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Bericht vom Grundlagenseminar
„Ausgegrenzt – Grenzgänge in Berlin“ – unter diesem Titel fand vom 10.-13. April 2008 das Grundlagenseminar für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung statt. 20 Schwestern und Brüder gingen auf Exkursionstour, die alten und die neuen Grenzen innerhalb der Hauptstadt zu erkunden.


Mahnwache
Mit Christian Herwatz SJ von der „Initiative Ordensleute gegen Ausgrenzung“ gestalteten sie eine Mahnwache vor dem Polizeigewahrsam in Köpenick, wo Menschen in einem "Abschiebegefängnis" bis zu 18 Monaten festgehalten werden, selbst dann, wenn sie nicht abgeschoben werden können.

Gespräch mit Wolfgang Thierse
Das Thema der Ausgrenzung wurde anschließend im Gespräch mit dem Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse (SPD), diskutiert. Bei der Begegnung im Reichstag kritisierte er einerseits das heute vorherrschende Bild vom Menschen ausschließlich als Produzent und Konsument, wies aber andererseits auf die Grenzen der Politik innerhalb des demokratischen Systems hin, die von Mehrheitsfindung lebt.

Lobbyarbeit der Franziskaner
Im Anschluss daran berichtete Thomas Schimmel über die Lobbyarbeit der Missionszentrale der Franziskaner, die er als „unterstützende“ im Gegensatz zur „fordernden“ beschrieb. Ziel war es in den vergangenen fünf Jahren, Politiker mit Gästen aus den Ländern des Südens in Kontakt zu bringen sowie Begegnungen vor Ort zu ermöglichen, um Bewusstsein für deren Lebensrealität zu schaffen. Beide Gespräche verdeutlichten die Wichtigkeit, sich auch als Mitglieder der franziskanischen Familie „politisch“ (im weiten Sinne) zu engagieren und auf diese Weise Gesellschaft mitzugestalten und Stimme der Ausgegrenzten zu sein.

Eigene Grenz-Erfahrungen
Die Seminarteilnehmer machten dann wichtige Erfahrungen bei der Aufgabe, ohne Geld das Abendessen für alle Teilnehmenden zu organisieren. Es zeigte sich, dass sich keiner der Filialleiter von Supermärkten und großen Imbissketten (aus rechtlichen Gründen) in der Lage sah, Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen. Erst die Bahnhofsmission gab von den ihr zur Verfügung gestellten mehr als reichlich vorhandenen überschüssigen Nahrungsmitteln ab.
Die Raumorganisationsgruppe wurde u.a. an ein Hotel verwiesen, wo die Konferenzmanagerin auf bloßen Telefonanruf hin umsonst einen Raum zur Verfügung stellte. Es handelte sich um das 5-Sterne-Hotel „de Roma“ direkt neben der Hedwigskathedrale. Die Gruppe konnte so in einem Nobelhotel mit Spenden der Bahnhofsmission zu Abend essen und die Fragen von Verteilungsgerechtigkeit und sozialer Verantwortung diskutieren. Der Auftrag einer anderen Kleingruppe, Gäste zu diesem Essen einzuladen, blieb erfolglos.


Ethische Geldanlagen
Ein Informationsaustausch mit den beiden Direktoren der Bank für Orden und Mission widmete sich der Thematik der Ethischen Geldanlagen. Vor fünf Jahren in Bankenkreisen noch belächelt, ist das Thema mittlerweile salonfähig und wird von zahlreichen (Groß)Banken aufgegriffen. Aus den Gewinnen der derzeitigen Geldanlagen von Orden und Privatanlegern konnten 100.000,- Euro an die Missionszentrale für Projekte erwirtschaftet werden.

Suppenküche Berlin-Pankow
Das Mittagessen in der Suppenküche der Franziskaner in Berlin-Pankow führte zu Begegnungen mit den Menschen, für die Finanzanlagen ein Fremdwort sind, da sie sich als Arme / Obdachlose um ihr tägliches Überleben sorgen.


Grenzgänge in Berlin
Eine zweite Berlinerkundung erfolgte mit dem Auftrag, in Kleingruppen eine Bildpräsentation bzw. Collage zum Thema „Grenzen und Ausgrenzung“ zu erstellen. Dazu suchten die Teilnehmenden unterschiedlichste Orte wie den ehemaligen Grenzstreifen (Mauerweg), Stätten jüdischen Lebens oder den Innenstadtbereich auf. Die Präsentationen wurden am Abend gesichtet und zeigten noch einmal die unterschiedlichen Gesichter Berlins.
Der Sonntag diente der Reflexion der gemachten Erfahrungen sowie eines gemeinsamen Gottesdienstes, der im Christian-Schreiber-Haus mit der dortigen Gemeinde Alt-Buchhorst sowie einer Jugendgruppe gefeiert wurde.

In Berlin stoßen wie in kaum einer anderen Stadt die verschiedenen (Lebens-)Welten aufeinander. Das Pendeln zwischen dem Tagungsquartier im Jugendhaus in Alt-Buchhorst und den Lernorten in Berlin spiegelte den Weg von außen nach innen und umgekehrt wider, den Franziskus in Assisi gegangen ist. Sein gesellschaftlicher Standortwechsel hin zu den Ausgegrenzten ist Herausforderung, selbst die (soziale) Wirklichkeit neu sehen zu lernen und mit den Menschen am Rande in Berührung zu kommen. Das Erspüren der eigenen Grenzen und der Grenzüberschreitung war für die Telnehmenden mit die wichtigste Lernerfahrung.



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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:20