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Generalkapitel der Minoriten
Vom 18. Mai bis 18. Juni fand in Assisi das 202. Generalkapitel der Franziskaner-Minoriten statt. Dabei wurde der Argentinier Carlos Trovarelli OFMConv zum neuen Generalminister der rund 4.000 Brüder zählenden Gemeinschaft gewählt. Zum Abschluss des Generalkapitels empfing Papst Franziskus am 17. Juni 2019 die Kapitulare in Audienz.


Das gegenwärtig in Assisi tagende Generalkapitel unseres Ordens der Franziskaner-Minoriten hat am heutigen 25. Mai 2019 Br. Carlos Trovarelli zum neuen Generalminister gewählt. Als Nachfolger von Br. Marco Tasca, dem dieser Dienst in den vergangenen 12 Jahren oblag, ist Br. Carlos nun der 120. Generalminister in unserer rund 800-jährigen Ordensgeschichte.



Br. Carlos Trovarelli (57) stammt aus Argentinien, legte am 15. Februar 1986 die Erste Profess ab und wurde am 25. März 1995 zum Priester geweiht. Br. Carlos war bisher Generalassistent für die Föderation FALC (Lateinamerika). Für seinen Dienst als Generalminister unseres Ordens wünschen wir ihm den Segen des Herrn.

Mehr zum Generalkapitel unter www.capgenofmconv.org/

Weichen für die Zukunft

Momentan tagt das Generalkapitel unseres Ordens. Wahl des Generalministers am 25. Mai Logo Generalkapitel 2019 OFM Conv. Wir Franziskaner-Minoriten beten seit mehreren Wochen im Morgen- und Abendgebet für das Gelingen des Generalkapitels, das vom 18. Mai bis 18. Juni in Assisi und im benachbarten Collevalenza gefeiert wird. Eine der Fürbitten lautet: „Herr Jesus, sei du es, der die Brüder Kapitulare bei ihren Entscheidungen inspiriert und leitet, und hilf uns allen, immer deinen wahren und heiligen Willen zu suchen, damit wir demütigen und aufrichtigen Herzens deiner Kirche dienen." In dieser Bitte wird schon ausgedrückt, was zu den wesentlichen Aufgaben des Generalkapitels, der „höchsten Autorität im gesamten Orden" (Konstitutionen Nr. 183, §1), gehört: Nach eingehenden Beratungen sollen die Brüder Entscheidungen treffen, die den Brüdern auf der ganzen Welt helfen, im Dienst der Kirche den göttlichen Willen zu erfüllen.


Das Logo des Generalkapitels 2019

Gebet, Austausch, Wahlen

Offiziell einberufen wurde das 202. Generalkapitel des Ordens bereits im vergangenen November durch den amtierenden Generalminister Br. Marco Tasca. Er verwies darauf, dass das Generalkapitel vor allem eine intensive Zeit für Glaube und Gebet sei, in der sich der Orden neu dem Anspruch Gottes stellen müsse. Darüber hinaus stellte er fest: „Freilich ist das Kapitel dann auch ein brüderliches Treffen, eine Gelegenheit zum Austausch von Erfahrungen, ein Moment gegenseitiger Bereicherung: Die Gegenwart von so vielen Brüdern aus unterschiedlichen Kulturen von allen Teilen der Erde kräftigt unseren Sinn für die Gemeinschaft – und zeigt uns zugleich, wie das gleiche Charisma in ganz unterschiedlichen Formen gelebt werden kann und wird." Dann geht es, so Br. Marco, aber auch konkret darum, „Pläne zu entwickeln, welche Wege der Orden in den nächsten sechs Jahren einschlägt und eine neue Ordensleitung zu wählen".
Für ihn selbst und die meisten der Generalassistenten, die Mitglieder Generalleitung sind, ist schon klar, dass die eigene Amtszeit nach zwei Mandaten endet und auch nicht verlängert werden kann. Mit entsprechender Spannung wird von den weltweit über 4.000 Mitbrüdern vor allem der 25. Mai erwartet, der Termin, an dem der neue Generalminister gewählt werden wird.

