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Das Gebet um Frieden
Erster Weltkrieg. In der Marneschlacht im September 1914 ist der deutsche Vormarsch im Westen zum Stehen gekommen. Von der Schweizer Grenze im Süden bis zu den Kanalhafen im Norden erstarrte die Front im Stellungskrieg mit allem, was das für Soldaten und Zivilbevölkerung bedeutet.
Angriffe und Gegenangriffe während des Jahres 1915 bringen Leid und Zerstörung ohne Entscheidung für diese oder jene Seite. Von Erbfeindschaft ist wieder die Rede und Hass wird geschürt. Papst Benedikt XV. müht sich um Linderung der Not und um Wege zum Frieden. Da überreicht ein Adeliger aus der Normandie dem Papst eine Sammlung von Gebeten für den Frieden.


Eins davon, das 1913 in der französischen Zeitschrift "Annalen unserer Lieben Frau vom Frieden" erschienen war, wird am 20. Januar 1916 von der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" abgedruckt, und acht Tage später ist es auch in der Pariser Zeitung "La Croix" zu lesen.

Wohl erst im Gefolge dieser Veröffentlichungen und nicht schon vor ihnen erscheint das Gebet dann auch auf einem Andachtsbildchen, das der Visitator des Dritten Ordens im Gebiet von Reims für seine Tertiären herausgegeben hat. Hier, wo die Kämpfe besonders hart getobt haben, werden die Angehörigen des Dritten Ordens des heiligen Franziskus aufgefordert, dieses "Gebet um den Frieden" - so ist es überschrieben - täglich zu beten. Es soll ihnen zugleich Leitlinie für ihr Leben sein, und zum vertrauensvollen Gebet soll das ernsthafte Bemühen um Verwirklichung treten....

Franz Rudolf Reichert

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Die folgende deutsche Übersetzung aus dem Französischen stammt von Olaf Schmidt-Wischhöfer, 2010.

Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens.
Wo Hass herrscht, lass mich Liebe entfachen.
Wo Beleidigung herrscht, lass mich Vergebung entfachen.
Wo Zerstrittenheit herrscht, lass mich Einigkeit entfachen.
Wo Irrtum herrscht, lass mich Wahrheit entfachen.
Wo Zweifel herrscht, lass mich Glauben entfachen.
Wo Verzweiflung herrscht, lass mich Hoffnung entfachen.
Wo Finsternis herrscht, lass mich Dein Licht entfachen.
Wo Kummer herrscht, lass mich Freude entfachen.

O Herr, lass mich trachten:
nicht nur, dass ich getröstet werde,
sondern dass ich tröste,
nicht nur, dass ich verstanden werde,
sondern dass ich verstehe,
nicht nur, dass ich geliebt werde,
sondern dass ich liebe,
denn wer gibt, der empfängt,
wer sich selbst vergisst, der findet,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.


Deutsche Fassung des Gotteslobs (Nr. 29,6)

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.


Weitere Themenhefte sind in Planung. Sie werden über die Homepage des Ordo Franciscanus Saecularis (Franziskanische Gemeinschaft) abrufbar sein: www.ofs.de


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:35