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-<div class="​linkfeld"><​a href="​http://​www.infag.de/​seiten/​doku.php/​startseite"><​span class="​letzter_link">&​nbsp;​ zur&​uuml;​ck zur &​Uuml;​bersicht&​nbsp; ​ </​span></​a></​div>​ +
-<div class="​ueberschrift_1">​Liebeswund</​div>​ +
-<div class="​ueberschrift_5_ohne_rand">​Etwa zwei Jahre vor seinem Tod, am 17. September 1224, wird Franziskus auf dem Berg La Verna mit den Stigmata, den Wundmalen Christi, gezeichnet.<​br /> +
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-<font color="#​000000"><​em>​ Die folgende Betrachtung erscheint in der Reihe &​bdquo;​Charisma 2008/​2009&​ldquo;​ in der kommenden Ausgabe der INFAG-Nachrichten.</​em></​font></​div>​ +
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-<div class="​normaler_text">​Franziskus war ein Mensch, der die Liebe gelebt hat und der traurig dar&​uuml;​ber war, dass die Liebe so wenig geliebt wird. Franziskus war ein leidenschaftlicher Mensch. &​bdquo;​Liebe ist eine Leidenschaft,​ die Leiden schafft&​ldquo;,​ wei&​szlig;​ der Volksmund.<​br /> +
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-<img width="​113"​ height="​150"​ src="/​seiten/​userfiles/​Stigmatisation-Reute.gif"​ class="​bild_links"​ alt=""​ /> Wenn Udo J&​uuml;​rgens singt &​bdquo;​Ich w&​uuml;​nsch Dir Liebe ohne Leiden&​ldquo;,​ dann ist dies vielleicht ein &​bdquo;​frommer&​ldquo;​ Wunsch, aber kein realistischer. Es gibt <font color="#​3366ff">​keine Liebe ohne Leiden</​font>​. Das sp&​uuml;​ren und lernen Liebende sehr schnell. Sp&​auml;​testens unsere Sprache verdeutlicht dies. Menschen, die sich lieben, sagen zueinander: &​bdquo;​Ich mag dich leiden&​ldquo;​. Eine leidenschaftliche Liebe hat Konsequenzen. Wer liebt, der ist bereit, <​em>​mit</​em>​ dem Partner bzw. der Partnerin zu leiden oder auch <​em>​an</​em>​ ihm bzw. <​em>​an</​em>​ ihr zu leiden. &​bdquo;​Ich liebe dich&​ldquo;​ hei&​szlig;​t eben: &​bdquo;​Ich mag dich leiden&​ldquo;​. Wer liebt, der ist bereit zu leiden und Krisen und Konflikte durchzustehen. ​ <br /> +
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-Liebe bedeutet N&​auml;​he und damit auch Sich-aneinander-Reiben. Liebe bedeutet <font color="#​3366ff">​Verletzlichkeit</​font>​ und <font color="#​3366ff">​Verwundbarkeit</​font>​. Diese Erfahrung hat Franziskus am Ende seines Lebens gemacht. Sie ist verbunden mit dem Ort<font color="#​993300">​ La Verna</​font>,​ mit Berg und Fels, mit Zerkl&​uuml;​ftung und Rauhheit, mit Verzweiflung und Einsamkeit. Franziskus erf&​auml;​hrt das, was er seit seiner Berufung sein Leben lang meditiert und verinnerlicht hat (und jetzt w&​auml;​hrend des Herbst-Fastens vom Tag nach Maria Himmelfahrt / 16. August bis zum Fest des Erzengels Michael / 29. September), nun am eigenen Leib. Im <font color="#​993300">​September 1224</​font>​ erleidet er das Schicksal Christi &ndash; sicherlich nicht zuf&​auml;​llig drei Tage nach dem Fest Kreuzerh&​ouml;​hung. Er wird zum auch &​auml;​u&​szlig;​erlich Verwundeten und zum ersten Stigmatisierten der Geschichte. Franziskus hat dar&​uuml;​ber selbst nie gesprochen und auch seinen Br&​uuml;​dern verboten, die Wundmale zu erw&​auml;​hnen. Sie blieben seine pers&​ouml;​nliche und ureigene Erfahrung. ​ <br /> +
