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Sonderausstellung und Interdisziplinäre Tagung in Paderborn
Die Fachstelle Franziskanische Forschung Münster realisiert 2011 in Kooperation mit dem Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn und der Universität Potsdam zwei große Vorhaben: die Sonderausstellung „Franziskus. Licht aus Assisi“, die am 09. Dezember 2011 im Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn eröffnet wird, und die interdisziplinäre Tagung „Gelobte Armut - Armutskonzepte der franziskanischen Ordensfamilie zwischen Ideal und Wirklichkeit vom Mittelalter bis in die Gegenwart“.


Wissenschaftliches Symposium

Das wissenschaftliche Symposium findet in Vorbereitung auf die Ausstellung vom 17.-19. Februar 2011 in Paderborn statt.

Ausgehend vom radikalen Anspruch des reichen Kaufmannssohnes Franziskus von Assisi, ein Leben in freiwilliger Armut zu führen, beleuchten ausgewiesener Historiker, Kunsthistoriker, Theologen und Germanisten aus dem In- und Ausland epochenübergreifend das stete Ringen der sich Franziskus anschließenden Brüder und Schwestern um das franziskanische Armutsideal.

Tagungsprogramm „Gelobte Armut" - DOWNLOAD PDF (0.5MB)



Sonderausstellung „Franziskus. Licht aus Assisi“

Die Sonderausstellung, die von Dezember 2011 bis Mai 2012 in Paderborn gezeigt wird, thematisiert ausgehend von der radikalen Lebenswende des Franziskus von Assisi und der Klara von Assisi anhand von Objekten u. a. aus Assisi, aus der Pinacoteca Vaticana, dem Louvre in Paris, dem Musée de Tessé Le Mans und dem Bayrischen Nationalmuseum München franziskanische Leitmotive und Tätigkeitsfelder des Bettelordens genauso wie die Entwicklung der verschiedenen in der Nachfolge der beiden umbrischen Heiligen gegründeten franziskanischen Gemeinschaften in all ihren Facetten. 

Einladungsflyer zur Ausstellung „Franziskus. Licht aus Assisi“ DOWNLOAD PDF (1.5MB)

Nähere Informationen zur Ausstellung 2011 auf der Seite des Diözesanmuseums Paderborn: www.dioezesanmuseum-paderborn.de


Franziskanische Leitideen haben eine unglaubliche Aktualität

In Paderborn wurde das Konzept zur großen Franziskus-Ausstellung im kommenden Jahr vorgestellt


Von Anja Kordik

Er ist eine der wirkmächtigsten und bis heute populärsten Heiligengestalten des Mittelalters: Franziskus von Assisi (1181/82-1226). Ausgehend von seiner Heimatstadt im mittelitalienischen Umbrien, verbreitete sich seine Bewegung sehr rasch in ganz Europa und in aller Welt. „Franziskus - Licht aus Assisi“ - so der Titel einer großen Sonderaus-stellung, die das Erzbischöfliche Diözesanmuseum Paderborn im kommenden Jahr dem berühmten Ordensgründer widmen wird.

Mitten in der dunklen Jahreszeit, am 9. Dezember 2011, wird die Franziskus-Ausstellung eröffnet werden. Und genau ein Jahr vorher wurde jetzt das Konzept in Paderborn präsentiert. Der Ausgangspunkt dieses anspruchsvollen Projekts ist regional: Denn das Erzbistum Paderborn feiert im nächsten Jahr zwei „franziskanische Jubiläen“: den 350. Jahrestag der Überführung des Gnadenbildes der Muttergottes in den - von Franziskanern betreuten - Wallfahrtsort Werl und in Bielefeld das 500-jährige Bestehen des alten Franziskanerklosters, Ursprung der heutigen Sankt Jodokus-Pfarrei. Die franziskanische Bewegung ist also fest in der Erzdiözese verwurzelt.

Gleichzeitig verweist die Ausstellung auf die vielfältigen Verzweigungen des Ordens in aller Welt. Diese Internationalität spiegelt sich auch in der Vielfalt der Kooperationspartner wider: So wurden schon jetzt zahlreiche hochkarätige Leihgaben zugesagt - aus dem Sacro Convento in Assisi sowie zahlreichen internationalen Museen und Bibliotheken: aus der Vatikanischen Pinakothek und der Biblioteca Apostolica Vaticana, aus dem Louvre in Paris, dem Musée de Tessé in Le Mans und dem Bayrischen Nationalmuseum in München. Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der drei Generalminister der Franziskanerorden mit Sitz in Rom und wird von allen deutschsprachigen Provinzen der franziskanischen Ordensfamilie unterstützt.