Teilnehmer aus aller Welt

Wahlberechtigt sind die derzeitigen Mitglieder der Generalleitung, alle Provinzialminister und Kustoden, sowie für größere Provinzen noch zusätzlich entsandte Delegaten. Erstmals sind sieben zusätzliche Teilnehmer mit Stimmrecht eingeladen: Nachdem man festgestellt hat, dass die Brüder ohne Priesterweihe beim Kapitel immer unterrepräsentiert sind, wurden sieben „Laienbrüder" mit vollem Stimmrecht hinzuberufen. Die Gruppe derer, die sich zum Generalkapitel versammeln, wird aber noch viel größer: Einige Brüder nehmen mit Gaststatus teil („Hörer"), etliche sind vorgesehen als Moderatoren, Übersetzer und Sekretäre. Am Ende werden es wohl knapp 200 Brüder sein – eine logistische Meisterleistung, für alle Unterkunft und Verpflegung bereitzustellen und einen geordneten Tagesablauf zu organisieren. Die deutsche Provinz wird von Provinzialminister Br. Bernhardin M. Seither vertreten, die Provinzkustodie Österreich-Schweiz von Br. Daniele Brocca. Auch die drei polnischen Provinzen dürfen für ihre Delegationen in Deutschland jeweils einen Vertreter zum Generalkapitel schicken, wenn auch ohne Stimmrecht. Gesprochen wird übrigens in den vier offiziellen Sprachen des Ordens: Italienisch, Englisch, Polnisch und Spanisch. Übersetzer sorgen jeweils für simultanes Dolmetschen.

Anstehende Entscheidungen

Neben dem Hören der Berichte aus den unterschiedlichsten Feldern über die vergangenen sechs Jahre sind dann auch etliche Sachentscheidungen zu treffen. Größeren Raum wird sicherlich die Diskussion und Abstimmung der Generalstatuten in Anspruch nehmen, die nach den bereits im vergangenen Jahr verabschiedeten neuen Konstitutionen als detailliertere Ausführungsbestimmungen zu verschiedenen Aspekten des brüderlichen Lebens und Arbeitens zu aktualisieren sind. Weitere Anträge wurden eingebracht zu den Themen „Ökologie" und „Gebrauch neuer Medien". Ein wohl vor allem für die italienischen Brüder großer Einschnitt dürfte der Antrag sein, bis Ostern 2024 die bisherigen Provinzen Abruzzen, Neapel, Apulien und Sizilien sowie die Kustodie Kalabrien aufzulösen und als „Provinz Italien" neu zu gründen. Der Rückgang an Berufungen scheint diesen Schritt unumgänglich zu machen. Erfreulicher dürfte es für Kenia und Indonesien ausgehen: Bislang sind die Brüder in diesen Ländern noch von ihren Gründungsprovinzen abhängig. Nun ist beantragt, die Präsenzen jeweils zur eigenständigen Provinz zu erheben. Dahinter steckt die Überzeugung, dass es mittlerweile genügend einheimische Brüder gibt, um alle Aufgaben einer Ordensprovinz erfüllen zu können und dass auch die finanziellen Mittel ausreichen, um die Verwaltung der Gemeinschaft sicherzustellen. Nach gut vier Wochen werden die Teilnehmer unzählige Abstimmungen hinter sich gebracht haben. Sie werden sicher auf viele schöne internationale Begegnungen zurückblicken dürfen, gewiss aber auch auf die ein oder andere hitzig geführte Debatte. Und die meisten werden wohl froh sein, dass sie wieder in ihr Heimatland in den gewohnten Alltag zurückkehren zu dürfen.

Quelle: www.franziskaner-minoriten.de

Generalkapitel beim Papst

Zum Abschluss des Generalkapitels empfing Papst Franziskus am 17. Juni 2019 die Kapitulare in Audienz

Nach einem Gottesdienst, den Kardinal Angelo Comastri, Generalvikar Seiner Heiligkeit für die Vatikanstadt, mit den Brüdern unseres Ordens im Petersdom feierte, empfing Papst Franziskus die Brüder in der Sala Clementina im Apostolischen Palast in Audienz.

Im Folgenden dokumentieren wir die Ansprache des Papstes in einer eigenen Übersetzung:

Liebe Brüder!
Herzlich heiße ich euch willkommen als Mitglieder des Generalkapitels eures Ordens. Ich danke dem neuen Generalminister, Fra Carlos Trovarelli. Ihm und den Generaldefinitoren gelten meine Glückwünsche für das Vertrauen, das die Brüder in sie gesetzt haben.

