt und sich in sich selbst verschlie&​szlig;​t. Diese Art von Welt verl&​auml;​sst Franziskus, um ein Leben der &​bdquo;​Bu&​szlig;​e&​ldquo;​ zu f&​uuml;​hren,​ d.h. ein Leben in der Hinwendung zu Gott (s. u.).<br /> +
-<​em><​strong>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​strong></​em>​ Bejahung der Welt. Christliches Leben mitten in der Welt (nicht Weltflucht). Eine geerdete Spiritualit&​auml;​t in der Haltung der Demut (&​bdquo;​humilitas&​ldquo;:​ darin steckt &​bdquo;​humus&​ldquo;​ = Boden). Die Hinwendung zu den Menschen. Das Achten des Kleinen und Geringen.</​div>​ +
-<a name="​08"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​ueberschrift_5">​8. DEM ARMEN DEM&​Uuml;​TIGEN CHRISTUS FOLGEN</​div>​ +
-<div class="​normaler_text"><​br /> +
-Das Denken von Franziskus ist &​uuml;​ber weite Strecken christologisch gepr&​auml;​gt. Die Welt, die Sch&​ouml;​pfung hat in <span class="​inline_fett_braun">​Christus</​span>​ ihre konzentrierende Mitte. Franziskus erkennt als seinen Auftrag, dem &​bdquo;​armen dem&​uuml;​tigen Christus&​ldquo;​ zu folgen. Er <​em>&​bdquo;​entschloss sich, nicht f&​uuml;​r sich allein zu leben, sondern dem, der f&​uuml;​r alle gestorben ist; denn er wusste sich dazu gesandt&​ldquo;,​ </​em>​so sein Biograph Thomas von Celano (1 Cel 35; vgl. 2 Kor 5,14f.). In den Sonnengesang hat Franziskus durch die 33 Zeilen die Lebenszeit Jesu und durch die Beziehungen zwischen erster und letzter Strophe das Christusmonogramm hinein gewoben. Am Ende seines Lebens wird Franziskus auf dem Berg La Verna die Wundmale Christi in Form der Stigmata empfangen, Zeichen der &​Auml;​hnlichkeit nach rund zwanzig Jahren der Suche und Nachfolge. Ein &​bdquo;​zweiter Christus&​ldquo;​ wird Franziskus sp&​auml;​ter genannt werden. <br /> +
-<​em><​strong>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​strong></​em>​ Leben in den Fu&​szlig;​spuren Christi. Vertiefung in sein Denken und Handeln.</​div>​ +
-<a name="​09"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​ueberschrift_5">​9. INNERLICH UND &​Auml;​USSERLICH BEWEGLICH BLEIBEN</​div>​ +
-<div class="​normaler_text"><​br /> +
-Zentrales Kernelement bildet f&​uuml;​r Franziskus und seine Br&​uuml;​der die Nachfolge Jesu in Form des <span class="​inline_fett_braun">​Wanderlebens</​span>,​ wie es Jesus mit seinen Aposteln gef&​uuml;​hrt hat. Das Evangelium von der Aussendung der J&​uuml;​nger ist f&​uuml;​r Franziskus der Ansto&​szlig;,​ das Einsiedlergewand abzulegen und sich zu kleiden, wie im Evangelium angegeben (vgl. DreiGefLeg 8,25). Als er <​em>&​bdquo;​h&​ouml;​rte,​ dass die J&​uuml;​nger Christi nicht Gold oder Silber noch Geld besitzen, noch Beutel, noch Reisetasche,​ noch Brot, noch einen Stab auf den Weg mitnehmen, noch Schuhe, noch zwei R&​ouml;​cke tragen d&​uuml;​rfen,​ sondern nur das Reich Gottes und Bu&​szlig;​e predigen sollten, frohlockte er sogleich im Geiste Gottes und sprach: &​sbquo;​Das ist es, was ich will! Das ist es, was ich suche! Das verlange ich aus innerstem Herzen zu tun&​rsquo;&​ldquo;​ </​em>​(1Cel 22). Dies wird noch einmal best&​auml;​tigt,​ indem Franziskus mit den beiden ersten Br&​uuml;​dern,​ die sich ihm anschlie&​szlig;​en,​ drei Mal das Evangelienbuch &​ouml;​ffnet und sie die Stellen vom Verkauf des Besitzes, von der Aussendung und vom Kreuztragen finden. Im &​bdquo;​Sacrum Commercium&​ldquo;​ (SC 63) bittet die Herrin Armut die Br&​uuml;​der,​ &​bdquo;​man m&​ouml;​ge ihr das Kloster zeigen&​ldquo;​. Die Br&​uuml;​der f&​uuml;​hren sie auf einen Berg, zeigten ihr das gesamte Panorama, das sich bot, und antworteten:​ &​bdquo;​Das ist unser Kloster.&​ldquo;​ Das franziskanische Kloster ist also die Welt, sind die Menschen, nicht bestimmte Orte, nicht die Klausur. Der franziskanische Ort (= topos) ist Ort-los (utopisch). Die Beheimatung war f&​uuml;​r Franziskus zum einen die Berufung und zum anderen die Bruderschaft. Seine besondere Liebe galt dem Ursprung(sort),​ der &​bdquo;​Portiuncula-Kapelle&​ldquo;​ als Wiege des Ordens (vgl. 2Cel 18: <​em>&​bdquo;​etwas musste er von der Erde haben, denn anders h&​auml;​tte er Christus nicht dienen k&​ouml;​nnen&​ldquo;</​em>​).<​br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Flexibilit&​auml;​t und Nicht-Gebundenseins an bestimmte Orte. Innerlich und &​auml;​u&​szlig;​erlich beweglich bleiben. Sich nichts aneignen. Die Zeichen der Zeit erkennen. Neue Herausforderungen annehmen.</​div>​ +
-<a name="​10"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​ueberschrift_5">​10. KREATIV UND SCH&​Ouml;​PFERISCH SEIN</​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​normaler_text">​Franziskus war erf&​uuml;​llt von sch&​ouml;​pferischer Kraft. Gern sang er seine Lobges&​auml;​nge auf franz&​ouml;​sisch (obwohl er die Sprache nur unzureichend konnte), er nahm sich zwei St&​ouml;​cke und spielte darauf wie auf einer Geige (vgl. 2 Cel 127), er dichtete und komponierte in gro&​szlig;​er Sprachf&​uuml;​lle den Lobpreis Gottes, den Sonnengesang und das Passionsoffizium. Das zentrale Heilsgeheimnis von Weihnachten stellte er als Krippenspiel nach (1 Cel 84). Am Ende seines Lebens teilte er mit seinen Br&​uuml;​dern Brot, wie es Jesus beim Abendmahl getan hatte. In gro&​szlig;​er Freiheit und sensibler <span class="​inline_fett_braun">​Kreativit&​auml;​t</​span>​ gestaltete er immer wieder situationsbezogene Rituale, um seine Br&​uuml;​der (und Schwestern) auf wichtige Aspekte hinzuweisen,​ so bei den verschiedenen Ascheritualen (vgl. 1 Cel 51; 1 Cel 110; 2 Cel 61; 2 Cel 207).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Den Glauben lebendig gestalten. Kreativer Umgang mit Ritualen und Symbolen.</​div>​ +
