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Bedingungsloses Grundeinkommen –
eine franziskanische Alternative?!
So lautete der Titel des diesjährigen Grundlagen-seminars im Haus St. Klara der Oberzeller Franzis-kanerinnen. Dazu trafen sich vom 19. bis 21.03.2010 sechsundzwanzig Brüder und Schwestern verschiedenster franziskanischer Gemeinschaften, der Franziskanischen Gemeinschaft und Interessierte.


Mit dem bewährten Moderator Franz-Josef Wagner stimmten wir uns auf das diesjährige Thema mit der Frage ein, was uns bedingungslos zum Leben zur Verfügung steht. Es entstanden interessante Gespräche durch die unterschiedlichen Lebensformen der Einzelnen.



So waren wir schon gut auf den inhaltlichen Impuls am Samstagmorgen von Frau Dorothee Schulte-Basta, die im Netzwerk Grundeinkommen mitarbeitet, eingestimmt. Aktuell leistet der deutsche Staat hohe Transferleistungen an seine Bürger. Die Referentin sprach von 600 € pro Monat und Bürger. Das Netzwerk tritt dafür ein, dass ein Grundeinkommen, das nicht mit einem Bürgergeld der FDP zu verwechseln ist, an jeden Bürger Deutschlands gezahlt wird unabhängig von seiner Bedürftigkeit. Durch Steuerzahlungen würden sich diejenigen, die Geld hinzu verdienen, an den Kosten beteiligen. Durch das Bürgergeld sollen die einzelnen frei werden für kreatives Tun und bürgerschaftliche Engagements unabhängig von einer Entlohnung. Aufgrund der immer höheren Rationalität steht immer weniger Erwerbsarbeit für alle zur Verfügung, gleichzeitig gibt es schon aktuell viele Tätigkeiten, die nicht entlohnt werden, wie z.B. die Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen oder ehrenamtliches Engagement.

Das Pro und Contra zum Grundeinkommen erschloss sich uns in entsprechenden, in Einzelarbeit geschriebenen, Statements zu den Aspekten:
ES BRAUCHT EIN GRUNDEINKOMMEN, WEIL ....
EIN BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN BRAUCHEN WIR NICHT, WEIL ...
DAS KANN NICHT FUNKTIONIEREN, WEIL ...
IST DAS GERECHT?

Nachmittags erschlossen wir uns das Thema in konkreten Aktionen. Dazu interviewte eine Kleingruppe Passanten in der Würzburger Innenstadt, andere verglichen die beiden Drogeriemarktketten Schlecker und dm in Würzburg. Motiviert wurde letzteres dadurch das der Gründer von dm ein Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens ist und wir herausfinden wollten, inwieweit man diese Idee in seiner Unternehmensphilosophie wiederfinden könnte. Eine dritte Gruppe sah sich einen längeren Film zum Thema an. Abends teilten wir unsere wichtigsten Erkenntnisse und Erfahrungen des Nachmittags.

Sonntags fragten wir uns abschließend, ob das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens eine franziskanische Alternative darstellen könnte und wie wir es als Multiplikatoren in unsere Gemeinschaften und in die Gesellschaft hineintragen können. Die inhaltliche Arbeit mündeten in der gemeinsamen Eucharistiefeier. Das Evangelium handelte von der Anklage einer Ehebrecherin durch die Ältesten, denen Jesus entgegnete: „wer von Euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Wir suchten dementsprechend nach unseren persönlichen Steinen der Urteile und Vorurteile, die wir der Idee des Grundeinkommens entgegen brachten und legten sie vor der Gabenbereitung vor dem Altar ab.

In diesen Tagen erfuhren wir erste Begründungen und Hintergründe zum bedingungslosen Grundeinkommen und versuchten uns mit dem Für und Wider auseinander zu setzen. Alle waren wir uns einig, dass das Konzept theoretisch zu mehr Gerechtigkeit führt, wie dies praktisch umsetzbar sein oder erprobt werden könnte, erschien uns teilweise noch nicht hinreichend geklärt.

Sr. Veronika Fricke osf

Fotonachweis: Br. Stefan Federbusch


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:21