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-Die Frage nach der <font color="#​993300">​Historizit&​auml;​t der Ereignisse</​font>​ wird immer wieder diskutiert. Zu Weihnachten letzten Jahres (25.12.2007) lief die Filmdokumentation &​bdquo;​Jesus von Assisi. Franziskus und das Geheimnis der Stigmata&​ldquo;​ von Friedrich Kl&​uuml;​tsch. Darin wird die These vertreten, dass Franziskus durch Bonaventura als &​bdquo;​zweiter Jesus&​ldquo;​ zur &​uuml;​berh&​ouml;​hten Kirchengestalt stilisiert worden sei, indem er die Stigmatisation in den Mittelpunkt stellt. Helmut Feld behauptet, dass Franziskus sich die Stigmata &ndash; wie viele andere im Zeitalter der Kreuzz&​uuml;​ge auch &ndash; selbst zugef&​uuml;​gt habe. Betrachtet man das Leben von Franziskus, so sind die Wundmale jedoch die letzte (und logische) Konsequenz seiner Nachfolge Christi. F&​uuml;​r mich liegt die plausibelste Erkl&​auml;​rung in dem Satz: <font color="#​3366ff">&​bdquo;​Du wirst in das verwandelt, was du liebst&​ldquo;</​font>​. ​ <br /> +
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-<font color="#​ff6600">​Paul Zahner</​font>​ sieht den Kernpunkt seiner Franziskusdeutung in der von Gott erf&​uuml;​llten Schw&​auml;​che und Zerbrechlichkeit von Franziskus. Er erf&​auml;​hrt sich als &​bdquo;​... unglaublich schwachen Menschen, der an sich selber leidet und der immer wieder an seine Grenzen st&​ouml;&​szlig;​t&​ldquo;​ und der es  wagt, &​bdquo;​seine Armut und Schw&​auml;​che anzuschauen,​ anzunehmen und als den eigentlichen Ort des Wirkens Gottes in seinem Leben zu entdecken. Seine Gebrochenheit hat ihm geholfen, wirklich alles in Beziehung zu Gott zu bringen&​ldquo;​. In der Stigmatisation &​bdquo;​werden die zahlreichen und tiefen Wunden des Poverello &ndash; starke Schuldgef&​uuml;​hle,​ Probleme in der Beziehung zu Frauen, oft tief empfundene Distanz zu Gott &ndash; hineingenommen in die Wunden des Gekreuzigten und so zu Wunden der Liebe&​ldquo;​. Hier &​bdquo;​erlebt Franziskus, dass es gerade seine leibliche und seine innere Schw&​auml;​che ist, die dem Wirken Gottes Raum verschafft und die in das Geheimnis der Wandlung einf&​uuml;​hrt&​ldquo;​. [Paul Zahner, Franz von Assisi begegnen, Augsburg 2004]<br /> +
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-Bereits die Stationen der Berufung von Franziskus hatten alle etwas mit <font color="#​3366ff">​Gebrochenheit</​font>​ zu tun: sein Jahr in Gefangenschaft im Kerker von Perugia; seine Krankheit, die er sich dort zugezogen hat; sein zerplatzter Traum, Ritter zu werden; die Begegnung mit dem Auss&​auml;​tzigen als Ausgesetzten und Ausgegrenzten;​ die Bruch-steine der Ruine von San Damiano; der Bruch mit dem Vater / der Familie; das Evangelium von der Aussendung der J&​uuml;​nger als Ab-Bruch bisherigen Lebens und Auf-Bruch in eine neue Lebensform... In den letzten Jahren seines Lebens dann schwere Selbstzweifel,​ fast Depression, und Entt&​auml;​uschung &​uuml;​ber die Entwicklung seiner Gemeinschaft (trotz aller Wandlungs- und Anpassungsf&​auml;​higkeit,​ die Franziskus immer wieder bewies) ...  <br /> +
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-So schlie&​szlig;​t sich der Kreis von Krippe und Kreuz. Wenige Monate zuvor, an Weihnachten 1223, hat Franziskus in Greccio die Geburt Jesu inszeniert und an die Demut Gottes erinnert. Der eingefleischte Gott tr&​auml;​gt seine Liebe durch bis ans Kreuz und l&​auml;​sst sich verwunden. Jesus hat das Kreuz nicht gesucht, es war vielmehr die letzte Konsequenz seines radikal f&​uuml;​r andere gelebten Lebens. Das <font color="#​3366ff">​Kreuz</​font>​ ist so <font color="#​3366ff">​Zeichen der Liebe</​font>​. Gott erweist sich in Christus nicht als R&​auml;​cher und Richter, sondern als Retter und Erl&​ouml;​ser. Seine <font color="#​3366ff">​leiden-schaftliche Liebe f&​uuml;​r uns Menschen</​font>​ schlie&​szlig;​t das Leiden ein. Er hat seine Arme ausgebreitet am Holz des Kreuzes. Er wurde verwundbar. Die Mitte des Kreuzes ist das ge&​ouml;​ffnete Herz.  