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Älteste Dillinger Franziskanerin mit
106 Jahren gestorben
In der Woche nach dem Fest der Erscheinung des Herrn, starb Sr. Fidelis Nieberler OSF im Provinzhaus der Dillinger Franziskanerinnen in Hankinson, North Dakota, USA, im Alter von 106 Jahren.

Sr. Fidelis wurde am 15. April 1906, einem Oster-sonntag, in Kaldorf, Krs. Hilpoltstein, Diözese Eichstätt, geboren.

Von den 15 Kindern der Familie traten neun Kinder in eine Ordensgemeinschaft ein (zwei Brüder waren Herz Jesu Patres, zwei Brüder Benediktiner, ein Bruder Mariannhiller, eine Schwester Abenberger Franzis-kanerin und drei Schwestern Dillinger Franziskane-rinnen).


Sr. Fidelis Nieberler besuchte in ihrer Heimatgemeinde die Grundschule. Ihre Ausbildung war dort sehr schmalspurig. Täglich hatte sie nur zwei Stunden Unterricht, der von einem älteren Lehrer gehalten wurde und dessen Methoden „erbärmlich“ waren, so Sr. Fidelis. Oft musste sie der Frau des Lehrers im Haushalt helfen und zuhause half sie mit ihren Geschwistern den Eltern in der Landwirtschaft.

Mit 14 Jahren bat sie, in einen Orden eintreten zu dürfen. Obwohl ihre Eltern zunächst zögerten, kam Sr. Fidelis 1920 nach Dillingen. Nach sieben Jahren Kandidatur, Postulat und Noviziat durfte sie 1929 Erstprofess feiern. In Dillingen besuchte sie die höhere Schule und die Lehrerinnen-Bildungsanstalt und qualifizierte sich als Lehrerin.
Bereits in jungen Jahren unterrichtete sie an verschiedenen Volksschulen in der Nähe von Dillingen.

1933 wurde Sr. Fidelis von einem Mitglied der Jugendgruppe, die sie begleitete, wegen ihrer Bemerkung gegen Hitler und seine Politik denunziert und wäre beinahe ins Gefängnis gekommen.

Mit 28 Jahren, 1934, wurde sie zu unseren Mitschwestern nach Amerika ausgesandt. Nach einigen Monaten des Englischstudiums, besuchte sie das College in Dickinson, ND, und weitere Bildungsanstalten. Sie erlangte den Bachelors in Erziehungswissenschaften, ließ sich ausbilden in Theologie und Religionslehre, Gruppen- und Einzelunterricht und Musik. Mit dieser fundierten Bildung unterrichtete sie 50 Jahre lang an verschiedenen Schulen in North Dakota.

In den Sommerferien erteilte sie Religionsunterricht in vielen Pfarreien. So kamen 32 verschiedene Gemeinden „in den Genuss von Sr. Fidelis‘ Liebe und Wissen“. Mit großer Freude bereitete sie Kinder auf die Erstkommunion und Erstbeichte vor. Sr. Fidelis sah ihren Dienst als Lehrerin nie als „Job“ an. Sie betrachtete diese Aufgabe als einen „Ruf zum Dienen“ und versuchte die Werte des Evangeliums in die tägliche Arbeit im Klassenzimmer einzubeziehen. Mit über 70 Jahren lernte Sr. Fidelis mit dem Computer umzugehen. Sie unter-richtete damals Deutsch an einer Schule. Um die Schüler beim Lernen der deutschen Sprache zu unterstützen, entwickelte sie dazu ein eigenes Computerprogramm. In den 50 Jahren, in denen sie in Amerika unterrichtete, musste sie nur ein einziges Mal eine Vertretungslehrkraft beanspruchen. Insgesamt war Sr. Fidelis 65 Jahre lang als Lehrerin tätig.

Sr. Fidelis wurde bereits 1975 als eine der „Hervorragenden Lehrkräfte Amerikas“ bezeichnet. Zu dieser Auszeichnung kamen noch mehrere andere dazu. Sie war bei Kollegen/innen, Eltern, Schülern und in der Öffentlichkeit beliebt und geschätzt. Bei allen diesen Ehrungen blieb sie bescheiden und machte deutlich, dass ihr erstes Ziel sei, die Kinder zu Gott zu führen und sie zur Erkenntnis zu bringen, dass wir alle Kinder Gottes sind.

Zu ihrem 100. Geburtstag erhielt Sr. Fidelis viele Glück-wünsche, u.a. vom Erzbischof, vom damaligen Präsidenten George Bush und seiner Frau Laura, vom Gouverneur von North Dakota und vielen anderen Persönlichkeiten.

2009 feierte Sr. Fidelis als erste Dillinger Franziskanerin 80 Jahre Profess. Wir sind dankbar für das reiche Leben von Sr. Fidelis und ihr Zeugnis als Franziskanerin in und für unsere Gemeinschaft. R.I.P.

Aus dem Nachruf für Sr. Fidelis zusammengefasst von
Sr. Pernela Schirmer


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:35