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Franziskus - Heiliger, Mensch, Bruder!
Die Waaler Passions- und Heiligenspiele zählen zu den ältesten Spielen in Bayerisch-Schwaben und stammen aus der Zeit der furchtbaren Pestjahre um 1626. Das älteste Dokument ist ein handgeschriebener Text aus dem Jahre 1791.
Dieses Jahr kommt das Franziskusspiel zur Aufführung, an dem rund 120 Laiendarsteller mitwirken.


Die Waaler Passionsspiele

Die in unregelmäßigen Abständen den ganzen Sommer über aufgeführte Waaler Passion ist etwas Besonderes und erfreut sich allerbester Kritik und eines regen Zuspruchs aus nah und fern. Sie ist die Passion der Menschen in Waal und der Region. Das ganze Dorf ist an den Aufführungen beteiligt. Den langen Winter über erarbeiten sich die Laienschauspieler ihre Rollen, um den teilweise von weit her angereisten Zuschauern das Leiden und Sterben Christi nahe zu bringen.

2012 bringt die Passionsspielgemeinschaft das "Franziskus-spiel" auf die Bühne. Zwischen Mai und September 2012 sind 22 Aufführungen geplant.
Die Spiele finden im geschlossenen, beheizbaren Passions-spieltheater (erbaut 1960/61) statt, das über 600 numerierte Sitzplätze verfügt.

Das „Waaler Franziskusspiel“ wurde bereits dreimal unter großer Begeisterung der Mitwirkenden und mit unbeschreiblichem Erfolg aufgeführt, zuletzt 1997. Schon die Uraufführung 1979 beeindruckte Tausende von Zuschauern. Das Werk über das Leben des Franziskus von Assisi verfasste der Dortmunder Schauspieler und Autor Paul Schmidkonz und schuf damit eines der dramaturgisch ausgereiftesten Spiele der Waaler Passionsspielgemein-schaft. Konzentriert auf den Menschen Franziskus wird es dieser schillernden Heiligenfigur in jeder Hinsicht gerecht.


Schlussapplaus der Franziskusspiele, vorne mittig v.l. Werner Rahn (in schwarz, 1. VS Passionsspielgemeinschaft), daneben Hauptdarsteller Dietmar Ledel, Spielleiter Florian Martin Werner und Chorleiter Hans-Joachim Willrich [Fotonachweis: Mathias Wild]

2012 erfährt dieses Stück durch den Spielleiter Florian Martin Werner eine neue Inszenierung, die noch mehr die Lebensentwicklung des Franziskus in den Vordergrund stellt, seine Fragen, sein Suchen nach dem Willen Gottes zum Herzstück erhebt. Das Zerren zwischen Erfüllung und Resignation, zwischen Macht und Lohn des Himmels und zwischen Radikalität und Realismus eines gottgefälligen Lebens war die Triebfeder des Wirkens dieses Mannes und ist es auch beim Waaler Franziskusspiel. Was dieser Heilige wollte, könnte nach fast achthundert Jahren nicht aktueller sein als heute. Wir tragen sein Andenken in diese Welt zu deren und damit unserem Nutzen.



Das Stück

Franziskus 2012
Die Begeisterung der Waaler Spieler für ihren Franziskus ist ungebrochen groß. Das liegt zum einen an der Figur des Heiligen Franziskus, der uns auch heute noch so beeindruckt mit all seiner Radikalität und Liebenswürdigkeit, seinem achtungsvollen Umgang mit der Schöpfung, der und mehr denn je aktuell ein notwendiges Vorbild sein kann, aber auch seinem überzeugten Pazifismus, der uns nottut.

Das liegt ebenso am Stück selbst, das uns diesen oft übergroß wirkenden Heiligen von seiner menschlichen, seiner zögernden Seite zeigt, die ihn uns wieder erfahrbar nahe bringt. Er ist im Waaler Franziskus auch Selbstzweifler und Eitler, und doch wieder großer Heiliger, dem man kaum nachfolgen kann [im Bild links der Hauptdarsteller Dietmar Ledel]. Es steht das ganze Stück über zwischen dem Bettler und dem Narr, zwischen dem Aufruf zur Nachfolge Christi und dem frustrierten Zynismus der Resignation. Diesen Franziskus kann man erleben, für diesen Franziskus kann man sich begeistern. Die Entwicklung dieses ambivalenten Heiligen, Menschen und Bruder steht im Mittelpunkt von Werners Inszenierung. Das Bühnenbild (Janette Arndt), die Kostüme und das Spiel stehen im Zeichen der Waaler Tradition.

Quelle: www.treffpunkt-regional.com
Quelle: www.passion2009.de
Quelle: www.buchloe.de



INFORMATIONEN UND KARTENVORVERKAUF

Passionsspielgemeinschaft Waal,
Theaterstraße 7, 86875 Waal
Tel.: 0 82 46 / 96 90 01
Fax: 0 82 46 / 96 90 11
Internet www.franziskus-waal.de
E-Mail info@franziskus-waal.de

Aufführungen:
12. Mai – 30. September 2012,
jeweils Sonntag von 13:00 – 17:00 Uhr
Zusätzlich: 10. August / 14. September 2012
Beginn 19:00 Uhr
Preise:
Parkettbereich 25,- bis 29,- Euro
Balkon 37,- bis 39,- Euro


Bilder von der Eröffnung: www.all-in.de


Passions- und Heiligenspiele in Waal

Die Passions- und Heiligenspiele in Waal im Ostallgäu zählen zu den ältesten Passionsspielen in Bayerisch-Schwaben. Sie werden unregelmäßig aufgeführt; das Passionsspiel etwa alle 12 Jahre, Heiligenspiele alle vier Jahre.