-<a name="​11"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​ueberschrift_5">​11. DIE EUCHARISTIE ALS BEZIEHUNGS- UND KRAFTQUELLE FEIERN</​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​normaler_text">​Zugang zu Jesus Christus haben wir &​uuml;​ber sein Wort und die Sakramente, insbesondere die <span class="​inline_fett_braun">​Eucharistie</​span>​. <​em>&​bdquo;​Nichts haben und sehen wir n&​auml;​mlich leiblich in dieser Weltzeit von ihm, dem Allerh&​ouml;​chsten selbst, als den Leib und das Blut, die Namen und Worte, durch die wir geschaffen und erl&​ouml;​st sind&​ldquo;​ </​em>​(BrKler 3). Franziskus liegt daher besonders die Verehrung der Eucharistie am Herzen (vgl. BrOrd 12f.). <​em>&​bdquo;​Diese heiligsten Geheimnisse will ich &​uuml;​ber alles hochgeachtet,​ verehrt und an kostbaren Stellen aufbewahrt wissen&​ldquo;​ </​em>​(Test 11).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Eucharistie als Kraftquelle des spirituellen Lebens. Zeitgem&​auml;&​szlig;​e Formen eucharistischer Feier und Fr&​ouml;​mmigkeit. Solidarit&​auml;​t und Teilen. Stiften von Beziehung.</​div>​ +
-<a name="​12"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​12. EINE BE-GEIST-ERTE KIRCHE MITGESTALTEN</​div>​ +
-<div class="​normaler_text"><​br /> +
-F&​uuml;​r Franziskus ist der heilige Geist der eigentliche Leiter seiner Gemeinschaft,​ der eigentliche Generalminister (vgl. 2 Cel 193). Durch den H&​ouml;​chsten selbst hat er seine Berufung erfahren, durch den hl. Geist seine Lebensform vermittelt bekommen. Franziskus wei&​szlig;​ sich aber eingebunden in kirchliches Handeln. In einer Zeit, die gepr&​auml;​gt war von zahlreichen h&​auml;​retischen Bewegungen, war es nicht unwesentlich,​ sich im Rahmen der Kirche zu bewegen (vgl. 2 BrGl 32f.; Ord 44; Test 6ff.). So ist es ihm wichtig, seine Lebensweise vom Papst (damals Innozenz III.) best&​auml;​tigt zu bekommen (vgl. 1 Cel 32). In Bezug auf die Priester und kirchlichen W&​uuml;​rdentr&​auml;​ger mahnt er eine gro&​szlig;​e Achtung an, da sie es sind, durch deren Vermittlung den Gl&​auml;​ubigen die Eucharistie gereicht wird &ndash; selbst dann, wenn ihr Lebenswandel nicht dem Evangelium entspricht (vgl. Test 6-10). Die Br&​uuml;​der sollen in Treue feststehen im &​bdquo;​katholischen Glauben&​ldquo;​ [hier noch kein konfessioneller Begriff], hei&​szlig;​t es nicht nur in der Regel (BReg 12,4). Franziskus hat die <span class="​inline_fett_braun">​Kirche</​span>​ nie direkt kritisiert, sondern einem authentischen Lebensstil den Vorrang gegeben, der anderen Menschen Vorbild sein kann. Fior 16: &​bdquo;​Denn er hat dich nicht allein erw&​auml;​hlt um deiner selbst willen, sondern auch zum Heil anderer.&​ldquo;​ Entscheidend f&​uuml;​r ihn war stets das Evangelium. Als Prinzipien gelten ihm: H&​ouml;​ren statt H&​ouml;​rigkeit,​ Charisma statt Macht, Lieben statt Verurteilen,​ Dialog f&​uuml;​hren statt einander bek&​auml;​mpfen,​ den Glauben mit dem Leben bezeugen statt durch Wort und Schwert verteidigen/​durchsetzen. Am massivsten hat er sich daher (trotz aller Kirchentreue) in der Frage der Kreuzz&​uuml;​ge &​uuml;​ber die kirchliche Auffassung seiner Zeit hinweggesetzt (s.u.). Aufgrund dieser Prinzipien verbot Franziskus die Annahme jedweder Privilegien (vgl. Test 25; Jord 13).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Authentisches Leben nach dem Evangelium. Geschwisterliche Gemeinschaft. Leben mit und in der Kirche. Kritische Auseinandersetzung mit kirchlichen Entwicklungen. Erneuerungsbewegung innerhalb der Kirche sein (&​bdquo;​ecclesia semper reformanda&​ldquo;​). Prophetische Kraft entfalten. Verzicht auf Privilegien jeder Art. Vorrang des (evangelischen) Lebens vor dogmatischen,​ juristischen und kirchenrechtlichen Regelungen.</​div>​ +
-<a name="​13"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​13. MIT ARMEN UND AUSGEGRENZTEN (SOLIDARISCH) LEBEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Ein wesentliches Element seiner Bekehrung (= conversio) war f&​uuml;​r Franziskus die <span class="​inline_fett_braun">​Begegnung mit dem Auss&​auml;​tzigen</​span>​. Die Dreigef&​auml;​hrtenlegende konstatiert:​ <​em>&​bdquo;​Nach den Besuchen bei den Auss&​auml;​tzigen war er ein anderer Mensch geworden&​ldquo;​ </​em>​(DreiGefLeg 12). Die Begegnung mit den Ausgesetzten hat Franziskus ver&​auml;​ndert. Die Dreigef&​auml;​hrtenlegende h&​auml;​lt auch fest, dass es der Auss&​auml;​tzige war, der Franziskus den Friedenskuss gegeben hat und nicht umgekehrt. <​em>&​bdquo;​Und w&​auml;​hrend er sonst gewohnt war, vor Auss&​auml;​tzigen gro&​szlig;​en Abscheu zu haben, tat er sich jetzt Gewalt an, stieg vom Pferd, reichte dem Auss&​auml;​tzigen ein Geldst&​uuml;​ck und k&​uuml;​sste ihm die Hand. Dann empfing er (= Franziskus) von ihm (= dem Auss&​auml;​tzigen) den Friedensgru&​szlig;&​ldquo;​. </​em>​Wo sich Franziskus zun&​auml;​chst Gewalt antun musste, wurde ihm das <​em>&​bdquo;​in S&​uuml;&​szlig;​igkeit des Leibes und der Seele verwandelt&​ldquo;</​em>​ (Test 3), wie er in seinem Testament am Ende seines Lebens bekennt. Die Br&​uuml;​der <​em>&​bdquo;​m&​uuml;​ssen sich freuen, wenn sie mit gew&​ouml;​hnlichen und verachteten Leuten verkehren, mit Armen und schwachen, mit auss&​auml;​tzigen und mit Bettlern am Weg&​ldquo;​ </​em>​(NbReg 9,3).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Das Leben mit den Armen und Ausgegrenzten. Die Hinwendung zum einzelnen Menschen. Die Christusbegegnung im Armen und Ausgegrenzten. Engagement im Sozialbereich. Solidarit&​auml;​t mit den Betroffenen. Unterst&​uuml;​tzung von Projekten in aller Welt. Theologische Reflexion aus der Perspektive der Armen und Marginalisierten (Theologie der Befreiung). Die Menschenrechte als universal einfordern (vgl. Franciscans International als Nichtregierungsorganisation bei den Vereinten Nationen).</​div>​ +
