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Sonnengesangsweg im Kloster der Franziskane-rinnen von Bonlanden
Keine Autofahrtstunde von Ulm entfernt, zwischen Biberach und Memmingen, liegt das Kloster Bonlanden: gute Erde. Hier treffen sich seit Jahren unter der Leitung von Schwester Mirjam Limbach Interessierte, um auf franziskanische „Spurensuche“ zu gehen.


Lobet und preiset meinen Herrn, dankt ihm und dient ihm in Demut.

Ein Kreis von sechzehn Frauen und Männern, die zu den monatlichen Treffen auch ihre Kinder mitbrachten, hatte im Mai 2001 die Idee, im Klostergelände Stationen zum Sonnengesang des heiligen Franziskus zu gestalten.



Eine Quelle, ein See, eine Feuerstelle auf einer Waldlichtung, der Klosterfriedhof, eine Wiese, dem Wind ausgesetzt, luden als Orte für die Realisierung ein.

Nach Rücksprache mit den Schwestern wurden im Juni konkrete Vorschläge für den „Sonnenweg“ zusammenge-tragen. Ausgehend von Franziskus, der in seinem „Sonnenlied“ Gottes Schöpfung in Poesie besingt, war klar, dass die einzelnen Stationen einen künstlerischen Ausdruck finden müssten.

Karin-Maria Breidbach
, Künstlerin und Mitglied der Gruppe, fühlte sich sofort angesprochen. Einigkeit bestand auch darin, dass die künstlerische Ausgestaltung zur Meditation hinführen sollte.


Für die erste Strophe, in der Franziskus Schwester Sonne besingt, war die Planung am konkretesten. Ein Wiesenplatz bot sich an, so groß, dass man um die „Sonne“ würde tanzen können und der Ort sich zum Gebet der Tagzeiten anbot.

Die Kinder der Gruppe malten Sonnen, Karin erstellte eine „Sonnenskizze“ und wollte das „Sonnenfundament“ planen. Unklar war, aus welchem Material ein „Sonnenmosaik“ gelegt werden könnte.


Beim Julitreffen brachte Karin die Idee ein, die Mosaiksteine selber aus Ton zu schneiden, zu brennen, zu bemalen, zu glasieren und nochmals zu brennen. Trotz des absehbaren hohen Arbeitsaufwands wurde die Idee begeistert aufgenommen und am 30. Juli waren 17 Personen, davon neun Kinder, mit der Herstellung der Tonsteine beschäftigt. Insgesamt wurden an diesem heißen Sommertag 160 kg Ton in Platten ausgewellt und in unterschiedlich große und unterschiedlich geformte „Steine“ geschnitten. Von der Sonne in Bonlanden getrocknet, nahm sie Karin mit in ihr Atelier nach Ulm. Dort wurden sie gebrannt.



Zwei Tage später, am 1. August: Aushub des Bettes für das Sonnenbild und am 4. August: Guss für das Sonnenmosaik. Gleichzeitig kam man zum Bemalen, Glasieren und zweiten Brennen der Tonsteine im Atelier von Karin zusammen, verschiedene Gruppen an verschiedenen Tagen.

Noch im Herbst, vor dem ersten Frost, legten Heinz, Sabine, Inge, Karin und Veronika die innere Scheibe der Sonne und die ersten Strahlen. Dabei wurde bereits klar, dass noch weit mehr Mosaiksteinchen benötigt würden.

Im Februar 2002 trafen sich also alle in Ulm wieder, es wurde wieder Ton ausgewellt und geschnitten. Hiltrud, Inge, Veronika, Heinz und Sabine kamen nach dem ersten Brennen zum Bemalen und Glasieren. Im Sommer dann Legen der Sonnenstrahlen; Isolde vom „Jungen Chor“ war zur Gruppe gestoßen und half ebenfalls.

Bis in den Herbst 2003 dauerten diese Arbeiten an: ein langer Zeitraum, weil Mitglieder der „Spurensuche“ ausstiegen, sich nicht mehr mit der Gruppe und dem Projekt, das einen langen Atem erforderte, identifizieren konnten. Dann fugten Inge und Hermann das fertige Sonnenbild. Inzwischen wird um „Schwester Sonne“ getanzt, auch gebetet und gesungen, aber die Gruppe hat sich verändert.

Heute sind es sieben Frauen, die sich um Schwester Miriam geschart haben; Karin und Veronika gehören als Getreue weiterhin dazu. Inzwischen, vielleicht Zeichen für den Wandel der Gruppe, hat das Sonnenmosaik durch Frost, Regen und Hitze gelitten. Die „Neuen“ sind immer wieder mit Instandsetzungsarbeiten beschäftigt. So schön wie im Herbst 2003 scheint die „Sonne“ nicht mehr.

