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Altes Franziskaner-kloster Hamburg
Weil im Juni vergangenen Jahres die Kellerräume der Handelskammer bei Regen vollgelaufen waren, wurden dort Drainagearbeiten durchgeführt. Dabei wurden Knochen entdeckt. Die Archäologen fanden auch Reste der hölzernen Pfahlgründung der Klosterfundamente.


Thomas Ferencik OFM, Franziskaner und Studentenpfarrer in Hamburg, berichtet über die Präsentation der ersten Ausgrabungen:
Die Franziskaner in Hamburg standen am vergangenen Mittwoch im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Vorausgegangen war eine kurze Zeitungsnotiz über die Entdeckung eines alten Franziskanerklosters, das sich unter der Handelskammer (quasi unter dem Gebäude des Hamburger Rathauses) befindet. Auf Nachfrage wurden die Brüder schließlich zur Präsentation der archäologischen Funde eingeladen, an der auch ca. 40 Journalisten teilnahmen.

"Entschuldigen Sie. Sie würden sich nachher in der Nähe der Ausgrabungen aufstellen?", wurde Pater Thomas von einer Journalistin gefragt. Eine Antwort erfolgte nicht, da der Befragte schon ahnte, was noch kommt. "Aber ihr Gewand sieht ziemlich echt aus", meinte die Journalistin zu ergänzen, die vielleicht auch schon vermutete, dass die Konversation gleich eine plötzliche Wendung nehmen würde. Der Pater erbarmte sich der Unwissenden und meinte kurz: "Ich bin echt." Die rötliche Farbe im Gesicht der Journalistin schien daraufhin die gesamte Tiefgarage zu erhellen.

Zwei echte Franziskaner (Bruder Ronald und Bruder Thomas) waren aber nicht nur die Hauptattraktion für die Presse, sondern sie konnten wertvolle Informationen zu Kloster, Orden und den heutigen Franziskanern in Hamburg geben. Dabei waren sie selbst überwältigt, auf franziskanisch geschichtlichem Boden zu stehen und hautnah das Leben ihrer Vorgängerbrüder zu erfahren. Die Tatsache, dass ein Sieg über die Dänen in der Schlacht von Bornhoeved (1231) die Gründung des Klosters zur Folge hatte, zeigt ebenso die Ironie der Geschichte, wie die später auf den Grundmauern des Klosters errichtete und heute wirtschaftlich und finanziell machtvolle Handelskammer. Der Ordensvater Franziskus, der einst Gewaltlosigkeit und Armut predigte, hätte sicherlich hier und da in dieser geschichtlichen Entwicklung sein Veto eingelegt. Zur Ehrenrettung des damaligen Stifters Graf Adolph IV. von Schauenburg und Holstein, soll aber gesagt sein, dass er einige Jahre später selbst in das Kloster eintrat.

Die Aufgaben der Brüder umfassten im Wesentlichen die Seelsorge, das Begräbnisrecht und die Krankenpflege. Das Kloster erfreute sich großer Beliebtheit. Selbst Ratsherren und Bürgermeister sollen hier beerdigt worden sein. Einmal mehr zeigte sich die Ironie der Geschichte, als der aus Rostock kommende Franziskaner Stephan Kempe 1523 die Lehren Martin Luthers predigte. Damit waren der Reformation in Hamburg Türen und Tore geöffnet. Maria Jepsen, die ehemalige Bischöfin des evangelischen Kirchenkreises Nordelbien, wusste dies bei einer Festveranstaltung im Jahre 2005 zu würdigen. Aber wie sagt man: Des einen Freud ist des anderen Leid. Denn durch den Anstoß der Reformation hatte Stephan Kempe auch Anteil daran, dass mit dem Hinweis auf die Rechtfertigungslehre das Bettelwesen stark eingeschränkt wurde. Dies führte schließlich zum wirtschaftlichen Ruin und damit zur Schließung des Klosters.

