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Auf den Spuren von Agnes von Böhmen
Agnes von Böhmen steht im Mittelpunkt der Studienreise, die die Infag vom 12.-15. Oktober 2009 nach Prag anbietet. Ein Tag wird speziell dem kirchlichen und franziskanischen Leben gewidmet sein mit Besuchen historischer und heutiger Stätten von Ordensgemeinschaften.


Wissen Sie, welche Gedenktage in Europa im Jahr 2009 sind? Nun ja, werden Sie sagen, der Mauerfall am 10. November 1989 oder die „samtene Revolution“ in Prag vor 20 Jahren, als in all der Schwere und Trostlosigkeit nach der Niederschlagung des „Prager Frühlings“ 1968 Demokratie wieder großgeschrieben werden konnte bei unseren tschechischen Nachbarn. Damals lag im ganzen Land eine gewisse Spannung in der Luft. Alte Legenden besagten, dass, sollte Agnes von Prag einmal heilig gesprochen werden, Böhmen wieder frei sein werde.

Nun, am 12. November 1989 wurde sie in Rom heilig gesprochen, am 17. des Monats wurde die damalige tschechoslowakische Republik ein freier Staat.
Auf den 50Kronen-Scheinen, dem alltäglichen Zahlungsmittel trägt sie jede/jeder in der Republik herum und auf der Rückseite den heiligen Franz von Assisi dazu. Sie gehört bis heute zu den großen nationalen Persönlichkeiten für alle.

Wer war sie nun, Agnes von Böhmen, „Schülerin des heiligen Franziskus und Tochter des böhmischen Königs“, wie sie Urkunden und Dokumente unterschrieb?
Sie wurde vermutlich 1211 geboren und starb 1282. Agnes lebte in einer richtigen „Patchwork-Familie“, ihr Vater, ein machtbewusster Herrscher aus dem ersten böhmischen Königsgeschlecht, war zeitweise zweimal verheiratet. Auch sie war - wie ihre Cousine Elisabeth - ein Spielball der Heiratspolitik mit den europäischen Herrscherhäusern, doch sie wurde auch ihr Opfer, abgelehnt, weitergeschickt – und sie stieg aus und um und wurde eine radikal franziskanische Spurengängerin. Mit Hilfe des Papstes, mit dem sie selbstbewusst korrespondierte und mit dem Verständnis ihres königlichen Bruders Wenzel, dem sie zeitlebens eine gute Beraterin, Friedensstifterin und Vermittlerin in Familien- und Politikzwistigkeiten war, gründete sie das Klarissenkloster an der Moldau, heute Agneskloster genannt. Der schwesterliche Rat und die spirituelle Begleitung, die ihr Klara von Assisi gab, ist uns in den berühmten „Vier Briefen an Agnes von Prag“ erhalten. Die geistliche Tiefe, verbunden mit der Beratung über die Ausgestaltung des franziskanischen Alltags und der Einschätzung der Beziehungen zwischen den Menschen erstaunt mich auch heute noch immer wieder in diesen Briefen.
Es tut gut, diesen Worten einer erfahrenen Frau an die jüngere nachzuspüren, weil man auch die menschliche und geistliche Entfaltung spüren darf, die da geschieht. Und ich möchte Euch auch einfach ermutigen, diese Briefe wieder einmal aufmerksam nachzulesen. Von Italien nach Prag, über Deutschland, - eine Nürnberger Klarisse, Katharina Hofmenin hat die Briefe übrigens bereits im 14. Jahrhundert ins Deutsche übersetzt -, das waren damals schon erstaunliche europäische Verbindungen in der Kultur, im Glauben. Was hindert uns daran, dies nicht weiter franziskanisch auszubauen und Spuren nachzugehen, Verbindungen zu pflegen?

Von der berühmten Prager Königsburg Hradschin gingen wir neulich mit unserer tschechischen Freundin über die Karlsbrücke zum Agneskloster und rasteten dort in dem wunderschönen Kreuzgang, der, - obwohl säkularisiert und zur Nationalgalerie umgestaltet -, auch noch nach fast 800 Jahren eine Ausstrahlung hat, die intensiv an San Damiano erinnert und da fiel uns ein uraltes Prager Kinder- und Volkslied ein:
1. Auf der Prager Brücke, wächst Rosmarin, niemand gießt ihn, er wächst ganz von selbst.
2. Ich werde dort entlang gehen, werde ihn gießen, er wird für mich grünen, ich werde ihn pflücken.

Und wir staunten, Geschichte kann so einfach weiter getragen werden, in Musik, Wort und Symbol:
Der italienische Rosmarin wächst im kühlen Norden, und ich kann ihn pflücken, er wird für mich grünen. Wir sagten uns, der Rosmarin ist ein Gruß der hl. Klara und gepflückt hat ihn diese andere große Frau an der Moldau und viel Segen und Gutes in das Land gebracht.

Barbara Bonauer, Stellvertretende Vorsitzende Region D/L/B


Ausschreibung Studienreise Prag



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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:21