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Versprechensfeier in Au am Inn
In Au am Inn hat sich eine neue Weggemeinschaft gegründet. Am Franziskustag (4. Oktober) legten die Leiterin Christa Einsiedler sowie sechs weitere Frauen ihr Versprechen der „Einfachheit, Verbundenheit und Hingabe“ für sechs bzw. drei Jahre ab.

Entstanden ist die Weggemeinschaft aus dem „Franziskanischen Aufbruch“, zu dem die Franziskanerinnen sechs Mal im Jahr einladen. Sie versteht sich als neue „Bewegung“ des „Dazwischen“ – zwischen den Ordensgemeinschaften, Priestern und Laien, zwischen Kirche und Welt, zwischen den Konfessionen… Ein Aufbruch, zwischen allen, die guten Willens sind und in Sorge um diese Welt, um die Zukunft der Kirche, um die Schöpfung.


Ein kleiner Frühling im Winter der Kirche…,

... war der feierliche Gottesdienst am Nachmittag des Franziskusfestes, am 04. Oktober 2020 in der Klosterkirche der Franziskanerinnen von Au am Inn, bei dem neben der Gründerin Christa Einsiedler, die sich für sechs Jahre an die Weg-Gemeinschaft der Auer Franziskanerinnen gebunden hat, sechs Mitglieder des „Franziskanischen Aufbruchs“ ihr Versprechen der „Einfachheit, Verbundenheit und Hingabe“ für drei Jahre ablegten.



Zusammen mit Dekan Franz Eisenmann, Dekan Hans Huber, Spiritual Dr. Christoph Hentschel und Br. Christian von Maria Eck sowie zahlreichen Mitgliedern des Franziskanischen Aufbruchs feierte der Geistlicher Direktor der KLVHS Petersberg die Eucharistie.



Während Christa Einsiedler ihr Versprechen an die Generaloberin Sr. Dominica Eisenberger abgab, nahmen die Versprechen der übrigen Mitglieder abwechselnd Christa Einsiedler und Sr. Dominica entgegen.

Das Versprechen lautet:
Hörend und gerufen von Gott zu einem Leben in der Nachfolge Jesu Christi, in der je eigenen Lebensform, verspreche ich Christa Einsiedler innerhalb der Weggemeinschaft des Franziskanischen Aufbruchs, eingebettet in die Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Au am Inn und verbunden mit der franziskanischen Familie weltweit für die Dauer von sechs Jahren in Einfachheit in allen Bereichen meines Lebens in Verbundenheit mit Gott, allen Menschen und der Schöpfung in Hingabe an den Ruf und Willen Gottes zu leben und in den Spuren des Heiligen Franziskus das Evangelium so zu verwirklichen, wie es mir möglich ist. Ich bin bereit, als Gründerin des Franziskanischen Aufbruchs die Verantwortung für diese Weggemeinschaft in den nächsten sechs Jahren zu übernehmen.



Unter den Gästen war auch der neue Ordensreferent Domkapitular Hans-Georg Platschek, der zusammen mit den anderen Priestern die Segnung der sieben Frauen vorgenommen hat. Er meinte im Anschluss an die Versprechensfeier: „Selten hat mich in der letzten Zeit eine Feier mehr berührt als das heutige Fest in der Klosterkirche in Au am Inn.“

Die Feier war ein Höhepunkt in einer Geschichte, die vor sechs Jahren im Bildungshaus der Franziskanerinnen in Kloster Armstorf in Dorfen begann. Dort wurde die Mitgründerin Christa Einsiedler an einem Besinnungswochenende, angerührt von der Frage: was bleibt, wenn all das einmal nicht mehr ist, weil es zu wenige Schwestern (und Brüder) gibt, die solche Orte und ihre Spiritualität weitertragen und beleben? Welche Orte der Spiritualität bleiben uns dann noch? Was bleibt, wenn geistliche Gemeinschaften leise aus unserer Mitte verschwinden? Welche Präsenz werden die Botschaften ihrer Ordensgründer, wie die eines Franziskus von Assisi, in unserer Gesellschaft und in unseren Gemeinden haben? Was nährt und inspiriert uns dann noch? Welche spirituellen Zufluchtsorte für Rückzug und Exerzitien, für Besinnungswochenenden oder Zeiten der inneren Einkehr bleiben uns?

Und es ist die Frage entstanden: Welche neuen Formen, welche neue „Bewegung“ will der Geist Gottes in unserer Zeit, in unserer Mitte und in der Mitte der Kirche wachsen lassen? Könnte eine Bewegung des „Dazwischen“ entstehen? Ein neuer „Aufbruch“ zwischen den Ordensgemeinschaften, Priestern und Laien, zwischen Kirche und Welt, zwischen den Konfessionen - jenseits aller „Stände? Ein Aufbruch, zwischen allen, die guten Willens sind und in Sorge um diese Welt, um die Zukunft der Kirche, um die Schöpfung? Ein Aufbruch, der versucht, neue Wege des Miteinander- und Füreinander, des gemeinsamen Suchen nach den Spuren Gottes in unserem Leben und in der Welt zu finden? Ein Aufbruch, der die Suchenden sammelt, die sich die gleichen Fragen stellen, getrieben von dem Wunsch nach einer lebendigen Kirche?



Mit diesen Fragen haben Christa Einsiedler, Pfr. Josef Mayer und Sr. Dominica dann begonnen, Menschen einzuladen ins Kloster Au am Inn - und viele sind gekommen und kommen weiterhin zu den regelmäßigen, für alle offenen Treffen, die ca. sechs Mal im Jahr stattfinden. Es ist ein „Zusammen-Wachsen“ zwischen den Schwestern vor Ort und den Leuten vom Franziskanischen Aufbruchs geworden, gemeinsam werden spirituelle Themen vertieft, in Übungen aus der Prozessarbeit die eigene innere Mitte erforscht und Erfahrungen ausgetauscht, mitgebrachtes Essen geteilt und Eucharistie gefeiert. Es ist der Traum einer bunten und vielfältigen Gemeinschaft, die den ersten Spuren des Franziskus und der Clara von Assisi folgt, die in Verbundenheit mit den Franziskanerinnen und dem franziskanischen Geist verpflichtet, in der Nachfolge Jesu mitten in der Welt, im Zeitgeschehen und der Gesellschaft lebt.



Das Versprechen, das die sieben Frauen abgelegt haben, soll in aller Schlichtheit ein Zeichen dafür sein, dass Menschen jeden Standes dazu berufen sind, aufzubrechen und sich auf den Weg in den Fußspuren von Franziskus und Clara von Assisi zu machen, die einem größeren Herrn folgen. Denn „franziskanisch aufzubrechen“ ist die Fähigkeit, Menschen und die Schöpfung anders zu sehen, ohne Gier, mit Zuneigung und Zärtlichkeit, so wie es Papst Franziskus in seiner neuen Enzyklika „Fratelli tutti“ schreibt. Franziskanisch zu sein, ist eine Haltung des Herzens.

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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 03.11.2020 11:16