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Kapuziner geben Niederlassungen in Dieburg und St. Josef München auf
Die Deutsche Kapuzinerprovinz hat als Folge der sinkenden Mitgliederzahlen – derzeit noch 151 Brüder – beschlossen, ihre Niederlassungen in Dieburg und in München St. Joseph aufzugeben.


Das Kloster in Dieburg schließt nach fast 362 Jahren

Ursachen für die Schließung sind der Nachwuchsmangel im Orden und die demografische Entwicklung


Kreuzungspunkt: 362 Jahre trotzte das Dieburger Kloster den Zeiten, nun ist die Gemeinschaft der Kapuziner am Ende und schließt noch in diesem Jahr.
Foto: Karl-Heinz Bärtl


„Was lange gemunkelt wurde, das ist jetzt Gewissheit“, sagte gestern Bruder Berthold im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Guardian des Dieburger Klosters kann dabei nicht verbergen, dass auch er traurig ist wie seine drei Mitbrüder im Alter zwischen 58 und 75 Jahren. „Wir wissen derzeit nicht, wie und wann es weiter geht und wohin es geht“, beschreibt er die aktuelle Situation aus seiner Sicht und weist darauf hin, dass Ordensleute nicht so einfach in Ruhestand gehen können. Und obwohl der Sechzigjährige weiß, dass Kapuziner von ihren Oberen an andere Wirkungsstätten versetzt werden können, meinte er am Freitag im Besprechungszimmer des Klosters zum Weggang aus Dieburg ganz persönlich: „Ich kann mir nicht vorstellen, noch woanders zu sein“. Bruder Berthold war bereits von 1992 bis 1995 in Dieburg tätig, um dann vor fünf Jahren wieder zurückzukommen.

Ursachen für die Schließung der Dieburger Ordensstandorts sind der Nachwuchsmangel im Orden und die demografische Entwicklung innerhalb der Deutschen Kapuzinerprovinz, die ihren Sitz in München hat.
Der Orden überaltert. Beispielhaft steht dafür etwa der früher in Dieburg tätige Pater Wolfgang, der mit 79 Jahren mit der Leitung des Klosters in Werne an der Lippe beauftragt wurde. In Deutschland leben zurzeit noch 151 Kapuziner-Brüder in 18 Niederlassungen. Weltweit zählt der Orden knapp 11 000 Mitglieder in 107 Ländern.

Die Entscheidung über die Auflösung von zunächst zwei Klosterstandorten in Deutschland – auch das Kapuziner-kloster St. Joseph in München mit noch sechs Brüdern ist davon betroffen – fiel vor wenigen Tagen in einem Sonderkapitel von 70 Ordensbrüdern in Hofheim/Taunus, wie aus einer Pressemitteilung des Ordens aus München hervorgeht. Wichtiges Thema war die „drängende Personalsituation der deutschen Ordensprovinz“. Die Teilnehmer der Versammlung ermächtigten die Leitung der Ordensprovinz Deutschland, den Generalminister in Rom zu bitten, die beiden Klöster zu schließen. In den nächsten Monaten wird Provinzialminister Christophorus Goedereis Gespräche mit den betroffenen Mitbrüdern sowie mit den zuständigen Bistümern – das Dieburger Kloster gehört dem Bistum Mainz – und Verantwortlichen führen. Für die zur Aufhebung benannten Häuser wolle man gute Übergänge finden.

Pfarrer Alexander Vogl von Dieburgs katholischer Pfarrgemeinde St. Peter und Paul meinte zu der Entwicklung am Telefon: „Alle sind überrascht. Aber es war auch ein ordensinterner Prozess, dessen Resultat sich abzeichnete“. Was weiter passiert – etwa mit Klosteranlagen und -Kirche –, dazu müsse man die weiteren Gespräche abwarten. Pfarrerin Dorothee Benner von Dieburgs evangelischer Kirchengemeinde „findet es schade“, dass das Kloster geschlossen wird. „Die Kapuziner werden uns fehlen“, sagte sie. Die evangelische Gemeinde pflegte gute Kontakte zum Orden, unterstützte ihn auch mit Zuwendungen für die Betreuung von Obdachlosen.

Den Verlust des Dieburger Klosters bedauern nicht alleine die Gottesdienstteilnehmer, die teils von auswärts kamen, oder Menschen in seelischen Nöten, die es aufsuchten sowie die Teilnehmer an spirituellen Begegnungen, die dort angeboten wurden. Auch dem Dieburger Odenwaldklub, der sich seit drei Jahren mit großem Einsatz und vielen Helfern für die Wiederbelebung des Klostergartens und die Anlage eines Kräutergartens einsetzt, tut die Schließung weh. Vorsitzender Franz Zoth („Auch wir haben damit gerechnet“) freut sich aber, dass „90 Prozent“ der Arbeiten zur spirituellen Ausrichtung des Gartens nach dem „Sonnengesang“ von Franz von Assisi abgeschlossen seien.

Die beiden Kapuzinerklöster sollen „nicht von heute auf morgen geschlossen werden“, heißt es aus München. So bleibt Bruder Berthold festzustellen, dass auf jedenfall in diesem Jahr die „Kapuzinerkerb“ noch gefeiert werde.

Echo-Online, 4. Februar 2012

Quelle: www.kapuziner.org


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