1806/7 wurde schließlich das Gebäude abgerissen und wenige Jahre darauf die Handelskammer errichtet. Dass erst kürzlich die Überreste des alten Klosters gefunden wurden, ist einem Unwetter zu "verdanken", das den Keller der Handelskammer unter Wasser setzte. Beim Bau einer neuen Entwässerung wurde schließlich der spektakuläre archäologische Fund gemacht. Und noch weitere Entdeckungen werden erhofft. Unter dem anliegenden Adolphsplatz, der sich ebenfalls auf dem Gelände des Klosters befindet, soll eine Tiefgarage entstehen. Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Helms-Museums Hamburg, vermutet hier weitere Schätze, die Aufschluss über Hamburgs Siedlungsgeschichte geben können.

Schon die jetzt sichergestellten Ausgrabungen sind für die Stadt Hamburg eine große Sensation, zu der die Franziskaner einen kleinen Beitrag leisten konnten. Dass auf dem Fundament des ehemaligen Klosters der Teil einer blühenden und geschichtlich bedeutsamen Stadt entstanden ist, zeigt einmal mehr, dass unsere Gesellschaft einen wertvollen christlichen Ursprung besitzt. Dieser erfährt durch das Engagement der Handelskammer und die Arbeit der Archäologen eine neue Würdigung.

Quelle: www.franziskaner.de


Ronald Wessel ofm betrachtet die Fundamente des mittelalterlichen Franziskanerklosters

Überraschender Fund in Hamburg Klosterreste unter Handelskammer entdeckt

Bei Drainagearbeiten kommen Überbleibsel aus dem Mittelalter zum Vorschein.


Inzwischen ist klar, um welches Kloster es sich handelt und wer es stiftete - Franziskaner-Mönche sind gerührt. Archäologen haben in der Hamburger Innenstadt wichtige Spuren zur mittelalterlichen Siedlungsgeschichte der Hansestadt entdeckt. Unter der Handelskammer fanden sie Reste eines im 13. Jahrhundert erbauten Klosters. Am Mittwoch wurden die Grabungsfunde des Klosters St. Maria Magdalenen präsentiert.

Weil im Juni vergangenen Jahres die Kellerräume der Handelskammer bei Regen vollgelaufen waren, wurden dort Drainagearbeiten durchgeführt. Dabei wurden Knochen entdeckt. Die Archäologen fanden auch Reste der hölzernen Pfahlgründung der Klosterfundamente. Das Franziskaner-kloster hatte Graf Adolph IV. von Schauenburg und Holstein nach seinem Sieg über die Dänen in der Schlacht von Bornhoeved 1231 gestiftet und dort selbst als Mönch gelebt. Später wurde das Kloster als Stift für höhere Töchter und die Bettelordenskirche als protestantisches Gotteshaus genutzt.

1841 entstand die neue Börse am Adolphsplatz, wo noch heute der Sitz der Handelskammer ist. Durch die Grabungen konnten erstmals Fundamentreste des Klosters gesichtet und dokumentiert werden, sagte Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums. Zwar sei bekannt gewesen, dass sich am Ort der Handelskammer damals das Kloster befand, beim Bau der Börse habe man aber angenommen, dass alle Spuren verschwunden waren, sagte Handelskammer-Hauptgeschäftsführer, Hans-Jörg Schmidt-Trenz.

Handelskammer will Funde zugänglich machen

Archäologen wollen demnächst auch den Bau einer Tiefgarage unter dem Adolphsplatz neben dem Rathaus begleiten. Die Handelskammer plant, die Grabungsarbeiten öffentlich zugänglich zu machen. Auch zwei Franziskaner kamen am Mittwoch in ihren braunen Mönchskutten mit weißer Kordel zur Präsentation der Funde. "Das ist für mich ein sehr bewegender Moment, hier haben schließlich damals meine Brüder gelebt", sagte der 65 Jahre alte Pater Ronald Wessel.