-<a name="​14"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​14. EINEN GESELLSCHAFTLICHEN STANDORTWECHSEL VOLLZIEHEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Die Bekehrung von Franziskus war verbunden mit einem <span class="​inline_fett_braun">​sozialen Standortwechsel.</​span>​ Franziskus verl&​auml;​sst mit seinen Gef&​auml;​hrten die Oberstadt der Reichen Assisis (der &​bdquo;​maiores&​ldquo;​) und begibt sich vor die Tore der Stadt. Er will ein &​bdquo;​minores&​ldquo;​ ein, ein Minderer. Dies ist nicht im Sinne einer moralischen Kategorie der Minderwertigkeit zu verstehen, sondern als eine theologische und zugleich soziale Kategorie des Dienens (vgl. Mt 25,40.45; Lk 22,​26).<​br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Gesellschaftlicher Standortwechsel hin zu den Armen. Kritische Sicht von Systemen, die zu Ungerechtigkeit und zur Benachteiligung der Armen f&​uuml;​hren:​ Kolonialismus,​ Imperialismus,​ Globalisierung usw. Zusammenarbeit mit den sozialen Bewegungen.</​div>​ +
-<a name="​15"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​15. SICH NICHTS ANEIGNEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Franziskus war von Hause aus Kaufmannssohn und f&​uuml;​r damalige Verh&​auml;​ltnisse ein &​bdquo;​Neureicher&​ldquo;​. Die aufkommende Geldwirtschaft (Fr&​uuml;​hkapitalismus) trug zum Aufstieg des B&​uuml;​rgertums bei, das einen neuen Stand innerhalb der Gesellschaft bildete. Franziskus sah deutlich die Gefahren der wirtschaftlichen Ver&​auml;​nderungen und lehnte den Gebrauch von Geld kategorisch ab. <​em>&​bdquo;​Wenn wir irgendwelches Eigentum besitzen w&​uuml;​rden,​ so m&​uuml;​ssten wir unbedingt zu unserem Schutz auch Waffen haben. Daraus entstehen aber Streitigkeiten und Zank, und dadurch wird die Liebe Gottes und des N&​auml;​chsten gew&​ouml;​hnlich stark gehemmt. Und deshalb wollen wir in dieser Welt nichts Irdisches besitzen&​ldquo;​ </​em>​(DreiGefLeg 35). W&​auml;​hrend die Mitglieder der monastischen Orden zwar pers&​ouml;​nlich arm lebten, aber als Orden bzw. Abteien gro&​szlig;​e G&​uuml;​ter besa&​szlig;​en,​ lehnte Franziskus f&​uuml;​r seine Gemeinschaft jedweden Besitz ab. Dem &​bdquo;​armen&​ldquo;​ Christus wollte er folgen und auf jedweden finanziellen R&​uuml;​ckhalt verzichten. Das Gel&​uuml;​bde der <span class="​inline_fett_braun">​Armut</​span>​ ist bei ihm vor allem christologisch motiviert (vgl. das Testament von Franziskus an die Schwestern Klarissen: <​em>&​bdquo;​Ich,​ der ganz kleine Bruder Franziskus, will dem Leben und der Armut</​em>​ unseres h&​ouml;​chsten Herrn Jesus Christus nachfolgen&​ldquo;​). &​bdquo;​Die gr&​ouml;&​szlig;​te Freude hatten sie an der Armut, weil sie keine Reicht&​uuml;​mer begehrten, sondern alles Verg&​auml;​ngliche verschm&​auml;​hten&​hellip;​ Vor allem aber traten sie das Geld wie Staub mit den F&​uuml;&​szlig;​en&​ldquo;​ (DreiGefLeg 11,45). Die gro&​szlig;​e Bedeutung der Armut f&​uuml;​r die franziskanische Bewegung verdeutlicht die Schrift &​bdquo;​Der Bund des hl. Franziskus mit der Herrin Armut&​ldquo;​.<​br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Leben in Einfachheit. Teilen der G&​uuml;​ter. Solidarit&​auml;​t mit den Armen.</​div>​ +
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-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​16. DIE ARBEIT ALS GNADE SCH&​Auml;​TZEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Franziskus ging es nicht um einen rein asketischen Verzicht, sondern um ein alternatives Lebensmodell zu den aufkommenden Produktions- und Wirtschaftsverh&​auml;​ltnissen. Dazu geh&​ouml;​rte f&​uuml;​r ihn der Verzicht auf gesicherte Arbeit, der Versicht auf sozial bedeutsame T&​auml;​tigkeiten,​ der Verzicht auf das Einfordern von Rechten und die Solidarit&​auml;​t mit den lohnabh&​auml;​ngigen Armen. K&​ouml;​rperliche Arbeit war seit der Antike Sklaven- und Knechtsdienst. F&​uuml;​r Franziskus ist <span class="​inline_fett_braun">​Arbeit</​span>​ eine Gnade und <​em>&​bdquo;​jene Br&​uuml;​der,​ denen der Herr die Gnade zu arbeiten gegeben hat, sollen in Treue und Hingabe arbeiten&​ldquo;​ </​em>​(BReg 5,1). Gemeint ist vor allem die Handarbeit. Die Arbeit soll in einem Ma&​szlig;​ erfolgen, dass sie <​em>&​bdquo;​den Geist des Gebetes und der Hingabe nicht ausl&​ouml;​scht&​ldquo;,​ </​em>​d.h. das Gebet vollzieht sich (auch) in der Arbeit. Das Ineinander von Gebet und Arbeit ist das Lebensprogramm von Franziskus. Durch die Arbeit tragen die Br&​uuml;​der zum Lebensunterhalt bei. Nur wenn das nicht reicht, d&​uuml;​rfen sie betteln gehen.<​em><​strong><​br /> +
-Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​strong></​em>​ Arbeit als Gnade sch&​auml;​tzen. Durch die Arbeit zum Lebensunterhalt beitragen. Die Arbeit auf das spirituelle Leben hinordnen. Neue Sicht von Arbeit im Zeichen der umfassenden Durch&​ouml;​konomisierung des Lebens. Solidarit&​auml;​t mit Menschen ohne (bezahlte) Arbeit.</​div>​ +
-<a name="​17"></​a><​br /> +
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-<div class="​ueberschrift_5">​17. EINANDER ALS BRUDER (SCHWESTER) BEGEGNEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​F&​uuml;​r Franziskus ist der hl. Geist nicht nur Leiter der gesamten Bruderschaft,​ sondern jedes einzelnen Bruders. Franziskus wollte keine Uniformit&​auml;​t (vgl. 1 Cel 102; Spiegel der Vollkommen-heit 85). Jeder Einzelne soll seine ganz pers&​ouml;​nliche Berufung entdecken und sein eigenes Charisma (vgl. NbReg 2,1;16,3). So schreibt er an Bruder Leo: <​em>&​bdquo;​Auf welche Weise auch immer es dir besser erscheint, Gott, dem Herrn, zu gefallen und seinen Fu&​szlig;​spuren und seiner Armut zu folgen, so tut es mit dem Segen Gottes, des Herrn, und mit dem Gehorsam gegen mich&​ldquo;​ </​em>​(BrLeo 3). Kernelement seiner Lebensweise ist f&​uuml;​r Franziskus die <span class="​inline_fett_braun">​Br&​uuml;​derlichkeit</​span>​ (fraternitas). Da die ersten Br&​uuml;​der umherziehen und keinen festen Wohnsitz haben, kommt es wesentlich auf die personalen Beziehungen untereinander an. <​em>&​bdquo;​Mit &​uuml;​beraus herzlicher Liebe liebten sie einander, und der eine umhegte den andern und pflegte ihn wie eine Mutter ihren einzigen und geliebten Sohn&​ldquo;,​ </​em>​hei&​szlig;​t es in der Dreigef&​auml;​hrtenlegende (11,41). Franziskus w&​uuml;​nscht sich ein <span class="​inline_fett_braun">​familiares Modell f&​uuml;​r seine Bruderschaft</​span>​. Dieses Anliegen findet sich auch in der Regel: <​em>&​bdquo;​Und wo immer die Br&​uuml;​der sind und sich treffen, sollen sie sich einander als Hausgenossen erzeigen. Und vertrauensvoll soll einer dem anderen seine Not offenbaren; denn wenn schon eine Mutter ihren leiblichen Sohn n&​auml;​hrt und liebt, um wie viel sorgf&​auml;​ltiger muss einer seinen geistlichen Bruder lieben und n&​auml;​hren?​ Und wenn einer von ihnen schwer krank werden sollte, dann m&​uuml;​ssen die anderen Br&​uuml;​der ihm so dienen, wie sie selbst bedient sein wollen&​ldquo;​ </​em>​(BReg 6).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Die Spannung zwischen individueller Berufung und Gesamtberufung der Bruderschaft kreativ gestalten. Das eigene Charisma pflegen und den Auftrag der Bruderschaft mittragen. Geschwisterlichkeit (Br&​uuml;​derlichkeit) leben. Interesse aneinander und F&​uuml;​rsorge f&​uuml;​reinander.</​div>​ +
-<a name="​18"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​18. &​Auml;​MTER ALS DIENST AN DEN BR&​Uuml;​DERN AUS&​Uuml;​BEN</​div>​ +
-<br /> +
-<div class="​normaler_text">​Aus der Br&​uuml;​derlichkeit leitet sich f&​uuml;​r Franziskus die Gleichheit aller Br&​uuml;​der ab. Alle nennen sich Br&​uuml;​der und sollen sich auch so verhalten. Es gibt keine Rangordnung durch unterschiedliche Berufe, schon gar nicht zwischen Priestern und Nichtpriestern. An die Stelle eines hierarchischen Modells setzt er ein <span class="​inline_fett_braun">​demokratisches Modell</​span>​. Jedes Amt ist ein Dienstamt und wird daher nur auf Zeit ausge&​uuml;​bt. Um den Dienstcharakter deutlich zu machen, nennt er die Verant-wortlichen nicht Abt oder Prior, sondern &​bdquo;​minister&​ldquo;​ (= Diener). In der Regel ist dies noch verst&​auml;​rkt:​ <​em>&​bdquo;​Die Br&​uuml;​der,​ die Minister und Diener der anderen Br&​uuml;​der sind&​hellip;&​ldquo;​ </​em>​(BReg 10,1). &​bdquo;​Jene,​ die durch das Oberenamt oder durch irgendeine Gnade herausragten,​ erschienen noch dem&​uuml;​tiger und geringer als die &​uuml;​brigen&​ldquo;,​ berichtet die Dreigef&​auml;​hrtenlegende (11,42). Auch f&​uuml;​r sich selbst bestimmt Franziskus einen Bruder als Oberen (Guardian; vgl. Test 27; DreiGefLeg 14,57). Wenn es Schwierigkeiten mit Br&​uuml;​dern in Leitungs&​auml;​mtern gibt, entscheidet das Kapitel als h&​ouml;​chste Instanz. Da Franziskus um die Gefahr der Korrumpierung durch Macht wei&​szlig;,​ mahnt er die Br&​uuml;​der:​ <​em>&​bdquo;​Jene,​ die &​uuml;​ber andere gesetzt worden sind, sollen sich nur so dieses Oberenamtes r&​uuml;​hmen,​ wie sie es tun w&​uuml;​rden,​ wenn sie zum Dienst der Fu&​szlig;​waschung an den Br&​uuml;​dern bestimmt worden w&​auml;​ren. Und je mehr sie &​uuml;​ber den Entzug des Oberenamtes st&​auml;​rker in Aufregung versetzt werden als &​uuml;​ber das Amt der Fu&​szlig;​waschung,​ um so mehr h&​auml;​ufen sie sich Reicht&​uuml;​mer an als Gefahr f&​uuml;​r die Seele&​ldquo;​ </​em>​(Erm 4).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Jedes Amt in Verantwortung als Dienstamt aus&​uuml;​ben. Nicht &​uuml;​ber andere herrschen. Barmherzigkeit &​uuml;​ben. Jeder Form von Klerikalisierung widerstehen.</​div>​ +
