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Europäisches Treffen des Säkularinstituts
Rund 90 Mitglieder des franziskanischen Säkularinstituts der Missionarinnen des Königtums Christi kamen vom 02.-05. Januar 2020 in Mainz zu einem Treffen der westlichen Länder zusammen.

Das Thema des Treffens lautete: „Die Prophetie des Charismas in der heutigen westlichen Welt.“
Dabei ging es um die Herausforderungen in einer zunehmend säkularen Gesellschaft.


Europäisches Treffen des Säkularinstituts

Das Charisma der Missionarinnen des Königtums Christi besteht darin, das Christsein in der Welt, d.h. mitten unter den Menschen nach den evangelischen Räten der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit zu leben. Dies geschieht nicht in einer gemeinsamen Wohnform, sondern solitär jeweils vor Ort, wo das Mitglied wohnt. Das gemeinschaftliche Element wird durch ein monatliches Treffen in Form eines Austausch- und Besinnungstags gepflegt.



Das Säkularinstitut wurde vor 100 Jahren durch Armida Barelli und Agostino Gemelli OFM gegründet. Die meisten Mitglieder (1200) leben daher bis heute in Italien. Es umfasst insgesamt ca. 2.500 Missionarinnen in 30 Ländern auf allen Kontinenten. Kleinere Gruppen gibt es in Frankreich, Belgien, Deutschland (seit 1980), Polen und Kroatien. Am Kongress teilgenommen haben auch Mitglieder aus den USA und aus Kanada sowie zehn Assistenten, zumeist Franziskaner.

Diese gestalteten auch die beiden zentralen Impulsvorträge. Ernesto Dezza OFM hielt eine Lectio zu Johannes 1,43-51: Natanael und Jesus, bei der es um die Aspekte der Vorurteile über andere und über Jesus, des Erkennens und Erkanntwerdens von den anderen und von Jesus sowie des Bleibens in der Geschichte des anderen und in der Geschichte Gottes ging.
Giuseppe Buffon OFM unternahm dann eine ausführliche Analyse der gegenwärtigen Situation in der westlichen Welt. Er stellte die Entwicklung der Demokratie dar sowie ihre aktuellen Bedrohungen durch autokratische Elemente. Ebenso erläuterte er die Wirtschaftsentwicklung und ihren aktuellen Primat über die Politik. Er benannte die flüchtlingsfrage als zentrale Herausforderung. Er plädierte für eine Ethik der Aufnahme. „Nur ein Gast kann einen nämlich aus dem Gefängnis des Selbstbezugs befreien und den Spiegel einer narzistischen, beziehungsunfähigen Identität zerbrechen. Nur ein Gast veranlasst einen zur Praxis der Solidarität, die auf gegenseitige Anerkennung als Ergebnis gegenseitiger Annahme basiert.“ Demokratie habe nur eine Überlebenschance, wenn sie in Geschwisterlichkeit umgewandelt werde.

In verschiedenen Sprach- und Arbeitsgruppen wurden die Impulse vertieft, mit den eigenen Erfahrungen abgeglichen und für die persönliche Umsetzung fruchtbar gemacht. In den Gruppen wurden sowohl die herausfordernden Elemente gesammelt als auch die prophetischen Elemente, die ein Antwortversuch darauf sein können.

Die Präsidentin des Instituts fasste sie zusammen unter den Stichworten :
* Weiblichkeit/Frausein – feministischer Aspekt (als Frauen in einer männlich geprägten Welt leben; die eigene Verletzlichkeit annehmen; Zärtlichkeit gegenüber der Schwachheit; sich um andere kümmern; Leben geben, wo keines ist durch Bildung, Erziehung, Zugang zu medizinischer Versorgung usw.; entschleunigter Lebensrhythmus…)
* Unsere Zeit kennen – gesellschaftspolitischer Aspekt (sich und andere informieren; Ungerechtigkeit benennen; Gesten der Gerechtigkeit tun; Kompetenz im Arbeitsbereich; Leidenschaft für die Arbeit; Sprache sprechen, die die Menschen von heute verstehen…)
* Weg der Innerlichkeit – religiös-mystischer Bereich (Pflege des inneren Glaubenslebens; von äußeren rituellen Formen zu Erfahrungen kommen; Stille und Alleisein pflegen; eigene Spiritualität nähren; Probleme der Welt ins Gebet nehmen…)
* Evangelische Räte als Botschaft des Lebens (Keuschheit = Beziehungen authentisch leben durch die Gelübde; Beziehungen so gestalten, dass sie anderen helfen, sie selber werden; Wegbegleitung, die frei lässt; zuhören und nicht gleich bewerten; reelle, nicht nur virtuelle Beziehungen; Bereitschaft, sich überraschen zu lassen; Armut: dem Anderen Platz machen; Zeit, Güter und Kompetenzen teilen; Allmachtsphantasien widerstehen; eigene Schwachheit und die der anderen akzeptieren; Erfahrungen der eigenen Ohnmacht aushalten; Gehorsam = das Heute als Zeit des Heiles verstehen; sich im Gebet in Gott gründen; die eigene Angst in einer unsicheren Zeit aushalten…)
* Leben aus dem Geist des hl. Franziskus (die Geschwisterlichkeit und die minoritas leben; Schöpfungsverbundenheit pflegen; Zeugnis geben aus der Verwurzelung in Gott…)

Gerahmt wurden die Tage durch die mehrsprachigen Liturgien der Gebetszeiten und Eucharistiefeiern.

In den Mittagspausen hatten die Teilnehmerinnen Gelegenheit, ein wenig Mainz zu erkunden und den Dom sowie St. Stephan mit den berühmten Chagall-Fenstern zu besuchen.

Da es eine Charakteristik des Säkularinstituts ist, dass die Mitglieder ihr geistliches Leben eher im Verborgenen leben und daher bewusst auf Bilder ihrer Mitglieder in der Öffentlichkeit verzichten, geschieht dies auch an dieser Stelle. 

Br. Stefan Federbusch

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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 06.01.2020 13:51