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Franziskanische Perspektiven zum II. Vatikanischen Konzil
„Kirche, öffne Dich!“ – unter diesem Titel stehen die Ausgaben 4/2012 und 1/2013 der Zeitschrift „Tauwetter“ zu Fragen von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Verschiedene Autorinnen und Autoren beleuchten das II. Vatikanische Konzil unter franziskanischer Perspektive als „Erinnerung und Auftrag“ sowie „Mit der Tradition in die Zukunft“.


Die folgende Übersicht gibt das Editorial des jeweiligen Heftes sowie das Inhaltsverzeichnis wieder.

Tauwetter 4/2012

Kirche, öffne Dich!
II. Vatikanisches Konzil - Erinnerung und Auftrag


Editorial

Die Überraschung war groß, als P. Johannes XXIII. am 25. Januar 1959 vor 17 Kardinälen im Kapitelsaal der Patriar-chalbasilika St. Paul vor den Mauern ein neues Konzil ankündigte. Am 11. Oktober 1962 wurde es eröffnet und dauerte bis zum 08. Dezember 1965. Insgesamt 16 Dokumente verabschiedeten die Konzilsteilnehmer während der vier Konzilsperioden. Spürbar wurden für die Gläubigen vor allem die praktischen Veränderungen der Liturgie: die Verwendung der jeweiligen Landessprache, die Zelebration zum Volk an einem vorgerückten Altar, die Beteiligung der Laien. Dahinter stand jedoch ein grundlegend gewandeltes Selbstverständnis der Kirche: Kirche als pilgerndes Volk Gottes auf dem Weg. Dies schloss die Hinwendung zur „Welt“ ein.

Nicht alle Beschlüsse sind in sich völlig stringent. Manche Widersprüche lassen sich auf Kompromissformulierungen zurückführen und den Versuch, möglichst vielen Vorstellungen gerecht zu werden. Daraus rührt bis heute der Streit um die rechte Absicht der Konzilsväter und die Frage, ob das Konzil nicht als unabgeschlossen zu betrachten sei und im Sinne der Teilnehmenden fortgeführt werden müsste bzw. die Fragen von heute im Geiste des damaligen Aufbruchs zu beantworten seien. Konservative Kreise innerhalb der katholischen Kirche lehnen ein solches Verständnis ab bis hin zur Nichtanerkennung ganzer Konzilsbeschlüsse wie von der Pius-Bruderschaft.

Für den Bereich Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung bedeutet die Öffnung der Kirche hin zur Welt eine Bestärkung des Engagements aus christlicher Verantwortung. Als Beispiele seien hier die „Option für die Armen“ und der „Interreligiöse Dialog“ auf der Basis der Konzilserklärung Nostra Aetate [NA] genannt.

Die Beiträge im zweiten Teil dieses Heftes erschienen größtenteils in den monatlichen CCFMC-News 2012, den Informationen des Grundkurses des franziskanisch-missionarischen Charismas. Ihr besonderer Reiz liegt darin, dass sie die Texte und Impulse des II. Vatikanischen Konzils mit dem franziskanischen Gedankengut in Verbindung bringen und Gemeinsamkeiten aufzeigen. Die weiteren Beiträge werden in der nächsten Tauwetter-Ausgabe veröffentlicht.

Für Franziskus war Weihnachten das „Fest aller Feste“, weil sich der unbegreifliche große Gott inkarniert = einfleischt in diese Welt, weil er ein menschliches Antlitz bekommt und sich widerspiegelt in den Gesichtern der Menschen, insbesondere der Mühseligen, Beladenen, Geschundenen, Entrechteten und Armen dieser Welt. Das II. Vatikanische Konzil trug den Orden auf, zu ihren Wurzeln zurückzukehren. Das Erbe von Franziskus und die Erneuerung durch das Konzil sind uns Verpflichtung und Auftrag zugleich an dem festzuhalten, was Gott uns im Geschenk der Weihnacht vorgelebt hat: Die Hinwendung zum Menschen. Wir wünschen Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, ein gesegnetes Fest der Menschwerdung sowie Mut und Kraft, sich auch 2013 in den Anliegen von GFBS einzusetzen!

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Hoffen und Widerstehen! Botschaft der Konziliaren Versammlung vom 18.-21. Oktober 2012 in Frankfurt


Der Katakombenpakt
Für eine dienende und arme Kirche


Ecclesia – quo vadis? 50 Jahre II. Vatikanisches Konzil
Br. Stefan Federbusch OFM

Erinnerung und Verpflichtung
P. Andreas Müller OFM

Das Volk Gottes auf dem Zweiten Vatikanum – eine Vision der Menschheit im Sinn des hl. Franziskus
Prof. Dr. Elmar Klinger

Der Atheismus und Franz von Assisi
Zur Pastoralkonstitution „Freude und Hoffnung“ des 2. Vatikanischen Konzils

P. Dr. Anton Rotzetter OFMCap

Franziskus und die Erklärung des II. Vatikanum ‚Nostra aetate’
Prof. Dr. Jan Hoeberichts