-<a name="​19"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​19. EINANDER BARMHERZIGKEIT ERWEISEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Franziskus war es wichtig, niemanden zu verurteilen,​ weder ob seiner Kleidung noch seines Lebensstiles noch seiner Verfehlungen (vgl. DreiGefLeg 14,58). Auch gegen die Br&​uuml;​der,​ die sich verfehlt hatten, &​uuml;​bte er Nachsicht und <span class="​inline_fett_braun">​Barmherzigkeit</​span>​ und forderte dies auch von den Ministern (Leitungsverantwortlichen) ein: <​em>&​bdquo;​Und darin will ich erkennen, ob du den Herrn und mich, seinen und deinen Knecht, liebst, wenn du folgendes tust, n&​auml;​mlich es darf keinen Bruder auf der Welt geben, mag er auch ges&​uuml;​ndigt haben, soviel er nur s&​uuml;​ndigen konnte, der deine Augen gesehen hat und dann von dir fortgehen m&​uuml;​sste ohne dein Erbarmen, wenn er Erbarmen sucht. Und sollte er nicht Erbarmen suchen, dann frage du ihn, ob er Erbarmen will. Und w&​uuml;​rde er danach auch noch tausendmal vor deinen Augen s&​uuml;​ndigen,​ liebe ihn mehr als mich, damit du ihn zum Herrn ziehst. Und mit solchen habe immer Erbarmen&​ldquo;​ </​em>​(BRMin 9f.)&​nbsp;​ Die ersten Gef&​auml;​hrten best&​auml;​tigen,​ dass Franziskus selbst diese Haltung gelebt hat: <​em>&​bdquo;​Denn Franziskus sprach voll Mitleid zu ihnen, nicht wie ein Richter, sondern wie ein barmherziger Vater zu seinen S&​ouml;​hnen und wie ein guter Arzt zu den Kranken. Er verstand es, mit den Schwachen schwach und mit den Betr&​uuml;​bten traurig zu sein&​ldquo;</​em>​ (DreiGefLeg 14,59). Ein exemplarisches Beispiel daf&​uuml;​r ist seine Solidarit&​auml;​t mit dem Bruder, der nachts von Hunger gequ&​auml;​lt wird. <​em>&​bdquo;​Da lie&​szlig;​ der selige Franziskus ein Mahl bereiten, und weil er ein Mensch voll Liebe und Weisheit war, a&​szlig;​ er mit jenem Bruder, damit er sich nicht sch&​auml;​me,​ allein zu essen; und weil er es so wollte, a&​szlig;​en auch alle anderen Br&​uuml;​der mit ihm&​ldquo;​ </​em>​(Spiegel der Vollkommenheit 27).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Barmherziger Umgang mit der eigenen Unvollkommenheit und Schw&​auml;​che und mit der der anderen. Wertsch&​auml;​tzung auch des Fragmentarischen und Gebrochenen.</​div>​ +
-<a name="​20"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​20. AUF GOTT UND DIE GEMEINSCHAFT H&​Ouml;​REN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Aus dem Gesagten ergibt sich das <span class="​inline_fett_braun">​Gehorsamsverst&​auml;​ndnis</​span>​ von Franziskus. Da die Br&​uuml;​der (zu zweit oder in kleinen Gruppen) durch die Welt zogen und zumindest in der Anfangszeit nicht in festen Niederlassungen wohnten, beruhte die Ordensstruktur auf der Gehorsamsbeziehung. Sie war symmetrisch,​ d.h. nicht im Sinne Oberer &ndash; Untergebener,​ sondern alle trugen gemeinsam die Verantwortung f&​uuml;​r ihr evangelisches Lebensprojekt. Der &​bdquo;​Guardian&​ldquo;​ (= H&​uuml;​ter) oder &​bdquo;​Custos&​ldquo;​ (= W&​auml;​chter) war im Sinne des Guten Hirten um das Wohl der einzelnen Br&​uuml;​der besorgt und darum, im Geist der Regel das Evangelium zu leben. Die Gemeinschaft kann ihren &​bdquo;​Minister&​ldquo;​ zurechtweisen,​ zur Rechenschaft ziehen oder ganz absetzen, wenn er seine Aufgabe nicht erf&​uuml;​llt. Entscheidend f&​uuml;​r den Gehorsam ist das H&​ouml;​ren auf den Willen Gottes. Er hat stets Priorit&​auml;​t vor den Anordnungen der Leitungsverantwortlichen. <​em>&​bdquo;​Wenn aber der Obere [dem Bruder] etwas gegen seine Seele befehlen w&​uuml;​rde,​ so darf er ihm zwar nicht gehorchen, soll ihn aber nicht verlassen&​ldquo;,​ </​em>​sagt Franziskus in seinen Ermahnungen (Erm 3).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ H&​ouml;​ren auf den Willen Gottes und den Anspruch aus den Zeichen der Zeit. Polarit&​auml;​t zwischen den Interessen der Gemeinschaft und des Einzelnen. Ver-f&​uuml;​gbarkeit f&​uuml;​r neue Aufgaben.</​div>​ +
-<a name="​21"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​21. PERS&​Ouml;​NLICH UND GEMEINSCHAFTLICH UMKEHREN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Am Ende seines Lebens hat Franziskus in seinem Testament sein Ideal in den Worten zusammengefasst:​ <​em>&​bdquo;​So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus, gegeben, das Leben der Bu&​szlig;​e zu beginnen&​ldquo;​ </​em>​(Test 1). Als die ersten Br&​uuml;​der auf ihren Predigtz&​uuml;​gen gefragt wurden, wer und was sie seien, antworteten sie schlicht und einfach: <​em>&​bdquo;​B&​uuml;&​szlig;​er aus der Stadt Assisi&​ldquo;​ </​em>​(DreiGefLeg 37). Evangelische Vollkommenheit bedeutet f&​uuml;​r Franziskus, <​em>&​bdquo;​im wahren Glauben und in der Bu&​szlig;​e aus(zu)harren&​ldquo;​ </​em>​(NbReg 23 ,7). Gott allein wird zur Mitte seines Lebens. <​em>&​bdquo;​Nichts anderes wollen wir darum ersehnen, nichts anderes w&​uuml;​nschen,​ nichts anderes soll uns gefallen und erfreuen als unser Sch&​ouml;​pfer und Erl&​ouml;​ser und Heiland&​ldquo;​ </​em>​(NbReg 23,9). Zun&​auml;​chst geht es Franziskus um die pers&​ouml;​nliche <span class="​inline_fett_braun">​Bu&​szlig;​e</​span>​ als Form der Umkehr, um eine existentielle und immer wieder neu einzu&​uuml;​bende Grundhaltung Gott und den Menschen gegen&​uuml;​ber.<​br /> +
