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Spiritualitätstag in Waldbreitbach
Unter der großen Überschrift: „Franziskanischer Spiritualitätsweg – vom Wissen zum Leben“ hatte die INFAG am 27. Oktober 2012 nach Waldbreitbach eingeladen, um mit den Interessierten an den zwei Bausteinen „Franziskanischer Spiritualitätsweg - Versuch einer Annäherung“ und „Versöhnte Gebrochenheit“ zu arbeiten.


Dazu trafen sich 42 Schwestern aus 3 franziskanischen Ordensgemeinschaften: aus Salzkotten, aus Dillingen (Donau), aus Waldbreitbach, Assoziierte der Salzkottener Franziskanerinnen und zwei Franziskanerbrüder vom Hl. Kreuz aus Hausen.
Die Leiterinnen und Referentinnen der Veranstaltung waren: Sr. Beate Kleß (Dillinger Franziskanerin) und Sr. Evamaria Durchholz (Waldbreitbacher Franziskanerin).

Zunächst wurden die Begriffe „ Spiritualität“ und „christliche Spiritualität“ geklärt:
- ein Leben aus dem Geist Gottes,
- mich vom Geist Jesu Christi berühren und ergreifen lassen, - mein Denken, Handeln, Fühlen vom Hl. Geist bestimmen lassen,
- im konkreten Alltag aus der lebendigen Beziehung mit Jesus Christus leben.
„Franziskanische Spiritualität“ verweist auf Franziskus, wie er ein auf Christus bezogenes Leben verstand und praktizierte. Er will den Fußspuren Jesu folgen. Jesu Leben gibt ihm durch das Evangelium Orientierung für seinen eigenen Lebensvollzug. Der Blick auf das Leben des hl. Franziskus kann uns eine Hilfe für das eigene Leben sein. Zu seinem und unserem Leben gehören die Erfahrungen von Verletzungen, Grenzen, Konflikten, Gebrochenheit, obwohl wir uns nach einem sinnvollen, heilen und gelingendem Leben sehnen.
Schauen wir auf Franziskus und Klara, dann wird uns gezeigt, wie wir mit ihnen umgehen, um nicht an ihnen zu zerbrechen und zu scheitern, sondern wie wir durch sie hindurch in der Begegnung mit Christus zu Frieden und Versöhnung finden. Zunächst hatte sich Franziskus ganz dem Plan seines Vaters angepasst und auch so, mit dessen Unterstützung, entwickelt. In der Taufe erhielt er den Namen „Johannes“, doch weil der Vater es so wollte, wurde er „Französchen“ genannt, der Vater hatte seinen Plan mit ihm und ermöglichte ihm Karriere und Ansehen, und Franziskus schlüpfte in dieses Lebensprogramm wie in eine 2. Haut. Krieg und Gefangenschaft ließen ihn die Sinnlosigkeit seines bisherigen Lebens erkennen, er wurde krank, und in einem langen Prozess ringt er um eine sinnvolle Lebensgestaltung. Er löst sich mehr und mehr vom Plan des Vaters, als Ritter will er nun einem großen Herrn dienen und durch Gutes-tun zu Ehre und Ansehen gelangen. Ein Traum stoppt sein Vorhaben und lässt ihn nun nach Gottes Willen für sein Leben fragen.

Zwei Ereignisse sind prägend für ihn und schenken ihm Frieden und Versöhnung: die Begegnung mit dem Aussätzigen: in der Umarmung des Aussätzigen umarmt er seine eigenen unerlösten, aussätzigen Lebenswunden, und Franziskus erlebt sich vom gekreuzigten Christus (vom Kreuz von San Damiano) persönlich angeschaut und angesprochen. Er spürt in sich eine tiefe Sehnsucht, „den wieder zu lieben, der ihn zuerst geliebt hat“. Dadurch eröffnen sich ihm neue Lebensräume, und er erfährt seine Krise als Chance.

Auf diesem Wissenshintergrund wurden wir – auch mit Hilfe des Bildes: das Kreuz von San Damiano - zur Einzelbesinnung eingeladen, das Gehörte, ins eigene Leben zu übersetzen. Zwei Hinweise begleiteten uns zur Reflexion:
- Krisen, Gebrochenheit in meinem Leben und
- Gottes Stimme in meinem Leben.
Nach der Einzelbesinnung konnten wir uns im Zweierge-spräch oder in kleinen Gruppen austauschen.

Nach dem Mittagessen führte Schwester Evamaria das Thema fort – wiederum mit dem Blick auf Franziskus: sein Aufbruch in ein neues Leben. Nicht nur bei uns, auch bei Franziskus hinterlassen die schmerzlichen, negativen Erlebnisse aus der Vergangenheit Wunden, die tief sitzen und sich immer wieder bemerkbar machen. Sie wirken nach als negative Botschaften. Solche Bindungen an unsere Gebrochenheiten können – wie bei Franziskus – zum Sprungbrett in Gottes Erbarmen führen. Franziskus stellt sich seinen Lebensbrüchen und übernimmt damit für sich selbst die Verantwortung. Er setzt sich auseinander mit Schuld, Trauer, Grenzen… Und hiermit beginnt Versöhnung und Befreiung aus den Lebenszwängen. Er nimmt sich selbst an, so wie er ist…. mit seinen Grenzen und Gebrochenheiten, mit seiner Schuld…. mit seinem so Gewordensein… Und das kostet ihn - und uns ebenso - Überwindung und Entschiedenheit, die eigene Lebensgeschichte, den eigenen Aussatz anzusehen, anzunehmen und zu umarmen. Und es bleibt eine lebenslange Aufgabe.

Franziskus erhält im Kuss des Aussätzigen Frieden, innere Wandlung und Weite des Herzens Er geht mit seiner Schuld und Schwäche zu Gott, um sich von ihm ansehen zu lassen und Ansehen schenken zu lassen. Christus hat Franziskus dort ganz mit sich erfüllt, wo er gebrochen war. Auch unsere Gebrochenheit, unser Kreuz, ist der Ort der Gottesbegegnung.

Diese Gedanken wurden verstärkt durch den Brief der hl. Klara, den sie an Agnes von Prag schrieb. Wir lasen den Text in Kleingruppen und sprachen darüber.
Im anschließenden Plenum tauschten wir uns aus über das, was uns für unser eigenes Leben bedeutsam und hilfreich erschien.

Zum Abschluss der Tagung erhielt jede 2 kleine Holzzweige. Wir brachen den einen Zweig und legten in die Bruchstelle den 2. Ast, so dass ein Kreuz entstand. Es war ein ausdrucksstarkes Zeichen für das, was wir an diesem Tag miteinander bedachten.

Mit einem Danke an die beiden Referentinnen, die uns dieses Thema so praxisnah und ansprechend im Blick auf Franziskus, Klara und uns selbst angeboten hatten, beendeten wir mit einem Segenslied dieses franziskanische Treffen.

Sr. M. Antonine Knupfer


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:35