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Reuter Franziskanerinnen erhalten Franziskuspreis
Die Diözese Rottenburg Stuttgart hat die Sorge um die Bewahrung der Schöpfung zu einem ihrer pastoralen Schwerpunkte erklärt. Am 2. Oktober 2008 verlieh Bischof Dr. Gebhard Fürst den mit 10 000 Euro dotierten Franziskuspreis zum ersten Mal.


Die Jury unter dem Vorsitz des Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, Winfried Kretschmann, lobte in seiner Laudatio das Projekt der Franziskanerinnen von Reute, die neben umfangreichen Maßnahmen zur Nutzung von Solarenergie, zur Energiesparung und zur Nutzung von Regenwasser vor allem auch ökologischen Garten- und Landbau betreiben, als „exemplarische Form guten Lebens“. Motiviert durch die franziskanische Spiritualität, sei ihr Handeln sehr konkret und erdverhaftet.

Alle 2 Jahre soll mit dem Preis besonders vorbildliches und zukunftsweisendes Verhalten im Sinne ökologischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Nachhaltigkeit gewürdigt werden.



Laudatio zur Franziskus-Preisverleihung

Ausschnitt aus der Bekanntgabe der Jury-Entscheidung und Laudatio zur Vergabe des Franziskus-Preises der Diözese Rottenburg-Stuttgart von Winfried Kretschmann MdL und Vorsitzender der Fraktion Grüne im Landtag von Baden Württemberg

Verehrte Schwestern der Reutener Franziskanerinnen - Kongregation, die Jury war von vornherein der Auffassung, dass Ihre Initiative zwar aus dem Rahmen herausfällt, in dem sie mit den anderen eingereichten Projekten vergleichbar wäre, aber dass sie gleichwohl etwas Besonderes und Preiswürdiges ist. Bescheiden, wie Ihnen dies als franziskanische Ordensfrauen zukommt, haben sie in Ihrer Bewerbung die bei Ihnen umgesetzten Maßnahmen zur solaren Energiegewinnung, zur Erfassung und Nutzung von Regenwasser oder zur Energieeinsparung nur am Rande erwähnt. Wir haben diese Maßnahmen dennoch bei der Gesamtbewertung gewürdigt.

Besonders hervorgehoben haben Sie Ihre Aktivitäten im biologischen Landbau und im Gartenbau Ihres Klosters. Dabei hat uns besonders beeindruckt, dass am Beginn Ihres Handelns eine franziskanische Spiritualität der Liebe zur Schöpfung zu erkennen ist, die alle Ihre Aktivitäten motiviert und der Sie durchaus in überzeugenden ökologischen Maßnahmen eine „Bodenhaftung“ geben, so dass die auch wirtschaftlich vernünftig sind. Denn Ökonomie und Ökologie bedeuten semantisch dasselbe, nämlich haushalten. Sie enthalten auch eine soziale Komponente. Nachhaltigkeit bedarf nämlich auch einer sozialen Säule. Besonders hebt die Jury hervor, dass der Gedanke der Nachhaltigkeit bei Ihnen in einer umfassenden Ganzheit gesehen wird, die ökologische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aspekte einschließt. Die aktive Einbeziehung Ihrer betagten Schwestern ist solch ein mitmenschlicher Aspekt, der uns sehr angerührt hat. Die durch eine spirituelle Gestaltgebung geschaffene Ordnung hat uns sehr angesprochen – das Schöne an Ihrem Handeln in einem weiten Sinn.

Mit der Betonung des Gartens haben Sie mehr angesprochen, als eine bestimmte Form der Bodenbewirtschaftung; der Garten ist so etwas wie ein „Prinzip“, er ist ein aussagestarkes Symbol für die Einbettung des Menschen in seine Umwelt und für seinen Umgang mit der Schöpfung: Die Natur nutzen aber nicht übernutzen.
Bei den Bioprodukten, die Sie erzeugen, spielen existenzielle Qualitäten wie Gesundheit, Genuss und Lebensfreude eine große Rolle – aber eben nicht im Sinn einer modischen „Wellness“-Ideologie, sondern als ganzheitliche Sicht des Menschen. Nicht nur hier wird deutlich, dass ein franziskanisches Kloster nichts Weltfremdes ist, sondern etwas für die Welt.

Auf den ersten Blick scheint es so, als ob Ihnen die Öffentlichkeitsarbeit kein besonderes Anliegen wäre – wenigstens was Ihre Präsenz in den Medien angeht. Aber Sie stellen Öffentlichkeit auf eine ganz andere Art her: indem bei Ihnen Kinder, Jugendliche, Familien zu Gast sind, für die Sie – neben Ihrer Gastfreundschaft – ein spezifisches pädagogisches Konzept der Umweltbildung und Schöpfungsspiritualität entwickelt haben.
Mögen Ihre konkreten Aktivitäten außerhalb des Klosterlebens vielleicht nicht einfach umsetzbar sein, so wirken Sie auf diese Weise noch weit in die Öffentlichkeit hinein – indem nämlich Impulse franziskanischer Schöpfungsliebe durch Ihre Gäste weitergetragen werden. Uns erschien das, was wir bei Ihnen wahrgenommen haben, als exemplarische Form eines „guten Lebens“, denn das ist ja der Sinn von Nachhaltigkeit, also der Bewahrung von Gottes guter Schöpfung. Dafür gebührt Ihnen diese Auszeichnung.

Quelle: www.kloster-reute.de



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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:33