-Dazu l&​auml;​dt er alle Menschen ein. Das Mittel, das Franziskus f&​uuml;​r seine Verk&​uuml;​ndigung w&​auml;​hlt,​ ist die Bu&​szlig;​predigt (vgl. BrKust I6). Alle Menschen und auch die ganze Sch&​ouml;​pfung sollen im Sinne der biblische &​bdquo;​metanoia&​ldquo;​ umkehren zu Gott und ihn als Sch&​ouml;​pfer,​ Erl&​ouml;​ser und Retter anerkennen. In der Nichtbullierten Regel (NbReg 21) findet sich eine Vorlage, wie die Br&​uuml;​der eine solche <span class="​inline_fett_braun">​Bu&​szlig;​predigt</​span>​ halten sollen. Dieser Bu&​szlig;​ruf (&​bdquo;​exhortation&​ldquo;​),​ der auch von Laien vollzogen werden konnte, ist zu unterscheiden von der Bu&​szlig;​predigt (&​bdquo;​praedicatio&​ldquo;​),​ die als Verk&​uuml;​ndigung der kirchlichen Lehre den Amtstr&​auml;​gern (Bisch&​ouml;​fe,​ Priester und Diakone) vorbehalten war. Der Bu&​szlig;​ruf (die &​bdquo;​Exhorte&​ldquo;​) war volkst&​uuml;​mlich auf das praktische Leben ausgerichtet,​ fand auf Stra&​szlig;​en und Pl&​auml;​tzen statt, entsprang spontan dem Herzen und nahm oft die Form eines Liedes an.<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Volkst&​uuml;​mliche Ansprache. Einladung zur pers&​ouml;​nlichen Umkehr und Erneuerung. Kreative Gestaltung. Hinwendung zu den &​bdquo;​Kirchenfernen&​ldquo;​. Reflexion des eigenen Lebens(stiles). Neuorientierung auf das Reich Gottes hin. Benennung ungerechter Systeme und &​bdquo;​struktureller S&​uuml;​nden&​ldquo;​.</​div>​ +
-<a name="​22"></​a><​br /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​22. SICH SENDEN LASSEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Die franziskanische Lebensgemeinschaft verstand sich von Anfang an als <span class="​inline_fett_braun">​missionarische &​bdquo;​Bruderschaft in Sendung&​ldquo;</​span>​ [missio(n) = Sendung]. Fior 16: <​em>&​bdquo;​Denn er hat dich nicht allein erw&​auml;​hlt um deiner selbst willen, sondern auch zum Heil anderer.&​ldquo;​ </​em>​Franziskus ging es vor allem um die &​Uuml;​bereinstimmung von Verk&​uuml;​ndigung und Lebensstil. Vorrang vor dem Wort hat das Zeugnis des Lebens. <​em>&​bdquo;​Der Knecht Gottes muss durch sein heiligm&​auml;&​szlig;​iges Leben so sehr zu einer Flamme werden, dass er durch das Licht des guten Beispiels und durch die Sprache, die sein Lebenswandel spricht, alle Gottlosen im Gewissen trifft&​ldquo;​ </​em>​(2 Cel 103). Franziskus w&​auml;​hlte wie oben erw&​auml;​hnt das Wanderleben Jesu und seiner J&​uuml;​nger zum Vorbild. Prim&​auml;​res Ziel war f&​uuml;​r ihn nicht die Predigt (diese Entwicklung vollzog sich erst sp&​auml;​ter im Orden), sondern das Zeugnis eines br&​uuml;​derlichen und evangeliumsgem&​auml;&​szlig;​en Lebens unter den Menschen. <​em>&​bdquo;​Geht,​ verk&​uuml;​ndet den Menschen den Frieden und predigt Bu&​szlig;​e zur Vergebung der S&​uuml;​nden! Seid in der Tr&​uuml;​bsal geduldig, im Gebet wachsam, bei der Arbeit flei&​szlig;​ig,​ im Reden bescheiden, in euren Sitten ernst und dankbar f&​uuml;​r Wohltaten, denn zum Lohn f&​uuml;​r all dies wird euch das ewige Reich bereitet&​ldquo;​ </​em>​(LM III, 7). Dieser Auftrag galt allen Br&​uuml;​dern gleicherma&​szlig;​en,​ unabh&​auml;​ngig davon, ob sie Priester waren oder nicht. Alle Br&​uuml;​der lebten den Auftrag der Sendung des Evangeliums. Franziskus hat diesen Auftrag (als er durch Krankheit in seinem &​bdquo;​Durch-die-Welt-ziehen&​ldquo;​ eingeschr&​auml;​nkt war) auch in brieflicher Form vollzogen (vgl. 2 BrGl 2f.).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Bruderschaft in Sendung. Vorrang des Lebenszeugnisses vor dem Wort. St&​auml;​ndige Selbstevangelisierung.</​div>​ +
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-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​23. FRIEDEN STIFTEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Franziskus versteht sich als Bote des <span class="​inline_fett_braun">​Friedens</​span>​. <​em>&​bdquo;​Bei jeder Predigt flehte er, bevor er den Ver-sammelten das Wort Gottes verk&​uuml;​ndigte,​ den Frieden herab mit den Worten: &​sbquo;​Der Herr gebe euch den Frieden!&​lsquo;​ Diesen Frieden verk&​uuml;​ndete er allezeit mit gr&​ouml;&​szlig;​ter Liebesglut M&​auml;​nnern und Frauen, allen Leuten, die ihm auf dem Weg begegneten.&​ldquo;​ </​em>​(1 Cel 23; vgl. auch 2 Cel 37; 2 Cel 108). Wie die J&​uuml;​nger,​ so sollen auch seine Br&​uuml;​der den Menschen <​em>&​bdquo;​Friede diesem Haus&​ldquo;​ </​em>​(Lk 10,5) w&​uuml;​nschen (vgl. SlgP 101). Grundprinzip ist es, &​bdquo;​weder Zank noch Streit an[zu]fangen&​ldquo;​ (NbReg 16,6) und <​em>&​bdquo;​wenn wir sehen oder h&​ouml;​ren,​ dass Menschen B&​ouml;​ses sagen oder tun oder Gott l&​auml;​stern,​ dann wollen wir Gutes sagen und Gutes tun und Gott loben&​ldquo;</​em>​ (NbReg 17,19). In einer Zeit, wo es f&​uuml;​r bestimmte St&​auml;​nde selbstverst&​auml;​ndlich war, Waffen zu tragen, erlaubt Franziskus h&​ouml;​chstens einen Wanderstab und verdeutlicht so die Friedensbereitschaft seiner Br&​uuml;​der. In seinen Briefen w&​uuml;​nscht Franziskus den Empf&​auml;​ngern &​bdquo;​Heil und Friede&​ldquo;​ (&​bdquo;​salus et pax&​ldquo;​). F&​uuml;​r Franziskus ist die trinitarische Dimension des Friedens wichtig. Friede ist ein Geschenk des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes. Der &​bdquo;​wahre Friede&​ldquo;​ kommt von Gott in der Person des Vaters und inkarniert sich im dem&​uuml;​tigen und Frieden stiftenden &​bdquo;​Bruder und Sohn Jesus Christus&​ldquo;​. Schlie&​szlig;​lich ist es der Geist des Herrn, der zum &​bdquo;​wahren Frieden des Geistes&​ldquo;​ antreibt&​ldquo;​ (Horst von der Bey) (vgl. BrGl; BrOrd; Erm 15). <br /> +