Vor kurzem hat der Heilige Stuhl eure Konstitutionen approbiert, neu ausgearbeitet auf dem Außerordentlichen Generalkapitel im vergangenen Sommer. Um euch diese Revision zu eigen zu machen, habt ihr jetzt die neuen Generalstatuten erörtert und gebilligt. Sie berühren Wesenselemente eures brüderlichen und missionarischen Lebens, wie die Ausbildung, die Interkulturalität, das Miteinanderteilen und die Transparenz in der Handhabung wirtschaftlicher Mittel. Diese Arbeit ist mühsam, doch ist sie der Mühe wert! Die Konstitutionen sind in der Tat das notwendige Instrument, um das charismatische Erbe eines Institutes zu bewahren und dessen Übermittlung in die Zukunft zu sichern. Die Konstitutionen bringen tatsächlich die konkrete Art und Weise der Nachfolge Christi zum Ausdruck, wie sie das Evangelium vorlegt als unabdingbare Lebensregel für alle Gottgeweihten und besonders für die Jünger des heiligen Franz von Assisi, die sich in ihrer Profess dazu verpflichten, „nach der Form des heiligen Evangeliums zu leben" (vgl. Hl. Franziskus, Testament 14). Mich berührt sehr jener Rat des Franziskus an die Brüder: „Verkündigt das Evangelium, falls es nötig sein sollte, auch mit den Worten!": es ist eine Lebensweise. Wenn jedes gottgeweihte Leben «aus dem Hören des Wortes Gottes und aus der Annahme des Evangeliums als Lebensnorm erwächst» (Bischofssynode zum Wort Gottes, Antrag 24), dann entsteht das franziskanische Leben in allen seinen Erscheinungsformen aus dem Hören auf das heilige Evangelium, wie der Poverello in Porziuncola es uns zeigt, wenn er, nachdem er den Abschnitt von der Nachfolge gehört hat, ausruft: «Das ist's, was ich will, das ist's, was ich suche, das verlange ich aus innerstem Herzen zu tun!» (Thomas von Celano, Erste Lebensbeschreibung, IX, 22).

Das Evangelium ist für euch, liebe Brüder, «Regel und Leben» (Hl. Franziskus, Bullierte Regel, I,1), und eure Sendung ist nichts anderes, als lebendiges Evangelium zu sein, «lebendige Exegese des Wortes Gottes» sagte Benedikt XVI. (Nachsynodales Schreiben Verbum Domini, 83). Das Evangelium muss euer Vademecum (Handbuch, Leitfaden) sein. Hört es immer mit Aufmerksamkeit; betet mit ihm; und nach dem Beispiel Mariens, der „Jungfrau, zur Kirche geworden" (vgl. Hl. Franziskus, Gruß an die selige Jungfrau Maria, 1), meditiert es unablässig, sodass ihr, indem ihr es euch zu eigen macht, euer Leben dem Leben Christi gleichgestaltet.

Dieser Weg der Nachfolge findet seine Ausprägung vor allem in der Brüderlichkeit, welche Franziskus als ein Geschenk empfunden hat: «Der Herr hat mir Brüder gegeben» (Testament, 14). Die Brüderlichkeit ist ein Geschenk, das mit Dankbarkeit anzunehmen ist. Sie ist eine Wirklichkeit immer „auf dem Weg", im Aufbau, und daher verlangt sie den Beitrag aller, ohne dass sich jemand davon ausschließen darf oder ausgeschlossen werden kann; bei ihr gibt es keine „Konsumenten", sondern Erbauer (vgl. Gen.-Konst. OFM Conv., 55, 5). Eine Wirklichkeit, bei welcher Abläufe andauernden Lernens gelebt werden können, der Öffnung hin zum Anderen, des gegenseitigen Austausches; eine Wirklichkeit, die akzeptierend ist, bereit und verfügbar zur Begleitung; eine Wirklichkeit, in der es möglich ist, eine Pause einzulegen im tagtäglichen Leben, um das Schweigen zu pflegen und den kontemplativen Blick und so in ihr den Prägestempel Gottes zu erkennen; eine Wirklichkeit, in der ihr euch alle als Brüder betrachtet, sowohl die Minister wie die anderen Glieder der Brudergemeinschaft; eine Erfahrung, in der jeder dazu aufgerufen ist, seinen Bruder zu lieben und zu nähren, wie die Mutter ihren eigenen Sohn liebt und nährt (vgl. Hl. Franziskus, Nicht-bullierte Regel, IX, 11). Ich ermahne euch, eure Brüderlichkeit zu nähren mit dem Geist des heiligen Gebetes und der Hingabe, «dem alle die übrigen zeitlichen Dinge dienen müssen» (Bullierte Regel, V, 2). Auf solche Weise wird euer brüderliches Leben in Gemeinschaft zu einer Form der Prophetie in der Kirche und in der Welt; und es wird zu einer Schule der Gemeinschaft, die nach dem Beispiel des heiligen Franziskus immer auszuüben ist in der Beziehung von Liebe und Gehorsam mit den Hirten.

