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Karlspreis 2009 für
Dr. Andrea Riccardi
Der Gründer der Gemeinschaft Sant`Egidio, Prof. Dr. Andrea Riccardi, erhielt am 21. Mai 2009 den Aachener Karlspreis.


Gründer der Gemeinschaft von Sant` Egidio

Die Gemeinschaft Sant`Egidio entstand 1968 in Rom in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Heute ist sie eine Laienbewegung, zu der nach Angaben der Gemeinschaft mehr als 50.000 Menschen gehören. Sie setzt sich in mehr als 70 Ländern der Welt für die Weitergabe des Evangeliums und für den Dienst an den Armen ein. Sant`Egidio ist eine als „Öffentlicher Verein von Gläubigen in der Kirche“ von der römisch-katholischen Kirche anerkannte Geistliche Gemeinschaft, die nach dem Kloster Sant`Egidio in Rom benannt ist.



"Herausragendes Beispiel zivilgesellschaftlichen Engagements"


Riccardi erhielt den Preis „in Würdigung eines herausragenden Beispiels zivilgesellschaftlichen Engagements für ein menschliches und - innerhalb wie außerhalb seiner Grenzen - solidarisches Europa, für die Verständigung von Völkern, Kulturen und Religionen und für eine friedlichere und gerechtere Welt.“
In der Begründung des Direktoriums für die Verleihung des Karlspreises heißt es weiter, dass man mit Riccardi „einen großen Europäer“ ehre, „der sich im besten Sinne der Nächstenliebe und Nächstenhilfe in den Dienst seiner Mitmenschen stellt, der mit leidenschaftlichem Engagement für die Verständigung über alle Konfessionen und nationalen Grenzen hinweg eintritt und der mit der Gemeinschaft von Sant´Egidio einen bedeutenden Beitrag für eine friedlichere und gerechtere Welt leistet. In seiner rund 40 - jährigen Arbeit hat Andrea Riccardi damit ein herausragendes und beispielgebendes Zeichen für die europäischen Werte des Friedens, der Solidarität und der Menschenwürde und darauf basierendes zivilgesellschaftliches Engagement für eine bessere Welt gesetzt.“

"Sozialer Kitt" für die europäische Gesellschaft

Der Aachener Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden betonte bei der Bekanntgabe des Preisträgers im Dezember 2008, dass das politische Europa in den vergangenen Monaten seine Stärke in der Finanzkrise gezeigt habe, das große Ziel, den Grundlagenvertrag, habe man jedoch nicht erreicht. Deshalb habe sich das Karlspreisdirektorium bewusst für einen Preisträger entschieden, der das Europa der gesellschaftlichen Werte lebe und diese über Europa hinaus trage. „Riccardi und Sant´Egidio setzen sich für ein Europa der sozialen Gerechtigkeit ein. Sie schaffen“, so Linden, „für die europäische Gesellschaft den sozialen Kitt.“ In Zeiten einer beispiellosen Finanz- und Wirtschaftskrise gelte sein Wort, dass dieses Europa nicht nur von Einzelinteressen und von der Wirtschaft geprägt sein dürfe. Riccardi habe großen Einfluss auf junge Menschen, „er versucht, jungen Menschen einen Sinn fürs Leben zu geben.“

Europäische Werte in die Welt tragen

"Wichtig sei auch, dass Riccardi „die europäischen Werte in die Welt trägt“. Insbesondere Afrika nehme er dabei immer wieder in den Blick. Linden erwähnte seine Vermittlertätigkeit im Bürgerkrieg in Mosambik und in vielen anderen afrikanischen Staaten. Schließlich lobte Linden Riccardis Engagement für den interreligiösen und interkulturellen Dialog.

Der Preisträger wurde am 16. Januar in Rom geboren, seit 1981 ist er als Hochschullehrer tätig. Zahlreiche Monographien zu wichtigen Fragen der neuzeitlichen Kirchen- und Christentumsgeschichte dokumentieren sein facettenreiches wissenschaftliches Interesse und die profunde Kenntnis unterschiedlicher religiöser, kultureller und politischer Strömungen in Geschichte und Gegenwart.

Einer der bedeutendsten europäischen Preise

Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als einer der bedeutendsten europäischen Preise. Er wird seit 1950 an Personen und Institutionen verliehen, die sich um die Einigung Europas verdient gemacht haben. Letzte Preisträgerin war Bundeskanzlerin Angela Merkel. Zu den früheren Preisträgern gehörten u.a. Konrad Adenauer (1954), die Europäische Kommission (1969), der spanische König Juan Carlos I. (1982), Francois Mitterand und Helmut Kohl (1988), Václav Havel (1991), Königin Beatrix der Niederlande (1996), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000) , der luxemburgische Premierminister Jean-Claude Juncker (2006) und der Spanier Javier Solana, Generalsekretär des Rates der Europäischen Union und Hoher Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (2007). Im März 2004 erhielt Papst Johannes Paul II. einen außerordentlichen Karlspreis. 1989 war Frère Roger, der Gründer der Communauté von Taizé, mit dem Karlspreis ausgezeichnet worden.
Verliehen wird neben einer Urkunde auch eine Medaille, die auf der Vorderseite das älteste erhaltene Stadtsiegel Aachens aus dem 12. Jahrhundert mit thronendem Karl dem Großen und auf der Rückseite eine Inschrift für den jeweiligen Preisträger zeigt

Quelle: www.aachen.de

Die Begründung des Direktoriums der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen unter www.karlspreis.de



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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:33