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Internationales Mattenkapitel in Assisi
Zu einem internationalen Mattenkapitel anlässlich der 800-Jahr-Feier der franziskanischen Regel hatten die Generalminister des Ersten Ordens des hl. Franziskus sowie des männlichen regulierten Dritten Ordens (TOR = Tertius Ordo Regularis) eingeladen.

In Erinnerung an die Bestätigung der ersten Regel des heiligen Franziskus durch Papst Innozenz III. im Jahr 1209 trafen sich rund 2000 Brüder aus 65 Nationen.


1. Tag: Eröffnung

Eröffnet wurde das Treffen nach einer kurzen liturgischen Feier durch den Generalminister der Franziskaner, Br. José Rodríguez Carballo (Bildmitte), der zurzeit turnusgemäß der Präsident der Konferenz der Generalminister des Ersten Ordens ist. Einen ersten spirituellen Impuls gab anschließend Br. Raniero Cantalamessa, Prediger des päpstlichen Hauses. Er sprach zum Thema: "…damit wir die Regel, die wir dem Herrn versprochen haben, besser katholisch beobachten." (Test 34). Es folgte eine Eucharistiefeier in der Kirche Santa Maria degli Angeli, der der Ortsbischof von Assisi, Domenico Sorrentino, vorstand.

2. Tag: Vorträge und Podiumsdiskussionen

Der zweite Tag war dem Thema „Zeugnis geben" gewidmet. In einer kurzen Ansprache während des Morgengebets wies der Generalminister der Franziskaner-Minoriten Br. Marco Tasca darauf hin, dass Franziskus nichts Neues erfunden habe, aber sich immer wieder neu auf die Suche nach Christus gemacht habe. Von ihm erfüllt gab er Zeugnis. Für uns Brüder und unser Zeugnis heute heiße es dann: Zuerst gilt es, mit dem Leben Zeugnis zu geben, erst dann mit den Worten. Eine Konkretisierung gab Br. Marco uns mit auf den Weg: Einander gut wollen!

In der anschließenden Vortragsreihe sprach zunächst John Corriveau OFM Cap, Bischof von Nelson in Kanada. Er erklärte, dass Franziskus seine Bruderschaft als Abbild der trinitarischen Beziehungen gesehen habe: Aus diesem Grund habe Franziskus das Band der Einheit zwischen Gott und Jesus Christus, den hl. Geist, als den Generalminister des Ordens bezeichnet. – Als Schlüsselbegriff für die brüderlichen Beiziehungen arbeitete Corriveau dann das Stichwort "liebender Gehorsam" heraus. Somit müsse jede Form von Dominanz aus der Bruderschaft zugunsten eines Untergeordnetsein unter alle und alles verschwinden. Denn falsch verstandene Macht, so Br. John, sei unvereinbar mit dem brüderlichen Mitgefühl. Das Modell für Leitung schlechthin sei von daher der Dienst der Fußwaschung. Diese Vision des demütigen miteinander Umgehens sollten wir als franziskanische Familie als neue Vision der Welt vorschlagen.

Das zweite Referat lieferte Br. Giacomo Bini OFM, ehemaliger Generalminister der Franziskaner (Bild rechts). Er sprach zum Thema Mission und behandelte drei wesentliche Aspekte: Mission als Ausdruck unseres Glaubens, Mission als Pilgerschaft, Mission als Botschaft von Frieden und Versöhnung.

Das dritte Referat hielt Br. Agostino Gardin OFM Conv, ehemaliger Generalminister der Franziskaner-Minoriten und mittlerweile Sekretär der Kongregation für das Geweihte Leben im Vatikan. Er sprach zum Thema Gehorsam gegenüber der Kirche.

Am Nachmittag gab es eine Podiumsdiskussion, während der verschiedene franziskanische Projekte jeweils mit einer Videopräsentation vorgestellt wurden. Sehr interessante Einblicke in den interreligiösen Dialog gab Br. Pierbattista Pizzaballa ofm, Kustos im Heiligen Land. Das offizielle Programm endete mit der Eucharistiefeier in der Basilika Santa Maria degli Angeli. Hauptzelebrant war Kardinal Franc Rodè, Präfekt der Kongregation für das Geweihte Leben.