Zuständig für die Erarbeitung des großen Projekts ist das Diözesanmuseum Paderborn unter Leitung von Professor Christoph Stegemann, zusammen mit der Fachstelle Franziskanische Forschung in Münster und dem Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters an der Universität Potsdam. Deutlich werden soll in der Paderborner Sonderausstellung vor allem der Anteil der Kunst an der weltweiten Verbreitung der franziskanischen Idee. „Franziskus wird mit unglaublicher Geschwindigkeit in ganz Europa bekannt“, so der Leiter des Diözesanmuseums bei der Vorstellung des Konzepts. „An dieser Bekanntwerdung sind Künstler des Mittelalters wesentlich beteiligt. Zur Vermittlung franziskanischer Spiritualität entwickelten sie einen speziellen Bildtypus, der stets die Figur des Franziskus zeigt, das Gesicht unmittelbar nach vorne gerichtet, und daneben, rechts und links, Szenen aus seinem Leben.“

Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Heiligen aus Assisi fand in den Jahrhunderten nach seinem Tod im Jahr 1226 ihre Fortsetzung: Durch die Kooperation mit dem Sacro Convento erhält die Paderborner Ausstellung unter anderem einige bedeutende Fragmente des vom Wegbereiter der Renaissance Giotto di Bondone (1266-1337) stammenden Freskenzyklus aus der Basilika San Francesco in Assisi.
Es sind Teile, die nicht mehr in das beim Erdbeben 1997 zerstörte Kirchengewölbe zurückgeführt werden konnten. Einige dieser Originalfragmente werden im kommenden Jahr in Paderborn zu sehen sein: Figurenfragmente, aber auch Dekorationsmotive. Die Originale werden ergänzt werden durch virtuelle Rekonstruktionen des Kirchenraumes, symbolisch stehend für das, was Franziskus in seinem Leben besonders wichtig war: die Erneuerung und Festigung der Kirche als Haus Gottes.
„Baue meine Kirche wieder auf“, fordert Christus von Franziskus in einem Traum. „Die Erneuerung der zu seiner Zeit in ihren Strukturen starr gewordenen Kirche war Franziskus ein zentrales Anliegen“, verdeutlichte Museumsleiter Stiegemann. „Er versuchte, die als Reaktion auf diese Erstarrung bereits in einigen Städten entste-henden radikalen Armutsbewegungen aufzugreifen und einzubinden. Und er ging sogar bis vor Papst Innozenz III.“

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Entwicklung der franziskanischen Bewegung zumindest in Deutschland durch den Kulturkampf vorübergehend abgewürgt und der Orden aufgehoben; die Franziskaner wurden ausgewiesen. Ein erschütterndes Ereignis war die Überfahrt von fünf Salzkottener Franziskanerinnen in die USA, die mit einem Schiff der „Deutschland“, vor der englischen Küste scheiterten: Während die Menschen in Rettungsboote steigen, bleiben die Schwestern auf dem sinkenden Schiff, gehen singend unter. Dieses Ereignis schilderte der englische Lyriker und Jesuit Gerard Manley Hopkins (1844-1889) in seinem eindrucksvollem Poem „Das Wrack der ‚Deutschland’“ - es wird im Rahmen der Paderborner Ausstellung eine Rolle spielen.

Immer wieder, durch die Jahrhunderte hindurch bis in die Gegenwart hinein, ist der besondere Geist des Franziskus Interpretationsquelle für Künstler aus unterschiedlichsten Bereichen gewesen. So wird die Ausstellung auch filmische Installationen des belgischen Konzeptkünstlers Brody Neuenschwander präsentieren, die wesentliche Szenen aus dem Leben des Heiligen vor Augen führen werden.

Das Projekt „Licht aus Assisi“ zeigt zudem die Wirkung der Franziskaner im Bereich der Bildung, so zum Beispiel an der Universität von Paris, deren Anfänge wesentlich durch Vertreter des Ordens mitbestimmt wurden. Deutlich werden wird auch, wie die franziskanische Lebensweise ihren Sitz mitten im Leben und ihren festen Platz in der Gesellschaft hatte und hat. So waren franziskanische Klöster von Anfang an in der Stadtmitte angesiedelt.

Auch in Paderborn gibt es bis heute einen sehr lebendigen Standort mit dem aus der Barockzeit stammenden Franziskanerkloster in der Westernstraße. Das Kloster wird für die Ausstellung als zweiter Standort mit einbezogen werden. Noch immer vermag der heilige Franziskus, der „poverello“, der „arme Mann“ aus Assisi, Antworten auf drängende Fragen unserer Zelt zu geben: „Gerade für unsere Gesellschaft heute“, betonte Christoph Stiegemann, „gewinnen die Leitideen, für die Franziskus steht, unglaubliche Aktualität: der Gedanke der Schöpfungsbewahrung, die Caritas, die bewusst gelobte Armut als Selbstbescheidung“.

Am schönsten kommt der Geist des Franziskus in seinem berühmten „Sonnengesang“ („Il Cantico di Frate Sole“) zum Ausdruck, den er am Ende seines Lebens schrieb, als er schwerkrank im Kloster San Damiano in Assisi lag. Das Gedicht richtet sich unmittelbar an Gott, den Schöpfer, es ist Lobpreis und Dank zugleich: „Gelobt seist Du, Herr, mit allen Wesen, die Du geschaffen, der edlen Herrin vor allem, Schwester Sonne, die uns den Tag heraufführt und Licht mit ihren Strahlen, die Schöne, spendet; gar prächtig in mächtigem Glanze: Dein Gleichnis ist sie, Erhabener.“

Die Ausstellung „Franziskus - Licht aus Assisi“ läuft bis 6. Mai 2012.

Infos unter www.erzbistum-paderborn@museum.de

Quelle: Die Tagespost, 11. Dezember 2010, S. 19


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