Geschichte

Die Passions- und Volksschauspiele in Waal sind die ältesten in einer festen, bis heute betriebenen Einrichtung und ausschließlich von einheimischen Laien gespielten Aufführungen dieser Art in Bayerisch-Schwaben. Die Passionsspiele gehen nach den bisherigen Forschungser-kenntnissen wahrscheinlich auf die Pestepidemien im 17. Jahrhundert zurück und die öffentliche Verehrung einer seit 1626 in der Waaler Pfarrkirche St. Anna aufbewahrten Kreuzpartikel-Reliquie, zu der zahlreiche Wallfahrten stattfanden. Eine 1655 daraus entstandene Heilig-Kreuz-Bruderschaft wird als ursprünglicher Träger der Spiele angesehen.

Mit Beginn des Zeitalters der Aufklärung unter Kurfürst Karl Theodor und König Max Joseph I. wurden auch in Bayern 1770 sämtliche Passionsaufführungen verboten, mit Ausnahme der Oberammergauer und der Waaler Passionsspiele.

Das älteste erhaltene Dokument über die Spiele ist ein in mehreren Abschriften erhaltener Text aus dem Jahre 1791, der an eine Schauspieldichtung des spätmittelalterlichen reformatorischen Augsburger Meistersingers Sebastian Wild angelehnt ist, der auch Urheber des Oberammergauer Spiels und (nach Überarbeitung durch andere) weiterer Passionsspiele (z. B. des Mysterienspiels von „Christi Urstend“ in Erl/Tirol) gewesen sein soll.

Passionsspiele unter Vielen

Noch um das Jahr 1800 war Waal nur einer unter vielen Orten der Region (z. B. Türkheim, Mindelheim, Bobingen, Immenstadt), in denen in bewusster Auflehnung gegen die früheren Verbote die Passionsspiele wiederauflebten. Die Waaler Spiele sind die einzig davon übrig gebliebenen. 1813 ließ der Ortsherr in dem kleinen Dorf einen ersten festen Theaterbau errichten, in dem zunächst elf verschiedene weltliche Stücke aufgeführt wurden, bis 1815 das erste neuzeitliche Passionsspiel gespielt wurde, für das zunächst der Oberammergauer Text in der Fassung des Ettaler Benediktiners und Doktors der Philosophie Othmar Weis (1769–1843) aus dem Jahr 1811 übernommen wurde. Thema der Spiele in Waal ist auch heute nicht nur die Passion Christi (die eigentlichen Passionsspiele), sondern auch andere geistliche und weltliche Inhalte, z. B. das Leben verschiedener Heiliger (z. B. des Franz von Assisi, des Völkerapostels Paulus, der Maria, des Bischofs Ulrich von Augsburg). Die von der Passionsspielgemeinschaft Waal e. V. als Träger aufgeführten drei- bis vierstündigen Stücke werden teilweise eigens für die Waaler Bühne geschrieben und erleben in Waal daher ihre Uraufführung, teilweise sind es Adaptionen.

Die bis zu 200 Darsteller aller Altersstufen sind einheimische Laienschauspieler, die vom Vorstand des Trägervereins aus seinen Mitgliedern ausgewählt werden. Aufführungen finden in Spieljahren den ganzen Sommer über in einem 1960/61 neuerbauten Passionsspieltheater mit bis zu 800 Sitzplätzen statt, das dem Trägerverein gehört. Die Bühne ist mit einem Rundhorizont sowie fahrbaren plastischen Elementen ausgestattet und ermöglicht durch farbige Projektionen vielseitige Bühnenbilder. An die Aufführungen schließt sich seit jeher bis heute ein Gottesdienst in der Pfarrkirche an.

Seit 1791 sind in 116 Spieljahren über 150 Theaterstücke (123 verschiedene) weltlichen und geistlichen Inhalts aufgeführt worden, davon 22 Spieljahre zum Thema Passion. Die weltlichen Volksspiele fanden im 20. Jahrhundert im Schnitt alle zwei Jahre statt, früher nicht selten jährlich. Aufgeführt wurden z. B. literarische Werke (Schillers „Wilhelm Tell“, Raimunds „Der Verschwender“) geschichtliche Stoffe („Andres Hofer“, „Mordweihnacht. Bauernschlacht bei Sendling“) und anders. Regisseur und künstlerischer Leiter der Passionsspiele war über fast 50 Jahre bis zu seinem Tod Otto Kobel. Peter Pius Irl leitete 2005 das Stück Becket oder Die Ehre Gottes.

Themen der letzten Waaler Spiele waren: 1976: Waaler Bauernpassion, Regie: Otto Kobel 1979: Franziskusspiel, Eigenproduktion, Regie: Otto Kobel, Text: Paul Schmidkonz 1985: Paulusspiele, Eigenproduktion, Regie: Otto Kobel 1989: Passion, Regie: Otto Kobel 1993: Ulrichsspiel, Regie: Otto Kobel, Text: Matthias Pöschl 1997: Franziskusspiel Eigenproduktion, Regie: Otto Kobel, Text: Paul Schmidkonz 2001: Miller-Passion, Eigenproduktion, nach Arthur Maximilian Miller, Regie: Otto Kobel 2005: Becket oder Die Ehre Gottes, nach Jean Anouilh, Regie: Peter Pius Irl 2009: Miller-Passion, Eigenproduktion, nach Arthur Maximilian Miller, Regie: Florian Martin Werner
Nächstes Stück 2012: Franziskusspiel

Quelle: de.wikipedia.org


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