3. Tag: Tag der Einkehr – und des Feierns

Der dritte Tag begann mit einem gemeinsamen Morgengebet in der Basilika Santa Chiara. Während der Laudes gab Sr. Angela Emanuela Scandella, Äbtissin in Foligno, einen Impuls an die Teilnehmer des Kapitels. Die Zeit bis zum Nachmittag war anschließend zur freien Verfügung – zum Spaziergang, zum Gespräch mit Brüdern aus aller Welt oder zum Gebet an den franziskanischen Stätten.

Erst nachmittags um 15.00 Uhr traf man sich wieder in Portiunkula, um dann von dort aus gemeinsam in einer Prozession zur Basilika San Francesco zu ziehen. Oben angekommen, bekamen die Brüder aus den Händen der Generalminister direkt vor dem Grab des heiligen Franz von Assisi eine Sonderausgabe der Regel des heiligen Franziskus geschenkt.

Anschließend feierten die Brüder gemeinsam auf dem Platz vor der Basilika die hl. Messe. Hauptzelebrant war dieses Mal Claudio Kardinal Hummes, Präfekt der Kleruskongregation. Seine Predigt begann Kardinal Hummes mit dem Ausdruck der Freude darüber, wie reich das franziskanische Erbe sei. Näher ging er auf vier Punkte ein: Erneuerung und ständige Neuausrichtung eines jeden Bruders, Drang zur Mission; Liebe zu den Armen und zur Armut sowie Gemeinschaft und Brüderlichkeit.

Am Ende des Gottesdienstes brachte Br. Thomas Freidel, Diakon und Mitglied der deutschen Minoritenprovinz, die "Cartula", das Schriftstück mit dem Segen des hl. Franziskus für seinen Bruder Leo. Von Kardinal Hummes wurden mit dieser Reliquie alle Brüder gesegnet.


4. Tag: Audienz mit Papst Benedikt

Der letzte Tag begann zeitig mit der Abfahrt nach Castel Gandolfo. Unter dem Vorsitz des Generalministers der Franziskaner, Br. José Carballo, feierten alle gemeinsam die Eucharistie im "Centro Mariapoli" (Fokulare). Br. José nannte in seiner Predigt vier "österliche Worte": Sehen – Gehen – Eilen – Sich Freuen.

Es folgte abschließend die Papstaudienz in Castel Gandolfo. Zunächst verlas Br. José, Generalminister OFM, sein Grußwort, in dem er auch seinen Dank ausdrückte, dass der Papst der franziskanischen Familie diese Audienz gewährte. Freudig begrüßte Papst Benedikt dann seine Besucher: "Am Schluss eures Mattenkapitels seid ihr nun zum 'Herrn Papst' gekommen, wie euer Gründer sagen würde." Benedikt XVI. erinnerte dann an die Worte des hl. Paulus im Galaterbrief: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir." (Gal 2,20). Der hl. Franziskus habe dies vollkommen gelebt. Und auch heute noch gelte, dass durch die Begegnung mit Christus alles anders werde. Das Evangelium, das Franziskus zur Regel des Lebens erklärte, habe von daher eine "ewige Aktualität". An Franziskus, der Jesus ständig mit sich und in sich getragen habe – sei es meditierend, oder singend oder im Dienst an den Schwestern und Brüdern – könne man sehen, wie ein Mensch zum "lebendigen Evangelium" geworden sei. So forderte der Papst die Brüder dann auf, mit Leidenschaft das Reich Gottes zu verkündigen: "Seid Zeugen der Schönheit Gottes! – Geht und arbeitet weiter daran, das Haus Jesu Christi, die Kirche, wiederherzustellen! Geht und bringt der Welt den Frieden und die Liebe von Jesus, dem Retter aller Menschen!"

Nach seiner Ansprache erneuerten die Generalminister stellvertretend für alle Brüder ihre Gelübde vor dem Papst. Dieser ermöglichte dann noch 35 Brüder und Schwestern eine kurze persönliche Begegnung mit ihm, unter anderem der Bürgermeister der Stadt Assisi, Claudio Ricci, der während des ganzen Treffens immer wieder präsent war. Die Generalminister überreichten dem Oberhirten der katholischen Kirche eine exklusive Ausgabe mit den franziskanischen Quellen. Mit dem Segen des Papstes machten sich die Brüder dann auf den Heimweg.

Text und Bilder: Gekürzte und leicht veränderte Fassung aus: www.franziskaner-minoriten.de



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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:33