Ein weiteres Charakteristikum eurer Lebensform ist das Mindersein. Mir gefällt dies sehr: zu denken an euer Mindersein. Dies ist eine schwierige Entscheidung, weil sie sich der Logik der Welt entgegenstellt, welche den Erfolg sucht, koste es, was es wolle; welche die ersten Plätze einnehmen möchte, als Herren angesehen werden möchte. Franziskus verlangt von euch, Mindere zu sein nach dem Beispiel Jesu, der nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern um zu dienen (vgl. Mt 20,28), und der uns sagt: «Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein» (Mk 10,43-44). Möge dies euer einziger Ehrgeiz sein: sich zu Dienern zu machen, einander zu dienen, einer dem anderen. So gelebt, wird eure Existenz prophetisch sein in dieser Welt, wo das Streben nach Macht eine große Versuchung ist.

Verkündet den Frieden. Der franziskanische Gruß, euer Unterscheidungsmerkmal, ist „Pace e bene!", „Friede und Heil!", auf Hebräisch „Shalom we Tob", was wir ohne weiteres mit Versöhnung übersetzen können: Versöhnung mit sich selbst, mit Gott, mit den Anderen und mit den Geschöpfen, das heißt, in Harmonie leben: Friede, der dir die Harmonie bringt. Es ist eine Versöhnung in konzentrischen Kreisen. Sie nimmt ihren Ausgang vom Herzen und sie dehnt sich aus bis ins Universum – doch in Wirklichkeit geht sie aus vom Herzen Gottes, vom Herzen Christi. Die Versöhnung ist Vorspiel des Friedens, den uns Jesus hinterlassen hat (vgl. Joh 14,27). Ein Friede, der nicht Fehlen von Problemen ist, sondern der mit der Anwesenheit Gottes in uns selbst kommt und sich in all dem manifestiert, was wir sind, tun und sagen. Möget ihr Boten des Friedens sein, vor allem mit dem Leben und dann mit den Worten. Möget ihr in jedem Augenblick Werkzeuge der Vergebung und der Barmherzigkeit sein. Eure Kommunitäten seien Orte, an denen man die Barmherzigkeit erfahren kann, wie es der heilige Franziskus von euch verlangt in dem Brief an einen Minister: «Und daran will ich erkennen, ob du den Herrn und mich, seinen und deinen Knecht, liebst, wenn du Folgendes tust, nämlich: Es darf keinen Bruder auf der Welt geben, mag er auch gesündigt haben, soviel er nur sündigen konnte, der deine Augen gesehen hat und dann von dir fortgehen müsste ohne dein Erbarmen, wenn er Erbarmen sucht. Und sollte er nicht Erbarmen suchen, dann frage du ihn, ob er Erbarmen will. Und würde er danach auch noch tausendmal vor deinen Augen sündigen, liebe ihn mehr als mich, damit du ihn zum Herrn ziehst. Und mit solchen habe immer Erbarmen» (9-11). Es gibt keinen Frieden ohne Versöhnung, ohne Vergebung, ohne Barmherzigkeit. Nur wer ein versöhntes Herz hat, kann „Diener" der Barmherzigkeit sein, Erbauer des Friedens.

Für all dies braucht es notwendigerweise eine angemessene Ausbildung. Ein Ausbildungsweg, der in den Brüdern die immer vollere Gleichförmigkeit mit Christus fördern soll. Eine ganzheitliche Ausbildung, die alle Dimensionen der Person einbeziehen soll. Eine personalisierte und permanente Ausbildung, da es ein Weg ist, der das gesamte Leben hindurch andauern soll. Eine Ausbildung des Herzens, die unsere Weise des Denkens, des Fühlens und des Betragens ändern soll. Eine Ausbildung hin zur Treue, im vollen Bewusstsein, dass wir heutzutage in der Kultur des Vorläufigen leben, dass das „für immer" sehr schwierig ist und die endgültigen Entscheidungen nicht in Mode sind. In diesem Kontext braucht es solide Ausbilder; Experten im Zuhören und auf Wegen, die hinführen zu Gott; fähig, andere zu begleiten auf diesem Weg (vgl. Hl. Johannes Paul II., Apostolisches Mahnschreiben Vita consecrata, 65-66); Ausbilder, die erfahren sind in der Kunst der Unterscheidung und der Begleitung. Nur auf diese Weise werden wir, zumindest teilweise, das Ausbluten durch die Weggänge bremsen können, das dem priesterlichen und gottgeweihten Leben zu schaffen macht.

Liebe Brüder, von Herzen erteile ich euch und allen Kommunitäten eures Ordens den Apostolischen Segen. Ich bete für euch. Und es tröstet mich auch, dass der Generalminister gesagt hat, ihr werdet für mich beten. Danke!

Quelle: www.franziskaner-minoriten.de

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