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Kloster-Genossenschaften
Immer mehr Klöster müssen von den Ordensgemeinschaften aufgegeben werden, da es an Nachwuchs fehlt. Was lässt sich mit den Gebäuden anfangen und wie kann der franziskanische Geist bewahrt bleiben. Eine mögliche Option sind Genossenschaftsmodelle.


KLOSTER-GENOSSENSCHAFTEN – EIN NAHES ZUKUNFTSMODELL

„EINS UND EINS IST NICHT ZWEI, SONDERN DREI“
von Berthold Winkler

Umbruch und Aufbruch

Bei der „Werkstatt: Zukunft Orden“ der INFAG im Jahr 2014 in Hofheim ging es um die Zukunftsfähigkeit des Ordenslebens. Gesucht wurden neue Formen von Gemeinschaft und Lebens-Räumen, um das franziskanisch-klarianische Charisma (Geist des Ursprungs) neu zu buchstabieren. Eines der gesuchten „Zukunftsmodelle“ könnte eine Genossenschaft sein, die einzelne Zweige wie Klosterläden, Landwirtschaft, Verlagsarbeit oder evtl. auch Wohn-Projekte umfasst und in der Kooperation mit eigenen Kunden lokal oder regional unternehmerisch tätig wird.

„Kloster-Genossenschaften“ kombinieren uralte Gemeinschaftsformen, die ein vergessener „Kloster-Genossenschafts-Gipfel“ aus dem Jahr 1863 (zwischen Bruder Bernardo, Sr. Maria Rosa und F.W. Raiffeisen) erinnert und in einer nächtlichen Vision deren Gemeinsamkeiten (etwa zwischen Franziskanischer Bewegung und „Raiffeisen“-Genossenschaften) voraussieht:

Gründer (Franziskus, Clara, F.W. Raiffeisen z.B.) stehen jeweils am Beginn einer gemeinschaftlichen Bewegung: eine gesellschaftliche Notsituation berührt großherzige „Gabe“-bereite Stifter. Genossenschaftliche Visionen einer Ur-Gemeinde und spezifische Werte (Freiheit, Gefährtenschaft, Schöpfungsliebe bzw. Selbst-hilfe, -verantwortung, -verwaltung) entfalten Vorbild- und Nachfolge-Kräfte und entsprechende Bildungsaufträge.

Bruder- und Schwesternschaften organisieren sich in freien Assoziationen zu unterschiedlichen Zeiten für Arme, Notleidende und Sterbende: als Toten-Bruderschaften, Bettel-Wander-Brüder-Schwestern, Beginen-Begarden einerseits und als Verwandtschafts-Dorf- und Herrschafts-Genossenschaften, Zünfte, Gilden andererseits.

Güter-Gemeinschaften kümmern sich nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich um den täglichen Bedarf ihrer Mitglieder und mit unterschiedlichen Dienstleistungen um das Gemein-Wohl ihrer Umgebung: das Spannungs-Dreieck von „Freiheit-Solidarität-Einheit/Ordnung“ sowie das genossenschaftliche Formprinzip „Einer für alle – alle für einen“ bestimmen den Umgang mit Eigentum vs. Besitzlosigkeit, Individuum und Gemeinschaft (Eremit – Coenobit), Mobilität („transnationale Netzwerke“ der Orden bzw. Genossenschaftsverbänden) und Stabilität (Lokalität und Regeln). Klöster (und Orden) sind schon lange Genossenschaften - „Genosse“ war ein Teil der „ginozcaf“, die eine gemeinsame Vieh-„noz“-haltung betrieb - und Genossenschaften sind Werte-Gemeinschaften mit christlichen Prinzipien. Im 19. Jh. treffen beide Gemeinschafts-Bewegungen auf eine Notsituation: auf nicht-befreite, frühindustrialisierte verarmte Bauern, Kleinhandwerker und obdachlose Städter.

Sozialreformer wie H. Schultze-Delitzsch mit gewerblichen Genossenschaften und Kreditvereinen und F.W. Raiffeisen mit „Wohltätigkeits- und Darlehenskassen-Vereinen“ realisieren diese als innovative und erfolgreiche, bis heute praktizierte Wirtschaftsform (neuzeitliche Genossenschaften).

Religiöse Genossenschaften, die nach der Enteignung und Auflösung von Klöstern (1803) vermehrt seit 1848 aus privater Initiative glaubensstarker Frauen und Männer unter dem Dach regulierter Orden entstehen, entfalten bis heute parallele Aktivitäten: Kinder- und Jugendheime, Schulen, Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime bilden den Grundstock der modernen Gemeinwohl-Politik. Religiöse Genossenschaften wirken seither als z.B. „Genossenschaft der Franziskanerinnen von Reute… von Waldbreitbach“; sie gründen Hunderte von Filialklöstern und Gemeinschaften auf allen Kontinenten, z.B. als „Benediktus-Missions-Genossenschaft“ von St. Ottilien. Wie die neuzeitlichen Genossenschaften basieren sie als „kirchlich genehmigte, rechtsfähige, autonome Verbände“ (CIC) auf einer frei gewollten Lebensform und selbstorganisierten, selbstverwalteten Rechts-Genossenschaft wechselseitiger Hilfeleistung zur Deckung des eigenen Mitgliederbedarfs und eines von ihnen bestimmten Kloster-Umfeldes mit wirtschaftlichen Dienstleistungen. „Protagonisten der Zukunft“ nennt Papst Franziskus die Genossenschaften: „Ihr seid der Beweis, dass Eins und Eins nicht Zwei, sondern Drei macht, weil Solidarität nicht nur dem Geber und Beschenkten hilft“. Und in der Tat: das „Genossenschafts-Gen“ wirkt schon länger.

