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Farbe bekennen -
Kunst als Verkündigung
In der aktuellen Ausgabe unserer Missionszeitschrift beleuchten wir die Rolle von religiös inspirierten Kunstschaffenden und ihrer Werke im Umfeld der Evangelisierung. Es kommen Künstler zu Wort, die sich von der Farbenvielfalt der franziskanischen Spiritualität begeistern lassen.


Das gemalte Bild, eine Skulptur, ein prachtvoll gestalteter liturgischer Raum, christlich geprägte Musik – solche religiös motivierten Kunstwerke wollen kein Selbstzweck sein, sondern über sich hinausweisen.

Für den Glaubenden, den Künstler wie auch den Betrachter, sind diese Werke wie eine Gehhilfe für den Glauben, die den suchenden Menschen näher zum tieferen Sinn seines Lebens führen kann, durch Farbe, Form, Ton, Spiel und Emotion.

In der Kirchengeschichte war religiöse Kunst, vor allem in den Fenstern und Wandmalereien unserer Kirchen, eine wichtige Säule der Katechese, vor allem für die Betrachter, die nicht Latein sprachen oder nicht lesen konnten. Auch heute noch sind Glaubensbilder in der Verkündigung unter Menschen ohne Bildungschancen sehr wichtig. Künstler werden zu Predigern ihrer religiösen Erfahrungen und Überzeugungen. Durch ihre Werke vermitteln sie Glauben. Sie bekennen Farbe!

Die neue Ausgabe der Franziskaner Mission kann eingesehen werden unter: www.franziskaner.de

Nähere Informationen auch unter: www.franziskanermission.de

»Bringt den Leuten das Evangelium. Wenn nötig, predigt!«
Franziskanische Künstler laden zum Glauben ein


Franziskanisch inspiriertes Kunstschaffen lässt sich nicht in einen bestimmten Stil einordnen und nicht auf eine einzige Botschaft reduzieren. Wir begegnen einem anregenden Spannungsfeld von moderner Kunst und spirituellem Geist. Franziskanische Künstlerinnen und Künstler hinterließen und hinterlassen an vielen Orten ihre Spuren, haben im Kunstleben einen anerkannten Rang. Gemeinsam sind ihnen die künstlerische Berufung, die franziskanische Spiritualität, die Leidenschaft für die Kunst sowie ein Geist der Kreativität, wie ihn schon der Ordensgründer Franziskus vorlebte. Sie erfüllen auf ihre Weise und in einem sehr tiefen Sinn den missionarischen Auftrag, wie ihn Franz von Assisi seinen Brüdern gab: »Bringt den Leuten das Evangelium. Wenn nötig, predigt!«

Franziskanische Tradition

Die franziskanische Spiritualität hat über alle Jahrhunderte und an allen Wirkungsorten nicht nur in das religiöse und geistige Leben der Gesellschaften hineingewirkt, sondern auch in der Kunst Ausdruck gefunden. Zum einen haben die Persönlichkeit des Franz von Assisi sowie die Faszination der franziskanischen Werte unzählige Künstler und Dichter beeindruckt und künstlerisch angeregt. Zum anderen haben die Franziskaner von Anfang an für ihren missionarischen Auftrag auch Bilder und Architektur eingesetzt und dabei neue Wege entwickelt. Viele Kunsthistoriker schreiben beispielsweise den Einzug naturalistischen Malens in der italienischen Kunst den Franziskanern zu. Diese gehörten auch mit zu den ersten, die die enormen Möglichkeiten einer neuen Technologie, des Buchdrucks und der illustrierten Bücher, erkannten und umsetzten.

