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Rückblick auf die GV der INFAG-CH
„Was muss ich tun, um die Welt zu zerstören? Nichts!“ hat Jean-Claude Juncker einmal gesagt.
Während in Brüssel hektische Krisentreffen der EU um eine Rettung des Euro ringen, fiel dieses Zitat von Europas amtsältestem Regierungschef in Zug auf ganz anderen Boden: Am 17. Oktober 2011 traf sich da im Kapuzinerinnenkloster die franziskanische Deutschschweiz (INFAG-CH) zu ihrer jährlichen Generalversammlung.


Die Verantwortlichen aller Klöster und Ordensgemein-schaften versammelten sich in einem betont geschwis-terlichen Kreis.

Referat zu den Zeichen der Zeit

Am Vormittag forderte sie der deutsche Franziskaner Heribert Arens heraus, dessen markantes Referat die veränderten Zeichen der Zeit skizzierte: In Europa sind die Kirchen und in ihr die Orden einem rasanten Schrumpfungsprozess unterworfen. Leidenschaftlich und gelassen zugleich rief der Bruder aus Bayern dazu auf, verschiedenen Ungeistern keine Chance zu geben:
der Schwarzmalerei, da sie Menschen lähme und daher nicht vom Geist Gottes stammen könne, ebenso wie der Schönfärberei, die die Realität verkenne und daher auch die realen Chancen unserer Zeit verpasse; der Verherrlichung der Vergangenheit, da sie wie Lots Frau im Rückblick erstarre und keine Zukunft mehr habe; der Gleichgültigkeit, da sich echtes Leben immer wieder neu betreffen lässt, dem blossen Reagieren, das den Lauf der Dinge nicht mehr selber lenkt, und dem Rückzug ins Private, da nach einer russischen Redensart „nur das ganze Dorf in den Himmel kommt“. Franziskanische Menschen sind in die reale Welt gesandt. Heribert Arens fand offene Ohren, wenn er dazu dem Dachverband die Chancen verstärkter Zusammenarbeit aufzeigte.



Statutenrevision

Die Statutenrevision überraschte den Gast aus Deutschland am Nachmittag mit ihren „erfrischend unkomplizierten“ Verhandlungen. Ein schlankerer Vorstand kann künftig mit erweiterten Kompetenzen auch innovative Aufbrüche wie den Sunehügel in den Verband aufnehmen, den Lukas Fries auf sympathische Weise vorgestellt hat: Die therapeutische Gemeinschaft im einstigen Kapuzinerkloster Schüpfheim hat bis diesen Sommer unter dem Schutz der Brüder gelebt und sucht nun, nachdem diese das Kloster einer Stiftung schenkten, den Weg in die grössere franziskanische Familie.

Neue Vorstandsstruktur

In den fünfköpfigen INFAG-Vorstand sollen künftig 1 Bruder des Ersten Ordens, 1 Schwester aus den grösseren Gemeinschaften (Kongregationen), 1 Mitglied aus der Franziskanischen Gemeinschaft OFS und 1 Schwester aus der Kapuzinerinnenföderation gewählt werden. Die ebenfalls gewählte Delegierte für den Vorstand der Gesamt-INFAG gehört für ihre Amtsdauer mit zur Steuercrew der INFAG-CH.

In Zukunft können Gemeinschaften nicht nur Leitungs-verantwortliche und Rätinnen, sondern auch geeignete Schwestern oder Brüder mit freien Händen für die Wahl in den Vorstand empfehlen. Die weiteren Sachgeschäfte bestätigten Jahresrechnung und Budget, spendeten den engagierten Arbeitsgruppen der INFAG viel Applaus und nahmen die finanziell wie personell erfreuliche Entwicklung des gemeinsamen Bildungshauses Mattli mit Freude zur Kenntnis.

Gäste der Generalversammlung

Als spezielle Gäste reisten aus dem Süden Fra Agostino del Pietro als Provinzvikar der Kapuziner sowie die Äbtissin und die Novizenmeisterin von Cademario an. Die noch junge Gründung der Klarissen erweitert ihr kleines Kloster über der Agnoebene und kann damit auch personell weiter wachsen. Aus dem fränkischen Norden reiste Sr. Christina Mülling an, die seit einem Monat die Würzburger Geschäftsstelle der gesamten INFAG leitet. Die initiative Siessener Franziskanerin setzt bereits Akzente im Bildungsbereich, erarbeitet mit einem Team Lehrbriefe für einen Spiritualitätsweg (online abrufbar) und Konzepte für die Mitarbeiterschulung franziskanischer Werke. Der Geist von Franziskus und Klara spricht heute in neuen Formen Freundeskreise, Angestellte und engagierte Partner an, die da spirituelle Quellen entdecken und eine geschwisterliche Kirche finden. Sie sollen mit spezifischen Bildungsangeboten bestärkt werden, das Entdeckte im eigenen Leben fruchtbar zu machen und weiterzutragen.

Verstärkte Zusammenarbeit

In einer Schlussdiskussion kamen die 35 Stimmberechtigten und ihre Gäste noch einmal auf das Referat von Br. Heribert zurück: Fragen wie eine vertiefte Zusammenarbeit in der Ausbildung der Jüngsten, gemeinschaftsübergreifende Projekte sowie neue Formen religiösen Lebens von Schwestern und Brüdern zusammen mit Familien haben Horizonte eröffnet, die Sr. Ruth Walker, als Präsidentin des Dachverbands aktuell die „höchste Franziskanerin der Schweiz“, mit dem Vorstand im neuen Amtsjahr weiter ausleuchten wird.

Br. Niklaus Kuster OFMCap


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:34