Tauwetter 1/2013

Kirche, öffne Dich!
II. Vatikanisches Konzil –
Mit der Tradition in die Zukunft


Editorial

Bischof Luigi Bettazzi, einer der letzten noch lebenden Teilnehmer spricht in bezug auf das II. Vatikanische Konzil von einer „Kopernikanischen Wende“ (im Italienischen heißt es „Rivoluzione copernicana“): „Die wichtigste Revolution der Konzilskonstitutionen besteht darin, dass sich die Kirche der Menschheit gegenüber nicht mehr als ‚Herrin’ versteht und nicht mehr behauptet, wer kein Mitglied der Kirche sei, könne nicht gerettet werden. Die Kirche ordnet sich vielmehr der Menschheit unter. Denn sie versteht sich als Sauerteig eines Heils, das Gott in Jesus Christus allen anbietet.“

Eine zweite Kopernikanische Wende im Kirchenverständnis sieht Bettazzi im Verhältnis der Hierarchie zu den Laien: „Die Laien sind der Hierarchie nicht mehr untergeordnet, sondern die Hierarchie steht... im Dienst des Volkes Gottes.“ Bettazzi fordert deshalb neue Verhaltensweisen des Klerus und einen anderen Führungsstil der Hierarchie. Für ihn sind die Impulse des II. Vatikanischen Konzils noch viel zu wenig umgesetzt.

Kardinal Carlo Martini beklagte in einem Interview kurz vor seinem Tod: „Ich sehe so viel Asche, die in der Kirche über der Glut liegt, dass mich manchmal Hoffnungslosigkeit bedrängt. Wie können wir die Glut von der Asche befreien, sodass die Liebe wieder zu brennen beginnt?“ Er macht einen ungewöhnlichen Vorschlag: „Ich empfehle dem Papst und den Bischöfen, in ihre Leitungsgremien zwölf ungewöhnliche Menschen aufzunehmen. Menschen, die bei den Ärmsten sind, Jugendliche um sich haben und Experimente machen. Es braucht die faire Auseinander-setzung mit Menschen, die brennen, damit der Geist wehen kann.“

Die Beiträge dieses zweiten Tauwetterheftes zur Rezeption des II. Vatikanischen Konzils greifen die Forderung nach Umkehr und Erneuerung aus franziskanischer Perspektive auf. Sie beleuchten die Herausforderungen der Themenbereiche Armut, Hierarchie, Kirchenverständnis, Ökologie, Frauen, Laien und Säkulare Welt. Ein weiterer Beitrag widmet sich der Rezeption des Konzils in Lateinamerika.

Kardinal Martini: „Die Kirche ist 200 Jahre lang stehen geblieben. Warum bewegt sie sich nicht? Haben wir Angst? Angst statt Mut? Wo doch der Glaube das Fundament der Kirche ist. Der Glaube, das Vertrauen, der Mut... Nur die Liebe überwindet die Müdigkeit. Gott ist die Liebe. Ich habe noch eine Frage an dich: Was kannst du für die Kirche tun?“

„Kirche öffne Dich!“ haben wir die beiden Tauwetter-Ausgaben zum Konzil betitelt in Anlehnung an die Geste P. Johannes XXIII., der die Fenster weit öffnete, um frischen Wind einzulassen und ein neues Pfingsten zu ermöglichen. Kirche sind wir alle! Darum, liebe Leserin, lieber Leser: Öffne Dich für das Wirken des Geistes und gestalte Kirche mit! Den Mut dazu, Glaube und Vertrauen wünscht Dir / Ihnen die Tauwetter-Redaktion

Inhaltsverzeichnis

Editorial

Franziskanische Prophetie der Armut in der Konzilsaula

Pfr. Norbert Arntz

Bekehrung der Prälaten
Eine Aktion des hl. Franziskus und eine Aufgabe nach dem Vatikanum II.

P. Hadrian Koch OFM

Kirche – das wandernde Volk Gottes in der Welt
Anmerkungen zum Konzilsjubiläum aus franziskanischer Sicht

P. Dr. Othmar Noggler OFM Cap

Ökologie – die fehlende Perspektive auf dem 2. Vatikanischen Konzil
P. Dr. Anton Rotzetter OFMCap

„Ein und derselbe Geist hat Schwestern und Brüder bewegt“
Das Volk Gottes als geschwisterliche Kirche

Dr. Martina Kreidler-Kos

Die Laien, die Franziskaner und das II. Vatikanische Konzil
Dr. Mario Cayota OFS

Die säkulare Welt und die frohe Botschaft des Evangeliums
P. Dr. Udo Schmälzle OFM

Die Rezeption des 2. Vatikanischen Konzils in Brasilien und Lateinamerika
Leonardo Boff

Der Papst und die Kirche müssen umkehren
Interview mit Kardinal Carlo Maria Martini

Schlusspunkt und Ausklang
Bischof Luigi Bettazzi

Lesetipp, Literaturverzeichnis und Links


Die Tauwetterhefte stehen als Download unter www.tauwetter-online.de zur Verfügung oder können als Printausgabe bestellt werden unter:
Redaktion Tauwetter,
Immermannstr. 20, Postfach 240139, 40090 Düsseldorf;
Email: Redtauwetter@aol.com


Br. Stefan Federbusch


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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.03.2017 18:35