Orden, Diözesen und Kirchengemeinden nutzen seit 1917 kirchliche „Kreditgenossenschafts-Banken“, wie z.B. die „Pax Bank“, die „LIGA“ oder „oikocredit“. Ihre Vorläufer entdecken wir in meist franziskanisch gegründeten „monti di pieta“ (zwischen 1462-1550) mit Kleinkrediten für Notleidende, aber auch in den Bruderschafts-Kalande (z.B. der Göttinger Georgs-Kaland).

• Manche Ordensgemeinschaften (z.B. Jesuiten oder Franziskaner-Missionsgesellschaften) bzw. Klöster (z.B. Benediktus-Missions-Genossenschaft von St. Ottilien) haben in anderen Ländern und Kontinenten Missions-Genossenschaften im Rahmen ihrer Missionstätigkeiten gegründet.

• Aus Bildungszentren der Klöster (Klosterschulen, Kathedralschulen, Bibliotheken, zentrale Studienanstalten für Provinzen) wurden im 12. und 13. Jh. „universitas“-Genossenschaften von Lehrern und Schülern. Kloster-Genossenschaften könnten den etwa 1.668 klösterlichen Niederlassungen von Ordensmännern (419) und Ordensfrauen (1.249) frischen Wind liefern bei den anstehenden Fragen eines klösterlichen Umbruchs, Übergangs und Aufbruchs zu Neuem – unter dem Motto: „Was einem kleinen Konvent nicht mehr möglich ist, vermögen viele Genossenschafts-Mitglieder in einer Kloster-Genossenschaft!“. Prototypen als „Zeichen der Zeit“ für eine erste Orientierung in diese Richtung sind zu entdecken bei

Kloster Wiedenbrück eG
Nach dem Auszug der Franziskaner kauft eine neu gegründete gemeinnützige Genossenschaft das Kloster in der Stadt.
Link: https://kloster-wiedenbrueck.de/

Cohaus Kloster Schlehdorf
Unter Federführung der WOGENO München eG entsteht seit 2018 ein sozial orientiertes Wohnprojekt „Wohnen-Arbeiten-Bildung-Besinnung“ im ehemaligen Kloster Schlehdorf. Die kleine Hausgemeinschaft der Missions-Dominikanerinnen wohnen auf dem Klostergelände
Link: https://klostergut-schledorf.de/
Link: https://taz.de/Anders-wohnen-und-leben/!5647788/

Genossenschaft Klostergut Schlehdorf eG
Die Genossenschaft KlosterGut Schlehdorf eG bewirtschaftet das KlosterGut mit Landwirtschaft, Gärtnerei, Imkerei, Hofladen
Link: https://klostergut-schlehdorf.de/

Kloster 3000 – Salvatorkolleg Hörbranz
Der 2017 gegründete Verein hat für den Fall des Rückzugs der Salvatorianer den Plan, Klosterareal und Geistliches Zentrum als Platz für Spiritualität, Bildung und genossenschaftliches Wohnen zu ermöglichen.
Link: https://www.kloster-se.at/

Anregungen für das Gespräch in Klöstern und Ordensgemeinschaften soll dieser Artikel vermitteln und Bausteine für eine „KlosterGenoVation“, deren Vorteile schon deutlich zu erkennen sind:
• Eine Genossenschaft ist ein innovatives, krisenfestes, zukunftstaugliches Instrument, das einzelne Kloster-Geschäftsbereiche wie Bildung, Kloster-, Hofladen, Landwirtschaft, Wohnen auf stabile wirtschaftliche Füße stellt (in Ergänzung von Verein, GmbH oder Stiftung)
• Der Kreis derer, die ein Kloster unterstützen, wird erheblich erweitert in einem verbindlichen regionalen Netzwerk: bisherige Kunden, Lieferanten, Kooperationspartner sind Anteilseigner, Mitglieder und Kunden und übernehmen Mitverantwortung für den Wandel des Klosters.

Langjährige Erfahrungen mit Klosterkultur und Ordensgeschichte, intensive Recherchen zur „Genossenschaftlichkeit“ von Klöstern, praktisches Know-How für die Gründung und Leitung einer Genossenschaft verbinden Markus Stegfellner und Berthold Winkler im Institut „KlosterGenoVation“. Gerne bieten wir Ihnen bei der Sondierung und Gründung einer „Kloster-Genossenschaft“ unsere Begleitung an.
Kontakt: Berthold Winkler - E.mail: be.winkler@gmx.de - Tel.: 0172-7282082

Nähere Informationen zum Download:

Berthold Winkler - Artikel über Klostergenossenschaften: Download (pdf)
Berthold Winkler - KlosterGenoVision: Download (pdf)
Berthold Winkler - übersicht über Genossenschaften: Download (pdf)

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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 18.12.2020 15:37