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600 Jahre Kommissare des Heiligen Landes
Am 14. Februar 1421 veröffentlichte Papst Martin V. seine Bulle „His quae pro ecclesiasticarum“, die zur Geburtsurkunde der Kommissariate des Heiligen Landes wurde. Sechshundert Jahre später, am 14. Februar 2021, feiern die Kustodie des Heiligen Landes und die 67 Kommissariate des Heiligen Landes dieses Jubiläum am 15. Februar mit einer Heiligen Messe für die Wohltäter des Heiligen Landes.


Von Laienprokuratoren bis zu Franziskanerkommissaren

Der Begriff „Kommissar“ stammt aus der juristischen Terminologie der Republik Venedig, mit der die Kustodie dank der Handelswege zwischen dieser Republik und dem alten Hafen von Jaffa in Beziehung stand. Der Kommissar war und ist der „Generalkurator“ der Interessen einer Institution oder einer Person ist.
„Die Kommissariate wurden nicht zufällig vor sechshundert Jahren gegründet“, sagt Bruder Marcelo Ariel Cichinelli, der Delegierte der Kustodie für die Kommissariate des Heiligen Landes. „Ihre Gründung erfolgte in einer schwierigen Zeit für die Kustodie, als eine starke Unterstützung für die Mission im Heiligen Land benötigt wurde.“

Die Bulle „His quae pro ecclesiasticarum“ von Papst Martin V. ist die Geburtsurkunde der Kommissariate des Heiligen Landes.
Bild von CMC Jerusalem.

Die Franziskaner waren sich bewusst, dass sie nicht gleichzeitig auf der ganzen Welt sein und die Umwälzungen durch die protestantische Reform, bei der zwei der zentralen Themen Almosen und Armut waren, durchstehen konnten. Sie gaben zunächst Laien die Verantwortung für die wirtschaftliche Unterstützung für das Heilige Land. So entstand das Amt des Prokurators, des Vorgängers des Kommissars. Der erste ernannte Laie wird in Dokumenten aus dem Jahr 1392 erwähnt. Dabei handelt es sich um den Kaufmann Ruggero Contarini, der zuerst von seinem Bruder und dann von seinem Neffen unterstützt wurde. In der Zeit von Bruder Gerard Chauvet, der dann Kustos des Heiligen Landes wurde (1387/1388-1398), wurde Contarini zum „Prokurator für das Gebiet der Republik Venedig“ ernannt und korrespondierte intensiv mit Chauvet und dessen Nachfolger, Br. Jean de Rochefort.

Es war an der Zeit, dass der Franziskanerorden die Rolle dieser Laien offiziell anerkannte. Aus diesem Grund hat Papst Martin V. in der Bulle „Salutare Studium“ unter Bezugnahme auf die Prokuratoren des Heiligen Landes angegeben, dass die Verfassungen, die apostolischen Verordnungen, die Satzung, die Bräuche des Ordens, einschließlich aller Eide oder apostolischen Bestätigung, die Ausführung dieser Arbeit nicht behindern sollten, und genau dies geschah. Unterstützt von den beiden päpstlichen Bullen wurden Laien im Laufe der Jahrhunderte nach und nach durch Franziskaner ersetzt. Heute werden alle Kommissare des Heiligen Landes von ihrem Oberen nach Rücksprache mit dem Kustos des Heiligen Landes ernannt.


Prozession beim III internationalen Kongress der Kommissare im Jahr 2012. Archivbild von CMC Jerusalem

Die Verbreitung der Kommissariate in der Welt

Es ist sehr schwierig, eine genaue Chronologie der Gründung der Kommissariate zu ermitteln, insbesondere der europäischen, die als die ältesten gelten. Wir wissen zum Beispiel, dass die Kommissariate von Neapel, Paris und Wien in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gegründet wurden. Noch überraschender, aber was den internationalen Charakter und die Vitalität des Franziskanerordens unterstreicht, war die Arbeit in den Königreichen Spanien und Portugal. Die Gründung von Kommissariaten in Mexiko-Stadt, Lima, Cartagena, Quito und Buenos Aires am Ende des 16. Jahrhunderts, kurz nach denen von Madrid und Santiago de Compostela, verdanken wir der spanischen Krone. Die portugiesische Krone unterstützte nach der Gründung des Kommissariats von Lissabon auch die Gründung der Generalkommissariate von Ouro Preto, Salvador de Bahia und Rio de Janeiro.

Die Kommissare übernahmen dann die Funktion von „Botschaftern“ der Heiligen Stätten und organisierten auch Pilgerfahrten. Sie dienten damit zugleich den Interessen des gesamten Ordens. Zum Beispiel war es der Schaffung eines Kommissariats in Paris zu verdanken, dass die Franziskaner nach der Vertreibung aller Ordensleute im Jahr 1880 dorthin zurückkehren konnten. Die Gründung eines Kommissariats in den Vereinigten Staaten mit Sitz in Washington DC (1882) und in Kanada im Jahr 1882 in Trois Rivières (1888) erfolgte durch den Seligen Bruder Frédéric Janssoone.

Die Mission der Kommissariate war von Anfang an von wesentlicher Bedeutung: Sie stellten eine Brücke zwischen der Mission des Heiligen Landes und den örtlichen Kirchen dar. Sie sind nicht nur vom Franziskanerorden, sondern auch von der Kirche selbst errichtet und gefördert worden. Dies unterstreicht die Bedeutung der Unterstützung des Heiligen Landes durch die am 26. Dezember 1887 von Papst Leo XIII. errichtete und wiederholte „Karfreitagskollekte“, die in Deutschland an Palmsonntag erfolgt.

Wir feiern das 600-jährige Bestehen der Kommissariate

„Trotz der schwierigen Zeit, in der wir uns befinden, möchte die Kustodie 600 Jahre später diese Institution feiern und Gott und der Kirche für die Schaffung und Unterstützung der Kommissariate danken“, betont Bruder Marcelo. Deshalb bittet der Kustos für das Heilige Land, Bruder Francesco Patton, darum, für die Kommissare, aber noch mehr für die Wohltäter des Heiligen Landes zu beten und ihnen zu danken. „Mit dieser Feier können wir auch den Dienst der Kommissare bekannter machen und in Erinnerung rufen“, fährt Bruder Marcelo Ariel Cichinelli fort. „Wir möchten der Welt mitteilen, dass wir nicht in der Vergangenheit verharren, sondern dass sich die Zahl der Kommissariate im Laufe der Zeit vergrößert hat und sich die Kommissare regelmäßig auf Konferenzen – die letzte fand 2018 statt – treffen, um ihren Dienst immer weiter zu verbessern und effizienter zu gestalten.“

Giovanni Malaspina (www.custodia.org),
deutsche Übersetzung von Bruder Johannes Roth

Quelle: https://franziskaner.net

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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 15.02.2021 16:22