-Mit seinem Friedensverst&​auml;​ndnis stellt sich Franziskus gegen das kirchliche Denken seiner Zeit, das gepr&​auml;​gt war vom Aufruf zum Kreuzzug. Ansonsten &​auml;​u&​szlig;​erst kirchentreu,​ widersetzt sich Franziskus den p&​auml;​pstlichen Anordnungen,​ die er als nicht evangeliumsgem&​auml;&​szlig;​ erkennt. Und das, obwohl P. Innozenz III. in seinem Kreuzzugsbrief &​bdquo;​Quia maior&​ldquo;​ von 1213 geschrieben hatte: &​bdquo;​So sollen (sie) wissen, dass jeder, der in dieser Stunde der Not seinem Erl&​ouml;​ser den Dienst verweigert, sich schwer verschuldigt und schwer zu beschuldigen ist.&​ldquo;<​br /> +
-Das Handeln von Franziskus zielt auf Vers&​ouml;​hnung. Es gelingt ihm in verschiedenen Situationen,​ Frieden zwischen verfeindeten Parteien zu stiften (vgl. Fior 11; Fior 21; 2 Cel 37; 2 Cel 108). Die eindrucksvollste Erz&​auml;​hlung diesbez&​uuml;​glich ist die Geschichte vom Wolf von Gubbio. In den Sonnengesang f&​uuml;​gt er die Strophe von Frieden und Vers&​ouml;​hnung ein (Sonn 11).<br /> +
-Im weltlichen Dritten Orden gab es das Waffenverbot:​ &​bdquo;​T&​ouml;​dliche Waffen d&​uuml;​rfen sie gegen niemanden empfangen noch mit sich tragen&​ldquo;​ (Memoriale 15,3), so dass sich viele dem damaligen aufgezwungenen Kriegsdienst verweigerten.<​br /> +
-<​em><​strong>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​strong></​em>​ Absage an Gewalt jeder Art. Einsatz f&​uuml;​r Frieden weltweit und vor Ort. Initiativen gegen R&​uuml;​stungsexport und f&​uuml;​r Abr&​uuml;​stung. Unterst&​uuml;​tzung von Kriegsdienstverweigerern und von Friedensinitiativen.</​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​24. IN DEMUT UND GEDULD MINORITAS &​Uuml;​BEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Mit dem Begriff Frieden verkn&​uuml;​pft Franziskus h&​auml;​ufig die Begriffe <span class="​inline_fett_braun">&​bdquo;​Demut&​ldquo;</​span>​ und <span class="​inline_fett_braun">&​bdquo;​Geduld&​ldquo;</​span>​. (vgl. Eph 4,2). F&​uuml;​r ihn bilden sie einen untrennbaren Dreiklang, eine unaufl&​ouml;​sliche Trilogie dieser Tugenden. (vgl. NbReg 17,15). Gott selbst &​uuml;​bt in seiner Menschwerdung das Moment der Demut, indem er sich ent&​auml;​u&​szlig;​ert und erniedrigt, klein wird und gering, ein Mensch unter Menschen (vgl. Punkt 7). Christus hat den Seinen gedient und die F&​uuml;&​szlig;​e gewaschen. In seinen Briefen bezeichnet sich Franziskus in der Nachfolge Jesu als der <​em>&​bdquo;​Geringste der Diener Gottes&​ldquo;​ </​em>​(BrKust II,1) und <​em>&​bdquo;​ganz kleiner und ver&​auml;​chtlicher Knecht&​ldquo;​ </​em>​(BrLenk 1). Recht verstandene Demut&​nbsp;​ (lateinisch humilitas = Erdverbundenheit] macht menschlich, human. Ungeduld f&​uuml;​hrt h&​auml;​ufig zu Gewalt. Geduld dagegen f&​ouml;​rdert den Frieden. [Geduld = patientia; schwingt pati = leiden = passio = Leiden mit]. Der Friede h&​auml;​ngt sehr eng mit der Dienstbereitschaft zusammen. Die <span class="​inline_fett_braun">&​bdquo;​Minoritas&​ldquo;​ </​span>​ist Kernst&​uuml;​ck franziskanischer Spiritualit&​auml;​t. Seine Br&​uuml;​der nennt er daher <span class="​inline_fett_braun">&​bdquo;​Mindere Br&​uuml;​der&​ldquo;</​span>​. <​em>&​bdquo;​Und keiner soll &​sbquo;​Prior&​rsquo;​ genannt werden, sondern alle sollen schlechthin &​sbquo;​Mindere Br&​uuml;​der&​rsquo;​ hei&​szlig;​en&​ldquo;</​em>​ (fratres minores), schreibt er in der Regel von 1221 (NbReg 6,3). Sie sollen allen Menschen untertan sein und ihnen dienen. <​em>&​bdquo;​Ich rate aber meinen Br&​uuml;​dern,​ warne und ermahne sie im Herrn Jesus Christus, sie sollen, wenn sie durch die Welt gehen, nicht streiten, noch sich in Wortgez&​auml;​nk einlassen </​em>​(vgl. 2 Tim 2,14), <​em>​noch andere richten. Vielmehr sollen sie milde, friedfertig und bescheiden, sanftm&​uuml;​tig und dem&​uuml;​tig sein und anst&​auml;​ndig reden mit allen, wie es sich geh&​ouml;​rt&​ldquo;</​em>​ (BReg 3,10; vgl. NbReg 16).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Grundhaltung des Friedens, der Demut und Geduld. Grundhaltung der Dienstbereitschaft.</​div>​ +
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-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​25. MIT LEIDEN IN GELEBTER SOLIDARIT&​Auml;​T UND GEWALTLOSIGKEIT</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Franziskus verf&​uuml;​gte &​uuml;​ber die Gabe des <span class="​inline_fett_braun">​Mitleidens</​span>​ (compassio). Durch die Begegnung mit dem Gekreuzigten erw&​auml;​chst bei ihm die F&​auml;​higkeit,​ die Leiden des Anderen gleichsam am eigenen Leib mit zu leiden. Die Biografen von Franziskus berichten, wie er tagelang geweint habe und am Leiden litt, weil die Liebe nicht geliebt wird. <​em>&​bdquo;​Selig die Friedfertigen,​ denn sie werden Kinder Gottes genannt werden&​lsquo;</​em>​ (Mt 5,9). <​em>​Der Knecht Gottes kann nicht erkennen, wie gro&​szlig;​e Geduld und Demut er in sich hat, wenn alles nach seinem Wunsch geht. Wenn aber eine Zeit kommt, dass jene, die seinen W&​uuml;​nschen entsprechend handeln mussten, ihm das Gegenteil antun, was er dann an Geduld und Demut hat, das hat er und nicht mehr&​ldquo;,</​em>​ so erl&​auml;​utert er in Ermahnung 13. Und in Ermahnung 15 f&​auml;​hrt er fort: <​em>&​bdquo;​Jene sind wahrhaft Friedensstifter,​ die in allem, was sie in der Welt erleiden, wegen jener Liebe, mit der unser Herr Jesus Christus liebt, sowohl im Denken und F&​uuml;​hlen (= Seele), als auch im sozialen Verhalten (= Leib) den Frieden bewahren.&​ldquo;&​nbsp;​ </​em>​Friede w&​auml;​chst nur durch <span class="​inline_fett_braun">​Gewaltlosigkeit</​span>,​ durch geduldiges Ertragen und dem&​uuml;​tiges Erleiden. Dies aber nicht im Sinne von Passivit&​auml;​t,​ sondern durch die Aktivierung innerer Kr&​auml;​fte. Mitleid bedeutet gelebte Solidarit&​auml;​t.<​br /> +
