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800 Jahre Minoriten in Würzburg
Schon vor mehreren Jahren hatten unsere Brüder beschlossen, am Pfingstmontag 2021 das Jubiläum unserer 800-jährigen Präsenz zu feiern. Es sollte an das Jahr 1221 erinnert werden, als die ersten Brüder des heiligen Franziskus sich in Würzburg niederließen – aber auch an unsere seit 800 Jahren ununterbrochene Präsenz in der Stadt Würzburg. Wir Franziskaner-Minoriten haben dort das älteste ununterbrochen besiedelte franziskanische Kloster jenseits der Alpen.

Corona hat schließlich verhindert, dass wir das Fest wie geplant feiern konnten – aber die franziskanische Flexibilität hat dafür gesorgt, dass wir doch eine Form fanden, unser großes Jubiläum zu feiern.


Ein Teil des Festes wurde ins Freie verlegt – und zwar auf den „Wöllrieder Hof“ am Stadtrand von Würzburg. Die ersten Minderbrüder waren dort mitverantwortlich für die Versorgung der Aussätzigen.


Der Wöllrieder Hof

Der Oberbürgermeister der Stadt Würzburg, Christian Schuchardt, ließ es sich nicht nehmen, den Brüdern kurz zu begegnen. Er überbrachte die Glückwünsche der Stadt und verwies auf die Bedeutung des Klosters für das städtische Leben. Er griff ein Wort auf, das er schon öfters verwendet hat, um die seelsorgliche Arbeit der Brüder zu würdigen und bezeichnete das Kloster wieder als „Beichtstuhl Würzburgs“.



Vom Wöllrieder Hof machten sich dann die Brüder, begleitet von Bischof Dr. Franz Jung und vier Franziskanerinnen aus Oberzell, in Richtung Stadt auf. Unterwegs gab es noch ein kleines Spiel zu „Meilensteine“ der Geschichte unserer Gemeinschaft in Würzburg.



Viele Anwohner waren angesichts der „Prozession“ erstaunt. Etliche grüßten freundlich „Grüß Gott!“, eine Dame spendierte spontan ein Eis und eine Bewohnerin eines Pflegeheims, seit Jahrzehnten mit den Brüdern eng verbunden, schaute vom Balkon aus zu als die Brüder am Heim vorbeiliefen.

Im Kloster angekommen verlas Provinzialminister Br. Andreas Murk noch das Grußwort unseres Generalministers Br. Carlos A. Trovarelli, der eigentlich geplant hatte, zum Jubiläum zu kommen – ein Besuch der angesichts der Pandemie im Herbst oder nächsten Jahr nachgeholt werden soll. Br. Carlos schrieb unter anderem: „Die Brüder in Deutschland haben sich in den letzten 800 Jahren mehrfach auf den Weg gemacht. Die Provinz hat Höhen und Tiefen erlebt. Sie hat es aber immer wieder geschafft, neu anzufangen. Ein Neubeginn ist jedoch nicht an persönliche Daten wie das Alter der Brüder oder die Größe einer Provinz gebunden, sondern an das Vertrauen in die Treue Gottes und an unsere tiefen Überzeugungen. Ein gutes Beispiel ist die jüngste Eröffnung des Klosters auf Lage in Rieste in der Diözese Osnabrück. Das zeigt, dass ihr Glaubende seid: Menschen, die fähig sind, gemeinsam mit anderen etwas Neues zu beginnen. … Die Welt hat sich verändert und ist dauernd in Bewegung. Auch an alten Standorten wie Würzburg und in ganz Deutschland können neue Dinge entstehen. Wir dürfen uns nicht nur auf uns selbst konzentrieren, sondern müssen eine gläubige, treuherzige und in die Zukunft blickende Haltung einnehmen.“


Die Jubiläumstorte

Nach dem Spaziergang durch die Stadt konnte Guardian Br. Adam Kalinowski die Brüder im Refektorium des Klosters willkommen heißen, wo es unter anderem eine Jubiläumstorte gab.

Um 17:30 Uhr wurde dann schließlich ein Festgottesdienst in der Franziskanerkirche gefeiert, dem Bischof Franz vorstand. Br. Adam begrüßte neben den Mitfeiernden besonders ihn in der Mitte der Brüder und betonte: „Die Würzburger Bischöfe halten die Franziskaner-Minoriten seit acht Jahrhunderten im Schatten ihres Domes und ihrer Residenz nicht nur aus, sondern haben uns immer ihren Schutz und Segen gewährt und darüber hinaus viel Freiheit gelassen. Dafür sind wir Ihnen und ihren Vorgängern tief und echt dankbar.“


Einzug zum Festgottesdienst

Zu Beginn seiner sehr fundierten und franziskanisch geprägten Predigt gratulierte der Würzburger Bischof der Gemeinschaft auf die erfüllte Geschichte der Gemeinschaft in Würzburg und zog entlang der Chronik des Jordan von Giano mit dem Bericht der Ankunft der ersten Brüder in Deutschland einige Schlussfolgerungen für das franziskanische Leben heute. So wünschte er den Brüdern unter anderem: „Die Sprache der Menschen zu sprechen und sie damit anzusprechen und sich verständlich zu machen. Und zweitens, das beherzte Nein all dem entgegenzusetzen, was die evangeliumsgemäße Lebensform verunklart und verwässert.“


Festgottesdienst mit Bischof Franz Jung

Er ermutigte die Brüder außerdem, nicht zu resignieren und sich von falschen Ängsten leiten zu lassen, sondern mit Gottvertrauen Dinge zu wagen: „Die richtige Mannschaft, der rechte Zeitpunkt und das Feuer des heiligen Franziskus helfen weiter.“ Und er schloss schließlich mit den Worten: „Auf noch viele segensreiche und gesegnete Jahre hier in Würzburg!“


Die Schola: Br. Josef Fischer, Br. Leopold Mader und Br. Maximilian M. Bauer

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von unserem Organisten Peter Ries, der seit Jahrzehnten mit unserer Gemeinschaft verbunden ist, und einer Schola mit drei Würzburger Brüdern: Br. Maximilian M. Bauer, Br. Josef Fischer und Br. Leopold Mader.



Nach dem Gottesdienst schloss der Festtag mit einem entspannten Grillabend. Provinzvikar Br. Mateusz Kotyło stand hinter dem Grill und Br. Tobias Matheis servierte selbstgebrautes Jubiläumsbier.



Das Fazit der Brüder: Es lässt sich auch inmitten der Pandemie eine Form finden, wie man würdig feiern kann.

Und das große Fest soll dann am Pfingstmontag 2022 nachgeholt werden…

Br. Andreas Murk

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Datenschutzerklärung   Letzte Aktualisierung: 31.05.2021 11:25