Wie umfangreich und anspruchsvoll das kirchliche und gesellschaftliche Wirken und eben auch das Kunstschaffen der franziskanischen Gemeinschaften war und ist, belegen zahlreiche literarische und wissenschaftliche Publikationen. In der »Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinz « heißt es: Die Franziskanerorden haben »vielfältige Formen von franziskanischer Kunst hervorgebracht, … Kunst für den Orden, Kunst des Ordens im öffentlichen Raum, Kunst aus dem Orden heraus; Architektur und Städtebau, Plastik im weitesten Sinne, Malerei auf Wänden, Glas und Tafeln, … die Zeugnisse gesprochener und geschriebener Sprache in Predigten, Zeugnisse der Literatur und solche der Musik (Instrumente, Choralgesang und Instrumentalmusik in Noten)«.
Was hier für eine Ordensprovinz aufgezeigt wird, bezeugen weltweit viele franziskanische Kirchen, Klosterbauten und Wallfahrtsorte, viele Kunstobjekte franziskanischer Herkunft, die in Museen, Archiven und Bibliotheken zu sehen sind, sowie – nicht zuletzt – heutzutage auch viele Kunstaktionen, die von franziskanischen Klöstern und Pfarreien veranstaltet werden. Was kennzeichnet demnach künstlerische Arbeiten als »franziskanisch«? Kunstgeschichtler weisen auf die drei Ziele hin, die die Franziskaner mit den Bildern erreichen wollten: die vielen Menschen, die nicht lesen konnten, zu bilden; Gefühle wie Andacht und Frömmigkeit zu entwickeln; das Wissen über Bibel, Heilige und Sakramente zu festigen.

Franziskanische Kunst heute

Die heutigen franziskanischen Künstlerinnen und Künstler stehen in langen und weitgespannten Traditionen: einerseits der religiösen und spirituellen Kunst, speziell der christlichen Kunst, und andererseits des inzwischen 800- jährigen franziskanischen Kunstschaffens. Die Werke umfassen alle Bereiche der Kunst und reichen von seelsorgerlichen Bestrebungen über die Auseinandersetzung mit biblischen und christlichen Botschaften, spirituellen Fragen oder den heute drängenden Gegenwartsfragen bis hin zu Psychogrammen der menschlichen Existenz. Gerade Bilder können sanft, aber auch sehr direkt »die Botschaft« übermitteln, aber auch verfälschen. Sie sprechen zu allen Menschen, unabhängig von deren Herkunft, Alter, Sprache oder Kultur. Zugleich lassen sie, anders als etwa Predigten, dem Betrachter einen freien Zugang nach seinem persönlichen Wesen, Empfinden und Rhythmus.

Kunstschaffen in den Missionsgebieten

Hinzu kommt das Kunstschaffen in den Missionsgebieten, ein durchaus zwiespältiger Vorgang. Seitens der Missionen war es zunächst eher sehr kolonialistisch, auch bei den Franziskanern. Es traf oft, wie in Ostasien, auf eine eigenständige einheimische Kunst. Im weiteren Verlauf entwickelte sich vielerorts ein lebendiges einheimisches Kunstschaffen, in dem die Einflüsse des importierten Christentums, der originären Religionen, der eigenen Volkskulturen und traditionellen Kunsttechniken sowie die Einflüsse der westlichen Kunststile nebeneinander stehen oder sich vermengen. Eine kulturelle Kommunikation, die verbindet und bereichert oder auch trennt, die zugleich viel inspirierende Spannung und Spiritualität vermittelt, und die auch viele Beiträge zur europäischen Kultur geliefert hat. Nicht zuletzt kommen heute aus den ehemaligen Missionsgebieten eigenständige Stimme, die, wie zum Beispiel die Theologie der Befreiung, über die theologische Dimension hinaus auch in der Kunst eine prägende Kraft entfalten und das befreiende, die Wahrnehmung erweiternde Potenzial der Kunst zur Wirkung kommen lassen.

Kunst – ein Weg zu Gott

Wir begegnen authentischen Menschen, denen über die franziskanische Berufung hinaus auch das Künstlersein Berufung ist, die gleichermaßen von der franziskanischen Spiritualität und von ihrem künstlerischen Charisma und Schaffensdrang herausgefordert sind. In ihrer Kunst versuchen sie, den Botschaften des Glaubens, den Tiefen der menschlichen Existenz, den Geheimnissen des Göttlichen nachzuspüren, eine Tür zum Unendlichen zu öffnen. Das drücken sie aus mit den künstlerischen Mitteln ihrer jeweiligen Kunst. Ihre Werke laden ein zum tieferen Sehen, zum Verinnerlichen der Botschaft, zur Stille – oder auch zum Engagement. Nicht selten wird das entstandene Kunstwerk zu einer malerischen, figurativen oder musikalischen Form des Gebetes. Was immer das franziskanische Kunstschaffen kennzeichnet, deutete bereits Franz von Assisi selber an: »Der Weg zu Gott kann niemals an den Menschen vorbeiführen.« Von: Dr. Alexander von Papp

Artikel aus der Zeitschrift "Franziskaner Mission":
Farbe bekennen - Kunst als Verkündigung

Quelle: www.franziskaner.de


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