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Es schlug die Stunde des Dankes in Uri
Im Rahmen eines Festgottesdienstes am 14. Juni 2009 wurden die Kapuziner des Klosters Altdorf feierlich verabschiedet.


Bericht aus dem Urner Wochenblatt vom 17. Juni 2009:

Schweren Herzens, mit Wehmut und Bedauern nimmt Uri den Abschied hin. Mit Respekt und Dankbarkeit hat eine grosse Festgemeinde in Altdorf ihr Wirken gewürdigt.

Die Kirchenglocken der Pfarrkirche St. Martin erklangen am Sonntag, 14. Juni, um 9.00 Uhr zum Auftakt der Abschiedsfeier. Um 9.15 Uhr führte eine Prozession hinauf zum Kloster, wo die Kapuziner abgeholt wurden. Die letzten sechs Brüder verlassen nach 428 Jahren das Kloster in Altdorf. Geistlichkeit, die Barmherzigen Brüder, Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Wirtschaft, Vertreterinnen und Vertreter der Kirche, des Kantons, der Korporation Uri und der Gemeinde Altdorf, der Urner Harst und viele Gläubige begleiteten sie zum Lehnplatz in Altdorf. Um 10.00 Uhr begann der Festgottesdienst, zelebriert von Bischofsvikar Martin Kopp, musikalisch begleitet vom Kinderchor der Musikschule Uri und von der Brass Band Uri.

Applaus für eine Predigt

Die Predigt hielt Bruder Ephrem Bucher, Provinzial der Schweizer Kapuziner. Er wollte beim Abschied nicht von Leistungen der Kapuziner sprechen. Das Evangelium sei die Richtlinie, das Leben Jesus von Nazareth. Die Kapuziner würden versuchen, sich zum Beispiel der Informationsflut zu entziehen, eine andere Lebensweise dem Konsumterror entgegenzuhalten, was man auch als eine gesellschaftskritische Haltung verstehen könne. Aber in diesem Lebensmodell stecke Potenzial. In diesem Lebensmodell würden Freiheit und Zufriedenheit stecken. Von aussen nehme man das Wirken der Kapuziner als Leistung war und vermisse das nun, aber durch die Lebensform der Kapuziner verstumme vielmehr eine Stimme mit einer besonderen Melodie in Uri, meinte Bruder Ephrem Bucher. Der Abschied tue zwar weh, aber er gehöre zum Leben. Dieser sei das Phänomen der gesellschaftlichen Umstrukturierung.

Wir sind in einen Sturm geraten und kommen nicht mehr richtig vorwärts. So provoziere der Abschied heute Fragen - zum Beispiel: Wo führt das hin? - Bruder Ephrem Bucher dankte den Urnerinnen und Urnern für die Achtung und Anerkennung, die Hilfe und Unterstützung. Für seine Predigt erhielt der Kapuziner kräftigen Applaus.

Offizielle Verabschiedung durch Korporation, Kanton und Kirche

Im Rahmen des eindrücklichen Festgottesdienstes erfolgte die offizielle Verabschiedung der Kapuziner. Es wäre schön, wenn uns nicht nur das Kloster gehören würde, sondern auch die Kapuziner, dann wäre dieser Abschied nicht nötig, meinte der Präsident der Korporation Uri, Alois Arnold. Die Korporation Uri sei stolz auf die Kapuziner gewesen. In Erinnerung bleibe die Einfachheit und Volksnähe der Kapuziner. Uri habe sie in ihr Herz geschlossen.

Alois Arnold überreichte den Kapuzinern einen Urner Alpkäse als Zeichen des Dankes und, wie er betonte, einer hoffentlich nachhaltigen Verbindung zum Kanton Uri. Auch für Landamtmann Isidor Baumann war es ein aussergewöhnlich emotionaler Abschied. Er habe immer lieber den Kapuzinern gebeichtet, sagte er. Uri verliere wichtige Botschafter der christlichen Kultur. Uri verliere im wahrsten Sinne des Wortes Brüder. Er dankte ihnen und dem Orden für das grosse und engagierte Wirken im Kanton Uri, aber auch für die Schenkung der Bibliothek. Schweren Herzens nahm Bischofsvikar Martin Kopp namens der Kirche den Abschied vor. Das Bistum Chur sei den Kapuzinern zu grossem Dank verpflichtet.

Ihr Wirken und Leben in Uri verdiene Respekt und hohe Anerkennung. Die Kirche in Uri wird ärmer, sie verliert einen Teil ihres religiösen Lebens, erklärte Martin Kopp. Im Anschluss an den Festgottesdienst wurde ein Apäro offeriert, und Musik erklang. Es ergab sich die Gelegenheit, sich auch persönlich und im spontanen Gespräch von den sechs Kapuzinern zu verabschieden. Wohin die Brüder ziehen? - Alles Gute in Freiburg, Luzern, Olten, Wil und Mels.

Erich Herger

Bildnachweis: Ralph Aschwanden

Quelle: www.kapuziner.de



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