Aber ein Aufbruch hat stattgefunden: mit Beginn des Jahres 2010 wurde von der neuen „Spurensuche“, angeregt von Veronika, ein Plan gemacht. Der Sonnengesang wurde jeden Monat mit einer seiner Strophen in den Blick genommen. Erfahrungen, Bilder, Texte, wissenschaftliche Daten sollten die Grundlage für eine Broschüre geben, die die Besucher des Weges begleiten und zur Vertiefung des Gesehenen anregen.
Diese Arbeit hat die „Spurensucher“ zusammenwachsen lassen. Schwester Sonne, Bruder Mond und Wind, Schwester Wasser, Bruder Feuer und Mutter Erde waren bereits Themen der monatlichen Zusammenkünfte. Dabei wurde der Reichtum und die Großartigkeit der Geschöpfe Gottes sichtbar, der Reichtum auch jedes einzelnen Gruppenmitgliedes.

Der Sonnengesangsweg im Kloster Bonlanden ist noch nicht fertig. Trotzdem: die Station zu Bruder Tod hat ihren Platz oberhalb des Klosterfriedhofs gefunden: in ein schönes Grabkreuz aus dem Familienbesitz einer Schwester hatte Lioba die entsprechende Strophe des Sonnengesangs gemeißelt. Ein „Mond-Sternen-Modell“ von Karin, von der Katholischen Landjugend Berkheim realisiert, steht an einer Lichtung im Klausurwald.

Ebenfalls in einer 72-Stundenaktion des BDKJ entstand ein Sinnesweg zu Mutter Erde. Monika, die ein Sabbatjahr im Kloster verbrachte, pflanzte einen Kräutergarten. Die Gärtner des Klosters legten Wege zu den einzelnen Stationen an. Tausend Erstkommunionkinder, die das Kloster und seine Hostienbäckerei besuchen, so erzählt Schwester Miriam, gehen auf dem Weg und hören von Franziskus und seiner Liebe zu allen Geschöpfen Gottes. Sie werden für einen verantwortlichen Umgang mit allem Geschaffenen sensibilisiert, erfahren, was Ehrfurcht vor dem Schöpfer und dem von ihm Geschaffenen bedeuten kann. Gäste des Klosters und des Tagungszentrums erfahren von der Liebe des heiligen Franziskus zu seinem Schöpfergott und lernen seinen Sonnengesang kennen. Der Sonnengesangsweg ist noch nicht fertig. Vor den acht Frauen liegt noch viel Arbeit. Aber der Aufbruch zu Beginn des vergangenen Jahres könnte beflügeln, könnte dazu führen, dass doch bald ein großes Fest zur Einweihung stattfindet.

Veronika Schaff

Bruder Mond und Mutter Erde auf dem Weg im Kloster Bonlanden

Im Oktober 2004 gestaltete die Katholische Landjugend-bewegung Erolzheim im Rahmen der 72-Stunden Aktion des BDKJ Mutter Erde in einem Waldstück im Klostergelände. Aus vielen Materialien, Steine, Sand, Rinde, Tannenzapfen, wurden verschiedene Felder gestaltet, die barfuß begangen werden können. Nach dem Sonntagsgottesdienst in der Klosterkirche konnte Pater Patrick und die ganze Gemeinde den Weg einweihen und eine Erstbegehung unternehmen.

Nicht weniger kreativ gestaltete die KJLB Berkheim fünf Jahre später im Jahr 2009 im Rahmen der gleichen Aktion, die unter dem Motto „Dich schickt der Himmel“ stand, die zweite Station des Sonnengesangs im gegenüberliegenden Waldstück. Bruder Mond und die Sterne wurden nach einem Modell von Karin Breitbach in einer ungefähr vier Meter hohen Stehle aus Edelstahl geschaffen und in einem Betonsockel befestigt. Nun leuchten die Gestirne bei Tag und bei Nacht übers Illertal und das Dorf Bonlanden. Trotz schlechten Wetters wurde der Rundweg von und zur Stehle trittfest gemacht. Ungezählte Schubkarren mit Rindenmulch waren herangefahren worden. Die Beschilderung des ganzen Sonnengesangweges beendete das Werk.
Viele Interessierte bewunderten in den darauf folgenden Wochen die zweite Station des Weges.

Sr. Mirjam Limbach

Quelle: Die Artikel sind erschienen in: Franziskusweg Nr. 2 April - Juli 2011, S. 12-17, hg. von der Franziskanischen Gemeinschaft Baden-Württemberg


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:34