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Staunen und Danken
Vor kurzem wurde die weltgrößte Forschungsmaschine, der Teilchenbeschleuniger LHC (= Large Hydron Collider), im französisch-schweizer Grenzland in Betrieb genommen.
Die Wissenschaftler am Zentrum der „Europäischen Organisation für Kernforschung“ (CERN) wollen versuchen, die Bedingungen nachzustellen, die unmittelbar nach dem Urknall vor vermutlich 13,7 Milliarden Jahren geherrscht haben.


Um das Weltall verstehen zu lernen, werden sie fast lichtschnelle Atomkerne (fast 300.000 km pro Sekunde) zusammenstoßen lassen. Es kommt dabei zu 600 Millionen Kollisionen pro Sekunde. 9593 Magnete halten die Atomkerne auf dem annähernd 27 km langen Rundkurs. Bislang kreisen die Pakete von jeweils hundert Milliarden Wasserstoffkernen (Protonen) nur, bis zum 21. Oktober 2008 soll es erste Kollisionen geben. Sie zerstören sich dabei gegenseitig. Bei Temperaturen, die 100.000-mal heißer sind als das Sonneninnere entstehen bekannte sowie vielleicht bisher unbekannte Teilchen.

Die Forscher erwarten sich Antworten auf die Fragen: „Was geschah beim Urknall? Woraus besteht das Universum?“ Trotz der 3 Milliarden Euro teuren Maschine werden sich mit ihr nur 5 Prozent des Universums erklären lassen. Die anderen 95 Prozent sind unbekannte Formen Dunkler Materie und Dunkler Energie.

Dem hl. Franziskus standen derartige technische Mittel im 13. Jh. nicht zur Verfügung. Für Franziskus ist die „Umwelt“ eine „Mitwelt“, er begreift sich als Teil einer kosmischen Universalität. Die Schöpfung und mit ihr die Geschöpfe sind um ihrer selbst willen da, nicht als „Gebrauchswert“ für den Menschen. Sie verweisen auf Gott als den Schöpfer allen Seins. Darum sind sie für Franziskus „Brüder“ und „Schwestern“ und die Erde wird zur „Mutter“. Seine Haltung focussiert sich im „Sonnengesang“, dem ersten Lied in altitalienischer Sprache. Die erste Strophe ist der Sonne gewidmet, die zweite dem Mond und den Gestirnen. Durch sie lobt Franziskus Gott und er fordert alle Geschöpfe auf, mit ihm Gott zu loben.

Diese Haltung wirkt vielleicht zunächst antiquiert und vormodern. Heute wird uns jedoch immer bewusster, dass der Mensch Teil der Schöpfung ist und als solcher nur mit ihr überleben kann, nicht gegen sie. Stichworte wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit verdeutlichen die Dringlichkeit des verantwortlichen Umgangs mit den Ressourcen. Die Haltung von Franziskus war geprägt von Staunen und Dankbarkeit. Denken und Danken gehören nicht nur vom Wortstamm zusammen. Was uns die Wissenschaft an Erkenntniszuwachs beschert, lässt staunen und danken, da insbesondere die Dimensionen des Universums unser menschliches Vorstellungs- und Fassungsvermögen bei weitem übersteigt. Sowohl Makro- wie Mikrokosmos bergen Faszinationen, die uns zum Lobpreis herausfordern.

Gott sei Dank!

Br. Stefan Federbusch


[Der obige Text erscheint in gekürzter Fassung als "Sonntagsgedanken" am 4. Oktober 2008 im Hanauer Anzeiger]



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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:20