-<​em><​strong>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​strong></​em>​ Grundhaltung der Gewaltlosigkeit und des Mitleidens. Solidarit&​auml;​t mit den Leidenden. Glaubw&​uuml;​rdig leben durch das eigene gute Beispiel. Bem&​uuml;​hen um eine gewaltfreie und geschlechtergerechte Sprache.</​div>​ +
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-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​26. ANDERSGL&​Auml;​UBIGEN IN EHRFURCHT BEGEGNEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Das Friedensverst&​auml;​ndnis von Franziskus hat Folgen f&​uuml;​r <span class="​inline_fett_braun">​den Umgang mit Andersgl&​auml;​ubigen</​span>​. Franziskus war der erste, der in seine Ordensregel ein eigenes Missionskapitel eingef&​uuml;​gt hat. Darin hei&​szlig;​t es: <​em>&​bdquo;​Die Br&​uuml;​der aber, die hinausziehen,​ k&​ouml;​nnen in zweifacher Weise unter ihnen geistlich wandeln. Eine Art besteht darin, dass sie weder Zank noch Streit beginnen, sondern &​sbquo;​um Gottes willen jeder menschlichen Kreatur&​lsquo;​ </​em>​(1 Petr 2,13) <​em>​untertan sind und bekennen, dass sie Christen sind&​ldquo;</​em>​ (NbReg 16,5-7). Dieser Auftrag gilt f&​uuml;​r die, die &​bdquo;​unter die Sarazenen und andere Nichtgl&​auml;​ubige gehen&​ldquo;​. Im Lateinischen hei&​szlig;​t es hier &​bdquo;​inter Sarazenos&​ldquo;​ bzw. &​bdquo;​inter eos&​ldquo;​. Hier schimmert das Wort &​bdquo;​Interesse&​ldquo;​ durch, was meint &​bdquo;​inter esse&​ldquo;​ = dazwischen sein. Die Br&​uuml;​der sollen also Interesse an den Menschen haben und ihnen zun&​auml;​chst einmal untertan sein als mindere, als dienende Br&​uuml;​der. Erst wenn das Interesse geweckt ist und die Situation geeignet, d&​uuml;​rfen sie zur verbalen Verk&​uuml;​ndigung &​uuml;​bergehen. Die Verk&​uuml;​ndigung durch das Leben und das Beispiel hat Vorrang vor der Verk&​uuml;​ndigung durch das Wort. Franziskus war von der Ernst-haftigkeit des islamischen Glaubens derart angetan, dass er die Lenker der V&​ouml;​lker auffordert, &​auml;​hnlich der islamischen Praxis das ganze Volk zum Lobpreis Gottes zusammenrufen zu lassen (BrLenk 7; vgl. BrKust I8 und BrKust II6).<br /> +
-<​em><​strong>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​strong></​em>​ Ehrfurcht zeigen vor und Interesse zeigen an anderen Kulturen und Religionen. Die Wahrheit dort entdecken. Den eigenen Glauben befruchten lassen. Umgang mit Respekt und Toleranz. Miteinander das Leben teilen.</​div>​ +
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-<div class="​linkfeld"><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ Seitenbeginn &​nbsp;</​span></​a></​div>​ +
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-<div class="​ueberschrift_5">​27. DAS CHARISMA DES ANFANGS LEBEN UND NEUAUFBR&​Uuml;​CHE WAGEN</​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Franziskus hat immer wieder um seine Berufung gerungen (in einer Einsiedelei leben oder durch die Welt ziehen). Er hat erleben m&​uuml;​ssen,​ wie aus dem Kreis seiner kleinen Br&​uuml;​derschar ein Orden mit Tausenden von Br&​uuml;​dern wurde und damit auch, wie das <span class="​inline_fett_braun">​Charisma des Anfangs</​span>​ durch regulative Verfestigungen der <span class="​inline_fett_braun">​Institution</​span>​ zu ersticken drohte. Immer wieder neu musste er versuchen, seine Berufung und Art, das Evangelium zu leben, gegen Ver&​auml;​nderungen (die in seinen Augen Verw&​auml;​sserungen waren) verteidigen. Manch resignativer Moment war trotz allen Erfolges sp&​uuml;​rbar. Am Ende seines Lebens sagt er: <​em>&​bdquo;​Br&​uuml;​der,​ nun wollen wir endlich anfangen, Gott dem Herrn zu dienen, denn bisher haben wir kaum, sogar wenig - nein, gar keinen Fortschritt gemacht! Er glaubte nicht, es schon ergriffen zu haben, und unerm&​uuml;​dlich ausharrend in dem Streben nach neuer Heiligkeit, lebte er in der Hoffnung, immer wieder von vorne anfangen zu k&​ouml;​nnen&​ldquo;</​em>​ (1 Cel 103). &​bdquo;​Ich habe das Meine getan. Was ihr zu tun habt, das m&​ouml;​ge euch Christus lehren&​ldquo;​ (2 Cel 214).<br /> +
-<​strong><​em>​ Franziskanische Spiritualit&​auml;​t heute:</​em></​strong>​ Das Charisma des Anfangs leben. Die Spannung zwischen Institution und Charisma aushalten. St&​auml;​ndige &​Uuml;​berpr&​uuml;​fung bisheriger Wege und Strukturen. Neuorientierung und Ver&​auml;​nderung. Flexibel bleiben. Immer wieder neu beginnen. Neue Anf&​auml;​nge wagen.</​div>​ +
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-<div class="​rechtsbuendig">​Br. Stefan Federbusch ofm</​div>​ +
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-<hr width="​100%"​ size="​2"​ /> +
-<div class="​linkfeld"><​a href="​http://​www.infag.de/​seiten/​doku.php/​spiritualitaet_franziskanische_spiritualitaet">&​nbsp;​zur&​uuml;​ck zur &​Uuml;​bersicht&​nbsp;</​a><​a href="#​anfang"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​Seitenbeginn&​nbsp;</​span></​a></​div></​html>​+
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