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Papstgewand aus Gengenbach
In den Kunst- und Paramenten-Werkstätten der Franziskanerinnen in Gengenbach werden die Messgewänder für den Papstbesuch in Freiburg gefertigt.


Stich um Stich zieht Schwester Viola einen goldenen Faden durch den grünen Stoff. "Das ist Japangold", sagt die 73-jährige Ordensfrau und deutet auf eine dicke Garnrolle auf dem kleinen Nähtischchen. Um eine Seidenseele wird echtes Blattgold gewickelt, das dem Faden einen ganz besonderen Glanz verleiht: "So edel wird das heute gar nicht mehr hergestellt." Nur weil Ende 2010 die Paramentenwerkstatt der Cistercienserinnen-Abtei Lichtenthal schließen musste, kam man überhaupt noch an das wertvolle Garn. Ein Glücksfall, denn für den Auftrag, an dem die Gengenbacher "Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu" seit Mai arbeiten, kann nichts kostbar genug sein.



Die Kunst- und Paramentenwerkstatt des 1860 gegründeten Ordens fertigt mit sieben Ordensfrauen und vier Näherinnen das Messgewand, das Papst Benedikt XVI. Ende September beim großen Gottesdienst in Freiburg tragen wird. Doch nicht nur das: Auch die Gewänder für die acht Bischöfe, die als Concelebranten neben dem Papst stehen werden, sowie sogenannte Dalmatiken für vier Diakone, werden in Gengenbach gefertigt – zum größten Teil in Handarbeit.

Arbeit für den Heiligen Vater eine große Ehre

Paramentenstickerei heißt die Kunst, die Schwester Viola ebenso meisterlich beherrscht wie einen Tisch weiter die ebenfalls 73 Jahre alte Schwester Benita. Die beiden Franziskanerinnen sind die einzigen Stickerinnen der Werkstatt und haben seit dem Frühjahr so manchen Tag neun Stunden gearbeitet. "Das sind schon sehr viele Stichle gewesen, die da zusammenkommen", sagt Schwester Viola lachend. Wie ihre Mitschwester empfindet sie die Arbeit für den Heiligen Vater freilich als große Ehre: "Das ist schon einmalig im Leben, dass einem sowas zuteil wird." Seit 47 Jahren schon bestickt Schwester Benita liturgische Kleidungsstücke. Macht es sie stolz, dass nun sogar der Papst ein von ihr besticktes Messgewand tragen wird? "Schon ein bissle", sagt die Ordensfrau bescheiden und lächelt.



Freilich ist der Großauftrag aus Rom auch mit einigem Druck verbunden, denn die Produktionszeit ist knapp bemessen. Erst wenn alle Gewänder und Stolen bestickt sind, können die Näherinnen das Werk vollenden. Auch sie arbeiten weitgehend von Hand – nur die Schulternaht wird mit der Maschine genäht.

Wolle, Seide und Trevira

Rund 120 Arbeitsstunden braucht es, bis jedes der insgesamt 13 Gewänder samt Stola genäht und bestickt ist, sagt Schwester Roswitha, die seit 16 Jahren die Werkstätten leitet.

Als der Freiburger Chefkoordinator des Papstbesuches, Peter Birkhofer, bei ihr anfragte, ob sie den Auftrag stemmen kann, hat sie zwei Entwürfe gefertigt. Ihr Favorit sagte auch dem Vatikan besonders zu. Dann kamen aus Rom die Maße, und die Arbeit konnte losgehen. Bei einer Handweberei in Remscheid wurde der Stoff bestellt – ein aus gefertigtes Doppelgewebe, das mit Goldfäden durchwirkt ist. Es schimmert auf der einen Seite grün und auf der anderen golden.



"Feuer und Flamme" als Thema der Stickmotive hat Schwester Roswitha gewählt, als Symbole für den brennenden Dornbusch ebenso wie als Sinnbild für das Weitertragen des Glaubens und die Begeisterung für die Sache Jesu. Wie ein Musikstück, so werde auch die Symbolik eines liturgischen Gewandes komponiert: "Es ist ja auch ein Stück Glaubensverkündung." Kreuze und Flammen in Rot und Gold zieren das Gewand des Papstes, weniger üppig sind die ebenfalls im gleichen grün-goldenen Schimmer gehaltenen Gewänder der Concelebranten bestickt.

Nach dem Papstbesuch bleiben die Gewänder in Freiburg, wo sie auch künftig bei Gottesdiensten im Münster getragen werden. Dank der neuen Medien kann sich auch Benedikt der XVI. schon vorab ein Bild davon machen, was er bei seinem Auftritt in Freiburg tragen wird: Fotos davon werden laut Peter Birkhofer per Mail an den Sommersitz des Papstes nach Castel Gandolfo geschickt.

Fotonachweis: Helmut Seller

Quelle: www.badische-zeitung.de




PAPSTBESUCH 2011 FREIBURG

Wie groß ist der Papst? Schwester Roswitha Müller von den Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu in Gengenbach weiß das genau. Zumindest hat sie seine Kleidermaße. Die brauchte sie auch, um einen nicht alltäglichen Auftrag des Erzbistums ausführen zu können: In der Paramentenwerkstatt des Klosters, die sie leitet, werden derzeit die Messgewänder für den Sonntagsgottesdienst auf dem Freiburger Flugplatz hergestellt.
Insgesamt 13 Stück hatten die Nonnen zu fertigen. Eines davon trägt Benedikt. Die Näher- und Stickerinnen liegen mittlerweile in den letzten Zügen. Thema der Muster, die teilweise mit japanischem Goldfaden auf den grünen Stoff gestickt wurden: Feuer und Flamme. Über 100 Arbeitsstunden wurden für ein Gewand benötigt, so Schwester Roswitha. Die Mühe ist aber nicht nur für den einmaligen Anlass, schließlich hält so ein Messgewand mindestens 60 Jahre, so die Franziskanerin. Nach dem Papstbesuch kommt das Set ins Münster, wo es in den Gottesdiensten verwendet wird.

Thomas Arzner

Quelle: Konradsblatt – Wochenzeitung für das Erzbistum Freiburg, 21.08.2011, S. 8


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