Christlicher Glaube besagt, dass wir einen Gott haben, der uns nicht um unser Leid herumf&​uuml;​hrt,​ der aber mit uns durch das Leid hindurchgeht. Kein a-pathischer Gott, der leidunf&​auml;​hig ist, sondern ein <font color="#​3366ff">​sym-pathischer</​font>,​ der mitleidet, der das Leid mit durchleidet,​ ja der selbst am Tiefpunkt noch da ist und den bitteren Kelch trinkt. Der sich selbst mit seiner ganzen Person hingibt f&​uuml;​r uns, damit wir das Leben haben. ​ <br /> +
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-F&​uuml;​r Franziskus spiegelt sich seine eigene Gebrochenheit im <font color="#​3366ff">​gebrochenen Brot der Eucharistie</​font>​. Er verehrt Christus als den Gekreuzigten und leitet seine Br&​uuml;​der an, &​bdquo;​im Buch des Kreuzes Christi&​ldquo;​ zu lesen. Er verk&​ouml;​rpert,​ was christlich zentral ist: die <font color="#​3366ff">​Passion Christi</​font>​. Franziskus hat mit gelitten mit Christus. Er hat mitgelitten mit seinen Br&​uuml;​dern. Er hat mitgelitten mit den Menschen. Er hat mitgelitten mit der ganzen Sch&​ouml;​pfung. Aus diesem <font color="#​3366ff">​Mit-Leid</​font>​ floss das Erbarmen mit jedweder Kreatur. Franziskus war ein &​bdquo;<​font color="#​3366ff">​Passionist</​font>&​ldquo;​ im doppelten Wortsinn: Passion als Leidenschaft der Liebe und als Mitleiden in Betroffenheit. Er war <font color="#​3366ff">​liebeswund</​font>​. ​ <br /> +
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-In der Stigmatisation wird sichtbar, was Franziskus seit der Begegnung mit dem Auss&​auml;​tzigen umtreibt. Was ihm damals unter die Haut ging, erf&​auml;​hrt eine letzte Vollendung. &​bdquo;​Die f&​uuml;​nf Wunden am Leib unseres Franz dr&​uuml;​cken,​ als K&​ouml;​rperpredigt,​ seinen beharrlichen Willen aus, auf der Seite derer zu bleiben, die ihr Leben lang ohnehin mit ihren diversen Stigmen herumlaufen &ndash; als Bettler, Kriminelle oder Auss&​auml;​tzige. Franzens K&​ouml;​rper verlautbart aber auch, wie sehr Franz selber und gegen seinen Willen verletzt und gedem&​uuml;​tigt worden ist, zum Verlierer gestempelt im Spiel der M&​auml;​chtigen,​ im klaren Bewusstsein seiner Hilflosigkeit.&​ldquo; ​ <br /> +
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-Liebe ist nicht erkl&​auml;​rbar. <font color="#​3366ff">​Liebe bleibt immer Geheimnis</​font>​. Liebe steht immer in der Spannung zwischen Gl&​uuml;​ck und Leid. Sie steht in der Spannung zwischen Ich und Wir, zwischen Verschmelzung und Eigenst&​auml;​ndigkeit. Dadurch bleibt sie lebendig. Liebe ist die Zuwendung zum Anderen, der in seiner Freiheit stets anders bleibt. ​ <br /> +
-Diese Offenheit f&​uuml;​r die Menschen ist auch von uns gefordert: Uns dem Leid der anderen nicht zu verschlie&​szlig;​en,​ sondern ihnen mit offenen Armen und offenem Herzen zu begegnen als <font color="#​3366ff">​Kom-Passion</​font>​ echten solidarischen Mit-Leids. ​  <​br /> +
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-<font color="#​000000">​Br. Stefan Federbusch</​font></​div>​ +
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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:33