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Mit Charisma
Am 12. und 13. September 2020 trafen sich in Hofheim die Vertreter:innen von Weggemeinschaften, OFS, Vivere sowie pace e bene. Das jährliche Austauschtreffen widmete sich in diesem Jahr dem Thema „Charisma“.
Es verdeutlichte einmal mehr, wie sich die verschiedenen franziskanischen Gemeinschaften in der bunten Vielfalt der franziskanisch-clarianischen Familie in ihrer jeweiligen Ausprägung ergänzen und bereichern.


Treffen der Weggemeinschaften 2020

Wie in den vergangenen Jahren wurde das Treffen von Regina Walz und Gisela Engel von der Gemeinschaft Koinonia (Salzkotten) vorbereitet.

Die dreizehn Teilnehmenden näherten sich nach einer Einstiegs- und Erwartungsrunde dem Thema Charisma mit vier Bild-Grafiken, zu denen sie sich zuordneten, um sich in vier Kleingruppen auszutauschen. Was spricht mich an? Was hat das mit meiner Weg- oder Ordensgemeinschaft zu tun?

Bild 1 zeigte einen Schlüssel. Wie finde ich den Zugang zum eigenen Charisma? Wie finde ich den Zugang zu meiner Berufung und meinem Auftrag?
Bild 2 verdeutlichte mit einem Magneten die Anziehungskraft eines Charismas, stellte aber zugleich die Frage nach Freiheit und Zwang. Ebenso die Frage nach Charisma versus Institution (Kirche).
Bild 3 zeigte Puzzleteile. Wie passen die einzelnen Charismen zusammen? Bieten sie Anknüpfungspunkte? Gruppieren sie sich um eine Mitte und sind offen nach außen?
Bild 4 waren 9 Stichworte zur Charakteristik eines Charismatikers, alle eher säkularer Natur. Hier stellte sich die Frage, inwieweit eine Gemeinschaft als ganze Charisma hat oder jeweils nur ein Individuum.



Eine Vertiefung erfolgte mittels Postkarten mit Bildern und Sprüchen. Was ist mein ganz persönliches Charisma? Zunächst war bei schönstem Wetter Zeit im Garten für eine Einzelbesinnung, bevor es in den Austausch ging.

Eine biblische Annäherung erfolgte über einen Bibliolog, den Dieter Bruns mit den Teilnehmenden zur Stelle aus dem Korintherbrief durchführte, wo Paulus über die Gnadengaben (Charismen) schreibt. So wurde das Gemeindeleben in der Multi-Kulti-Hafenstadt von Korinth lebendig und mit unserem Leben hier und heute verbunden. Dieter Bruns erinnerte an die Erzählung, in der Franziskus den vollkommenen Minderbruder beschreibt. Er tut dies, indem er Charakterzüge und Kennzeichen von zehn verschiedenen Brüdern aufzählt. Erst die Vielfalt ergibt den vollkommenen Minderbruder, nicht ein Einzelner, und die Summe ist immer mehr als die Summe der Einzelnen.


Gruppenbild mit Coronaabstand bei schönstem Wetter im Garten des Exerzitienhauses

Anhand eines kurzen Artikels wurde vertieft, was Charismen sind bzw. nicht sind, worin sie sich von Talenten, Fähigkeiten und Kompetenzen unterscheiden, welche Charismen es konkret gibt und was eine Charismenentwicklung für eine Kirchenentwicklung heute bedeutet. „Anders als Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen können Charismen nicht durch Lernen, Training oder Reflexion erworben, wohl aber ausgebaut werden. Charismen setzen eine Begabung oder ein Talent voraus, sind aber ein Plus der Persönlichkeit, durch das sich die Berufung eines Menschen zeigt. Gefunden werden sie durch einen achtsamen Blick auf sich selbst, durch die Rückmeldungen anderer und in einer lebendigen Beziehung zu Gott“ (Clemens Mann).
Gnadengaben sind immer ein Geschenk Gottes. Sie sind „gratis“ (vgl. gratia = Gnade. Laut Paulus gibt es viele Gnadengaben, aber nur einen Geist. Es bedarf der Offenheit für das Wirken des Geistes Gottes und der Unterscheidung der Geister, damit die Gnadengaben zum Nutzen aller eingebracht und wirken können. Die verschiedenen franziskanischen Gemeinschaften sind Teile der bunten Vielfalt der franziskanisch-clarianischen Familie. Sie ergänzen und bereichern einander in Geschwisterlichkeit in ihrer jeweiligen Ausprägung, in ihrem jeweiligen Charisma. Dies wurde bei dem Treffen wieder deutlich.

Der erste Tag endete mit der Teilnahme am Labyrinthgottesdienst des Exerzitienhauses und einem Dankgebet zur Nacht.



Nach dem Morgengebet im Garten und dem stärkenden Frühstück wurden noch vier Aspekte behandelt.
Zunächst ging es auf Wunsch eines Mitglieds um ein Feedback an „Vivere“. Die Anwesenden bescheinigten der seit rund fünf Jahren bestehenden Gemeinschaft, dass sie zeitgemäß, wichtig und bereichernd für die franziskanische Familie sei. Dies gilt auch für die Struktur. Eine zu starke Strukturierung und Hierarchisierung böten zwar Orientierung, aber können sich auch als lähmend erweisen.
Ein weiterer Austausch betraf den Umgang mit der Coronazeit und den kreativen Möglichkeiten, trotz der Einschränkungen miteinander im Kontakt zu bleiben.
Des Weiteren wurde gewünscht, unter den Teilnehmenden einen Email-Verteiler einzurichten um aktuelle Veranstaltungen an alle mitzuteilen.
In Bezug auf weitere Treffen gab es Konsens, dass es im nächsten Jahr auf jeden Fall eine Fortsetzung geben soll. Damit sich alle aus der Franziskanischen Familie – Ordensleute und Nichtordensleute – angesprochen fühlen, ist über den Titel der Veranstaltung nachzudenken.
Angedacht ist ein Wechsel des Tagungsortes zwischen Hofheim und Oberzell, damit die Gemeinschaften aus Süddeutschland eine kürzere Anreise haben und wieder stärker vertreten sind als das die letzten Male der Fall war.

Nach einer Abschlussrunde endete das Seminar mit einem Abschiedsritual von Dieter Bruns. Danke an Regina und Gisela für das bunte und vielfältige Wochenende!

Text und Bilder: Br. Stefan Federbusch

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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 10.11.2020 10:25