Quelle: www.sueddeutsche.de


"Eine Sensation":
Klosterreste unter Handelskammer entdeckt

Bei Drainage-Aushebungen im Keller der Handelskammer stießen Bauarbeiter auf frühe Zeugnisse der Stadtgeschichte: die Grundmauern des Sankt-Maria-Magdalenen-Klosters

Neben historischen Skeletten fanden Archäologen auch gut erhaltene Fundamentreste der einstigen Kirche.

Die Vorgeschichte des Geländes soll für Besucher aufbereitet werden, verspricht der Chef der Handelskammer. Es war ein ungewöhnlicher Rahmen für die Vorstellung einer archäologischen Sensation: In ihre Tiefgarage hatte die Hamburger Handelskammer geladen, die Gäste standen zwischen Stehtischen und Parkpfosten und Fahrrädern. Sogar zwei Franziskaner-Mönche in brauner Kutte hatten den Weg in die Unterwelt auf sich genommen, um die Spuren, die ihre Ordensbrüder vor 800 Jahren eben dort hinterließen, begutachten zu können.

Und so übertrieb Hans-Jörg Schmidt-Trenz nicht, als er die Runde zu einer "historischen" Pressekonferenz begrüßte: "Sie stehen hier vielleicht auf geweihtem Boden, ganz sicher aber auf geschichtsträchtigem Grund: Unter uns befinden sich die Fundamente des mittelalterlichen Sankt-Maria-Magdalenen-Klosters", erklärte der Geschäftsführer der Handelskammer und gab zu bedenken, dass der Fund menschlicher Skelette unterhalb der Kellerräume des Hauses alles andere als alltäglich ist.

Bei Aushebungen im Zuge des Baus einer Drainage im Magazin der Commerzbibliothek waren Bauarbeiter Ende Januar auf die menschlichen Skelette gestoßen. Der gerichtsmedizinische Befund ergab, dass man es mit historischen Überresten zu tun habe. Das Archäologische Museum wurde eingeschaltet, und schnell war klar, dass es sich bei dem Fund um umgelagerte Bestattungen des Maria-Magdalenen-Klosters handelte, das an jenem Ort residierte, wo später das Handelskammer-Gebäude erbaut wurde. Die Archäologen begleiteten fortan die Bauarbeiten mit Ausgrabungen und stießen auf weitere wichtige Zeugnisse der frühen Siedlungsgeschichte. So fanden sie ungewöhnlich gut erhaltene Reste einer Holz- und Granitfindlingskonstruktion, die das einstige Fundament der Maria-Magdalenen-Kirche bildete. Im Bauschutt zeigten sich überdies Reste von mittelalterlichen Klosterformatziegeln des heute nicht mehr erhaltenen Mauerwerks der Klosteranlagen. "Dass die Handelskammer Leichen im Keller hat, wussten wir schon lange", scherzte Rainer-Maria Weiss, Landesarchäologe von Hamburg. "Aber wir sind bislang nie auf archäologische Befunde dieses geschichtsträchtigen Gebäudes gestoßen." Die Reste seien eine Sensation, so der Landesarchäologe. Und so versprach Schmidt-Trenz, nach Möglichkeiten zu suchen, die Vorgeschichte des Hauses für Besucher darzustellen.

An gleich zwei prägnanten Stellen in der Geschichte des Baus spielte das Wetter eine entscheidende Rolle. Die Gründung des Klosters geht zurück auf den Grafen Adolph den Vierten. Er kämpfte im 13. Jahrhundert um die Herrschaft über Holstein. Vor der Entscheidungsschlacht 1227 legte er ein Gelübde ab: Sollte er siegen, wollte er ein Kloster stiften. Wäre das Wetter nicht urplötzlich umgeschlagen, wäre der heutige Sitz der Handelskammer nie entstanden. Der Wind drehte sich und mit ihm auch das Schlachtenglück zugunsten der Norddeutschen. 1231 gründete der Graf folglich das Franziskaner-Kloster. Im Juni 2011 war es schließlich der Starkregen, der die Bibliothek unter Wasser setzte - und den Bau einer Drainage unumgänglich machte.

Quelle: www.welt.de


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:35