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„Sie sind lebendige Worte Gottes“
Der Schweizer Paul Hinder (67) ist Bischof der Katholiken auf der Arabischen Halbinsel und damit Chef einer der flächenmäßig größten Diözesen der Welt.

Am 23. Januar 2010 berichtete der Kapuzinerpater im Bildungshaus Maximilian Kolbe über seine Arbeit und sprach über Chancen, Grenzen und Perspektiven der Begegnung zwischen Christen und Muslimen.


Als Apostolischer Vikar von Arabien ist Bischof Paul Hinder zuständig für alle Katholiken in Bahrain, Jemen, Katar, Oman, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Es handelt sich ausschließlich um Ausländer aus der ganzen Welt, vor allem aus Indien, den Philippinen und den arabischen Ländern der Levante. Ihre Zahl beträgt wenigstens zwei Millionen. Hinders Aufgabe ist es, die Seelsorge der Gläubigen so gut wie möglich zu garantieren und den Glauben der Migranten inmitten einer islamischen Gesellschaft zu stärken.

Bild: Generaloberin Sr. Paulin Link mit Bischof Paul Hinder

Anders als hierzulande seien die Kirchen voll und der Glaube lebendig. Der gelernte Kirchenrechtler, der für seine Tätigkeit die nötige Weltläufigkeit und ein großes diplomatisches Geschick mitbringt, gab einen eindrucksvollen Einblick in seinen Dienst als Hirte und Brückenbauer.

„Sie sind lebendige Worte Gottes“, wandte er sich an die Teilnehmer der Tagung, und betonte, dass mehr als Abgrenzung und ideologische Missionierung das einladende Zeugnis der Christen wichtig sei. Die Akzeptanz der Christen ist je nach Land unterschiedlich. In einzelnen Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die Praxis des Glaubens relativ unproblematisch. In anderen Ländern wie Saudi Arabien ist die öffentliche Ausübung anderer Religionen, also auch der christlichen, bis jetzt nicht gestattet beziehungsweise auf den privaten Raum eingeschränkt.


Vortrag von Bischof Paul Hinder

Nachdem sich die knapp 100 Teilnehmer in einem so genannten „Dialog-Café“ über ihre eigenen Befürchtungen und Hoffnungen ausgetauscht hatten, ging Bischof Hinder, der auch Konsultor im Päpstlichen Rat für Interreligiösen Dialog ist, auf die dort formulierten Fragen ein. Der Umgang mit dem Islam hat seiner Meinung viele Aspekte, die leider oft nicht sehr differenziert und kenntnisreich beantwortet werden. Wenn man zum Beispiel den Ruf des Muezzin kritisch betrachte, müsse man auch seinen nachweisbaren historischen Einfluss auf das christliche Angelus-Gebet bedenken – aufgrund auch der Erfahrungen, die Franziskus in Arabien gemacht hatte. Am Dialog zwischen Christen und Muslimen führt nach Bischof Hinder kein Weg vorbei, auch wenn das unterschiedliche kollektive Gedächtnis der Christen und der Muslime das gegenseitige Verstehen oft schon im Ansatz erschwert. Der Abbau von Misstrauen durch das Kennenlernen der je anderen und dessen, was sie glauben, ist unabdingbare Voraussetzung für einen Dialog, der noch über viele Stolpersteine führen wird.

„Der Dialog kann gelingen, wenn wir erkennen, dass wir es bei den anderen mit echter Religion zu tun haben, das heißt mit Menschen, die nicht sich selbst und ihre Eigeninteressen an die erste Stelle setzen, sondern radikal auf Gott bezogen sind – auch wenn sie diesen Gott unterschiedlich verstehen.“

Theodor Pindl


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:21