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FranziskanerInnen gegen Waffenhandel
Panzer am Palmsonntag – das sorgt für Irritationen. Schilder aus Holz, die den Leopard II – Panzer symbolisieren, begleiteten die Statio am Beginn der Palmsonntagsliturgie im Kloster Oberzell.
Gehalten von den zwanzig Teilnehmenden des INFAG-Grundlagenseminars 2013, das sich dem Thema „Deutsche Rüstungsexporte“ widmete.


„Legt den Leo an die Kette.“ Der Leopard II – Panzer ist das Symbol schlechthin für Waffenexporte aus deutscher Produktion auch in Länder, in denen massive Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Mit den Ausfuhrgenehmigungen verstößt die Bundesregierung gegen ihre eigenen Richtlinien. Deutschland ist nach den USA und Russland zum drittgrößten Rüstungsexporteur geworden. Der Tod kommt aus Deutschland. Dies betrifft Groß- wie Kleinwaffen gleichermaßen. Allein durch Kleinwaffen (Pistolen, Gewehre) der Firma Heckler & Koch sind seit dem II. Weltkrieg nach Schätzungen von Experten mehr als 1 Million Menschen ums Leben gekommen.

Deutsche Rüstungsexporte

Diese Form des Rüstungsexports widerspricht massiv der Intention des Grundgesetzes, das eine äußerst restriktive Politik in diesem Bereich vorsieht. Darauf aufmerksam zu machen und Veränderungen zu bewirken ist Ziel der „Aktion Aufschrei – Rüstungsexporte stoppen“. Träger dieser Aktion sind u.a. die deutschen Franziskaner sowie Misereor, Pax Christi und viele weitere Bündnispartner. Die Aktion Aufschrei hat für ihr Engagement den Stuttgarter Friedenspreis 2013 bekommen. Gefordert wird eine Klarstellung im Grundgesetz. In § 26 Abs. 1 heißt es: „Handlungen, die das friedliche Zusammenleben der Völker stören, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen“. Absatz 2 soll daher präzisiert werden um den Satz „Kriegswaffen und sonstige Rüstungsgüter werden grundsätzlich nicht exportiert. Das Nähere regelt das Rüstungsexportgesetz“.



Panzer am Palmsonntag

Sr. Gertrud Smitmans erläutert den Zusammenhang in der Statio so: „Viele Menschen aus dem jüdischen Volk pilgern nach Jerusalem, um in der Stadt Gottes Pascha zu feiern. An solchen Festtagen wird der Messias mit besonderer Sehnsucht erwartet. Man verbindet mit seiner Ankunft, dass Israel endlich befreit wird und seine Autonomie zurück erlangt. Die Römer haben ihre Truppen in Jerusalem verstärkt, um einen Aufstand niederzwingen zu können. Das Volk von Jerusalem sieht in Jesus einen König, einen Herrscher, den Überwinder er römischen Macht. Dazu gehören Waffen, Truppen, Kämpfe. Auch wir vertrauen auf die Mächte der Gewalt – wie hier die Leopard-Panzer, Kriegsschiffe, Flugzeugträger und was uns sonst so einfällt. Wir in Deutschland produzieren sie. Wir exportieren sie. Wir säen Tod – und sagen „Frieden“.

Jesus zieht ein in Jerusalem auf einem Esel – nicht auf einem Kampfross – nicht auf einem Panzer. Auch unsere Zeichen der Gewalt sind mit ihm nicht zu vereinbaren. Angesichts seines Gottesreiches wendet sich das Hosianna in „Kreuzige ihn“. Und die Hoffnung auf Waffen und Gewalt zerfällt. Wir ziehen mit Jesus ein in Jerusalem mit den Palmen des Friedens und der Gewaltlosigkeit.
Und angesichts der weltlichen Macht gilt auch für uns das Wort Jesu aus der Passion vor dem römischen Statthalter Pilatus: Wenn mein Reich von dieser Welt wäre, dann würde mein Vater Legionen schicken. Mein Reich ist aber nicht von dieser Welt. Unsere Waffen sind die Waffen der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit, der Liebe zu den Armen, bei den Armen, in denen wir Jesus finden. Aus diesem Grund bleiben die Plakate der Leopard-Panzer außerhalb des Gottesdienstraumes.“


Gebetshilfen für Gottesdienste zum Thema Rüstungsexport

Aus Passion für das Leben – weil viele leiden

Die Aktion „Aufschrei“ trägt das programmatische Handlungsmotto: „Den Opfern Stimme – den Tätern Name und Gesicht“. Als Schwestern und Brüder der Franziskanischen Familie haben wir vielfältigen Kontakt zu Opfern deutscher Rüstungsexporte. Ein Mitbruder – dessen Name hier aus Sicherheitsgründen nicht genannt ist - berichtet über die Verhältnisse in seinem Heimatland Kongo. Dadurch wird konkret, was Thomas Meinhard als Referent zunächst auf informativer Ebene vorstellt. Bereits seit den 80er-Jahren unterstützen die Franziskaner die „Kampagne gegen Rüstungsexporte“, die mittlerweile Teil von „Ohne Rüstung leben“ ist. Weil zu viele leiden, ihr Martyrium, ihre Passion erleiden – auch durch unsere Waffen, deshalb setzen wir uns mit Passion, mit Leidenschaft für ein Verbot dieser Waffen und ihren Export ein.



Mahnwache in Würzburg

Um nicht bei der Theorie stehen zu bleiben, starteten wir am Samstag Nachmittag eine zweistündige Aktion in der Würzburger Fußgängerzone. Mit zwei Infoständen und Mahnwache informierten wir die vorbeikommenden Menschen und versuchten, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das erfreuliche Ergebnis: 180 Unterschriften für eine Grundgesetzänderung. In der Reflexion wurde deutlich, dass mittlerweile schon relativ viele Leute für das Thema sensibilisiert sind. Es gab überwiegend konstruktive Gespräche. Für die meisten der Teilnehmenden war es das erste Mal, in dieser Weise in der Öffentlichkeit aufzutreten und für ein politisches Thema einzutreten. Nachdem erste Schwellenängste überwunden waren, haben sich alle mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten eingebracht und das Ganze als wertvolle Erfahrung bezeichnet. Im Vorfeld wurde die Aktion in vier Kleingruppen vorbereitet, die sich mit der Gestaltung der Mahnwache, mit den Aktionsformen, mit der inhaltlichen Argumentation sowie der Ablauf-Logistik beschäftigten.



Mystik und Politik

Die Gebetszeiten beim Seminar und die Mitgestaltung des Palmsonntagsgottesdienstes verdeutlichten den Zusammenhang zwischen „Mystik und Politik“, zwischen franziskanischer Spiritualität und konkretem Einsatz zugunsten der Menschen.



Das Grundlagenseminar 2013 war überschrieben mit dem Titel „Für das Leben“. Darum geht es: Um Lebensmöglich-keiten für alle Menschen. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass Deutschland seine Rüstungsexporte massiv reduziert, dass die Genehmigungsverfahren transparenter werden; dass die Bundesrepublik ihren grundgesetzlich verankerten Auftrag der Friedensförderung in anderer Weise wahrnimmt, indem personelle und finanzielle Ressourcen sowie techno-logisches Wissen in Präventions- und Entwicklungsprojekte fließen. Damit es keine Opfer deutscher Rüstungsexporte gibt, sondern Lebensmöglichkeiten weltweit für alle Menschen.

Br. Stefan Federbusch




Nähere Informationen zur „Aktion Aufschrei“ unter: www.aufschrei-waffenhandel.de


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:35